Heute, am Antikriegstag, wurde der Aachener Friedenspreis an das kolumbianische Friedensdorf San Jose de Apartado verliehen.
Vor ĂŒber zehn Jahren erklĂ€rte sich die 1500-köpfige Gemeinde nahe der Grenze zu Panama zum Friedensdorf. Aus einer Not – Lebensmittelblockade des MilitĂ€rs – schlossen sich die Bauern zu einem Kollektiv zusammen. Trotz hoher Gewalt und Drohungen gegen das Dorf lassen sich die Menschen von San Jose nicht vertreiben. Sie erklĂ€rten ihr Dorf als neutrales Gebiet und verpflichteten sich der Gewaltfreiheit.
Den Preis erhĂ€llt San Jose de Apartado stellvertretend fĂŒr 50 weitere Freidensgemeinden in Kolumbien.
Die Bewohner von San José de Apartadó haben ihren Ort 1997 als Friedensdorf ausgerufen. Sie waren die Gewalt durch Guerilla, ParamilitÀr und MilitÀr in und um ihren Dorf leid. Durch ihre NeutralitÀt versuchten sie dem bewaffneten Konflikt aus dem Weg zu gehen. So bekam die Gemeinde auch international Aufmerksamkeit und in wenigen Wochen werden die Dorfbewohner mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet werden.
Doch ĂŒber diesem Preis schwebt nun ein dunkler Schatten, El Tiempo berichtet heute Abend, dass laut der NGO Colectivo de Abogados Dario Torres – der GemeindefĂŒhrer von ParamilitĂ€rs ermordet wurde.
Die Nachricht ist noch sehr neu, es ist kaum etwas zu erfahren bislang. Ein Bekannter von mir, war erst vor wenigen Wochen in San José de Apartadó und erklÀrte sich bereit das Dorf hier im Blog vorzustellen. Daher bald mehr zum Friedensdorf.
Am vergangenen Freitag ĂŒberraschte Uribe mal wieder alle: Aus StaatsgrĂŒnden, mĂŒsse er bis zum nĂ€chsten 07. Juni die Gesamtheit oder einen groĂen Teil der inhaftierten FARC-Guerilleros an einem anderen Ort auĂerhalb der GefĂ€ngnisse haben!
Diese AnkĂŒndigung traf alle unvorbereitet und so wird gerĂ€tselt, was wohl dahinter steckt. War es ein Manöver um vom Para-Skandal abzulenken? Sollte damit etwa die Empörung ĂŒber seinen Vorschlag gedĂ€mpft werden, allen Beteiligten, die mit illegalen Gruppen zusammen gearbeitet haben und nun die Wahrheit sagen wĂŒrden, Straffreiheit zu gewĂ€hren. Zwar nannte er juristische Auflagen dazu und schloss aus, dass Gewaltverbrechen unter diese Amnestie fallen wĂŒrden, aber die Ăffentlichkeit sah hierin vor allem einen Versuch, die in dem Para-Skandal verwickelten Politiker frei zu bekommen.
Continue reading ‘Gefangene FARC-Guerilleros bald frei?’
Die Kommentare zu einem standard.at Artikel geben es wieder. Die Meinungen sind polarisiert: wer hat angefangen: die Paras oder die Guerilla? Wer hat die gröĂere Schuld an den heutigen Problemen Kolumbien? Wer ist grausamer?
Um es vorweg zu nehmen: FĂŒr mich ist die rechte wie die linke Gewalt abscheulich, unentschuldbar und keine besser oder schlechter als die andere. Die grausame Gewalt, die von der Guerilla und den Paras ausging und immer noch ausgeht konzentriert sich bei der Guerilla vor allem auf EntfĂŒhrungen und bei den Paras vor allem auf Morde.
Die kolumbianische NGO hat in den letzten 10 Jahren die Anzahl der Opfer auĂergerichtlicher StrafausfĂŒhrungen, politisch motivierter Morde und verschwundene Personen mit unbekannten Schicksal erfasst. Hier Ăbersicht der Anzahl der Toten, die jede TĂ€tergruppe zu verantworten hat:


(Quelle: Statistiken der NGO coljuristas.org)
Im Newssplitter berichteten wir gestern von den verschiedenen Ereignissen der letzten Tage, die ein politisches Erdbeben auslösten.
Am Tag danach gab es zahlreiche Reaktionen, an dieser Stelle wollen wir nur zwei vorstellen. Die vom PrĂ€sidenten und die vom OppositionsfĂŒhrer Carlos Gaviria.
Uribe wollte sich fĂŒr das Radio-Interview nur zwei Minuten Zeit nehmen, doch daraus wurde nichts. Wer den kolumbianischen PrĂ€sidenten in seiner leidenschaftlichen Art erleben möchte sich zu verteidigen, bzw. seine Politik zu wĂŒrdigen, hat hier eine gute Möglichkeit (Quelle: Caracol Radio):
[audio:uribe-17-05-2007.mp3]
Kurz zusammen gefasst: Continue reading ‘Reaktionen Mancuso-Aussagen und Spitzel-Skandal’

Wie erwartet, wurde der so genannte Paraskandal zum Stolperstein fĂŒr Uribes BemĂŒhungen, die Zustimmung der demokratische Mehrheiten im US-Kongress fĂŒr das Freihandel-Abkommen mit Kolumbien zu gewinnen.
Beherrschendes Thema des gestrigen Treffens zwischen demokratischenVertretern und dem kolumbianischen PrĂ€sidenten waren die Sorgen, dass fĂŒhrende FunktionĂ€re der kolumbianischen Regierung mit den ParamilitĂ€rs zusammenarbeiten. Eine abschlieĂende Wertung des Treffens ist z.Z. nicht möglich, da die beteiligten Seiten in ihren Kommentaren abweichen.
