Archiv für Mai 2008

Kolumbien Nachrichtensplitter

Der letzte Nachrichtensplitter ist schon einige Zeit her, von daher hat sich einiges angesammelt:

Farc will Betancourt freilassen? Laut Regierung ist durch den Tod von Marulanda die Möglichkeit geschaffen, dass Betancourt freigelassen wird, die tagesschau.de nimmt das Thema auf.

Piedad Cordoba wehrt sich per Youtube Die umstrittene Piedad Cordoba ist letzte Woche wieder in die Schlagzeilen geraten. Nach der “Parapolitica” ermittelt nun die kolumbianische Staatsanwaltschaft auch über die Verbindungen von FARC zu Politikern. Promintestes Opfer: Piedad Cordoba. Sie wehrt sich per Videobotschaft auf youtube. Interessanterweise nennt sie das ganze eine “Cortina de humo”, das Vokubaler kenne ich bislang nur von einer anderen Gruppierung. (spanisch) Continue reading ‘Kolumbien Nachrichtensplitter’

Tirofijo – Manuel Marulanda ist tot

Soeben (um 17:30 Ortszeit) hat die kolumbianische Regierung den Tod von Manuel Marulanda, besser bekannt als Tirfijo, bekannt gegeben. Manuel Marulanda ist der Gründer der FARC und nach wie vor der Führer der Guerilla Organisation. Nachdem letzte Woche erst die Kommandateurin der 47. Front – Karina – aufgeben hatte und die Nummer zwei der FARC, Raúl Reyes am 01. März gefallen war ist der Tod Tirofijos ein weiterer Schlag für die Guerilla Organisation. Laut der Regierung ist Tirofijo am 26. März 2008 gestorben, zur Todesursache wurden keine Angaben gemacht, zuvor gab es Gerüchte, dass Tirofijo unter Krebs leidet. Eine Reaktion oder Bestätigung von Seiten der Guerilla gab es noch nicht.

Weiteres unter semana.com:

tirofijo

Update: Die Farc hat mittlerweile den Tod ihres Gründers bestätigt:

San Cipriano – verschlafenes Juwel im Dschungel

Wenn man sich von Cali aus Richtung Pazifikküste aufmacht, haben die meisten Reisenden den bekannten Hafen Buenaventura oder eines seiner benachbarten Küstenstädtchen im Sinn. Etwa 30 Minuten vor Buenaventura jedoch liegt ein weit weniger beachteter, dafür aber äußerst reizvoller kleiner Ort: San Cipriano. Um ihn zu finden, muss man einfach auf der Überlandstraße bei Córdoba aussteigen und den Hang hinunterlaufen; dort trifft man auf einen Strang alter Eisenbahnschienen. Denn San Cipriano erreicht man nicht wie die meisten Städte – auf dem Festland – durch eine Straße, nein; stattdessen führt lediglich ein alter Schienenstrang von Córdoba zu dem im grünen Walddickicht versteckten Städtchen. Aber auch ein Zug fährt nicht mehr wirklich häufig, so dass die Einwohner San Ciprianos das Transportwesen selbst in die Hand genommen haben.

Holzschienenwagen nach San CiprianoDa gibt es nun kleine Gefährte, eigentlich nur Plattformen aus Holz zusammengebastelt mit einer Bank darauf, drei Schienenrädern unten dran sowie einer freien Stelle, die dem Hinterrad eines Motorrads vorbehalten ist. Dieses wird nämlich auf das Holzgefährt gesetzt, so dass das Hinterrad des Motorrads auf der radfreien Stelle der Schiene aufliegt. Nun kann es losgehen… Continue reading ‘San Cipriano – verschlafenes Juwel im Dschungel’

Merkel sieht Uribes Politik positiv

Die Bundeskanzlerin erfüllte sich ihre eigene Erwartung, Kolumbiens Realität nicht über Schlagzeilen und distanzierten diplomatischen Berichten sondern aus erster Hand näher zu kommen. Die Bilanz ihrer vielen Treffen mit kolumbianischen Gesprächspartnern stellt die von der Regierung Uribe erzielten Fortschritte hervor. Continue reading ‘Merkel sieht Uribes Politik positiv’

Merkel in Kolumbien I

Nach dem Gipfeltreffen EU-Lateinamerika in Lima steht nun Kolumbien auf Merkels Programm. Während ihres 24 stündigen Staatsbesuchs, will sie sich einen persönlichen Eindruck über dieses Land machen. Wie aus der deutschen Delegation zu erfahren war, sei es der Bundeskanzlerin sehr wichtig andere Informationen über Kolumbien zu erhalten, als die, die bisher sowohl sie als auch ihre Amtsvorgänger über die Medien und den offiziellen Berichten der Botschaften erhalten haben.

