Tag-Archiv für 'Militär'

Erschossene Campesinos als Guerilleros ausgegeben

Es ist ein offenes Geheimnis: Um Erfolge im Kampf gegen illegale militarisierte Gruppen vorzuweisen, werden auch unschuldige Campesinos erschossen und als Guerilleros (schließt rechte und linke Gruppen ein) ausgegeben.

Wie die Zeitung El Tiempo heute auf ihrer Titelseite berichtet, stieg seit 2002 die Zahl der Campesinos, die durch das Militär ermordet wurden um sie dann als gefallene Guerilleros in der Erfolgsstatistik zu führen. Dies sei eine Folge des Drucks der militärischen Führung auf ihre Einheiten, Erfolge im Kampf insbesondere gegen die FARC vorzuweisen.

El Tiempo Artikel

Die Zahlen sind erschreckend, nach Berichten von 187 Menschenrechtsorganisationen seien zwischen 2002 und 2007 insgesamt 955 Zivilisten getötet und später als gefallene Guerilleros präsentiert worden. Dies seien 60 Prozent mehr als in den 5 Jahren davor.
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Aachener Friedenspreis geht nach Kolumbien

San Jose de ApartadoHeute, am Antikriegstag, wurde der Aachener Friedenspreis an das kolumbianische Friedensdorf San Jose de Apartado verliehen.

Vor über zehn Jahren erklärte sich die 1500-köpfige Gemeinde nahe der Grenze zu Panama zum Friedensdorf. Aus einer Not - Lebensmittelblockade des Militärs - schlossen sich die Bauern zu einem Kollektiv zusammen. Trotz hoher Gewalt und Drohungen gegen das Dorf lassen sich die Menschen von San Jose nicht vertreiben. Sie erklärten ihr Dorf als neutrales Gebiet und verpflichteten sich der Gewaltfreiheit.

Den Preis erhällt San Jose de Apartado stellvertretend für 50 weitere Freidensgemeinden in Kolumbien.

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Unterschriften Aktion für eine humanitäre (nicht militärische) Befreiung der Geiseln

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Am 17.06. diesen Jahres verließ Gustavo Moncayo sein Haus in Nariño, um sich auf einen langen Weg zu begeben. Zunächst schenkte ihm und seiner Tochter niemand Beachtung, aber nach nur wenigen Tagen beginnt die Aufmerksamkeit zu steigen – heute ist das Interesse an der Familie Moncayo und im speziellen an Gustavo so groß, wie an einem Popstar und seine Geschichte dringt nun auch bis nach Europa vor.

Gustavo Moncayo ist nicht nur zur Symbolfigur für eine humanitäre Lösung geworden – mit seinem Weg, den er vor fast 2 Monaten begann, hat er viel Verantwortung übernommen und ist zum Hoffnungsträger vieler Kolumbianer geworden. Ich bin der festen Überzeugung, dass dem „caminante por la paz“ viel zu verdanken ist: Die Geschehnisse der letzten Wochen und alles das, was sich jetzt tut. Das Land bewegt sich und läuft mit dem Friedensläufer …

… und so möchten auch wir einen Weg mit Gustavo gehen und ihn mittels einer „Unterschriften“-Aktion unterstützen. Wir bezwecken damit eine größere internationale Aufmerksamkeit auf seine Geschichte zu erhalten und die Erhöhung des Drucks auf Regierung und FARC ,eine friedliche, verhandelte Lösung zu erreichen. Die humanitäre Lösung steht im Gegensatz zu einer militärischen Befreiungsaktion, mit enormen Risiken für das Leben der Geiseln, da die FARC sie im Falle eine Angriffs erschießt, wie schon oft passiert.

Wenn Ihr zu diesem Artikel einen Kommentar unter der Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse schreibt, wird dieser als eine Unterschrift zur Unterstützung Moncayos, und damit zur Unterstützung einer humanitären Lösung, gezählt. Toll wäre es, wenn Ihr in Spanisch oder Englisch schreiben könntet – ist aber kein Muss.

