Aachener Friedenspreis geht nach Kolumbien

San Jose de ApartadoHeute, am Antikriegstag, wurde der Aachener Friedenspreis an das kolumbianische Friedensdorf San Jose de Apartado verliehen.

Vor über zehn Jahren erklärte sich die 1500-köpfige Gemeinde nahe der Grenze zu Panama zum Friedensdorf. Aus einer Not - Lebensmittelblockade des Militärs - schlossen sich die Bauern zu einem Kollektiv zusammen. Trotz hoher Gewalt und Drohungen gegen das Dorf lassen sich die Menschen von San Jose nicht vertreiben. Sie erklärten ihr Dorf als neutrales Gebiet und verpflichteten sich der Gewaltfreiheit.

Den Preis erhällt San Jose de Apartado stellvertretend für 50 weitere Freidensgemeinden in Kolumbien.

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7 Kommentare zu “Aachener Friedenspreis geht nach Kolumbien”


  1. 1 Miguel

    Als Kolumbianer freue ich mich sehr über diese Auszeichnung. Ich hoffe die Welt erkennt den Mut dieser Menschen. Vor allem hoffe ich aber, dass die internationale Aufmerksamkeit dieses und die anderen Friedensdörfer davor schützt, weiterhin das Ziel der Gewalt der Paras, der FARC und der Drogenschmuggler zu sein.

    Denn dies ist die Kehrseite der Medaille: Keine Polizei oder Militär zu haben, gibt diese Menschen der Willkür aller im Drogenschmuggel stehenden Gruppierungen frei. Diese Gegend gehört zu den traditionellen Schmuggelwegen zwischen Süd- und Mittelamerika. Ob die Kokain-Bosse große Skrupel zeigen werden, den Wunsch nach Frieden dieser tapferen Menschen zu respektieren, ist mehr als fraglich. Über 150 Tote in den letzten Jahren und zahlreiche Überfälle lassen wenig Raum für Hoffnungen.

  2. 2 Miguelito

    Hallo Miguel,

    ich bin auch Kolumbianer und war bei der Verleihung dabei. Die Rede von dem Herr, der representativ für die Gemeinde den Preis entgegengenommen hat,ist sehr negativ für die Gemeinde ausgefallen.

    Während seiner Rede hat nur die Paramilitärs und die kolumbiansiche Regierung kritiesiert, die Guerrilla hat er “kein einziges Mal” erwähnt.

    Dadurch machen sich die Deutschen ein falsches Bild der Realität. Nach so einer Rede glauben jetzt noch alle verstärkt das die Guerrilla die Opfern und die Guten in diesem Konflikt sind!

    Die Guerrilla nicht zu erwähnen, war sehr ungeschickt von Ihm, dadurch hat er bestätigt dass er zumindest mit dennen sympathisiert.

    Nicht nur ich sondern die Mehrheit der anwesenden Kolumbianer haben nicht aplaudiert!

  3. 3 chapultepec

    Ich war auch bei der Preisverleihung und soweit ich mich erinnern kann wurde oft wiederholt, dass die Friedensgemeinde sich von ALLEN bewaffneten Parteien distanziert. Wie man daraus nur “die Paramilitärs und die kolumbianische Regierung” heraushört kann ich nicht nachvollziehen, geschweige denn dass “die Guerrilla die Opfern und die Guten in diesem Konflikt sind”.

    Ich bin auch Kolumbianer und die Mitglieder der Tanzgruppe -die aufgetreten sind- haben auch applaudiert. Die Tanzgruppe hat sogar auf der Bühne ihren Zuspruch, nicht nur auf deutsch sondern sogar auf spanisch, bekundet.

    Nach der Auffassung von “Miguelito” sind also alle Mitglieder der Tanzgruppe Guerillasympathisanten. Ich würde gern wissen, welche Beweise er hat für seine Aussage, dass “die Mehrheit der anwesenden Kolumbianer nicht aplaudiert” haben. Waren es 90% der anwesenden Kolumbianer? Waren es 50% oder etwa nur 10%?. Die Gruppe bestand aus etwa 20 Tänzern, d.h. dass falls “die Mehrheit der anwesenden Kolumbianer nicht aplaudiert” haben sollten, sagen wir 90% und die Tänzer 10% darstellten, dann haben 180 Kolumbianer nicht applaudiert. In dem Raum waren etwa 300 Personen, dass heisst wiederum, dass etwa 2/3 nicht applaudiert hätten. Das ist schlicht unmöglich. Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie mehr als 90% der Anwesenden nicht nur mehrmals applaudiert haben, sondern sogar aufgestanden sind und gleichzeitig lang Beifall geklatscht haben.

  4. 4 Torstencito

    Nunja Miguel”ito”,

    nur weil Ihr beiden nicht geklatscht habt, heißt das noch lange nicht, daß “die Mehrheit der anwesenden Kolumbianer” nicht geklatscht hat…

    Ich habe bei (und nach) der Preisverleihung zwei bewunderns- und liebenswerte, aber zugleich schwer traumatisierte Menschen kennengelernt (Gildardo und was letzteres betrifft, besonders No(h)elia):

    Diesen geschah und geschieht täglich Leid und Unrecht, während wir (und damit meine ich die Deutschen *und* die “Exil”-Kolumbianer, die ja überwiegend aus der “besseren” kolumbianischen (städtischen) Bürgerschicht kommen (sonst könnten Sie ja z.B. nicht Ihre Kinder erst in Kolumbien und danach auch noch nach Deutschland zum Studieren schicken) hier in Deutschland gemütlich im warmen, sicheren, sozial abgesicherten Nest hocken.

