So ein Monat wird sich wahrscheinlich nicht noch einmal wiederholen. Im März waren zahlreiche Präsidenten, Adlige und Wirtschaftsführer im Land. Den Anfang macht George W. Bush, allerdings war er nur für sechs Stunden in Bogota. Am Folgetag kam Horst Köhler nach Kolumbien. Sein Besuch war auf der einen Seite im Schatten des Bush-Besuchs, fand dennoch für das intensive Programm während seiner vier Tage in Kolumbien viel Beachtung. Als nächstes kam Bill Gates zu Besuch nach Cartagena. Ende des Monats war das spanische Königspaar für eine Woche zu Gast in Kolumbien, zuerst in Medellin, danach in Cartagena. Abgeschlossen wurde der Monat mit dem vierten Kongress der spanischen Sprache in Cartagena. Der Stargast war Gabo (Gabriel García Márquez), einer seiner größten Fans - Bill Clinton - kam zu diesem Anlass für ein paar Tage nach Cartagena. Und zum Abschluss des Monats kam auch der peruanische Präsident Alan Garcia auf Stippvisite nach Bogota.
Es hat sich viel getan im März, ich bin gespannt, was die nächsten Monate bringen…
In Cartagena fand vom 26. bis 29. März der vierte Kongress der spanischen Sprache statt. Schriftsteller, Journalisten und Sänger der spanischen Sprache kamen aus der ganzen Welt angereist. Im Mittelpunkt stand ein Mann: Gabriel García Márquez. Sein Buch Hundert Jahre Einsamkeit wurde als das literarische Werk Lateinamerikas gefeiert und mit “Don Quijote” - dem spanischen Meisterwerk von Cervantes - in einem Satz hervorgehoben. Gabo - so wird Gabriel García Márquez in Kolumbien liebevoll genannt - sah man richtig an, wie gerührt er von den Ehrungen. Für ihn muss es wohl nach dem Empfang des Nobelpreises im Jahr 1982 ein Höhepunkt seiner Karriere sein. Zum Anlass des Kongresses wurde das Buch von Gabo mit einer Sonderauflage in Höhe von 1 Mio Bücher aufgesetzt.
Aber es ging nicht nur um Gabo sondern (auch) um die spanische Sprache. Nach langen Verhandlungen konnten sich die Beteiligten auf ein Zertifikat einigen, dass den Spanisch-Unterricht vereinheitlicht. Die großen spanisch sprachigen Institute und Universitäten gaben dazu ihr Einverständnis.
Nachfolgend die Dankesrede von Gabo (natürlich auf spanisch):
Mittwoch Abend war es wieder mal soweit. Die kolumbianische Nationalmannschaft, die erst einige Tage zuvor die Schweiz in Miami 3:1 besiegt hatte, trat zu einem Freundschaftsspiel gegen Paraguay hier im Stadion “El Campin” in Bogota an. Es war etwas besonderes, spielt die Nationalmannschaft sonst doch meist in Barranquilla an der kolumbianischen Karibikküste.
Trotz strömenden Regens haben über 30.000 Zuschauer den Weg ins Stadion gefunden. Und diese sollten belohnt werden. Kolumbien spielte - zumindest zeitweise - modernen schnellen Fußball, ohne jedoch die eigene Identität, das technisch feine Kurzpassspiel, aufzugeben. Paraguay wurde von der Jungen kolumbianischen Manschafft, betreut vom neuen Nationaltrainer Luis Pinto, klar mit 2:0 besiegt. Das gibt Hoffnung für die im Juni in Venezuela stattfindende “Copa de America” und die im Anschluss beginnende Qualifikationrunde für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Denn noch eine WM ohne Kolumbien, das will keiner hier.
Zu Gast an diesem Wochenende in meiner Wahlheimat ist das spanische Königspaar. In Medellin überzeugten sich die Gäste vom Wandel in Medellin. Als Symbol dafür hält dafür oft die Metrocable her. Auch die spanischen Gäste gemeinsam mit Präsident Uribe das öffentliche Verkehrsmittel hinauf in die Hänge, wo sich vor 10 Jahren kaum ein Polizist hingetraut hätte. Mittlerweile ist der Stadtteil Santo Domingo aber sicher geworden, so dass selbst der spanische König den Barrio besuchen konnte.