Die Liste wird Gustavo Moncayo persönlich von uns bekommen und er wird sie mit seinen bisher über 2 Mio. gesammelten Unterschriften dem Präsidenten überreichen. Der FARC kann er sie leider noch nicht zustellen, aber die Medien werden ihnen die erreichte Zahl schon zukommen lassen.

Weitere Infos:
- Wer ist Gustavo Moncayo?
- Unterstützer für Moncayos Europa-Reise gesucht

Was schreibt die deutschsprachige Presse?
derstandard.at/?url=/?id=2989249
www.taz.de/index.php?id=digi-artikel&ressort=sw&dig=2007/08/03/a0037
www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/kolumbien_geiseldrama_uribe_1.536119.html

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Gustavo Moncayo - Befreit Laufen?

Solidarität mit Gustavo MoncayoAls ich das erste Mal in der Zeitung von Gustavo Moncayo lese, muss ich an den Film Forest Gump denken. Eine bewegende Geschichte über einen Mann der läuft und läuft und läuft.

Vor zwei Wochen verließ Gustavo seinen Heimatort Sandoná in Nariño (departamento im Südwesten Kolumbiens) mit dem 800 Kilometer weit entfernten Ziel Bogotá.

Sein Beweggrund für diese abenteuerliche Reise zu Fuß ist sein Sohn, der seit 10 Jahren von der Farc gefangen gehalten wird. Im Dezember 1997 wird eine Kommunikationsstation des Militärs in Nariño von der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia attakiert. 10 Soladaten sterben, 4 werden verletzt und 18 junge Männer entführt. Darunter auch Pablo Gustavo Moncayo. 2001 werden 16 Geiseln dieser Gruppe auf Grund eines Abkommens zwischen dem Staat und der Farc im Austausch für 14 inhaftierte kranke Guerilleros freigelassen. Pablo ist nicht dabei. Er ist somit einer der am längsten gefangen gehaltenen Geiseln der Farc.

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Lichtermeer und Hoffnungsschimmer

Plaza BolivarWährend auf dem Plaza Bolivar (Hauptplatz Bogotas) gestern abend 25.000 Kerzen leuchteten - als Ausdruck der Solitarität mit den Geiseln der Farc und als Aufruf an Regierung und Farc eine baldige Freilassung zu vereinbaren - strahlte der arabische Sender Al-Dschasira ein Video der Farc aus, in dem 7 Polizisten und Soldaten zu sehen waren. Alle wurden in den Jahren zwischen 1997 und 1999 von der Farc entführt.

Das Video wurde vor ca. 7 Monaten aufgenommen. Einige der Gefangenen berichten auch Politiker wie z.B. Ingrid Betancourt oder ihre politische Begleiterin Clara Rojas gesehen zu haben. Ebenso erwähnten sie Claras in der Gefangenschaft geborenes Kind.

In die Freude der Kolumbianer endlich ein Lebenszeichen der seit langem Vermissten zu erhalten mischte sich die Angst, dass diese auch Opfer der Sprachlosigkeit zwischen Farc und Regierung werden könnten, wie es die 11 ehemaligen Abgeordneten wurden, deren Tod die Farc vor 1 Woche bekannt gab.

Die überraschende Ausstrahlung der Lebensbeweise über einen internationalen Sender (nach CNN der am meisten gesehene Sender weltweit) könnte als Taktik der Farc gesehen werden, den nationalen sowie internationalen Druck auf Alvaro Uribe zu erhöhen, auf die Forderungen der Farc einzugehen und eine verhandelte Freigabe (entgegen der militärischen Lösung) anzustreben.

2 von den Entführten, darunter Pablo Gustavo Moncayo, dessen Vater seit Mitte Juni 800 Kilometer durch Kolumbien läuft, um auf seinen Sohn aufmerksam zu machen, sind bereits 10 Jahre in Gefangenschaft.