So ist ihre Agenda auch dicht besetzt mit Besuchen in denen sie sich sowohl über politische als auch kulturelle und wirtschaftliche Themen informieren wird. Wie von der deutschen Delegation zu erfahren war, stehen die Themen Para-Politik, FARC, Entführte (Ingrid Betancourt), Kolumbiens Sicherheits-Politik “Seguridad Democrática” sowie eine gemeinsame Bekämpfung des Drogenhandels auf ihrer Liste.

Sie trifft sich daher mit Alvaro Uribe, ihrem Gastgeber; mit Samuel Moreno, Bürgermeister Bogotas und politischen Gegenspieler Uribes; mit dem Oberstaatsanwalt Mario Iguarán, der sie über die Prozesse gegen die Paras informieren wird.

“Die Opfer existieren und reden, ihnen müssen Garantien und uneingeschränkte Aufmerksamkeit geboten werden. Diesen Prozesse zu fördern und zu unterstützen ist eine konkrete Angelegenheit der sich der deutsche Staat verpflichten kann.”, lautete es aus dem Kanzleramt. Daher wird bei dem Treffen mit dem Oberstaatsanwalt eine Zusammenarbeit über 3,2 Millionen EUR abgeschlossen werden. Mit diesen Mitteln sollen Anwälte für Justicia y Paz ausgebildet werden und die Einrichtungen der Anwälte besser ausgestattet werden.

Mit dieser Hilfe bekundet Merkel ihre Unterstützung der Politik Uribes. “Eine Anerkennung des Gewonnenen in der inneren Sicherheit und das Vertrauens aus dem Ausland betreffend”, wie es aus Berlin hieß.

Außerdem trifft Merkel mit Monsenior Henao, dem Leiter der Kampagne für den Frieden zusammen, mit Elkin Patarroyo, dem Entdecker der Malaria-Impfung; Ana Teresa Bernal von der Kommission für Wiedergutmachung, dem Gewerkschafter Carlos Artur Rodriguez u.a.

Reyes Computer nicht manipuliert

Zur Zeit überreicht der Generalsekretär des Interpol die Ergebnisse der Untersuchung der Computer, die Besitzt des gefallenen FARC-Führer Raul Reyes gewesen sein sollen. Nach einer längeren Erklärung, wie es dazu kam, dass Interpol den Auftrag zur Analyse der Geräte übernommen habe und wie sicher gestellt wurde, dass die Interpol-Prüfer die Inhalte der Dokumente nicht bewerten konnten und daher auch nicht beeinflussen werden würden, erklärte er, dass die einzige Aufgabe der Interpol darin bestanden habe, fest zu stellen, ob die Computer manipuliert wurden. Diese Manipulation könnte durch nachträgliche Entfernung oder Hinzufügung (nach dem 01.03.08) von Dokumente oder Veränderung der Dokumente gegeben sein. Es war nicht Aufgabe des Interpol den Inhalt der Dokumente zu bewerten.

Das Ergebnis der Untersuchung stellt fest, dass der Inhalt der Speicher nicht manipuliert wurde. Einzige Manipulation am Computer fand statt, als die kolumbianischen Behörden den Inhalt der Computer herunter luden. Continue reading ‘Reyes Computer nicht manipuliert’

Justicia y Paz: Gescheitert oder Neu-Orientierung?

Nach der Auslieferung des Para-Führers “Macaco” an die Justiz der USA, folgten gestern (13.05.08) in den frühen Morgenstunden weitere 14 Chefs der ehemaligen rechten Terrorgruppe AUC in die Vereinigten Staaten von Amerika. Damit überraschte die kolumbianische Regierung nicht nur die Öffentlichkeit, sondern die Ausgelieferten selbst, die in der Nacht aus ihrem Schlaf gerissen und benachrichtigt wurden, dass ihre Ausreise in USA bestimmt worden sei und sie nach einem kurzen Anruf bei ihren Familien auf zu brechen hätten. Damit ist fast die gesamte Führung der AUCs in den USA.

Seit dem fragt sich Kolumbien: Ist Justicia y Paz gescheitert? Was wird aus der Reparation der Opfer? Wie geht es mit der Para-Politik weiter?

