Archiv für Dezember 2007

Freilassung vor dem Abbruch II

Kaum war Uribes Auftritt beendet meldete sich Chavez wenige Minuten später aus Caracas zu Wort. “Uribe hat die dritte Phase der Freilassung, die Übergabe (mit Dynamit) gesprengt!”, so seine Worte. Er glaube Uribe nicht, die FARC hätten auf ihm (Chavez) einen fähigeren und ehrlicheren Eindruck gemacht als die ganze kolumbianische Regierung. Das wenig vorher die FARC die Übergabe abgebrochen haben vergisst er wissentlich und macht nun Uribe als Lügner zu der Person, die die dritte Phase scheitern lässt. Dass die kolumbianische Regierung die Sicherheitsgarantien erweitert hat und noch daran fest hält, dass sogar die von ihm mit der Koordination vertrauten Personen bis gestern Abend noch bestätigen, dass Kolumbien alle Garantien einhalten würden und sie daher sicher seien, dass die Freilassungen sehr bald statt finden würden, dass lässt Chavez jetzt völlig außer Betracht und läutet Phase zwei der Schlammschlacht ein, nachdem er schon vor zwei Tagen ein Scheitern vorweg genommen hatte, weil die USA und gewisse Kreise in Kolumbien auf Krieg setzen würden.

Mir fehlen die Worte meine Enttäuschung aus zu drücken. Vielleicht auch, weil wir in Kolumbien dieses Spiel der FARC schon lange kennen und zu viele Male erlebt haben. Da ist die Resignation und Sprachlosigkeit schnell da, was gut für die FARC ist. Schlimm finde ich, dass meiner Meinung nach Chavez sich hier auf den Rücken dieser menschlichen Schicksale als machtpolitischer Zyniker entlarvt und sein Gespräch von Gestern schnell vergisst. Seit zwei Tagen war zu erkennen, dass er ein Scheitern sucht und schon einmal die Schuldigen benannte.

Freilassungen vor dem Abbruch?

In den letzten Minuten haben sich die Ereignisse überschlagen. In Caracas verlas Chavez ein Schreiben der FARC, in dem die FARC ankündigte, dass die Freilassung derzeit nicht möglich ist. Die FARC macht zwei Gründe dafür verantwortlich:

  1. das Wetter ließ die Freilassung nicht zu
  2. (Korrektur: das stand nicht im neuen Schreiben, wurde aber zuvor genannt)
  3. die kolumbianische Armee hat die Kampfhandlungen im Gebiet der Geiseln intensiviert, dies macht eine Freilassung nicht möglich

Fast zeitgleich gibt Alvaro Uribe eine Pressekonferenz:

Alvaro Uribe

Ich habe Alvaro noch nie so aufgeregt gesehen wie in diesem Augenblick. Er schreit förmlich in das Mikrofon. Seine Themen: Continue reading ‘Freilassungen vor dem Abbruch?’

Letzte Nachrichten zur Freilassung

Für alle, die aus erster Hand informiert werden möchte, bietet sich der Life-Stream an, einem Nachrichtensender mit Sitz in Caracas (weitere Infos zu Telesur).

Update 27.12.2007 Ganz Kolumbien blickt gespannt auf Villavicencio. Es ist noch unsicher, ob die Freilassung der Geiseln noch heute klappt wie gestern verkündet. Bislang sind keine venezolanischen Flugzeuge/Hubschrauber über die Grenze nach Kolumbien geflogen. Die Angehörigen der drei Geiseln reisen in wenigen Stunden nach Caracas, so dass sie für das evtl. Eintreffen heute Abend in Caracas anwesend sind. Die Vertreter der vermittelnden Staaten Argentinien und Brasilien meinen, dass die Operation erst morgen statt finden würde. Sobald es Neuigkeiten gibt werden wir an dieser Stelle darüber berichten.

Update 28.12.2007 Gestern gab es keine weiteren Neuigkeiten bis auf die Tatsache, dass die kolumbianische Regierung zur Bedingung macht, dass die Operation bis Sonntag Abend abgeschlossen ist. Nach neuesten Informationen sollen die Hubschrauber und Flugzeuge der venezolanischen Armee um 15 Uhr Ortszeit vom venezolanischen Flughafen Santo Domingo abfliegen nach Villa Vicencio. Die Angehoerigen der Familien sind mittlerweile in Caracas eingetroffen, die internationalen Beobachten, darunter Argentiniens ehemaliger Praesident Nestor Kirchner werden mit einem Flugzeug nach Villa Vicencio gebracht. Auch ist heute bekannt geworden, dass Oliver Stone in Venezuele eingetroffen ist mit dem Ziel ein Film ueber die Freilassung zu drehen. Soeben hat das Rote Kreuz gesagt, dass es auch heute nicht zur Freilassung kommen wuerde. Allerdings sollen die venezolanischen Maschinen dennoch heute in Villavicencio eintreffen.