Die Bilder sienes Sohnes werden Gustavo Moncayo auf seinen langen Weg sicherlich beflügeln. Er kommentierte das Video seines Sohnes mit gebrochener Stimme: “Er wirkte sehr abgemagert und es brach mir das Herz ihn dort zu sehen, aber es macht mich überglücklich ihn am Leben zu wissen!”

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FARC-Version über Tod der Geisel öffnet viele Fragen

Vor drei Tagen gab die Guerilla FARC bekannt, dass 11 in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln im Kreuzfeuer eines Gefechts zu Tode kamen. Weder benannten sie die Einheit, gegen die sie gekämpft haben sollten, noch den Ort. Dennoch war die FARC sehr bestimmt in der Feststellung, dass die Verantwortung für den Tod der Geiseln Uribes Politik der Befreiung derselbigen mit militärischen Mitteln habe. Diese Nachricht traff Kolumbien völlig unvorbereitet, offizielle Stellen hatten am ersten Tag keine weiteren Informationen als das, was die FARC mitteilte. Ganz zu anfang hoffte man, diese Meldung sei ein schlechter Scherz eines Unbekannten, der im Namen der FARC die Nachricht in die Ether-Welt gesetzt hätte. So unvorbereitet traff die Mitteilung die offiziellen Stellen.

Heute, drei Tage danach, wissen sie auch nicht viel mehr. Die Mitteilungen der Regierung beschränkten sich seit der offiziellen Bestätigung durch die Guerilla darauf, dass keine Gefechte am 18. Juni, der Tag auf den die Guerilla die Tode datiert, in den militärischen Berichten festgehalten sind und auch unbekannt sei, wo die Leichen der Geiseln versteckt sind. Die Regierung spricht vom gezielten Mord, allerdings kann sie diese Behauptung nicht beweisen. So rufen seit dem 28. Präsident und Regierung die internationale Gemeinschaft auf, die FARC für die Morde an den Geiseln zu ächten. Uribe bat die Organisation Amerikanischer Staaten um eine Kommision, die die Leichen, sobald sie übergeben worden seien, kriminalistisch untersuchen und die Wahrheit über deren Tod ermitteln sollte.

Denn was wirklich passiert ist und warum, wird mit weiter schreitender Zeit immer rätselhafter und bietet viel Raum für Interpretationen oder Unterstellungen. Continue reading ‘FARC-Version über Tod der Geisel öffnet viele Fragen’

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Paramilitärs satt

Es gibt so viele schöne Themen in Kolumbien, fern von Mord und Todschlag. Aber was zur Zeit das Land beschäftigt, sind die Paramilitärs und ihre Komplizenschaft mit Politik und Militärs. Ich denke, dass es sehr schwer ist für jemanden in Deutschland die Hintergründe und den Charakter der Paras , wie sie hier genannt werden, zu begreifen. Sind es Mörderbanden, eine illegale Armee, Selbstverteidigungsgruppen? Lasst mich kurz ausholen: Alles begann zu einer Zeit, als der Präsident Uribe Gouverneur in Antioquia war. Angesichts der Tatsache , dass die Regierung, die Militärs, die Polizei in weiten Regionen die Kontrolle verloren hatten und keine Präsenz zeigten, haben sich Selbstverteidigungsgruppen gebildet, sie wurden sogar legalisiert. Das waren die sogeannten Convivirs (was so viel wie Zusammenleben bedeutet). Ein logischer Vorgang. Wenn deine Farm nicht mehr vor Kriminellen und Dieben oder der Guerilla sicher ist, wenn du mit Entführung bedroht wirst, wenn du gezwungen wirst, Schutzgelder zu zahlen, dann musst du dich selber verteidigen. Ich hatte damals kolumbianische Farmer kennengelernt, die einfach keine andere Wahl hatten. Entweder aufgeben oder sich selbst verteidigen. So weit, so gut.