    Von dem alltäglichen Versuch, ihnen ihre Menschenwürde zu rauben haben die beiden berichtet, weiter nichts. Dafür, daß die Bedrohung und Drangsalierung seit vielen Jahren überwiegend von den Paras und diversen Regierungsorganen ausgeht, können sie ja schließlich auch nichts.

    Wenn die sie in Ruhe lassen würden, ob dann andere kriminelle Banden (von denen es in dieser Region von allen Seiten sicher reichlich gibt, u.a. auch die Guerilla) ebenfalls über sie herfallen würden, das ist - sagen wir mal - hochgradig spekulativ.

    Was hättest Du erzählt (oder Deine Freunde mit kleinen Kindern), wenn ein Soldat bei einem Überfall Dein Baby ermordet hätte, und man Dich danach hätte zwingen wollen, eine Erklärung zu unterschreiben, die Guerilla hätte das gatan? Und danach die staatliche Presse diese Lüge verbreitet, ohne daß Du sie bestätigt hättest?

    Was hättest Du erzählt, wenn Dein Freund oder z.B. der Bruder Deines Freundes von den gleichen Paras verschleppt und feige hingerichtet worden wäre, die zuvor noch feixend auf der örtlichen Polizeistation mit den Beamten eine Runde Karten gespielt hätten?

    Ich wünsche mir für Dich und Deine Freunde mit der gleichen Einstellung (leider gibt es viele einseitig informierte hier in Deutschland und in Kolumbien, die diese teilen): erstmal *selber* denken und vor allem *mitfühlen*, und nicht immer diese Stereotypen wie: “Neutralität ist eine Utopie” nachplappern. Wozu die “Bist Du nicht für mich, bist Du gegen mich” Mentalität führt, kann man ja wohl auch an genug anderen Krisenherden auf der Welt beobachten.

    Ja, auch ich hatte richtig Spaß beim letzten Kolumbienurlaub, weil mit 4 Milliarden US-Dollar an jeder Ecke 3 bis unter die Zähne bewaffnete Soldaten finanziert wurden, die für meine Sicherheit gesorgt haben. Ich hab mich allerdings auch nur auf Territorien aufgehalten, von denen die herrschende Kaste die armen Leute seit 500 Jahren erfolgreich vertrieben hat und habe meine Devisen in ihrer Wirtschaft gelassen.

    Sorry, das mag vielleicht für genug “Sicherheitsgefühl” unter den Städtern sorgen, um mit seinem Familienclan die nächsten Wahlen zu gewinnen (informier Dich mal, welche illustre Runde diese Wahlkämpfe finanziert).

    Mit dem Leben als Bauer z.B. in San José de Apartadó, wo sich ein ganzer Ort 6 Dixi-Klos teilen muß und das Wasser stundenlang in die Häuser schleppen muß, hat das aber wohl garnichts zu tun.

    Den Bauern, die täglich ihrer Lebensgrundlage (z.B. ihres Landes) und ihres Lebens beraubt werden, nützt das garnichts. In Kolumbien gibt es (soweit ich informiert bin) ein paar Millionen Vertriebene - in ihrem eigenen Land, das muß man sich erstmal vorstellen!

    Menschen, deren Würde mit Füßen getreten wird, weil sie nicht zu den 5% des Landes gehören, die 95% besitzen, und denen neben all dem Unrecht, daß ihnen geschieht, auch noch der letzte Halm der Hoffnung genommen wird, weil dieses Unrecht von ihrem Staat nicht gesühnt wird, die Mörder nicht zur Rechenschaft gezogen werden, die zuständigen Organe nicht nur blind sind, sondern auch noch auf der Gehaltsliste der gleichen Mörderbanden stehen.

    Mit soviel schlechten Erfahrungen in der Mochila wunderst Du Dich, daß diese Menschen Dir nicht von der Guerilla erzählen? Von diesen Gesetzlosen haben die betroffenen Menschen nämlich nicht erwartet, daß sie ihnen Recht sprechen.

    Und das Vertrauen in den Staatsapparat haben sie zurecht verloren.

    Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen!

    In diesem Sinne, saludos,
    Torstencito

  5. 5 Torstencito
  6. 6 Anonymous

    Wow, ich dachte es wäre ein Friedenspreis vergeben worden! War es doch eher der neue Aachener Streitlöserpreis?

    Ich wiederhole meine Bewunderung vor der Entscheidung dieser Menschen. Sie haben eine zu hohen Blutzoll dafür gezahlt. Ich hoffte der Preis würde uns ruhig Schlafende auf ihr Schicksal aufmerksam machen, eine internationales Solidarität erzeugen, die es allen zur Gewalt bereiten Gruppen unmöglich macht über diese Friedensdörfer her zu fallen.

    Statt dessen fallen wir ruhig Schalfende schön über einander her und zählen Erbsen, wer der liebere Massenmörder ist, ob es schöner ist von der FARC, den Paras oder dem Heer massakriert zu werden.

    Da weiß ich als Drogenschmuggler doch, dass es der Welt egal ist, was ich mit den Friedensdörfern anstelle. Irgendeiner wird meine Tat schon mit einem: “Ja, aber …” verniedlichen.

    In Kolumbien hat sich viel geändert, aber es muß sich noch vieles ändern. Doch die, die an den Drogen so viel Geld verdienen, wollen das verhindern. Und sie finden ahnungslose Helfer in denen, die meinen, hier ginge es noch um Ideologien und Gesellschaftssysteme.

  1. 1 FARC / Friedensdorf San Jose de Apartado / FIFA Weltrangliste
    Pingback am 15. Feb 2008 um 21:40

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