Neben der Fahrt im Metrocable schauten sich die spanischen Gäste das Zentrum der Stadt mit dem Botero Plaza und dem gleichnamigen Museum an. Aber nicht nur wegen des Besuchs wird Medellin weiterhin in aller Munde bleiben. Während des 8. Kongress der Vereinigung der Akademien der spanischen Sprache wurde in Medellin die neue spanische Grammatik verabschiedet. Ebenso wie in Deutschland bei der Rechtschreibreform zog vergingen bis zur Übereinstimmung aller Beteiligten einige Jahre. Im Volksmund heißt es nun “La Gramática de Medellín”, also die “Grammatik von Medellin”.
Die Wirtschaftszahlen für das Jahr 2006 wurden vom nationalen Statistikamt (Departamento Administrativo Nacional de Estadística - Dane) veröffentlicht. Die Zahlen sind beeindruckend. Demnach ist die Wirtschaft im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent gewachsen. Alleine im letzten Quartal 06 gab es einen Wachstum von 7,97 %. Seit 1978 gab es keine solchen Wachstumszahlen, damals wurden 8,5% erreicht.
Am stärksten wuchs der Bausektor mit 14,26 Prozent, die produzierende Industrie hatte ein Wachstum von 10,79 Prozent. Das einzige Segment mit negativen Wachstum war die Öl verarbeitende Industrie mit einem Minus von 8,87 Prozent. Alle Details gibt es von der Dane (auf spanisch) bei diesem Download. (Auch das Handelsblatt hat dieser Tage den Boom Kolumbiens aufgriffen)
Seit ein paar Tagen ist der amerikanische Banenenproduzent in aller Munde. Grund: Das Unternehmen hat in den USA zugegeben, dass es zwischen 1997 und 2004 insgesamt 1,7 Mio USD an das Paramilitär bezahlt wurde, dies geschah laut des Unternehmens aus Erpressungen und diente als Schutzgeld. Das Unternehmen behauptet, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass es sich beim Paramilitär um eine terroristtische Vereinigung handelt.
Allerdings fiel es wohl schwer die 1,7 Mio. USD richtig in der Buchhaltung zu verbuchen. Den Posten “Unterstützung einer terroristischen Vereinigung” ist auch dem US-Finanzamt nicht einfach zu verkaufen. Nun hat Chiquita die Zahlungen zugegeben und sich “freiwillig” zu einer Strafe von 25 Mio USD verpflichtet. Dennoch wird der Vorfall ein Nachspiel haben. Auch wenn laut amerikanischer Staatsanwaltschaft die 25 Mio. USD eine Rekordsumme für einen solchen Vorfall sind, so wird der Vorfall dennoch gerichtlich in den USA aufgerollt werden. Kolumbien selbst hat die größten Interessen an der Aufklärung. Es wird daher überlegt einen Auslieferungsantrag für den früheren Kolumbien-Chef von Chiquita zu stellen.
Kolumbien war dieses Jahr nach mehrjähriger Abwesenheit endlich wieder mit einem Stand auf der weltgrößten Tourismusmesse - die ITB in Berlin - vertreten. Und was die Teilnehmer - mehrere lokale Reisebüros, Hotels und die staatliche Proexport, die für die Vermarktung Kolumbiens in Ausland zuständig ist - dort zu sagen hatten, war mehr als positiv. Dass Kolumbien ein wunderschönes Land ist und viele um nicht sagen fast alle Reize Lateinamerikas in sich vereint, wusste man. Welche Fortschritte das Land jedoch in der Sicherheitspolitik gemacht hat, war weniger bekannt. Die Zahlen belegen es.
Vizepräsident Francisco Santos hat während seines Schweiz-Aufenthalts der Zeitung Le Temps bestätigt, dass nach seinen Informationen schweizer Organisationen die FARC-Guerilla unterstützt. Bereits vor einem halben Jahr hat er diesen Vorwurf erhoben und zwei konkrete Organisationen genannt.
Laut der Basler Zeitung äußert sich das Auswärtige Amt der Schweiz nicht zu den Vorwürfen. Im Gegensatz zur Europäischen Union betrachtet die Schweiz die Guerilla-Gruppe als keine Terrororganisation sondern als “eine Partei in einem internen Konflikt”.