Update 29.12.2007 Leider gibt es so gut wie keine Nachrichten gab es heute. Chavez liess verkuenden, dass die Freilassung nun erst morgen oder uebermorgen stattfinden wird. An diese Abkuendigungen muessen wir uns gewoehnen, zuerst wurde von einer Freilassung vor Heiligabend gesprochen. Am Nachmittag sind die internationalen Beobachter in Villavicencio eingetroffen, auch an Board war Piedad Cordoba. Nun heisst es weiter abwarten… Dennoch wird von niemanden gezweifelt, dass es zur Freilassung kommen wird, zu gross ist der Druck auf Chavez und auf die FARC ihr Wort zu halten.

Update 30.12.2007 Auch heute keine News. Als wenn es darum ging die Hundertschaften von Journalisten wenigstens eine Kleinigkeit Neues zu geben, flogen heute zwei weitere Hubschrauber in Villavicencio ein. Alles deutet daraufhin, dass es auch heute nicht zur Freilassung kommen wird.

Update 31.12.2007 Heute morgen ist um eta 8 Uhr der venezolanische Außenminister in Villavicencio gelandet. Auch mit im Flugzeug: die Frau eines ehemaligen Gouverneurs, der auch in den Händen der FARC ist. Derzeit gibt es aber keine offiziellen Auskünfte zum Besuch, so dass weiter nur spekuliert werden kann… Soeben hat der kolumbianische Präsident angekündigt nach Villavicencio zu reisen um der internationalen Delegation persönlich zu sprechen.

Die Operation Geiselübergabe kann starten

Aus der ganzen Welt sind seit Tagen Journalisten in Caracas eingetroffen um die Übergabe der drei Geiseln der FARC zu verfolgen. Am 9.12 hatte die FARC angekündigt drei Geiseln (Clara, Emmanuel und Consuelo) frei zu lassen. Viele hatten erwartet, dass diese Freilassung noch vor Weihnachten stattfinden würde, auch ich. Denn Piedad Cordoba, die von der kolumbianischen Regierung gemeinsam mit Hugo Chavez gebeten wurde mit den FARC zu vermitteln reiste am Sonntag nach Caracas und am gleichen Tag kam Hugo Chavez aus Kuba zurück. Doch zu einer Übergabe der Geiseln kam es nicht, nur die Ankündigung der heutigen Pressekonferenz.

Diese läuft zur Stunde noch, sie ist seit über einer Stunde im Gange, doch mittlerweile haben sich alle Fernsehsender ausgeklingt.

Hugo Chavez Continue reading ‘Die Operation Geiselübergabe kann starten’

Atletico Nacional ist kolumbianischer Meister

Das erfolgreiche Fußballjahr 2007 krönt der Traditionsverein aus Medellin mit der Doppelmeisterschaft ab. Pro Jahr werden in Kolumbien zwei Meistertitel vergeben. Beide Titel gingen an den erfolgreichsten und beliebtesten Club des Landes: Atletico Nacional.

Gestern hatte ich die Möglichkeit beim entscheidenen Rückspiel gegen Equidad aus Bogota mit dabei zu sein. Die Stimmung im Stadion war sensationell. Wir standen in der Südkurve, die mich an einem Besuch im Bombonera Stadion von Boca Juniors erinnerte. Zwar kann das Stadion mit dem legendären Stadion aus Buenos Aires nicht mithalten, doch die Stimmung war ähnlich. Als die Mannschaft auf das Spielfeld trat gab es ein Feierwerk, tausende von Papierrollen flogen an mir vorbei und natürlich ein lauter Fangesang.

Atletico Nacional

Das Spiel selbst war recht ausgeglichen, nach dem 3:0 Erfolg beim Hinspiel in Bogota konnte es Atletico Nacional aber auch ruhiger angehen lassen. Es endete schließlich mit einem torlosen Unentschieden. Das konnte der Feier aber keinen Abbruch tun. Stolz wurde der Pokal den Fans präsentiert:

Atletico Nacional

Im Anschluss gab es in der ganzen Stadt Autokorsos und bis in die späte Nacht feierten die Paisas ihren Erfolg!

Freiheit für Clara Rojas und ihren Sohn?

Die Presseagentur “Prensa Latina” berichtet heute mittag, die Farc habe die Freilassung von Clara Rojas (Assistentin von Ingrid Betancourt), ihres Sohnes Emanuel und Consuelo Gonzalez de Perdomo bekanntgegeben.

Was genau bedeutet das? Sind die 3 bereits freigelassen worden, haben die Farc vor sie freizulassen und wenn – wann? Radio W spricht davon, dass die Freilassung von der Farc angeordnet wurde.

Eine Bedingung ist, dass die Geiseln an den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez übergeben werden.

Weiterhin nannte die Farc den Vorschlag Uribes (“Begegnungsstätte”)l überstürzt, jedoch lehnte sie die entwaffnete Zone nicht ab.

Ist dies ein Zeichen der Farc, dass sie doch bereit sind zu verhandeln? Aber nicht mit dem kolumbianischen Staat?! …. sondern über Vermittler? Warum sollte die Farc Clara, Emanuel und Consuelo freilassen? Welche Taktik steckt dahinter?