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Leonardo Nur: Entkommen aus der Gefangenschaft

Karte Valle-ChocoDer Kommandeur Leonardo Nur ist war knapp vier Jahren in Gefangenschaft der Guerillagruppe ERG (Ejército Revolucionario Guevarista) einer Gruppe, die der ELN zugerechnet wird. Am Mittwoch kam Leonardo Nur nach einer Militäroperation frei. In zwei Radio-Interview äußerte er sich zu verschiedensten Aspekten seiner Entführung. An den Tag seiner Entführung, dem 23.05.2003, kann er sich nicht erinnern, er war mit dem Auto unterwegs von Cali Richtung Bogota und ihm wurde seiner Ansicht nach eine Substanz verabreicht, die ihn bewusstlos machte. Am nächsten Tag wachte er in einem kleinem Zimmer auf, in tropischer Hitze. Er war von Valle (der Region um Cali) in den tropischen Bundesstaat Choco gebracht worden. Seither gab es kein Lebenszeichen von ihm, die Guerillagruppe meldete ihn nicht als entführt und stellte auch keine Forderungen. Warum ist unklar, es wird vermutet, dass die ERG entweder sich Informationen vom Kommandeur erhoffte oder vorhatte ihn an eine andere Gruppe “zu verkaufen”. Die ELN ließ am Donnerstag verlauten, dass sie nichts von der Entführung von Leonardo Nur wusste und das die ERG nicht zur ELN gehören würde. In Anbetracht der Umstände (kein Lebenszeichen und keine Forderungen) hatte die Familie von Leonardo Nur das Leben ihres Sohnes bereits als abgeschlossen betrachtet.

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Kommentar: Warum auf einem Auge blind?

Unter dem Titel: Pakt zwischen Paramilitärs und Militärs in Kolumbien greift die SZ ein sehr aktuelles Thema auf jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/358123/-1 .

Der so genannte Para-Skandal weitet sich erwartungsgemäß aus. Jeden Tag werden weitere Politiker genannt, die mit den Paras paktiert haben sollen. Neu ist seit letzter Woche, dass auch der erste General genannt wurde. Dieser wurde beurlaubt, für die Zeit, während der die Untersuchungen gegen ihn laufen. Der Skandal zieht seine Kreise und wir Kolumbianer wissen, dass es noch viele treffen wird, denn ihre Namen sind schon seit langer Zeit offenen Geheimnisse. Aber nun verfügt man über das Material, um diese Leute juristisch anklagen zu können. Wir Kolumbianer heißen diese Anklagen gut.

Leider kommt das in dem SZ Artikel eher anders durch. “Die Politiker” wollten nicht zu viel Information preisgeben und “die Menschen” nehmen das so hin. Kolumbien, dass Land der Korrupten! Entweder sind die Leute direkt im Drogengeschäft oder sie sind eben korrupt.

Es ist richtig, dass viele Politiker, Militärs und Wirtschaftsleute mit den Paras zusammen gearbeitet haben. Zu viele! Aber es ist auch wahr, dass es viel mehr Politiker, Militärs und Wirtschaftsleute sind, die gegen die Paras sind und jetzt um Aufklärung suchen. Sonst wäre diese Aufklärungsarbeit nicht möglich. Warum kommt das nicht, in einem ansonsten guten Artikel? Weil es nicht zum Bild der so schön korrupten Kolumbianer passt? Lässt sich die Nachricht besser verkaufen, wenn man - igitt- auf dieses Drogenland zeigen kann, das sowieso nicht anders kann?

Es ist schwer für uns Kolumbianer als Gesellschaft die Auseinandersetzung mit den Paras und Guerillas und allen, die irgendwie davon gewusst und profitiert haben, zu führen. Wir, die uns dagegen wehren sind die Mehrheit. Es ist ein Unding, dass man uns in der deutschen und europäischen Presse nicht wahrnimmt. Solange das Ausland nur den kolumbianischen Drogenbaron und seinen Cousin, den korrupten kolumbianischen Bürger, Politiker, Militär sieht, so lange bleiben Solidarität-Kundgebungen nur Lippenbekenntnisse.

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