Gestern gab Alvaro Uribe eine Erklärung (spanisch) seiner Entscheidung ab. Continue reading ‘Justicia y Paz: Gescheitert oder Neu-Orientierung?’

Bogota-Fluss ein Allmende-Problem

Viele bedeutende Städten der Welt zählen Brücken zu ihren Sehenswürdigkeiten, deren Vergangenheit ohne Zweifel mit der Geschichte eines Flusses verbunden ist. Die Gründung der Hauptstadt Kolumbiens, Bogota hat mit Bächen zu tun, die in den Bergen östlich von der Stadt ihre Quelle haben und zur Wasserversorgung in der Kolonialzeit, aber auch bis Anfang des letzten Jahrhunderts dienten. Ein Beispiel dafür ist “el chorro de Quevedo” im Kolonialbezirk “La Candelaria” im Stadtzentrum, einen Bezirk dass man auf jeden Fall besuchen sollte. Doch heute fließen die meisten dieser Bäche unterirdisch und leiten die Abwässer der Stadt in den Fluss Bogota.

Er ist der größte Fluss der Hauptstadt, der eher als natürliche Grenze zwischen Stadt und Land in der hochgelegenen Savanne verstanden wird als Teil der Stadt zu sein. Er fließt zu weit westlich der Stadt und stinkt! Continue reading ‘Bogota-Fluss ein Allmende-Problem’

Kolumbien zeigt gute Leistungen in Umweltpolitik

Kolumbien hat für die erfolgreiche Umsetzung von Beschlüssen in der Umweltpolitik den 9. Platz im internationalen Vergleich, dem „Environmental Performance Index“(EPI), errungen. Damit ist es hinter dem fünftplatzierten Costa Rica die Nummer zwei in Lateinamerika; die beiden sind die einzigen Repräsentanten Lateinamerikas unter den ersten zehn. In der Rangfolge des EPI, dessen Ergebnisse im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in der Schweiz bekannt gegeben wurden, hat sich Kolumbien innerhalb von zwei Jahren um acht Plätze verbessern könne. Auf den ersten Plätzen setzten sich die Schweiz, Norwegen, Schweden und Finnland ab. Länder wie Frankreich (10.), Kanada (12.) oder Deutschland (13.) blieben hinter Kolumbien zurück.

Der Environmental Performance Index vergleicht anhand verschiedener Indikatoren, wie nah ein Land an die Umsetzung seiner erklärten Vorhaben in der Umweltpolitik gekommen ist. Im Blickfeld stehen dabei die Verminderung von Umweltstress für die menschliche Gesundheit sowie stabile Ökosysteme und deren verantwortungsbewusste Bewirtschaftung. Auf diese zwei Kernpunkte hin werden sechs Bereiche – Wasser, Luftqualität, Klimawandel, biologische Vielfalt und Lebensräume, Umweltgesundheit und natürliche Ressourcen – mittels 25 Indikatoren geprüft und versucht festzustellen, inwieweit die einzelnen Länder ihre Politikbeschlüsse umsetzen konnten.

149 Länder haben die amerikanischen Universitäten Yale und Columbia, die den Vergleich durchführen, dieses Jahr unter die Lupe genommen. Platz neun insgesamt und der zweite in Lateinamerika stellen für Kolumbien einen großen Erfolg dar, erklärt Marta Pizano, eine kolumbianische, im vergangenen Jahr von der amerikanischen Umweltschutzbehörde ausgezeichnete Biologin. Laut Pizano ist das gute Ergebnis ein Zeichen für ein „starkes politisches Netzwerk und einen hohen Bewusstseinsgrad“ in Kolumbien hinsichtlich der im EPI geprüften Themenbereiche.

Besonders hoch wurden Kolumbiens Errungenschaften in den Bereichen Forstwirtschaft, Fischhaltung, Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und Senkung der Ozonkonzentration in Bodennähe bewertet (eine hohe Ozonkonzentration in Bodennähe verursacht beträchtliche Schäden für die Gesundheit). Nach Meinung von Jorge Sánchez, dem Koordinator der Ozonabteilung des kolumbianischen Umweltministeriums, waren Kolumbiens Bemühungen zur Ozonsenkung der Hauptgrund dafür, dass das Land seine Position im internationalen Vergleich so bedeutend verbessern konnte.

Was meint Ihr, hat Kolumbien den Preis zu Recht bekommen?

Oder geht es hier nur um einen Teilaspekt, einen sehr theoretischen, politischen Preis, während viele Dinge in Kolumbiens Umweltsektor in der Praxis gar nicht so gut laufen?