Polo Democratico: Reformisten oder Radikale?

arton3588.jpgAls Reformist, erklärte sich neulich der Oberbürgermeister Bogotas, Luis Eduardo Garzón, 20 Tage vor seiner Amtsabgabe. Damit zeigte er die deutliche interne Trennung (oder Machtkampf?) in der linksorientierten Partei „Polo Democrático Alternativo“ (PDA) auf. Eine Trennung, die die Grundlagen der Linken im kolumbianischen Kontext tief berührt: Linksradikale, die eine gründliche Opposition gegenüber Uribes Regierung bzw. das System zeigen, aber nicht deutlich genug Abstand vom bewaffneten Kampf der Guerillagruppen nehmen. Linksreformisten, die auch eine kritische Einstellung gegenüber Uribes Politik zeigen, der bewaffnete Weg zur Machtaufnahme seitens der Guerilla (besonders der FARC) lehnen sie gründlich ab und streben nach Änderungen durch Mitregierung und Reformen.

Diese Meinungsunterschiede sind aber nicht erstaunlich.
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Freiheit durch europäischen Druck?

Nachdem zu Beginn der Woche Lebensbeweise einiger Geiseln der Farc, darunter Ingrid Betancourt, in Form von Videos aufgetaucht waren, schaltete sich gestern der französische Präsident zum wiederholten Male ein. Ein Brief, den die ehemalige Präsidentschaftkandidatin an ihre Mutter geschrieben hatte, machte sehr deutlich, wie schlecht es ihr geht: “Eine Frau dem Tod gefährlich nah” beschrieb Sarkozy Ingrid Betancourt, als er den Chef der Farc Manuel Marulanda alias “Tirofijo” ermahnte sie freizulassen. Sein Ziel, so betonte er, sei es aber alle Geiseln aus den Händen der Farc zu befreien.

Im Kampf für eine humanitäre Lösung stärkte auch die Europäische Union Sarkozy und Alvaro Uribe den Rücken. “Mit großer Hoffnung auf die Befreiung aller Geiseln blicken wir auf die Kooperation zwischen Frankreich und dem kolumbisnischen Präsidenten…. und beglückwünschen Uribe zu seiner Entscheidung die Initiative im Hinblick auf dieses Ergebnis immer wieder zu ergreifen.”

Die Farc hatte eine Antwort für Sarkozy schon bereit. Das Problem alleine sei Uribe, der nicht an einer humanitären Lösung interessiert sei. Seine Vision sei die gewaltsame Befreiung der Geiseln, wie ja schon der Tod der 11 Abgeordneten zeigen würde. (Diese wurden im Sommer von der Farc erschossen – nach Aussagen der Guerilla-Gruppe aufgrund eines militärischen Angriffs -von dem außer der Farc niemand weiss!) Die Farc weicht von ihrer Forderung eines entmilitarisierten Gebietes nicht ab. Continue reading ‘Freiheit durch europäischen Druck?’

Friedenspreis für Gustavo Moncayo

nicole-und-gustavo.jpgHat er sein Ziel erreicht?

Gustavo Moncayo, der Friedensläufer aus Kolumbien, wurde am Dienstag für sein großes Engagement bezüglich einer humanitären Lösung im Falle der Geiseln der Guerilla ausgezeichnet.

Durch seinen Einsatz für Frieden, Humanität und durch seine Zivilcourage hat Gustavo sich den kolumbianischen Friedenspreis mehr als verdient.

Trotz dieser für ihn wertvollen Auszeichnung, hat ihn all seine Mühe und sein langer Weg immer noch nicht zu seinem seit 10 Jahren entführten Sohn geführt.

Die aktuellen Entwicklungen (Video der Entführten) lassen seine Hoffnung jedoch nicht schwinden, seinen Sohn bald wieder in den Armen halten zu können.

Avianca nach Frankfurt?

200709270018.JPGDie kolumbianische Zivilluftfahrtbehoerde “Aeronautica Civil” hat der kolumbianiscihen Fluggesellscahft Avianca die seit einigen Jahren verlorenen Frequenzen nach Frankfurt und London wieder zurueckgegeben, wie heute die kolumbianische Tageszeitung El Tiempo berichtete. Avianca kann nun wieder 3x woechentlich nach Frankfurt und auch 3x woechentlich nach London fliegen. Ob und ab wann Avianca das nuetzen wird, steht noch nicht fest. Durch den Kauf 5 neuer Langstreckenmaschinen des Typs Airbus 330, die offiziell alle naechstes Jahr ausgeliefert werden sollen, hoffen wir auf eine baldige Neuaufnahme dieser Strecken. Das Angebot an Fluegen von Europa nach Kolumbien kommt der grossen Nachfrage im Moment nicht hinterher. Neben der Avianca stockt die Iberia Ihre Madrid Fluege ab Januar auf 10 woechentliche Frequenzen auf, die AirComet fliegt seit November nun 4x zwischen Madrid und Bogota. Wir koennen also nur hoffen, dass die Avianca die Strecken bald wieder aufnimmt. Es wird auch wieder spekuliert, dass British Airways ab 2009 Bogota wieder in ihr Langstreckennetz aufnehmen will. Und wo bleibt die Lufthansa?