Würden die Tauben des Plaza Bolivars nach ihrer Meinung zum Besuch des amerikanischen Präsidenten befragt, ihre Antwort wäre wohl nicht sehr positiv: “Hunger” wäre die Auskunft. Aus Sicherheitsgründen wurde gestern der Platz geräumt und so gab es dann niemanden, der ihnen am Sonntag Körner zugeworfen hätte.
Aber auch die Presse hat heute über den gestrigen Besuch nichts “gehaltvolles” zu bieten. Es wird viel über die, für das ansonsten strenge diplomatische Protokoll, ungewöhnlichen menschlichen Gesten der beiden Präsidenten berichtet. Offensichtlich sollte die Welt sehen, dass sich hier zwei sehr gut verstehen. Aber trifft diese Harmonie auch auf die Beziehung zwischen den beiden Ländern zu?
Die kolumbianische Tageszeitung El Tiempo hat einen genauen Plan des Köhler-Besuchs in Kolumbien veröffentlicht.
Montag 12.03.07
- Ankunft am Abend am Flughafen El Dorodo in Bogota
- Empfang mit militärischen Ehren und mit dem kolumbianischen Außenminister Fernando Araujo
Dienstag 13.03.07
- Treffen mit dem kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe im Regierungspalast Casa de Nariño
- Empfang durch den Bürgermeister von Bogota und Übergabe des Goldenen Schlüssels der Stadt
- Mittagessen mit deutschen und kolumbianischen Unternehmern, Gesprächsthema “Soziale Verantwortung von Unternehmen”
- Besuch des kolumbianischen Kongresses und Rede vor dem Plenum
- Besuch des Obersten Gerichtshof und Gespräche mit den Richtern
- Besuch der Alstadt Bogotas
- Besuch des Fernando Botero Museums
- Abendessen auf Einladung des kolumbianischen Präsidenten Uribe
Immer wieder sind wir auf der Suche nach aktuellen Nachrichten in Kolumbien gewesen. Kaum ein anderes Land weckt so viel Interesse, leider gibt es kaum ein Informationsangebot auf deutscher Sprache. Dieser Blog soll Abhilfe leisten mit aktuellen Nachrichten aus Kolumbien.
Thomas am 8. May 2008: Also ich habe beide Reiseführer (LP und Reisekompass) in der letzten Version und kann euch den Reisekompaß Kolumbien von Frank Semper nur wärmstens ans Herz legen. Schaut mal rein! Gut recherchiert und sehr, sehr... Maria Angela am 2. May 2008: Hallo RoadJack, ich komme erst jetzt zu Ihrer Frage, weil ich ab April einige technische Probleme habe. Entschuldigen Sie aber da Deutsch nicht meine Muttersprache ist, verstehe nicht genau was sie mit Ihrer Frage... Hector am 21. April 2008: Zwei Links zur Vorgeschichte des kolumbianischen Präsidenten Uribe: http://www.kolumbien-aktuell.c h/kolumbien-aktuell/archiv/ka3 36.html http://www.nuevacolombia.de/fu llpage_information.php?id=263 Mike_36 am 21. April 2008: Habe diese Kommentare heute erst gelesen. Es ist sehr interessant euere Ansichten zu sehen. Ich denke das es eine Prioritätensache ist ob man Uribe gut oder schlecht findet. Wenn jemand in einer Stadt lebt dann merkt er... Eva am 20. April 2008: Naja, schlecht fand ich den LP also auch nicht! Ausserdem behauptet LP, dieser Autor sei nur angestellt worden fürs Verfassen des allgemeinen Teils (Geschichte etc) und dafür muss man ja nun wirklich nicht zwingend vor Ort... RoadJAck am 20. April 2008: Bitte um Angaben, exakt bitte (!) mit Quellenangabe (!) wieviel NOx frei wird, wieviel Methan durch das Düngen der Ölpflanzen. Daten von mir: Die Nahrungsmittel waren bisher u billig- endlich bekommen die aeurn auch... Martin am 19. April 2008: alle das sind doch gute Nachrichten, die nicht in deutschland veroeffentlicht werden. http://www.eltiempo.com/justic ia/2008-04-19/ARTICULO-WEB-NOT A_INTERIOR-4108336.html Eddi am 19. April 2008: @André: Klar, am 4.2. sollte der Welt gezeigt werden, dass die FARC keinen Rückhalt in der Bevölkerung haben. Dass die FARC alles andere als Robin Hood sind, wie von vielen europäischen Intellektuellen häufig...