Continue reading ‘Stolperstein Para-Skandal’
Auf Youtube wurde ein Dokumentarfilm veröffentlicht. Thema ist – wie könnte es anders sein in einem Film ĂŒber Kolumbien – Geld, Drogen, Guerilla, ParamilitĂ€r und Politik. WeiterfĂŒhrende Infos zum Film gibt es hier (auf englisch).
In den Hauptrollen:
Maria Christina Chirolla
Sie war zu jener Zeit fĂŒr den Kampf gegen Drogen und GeldwĂ€sche die Assistentin des Generalstaatsanwaltes. Mittlerweile lebt sie in Houston und ist kolumbianische Generalkonsulin.
Continue reading ‘Kolumbien Dokumentarfilm’
Seit ein paar Tagen ist der amerikanische Banenenproduzent in aller Munde. Grund: Das Unternehmen hat in den USA zugegeben, dass es zwischen 1997 und 2004 insgesamt 1,7 Mio USD an das ParamilitÀr bezahlt wurde, dies geschah laut des Unternehmens aus Erpressungen und diente als Schutzgeld. Das Unternehmen behauptet, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass es sich beim ParamilitÀr um eine terroristtische Vereinigung handelt.
Allerdings fiel es wohl schwer die 1,7 Mio. USD richtig in der Buchhaltung zu verbuchen. Den Posten “UnterstĂŒtzung einer terroristischen Vereinigung” ist auch dem US-Finanzamt nicht einfach zu verkaufen. Nun hat Chiquita die Zahlungen zugegeben und sich “freiwillig” zu einer Strafe von 25 Mio USD verpflichtet. Dennoch wird der Vorfall ein Nachspiel haben. Auch wenn laut amerikanischer Staatsanwaltschaft die 25 Mio. USD eine Rekordsumme fĂŒr einen solchen Vorfall sind, so wird der Vorfall dennoch gerichtlich in den USA aufgerollt werden. Kolumbien selbst hat die gröĂten Interessen an der AufklĂ€rung. Es wird daher ĂŒberlegt einen Auslieferungsantrag fĂŒr den frĂŒheren Kolumbien-Chef von Chiquita zu stellen.
Es gibt so viele schöne Themen in Kolumbien, fern von Mord und Todschlag. Aber was zur Zeit das Land beschĂ€ftigt, sind die ParamilitĂ€rs und ihre Komplizenschaft mit Politik und MilitĂ€rs. Ich denke, dass es sehr schwer ist fĂŒr jemanden in Deutschland die HintergrĂŒnde und den Charakter der Paras , wie sie hier genannt werden, zu begreifen. Sind es Mörderbanden, eine illegale Armee, Selbstverteidigungsgruppen? Lasst mich kurz ausholen: Alles begann zu einer Zeit, als der PrĂ€sident Uribe Gouverneur in Antioquia war. Angesichts der Tatsache , dass die Regierung, die MilitĂ€rs, die Polizei in weiten Regionen die Kontrolle verloren hatten und keine PrĂ€senz zeigten, haben sich Selbstverteidigungsgruppen gebildet, sie wurden sogar legalisiert. Das waren die sogeannten Convivirs (was so viel wie Zusammenleben bedeutet). Ein logischer Vorgang. Wenn deine Farm nicht mehr vor Kriminellen und Dieben oder der Guerilla sicher ist, wenn du mit EntfĂŒhrung bedroht wirst, wenn du gezwungen wirst, Schutzgelder zu zahlen, dann musst du dich selber verteidigen. Ich hatte damals kolumbianische Farmer kennengelernt, die einfach keine andere Wahl hatten. Entweder aufgeben oder sich selbst verteidigen. So weit, so gut.
Continue reading ‘ParamilitĂ€rs satt’
Obwohl der PrĂ€sident Alvaro Uribe seiner AuĂenministerin am Freitag das Vertrauen aus sprach, darf Consuelo Araujo kein Verstimmen der gegen sie gerichteten RĂŒcktrittsforderungen erwarten. Zwar genieĂt sie auch das Vertrauen ihrer politischen Gegner, jeder lobt ihre AmtsfĂŒhrung, ihre schon oft unter Beweis gestellten FĂ€higkeiten ein politisches Ressort zu leiten und niemand in Kolumbien bringt sie persönlich in die NĂ€he der ParamilitĂ€rs.
Viele verstehen den PrĂ€sidenten wenn er darauf besteht, die Amtsinhaberin nicht zu opfern, nur um den Para-Skandal – ein “real existierendes” Drama in Kolumbien – klein zu spielen. Aber auch engste Berater Uribes sehen in einem Festhalten an Araujo, unnötige Belastung und VerschleiĂ fĂŒr die Amtsinhaberin. Wie stark der Gegendwind fĂŒr Araujo wird, zeigt sich schon bestimmt in dieser und den kommenden Wochen. Continue reading ‘Der Para-Skandal – bedroht nicht nur Consuelo Araujos politische Existenz’
Letzte Kommentare
Karlheinz Schneider am 15. Mai 2012: ihr alle die hier schreibt . Habt keine ahnung ĂŒber was die mehrheit in Columbien denkt fĂŒhlt und leidet. Ich weiĂ nur das es wirklich so ist das es eine der gefĂ€hrlichte LĂ€nder der Welt wirklich ist. Und das...
Marion GeissbĂŒhler am 19. Dezember 2011: Hallo Yolanda ZufĂ€llig bin ich auf dein Schreiben gestossen. Vermietest du die Wohnung immer noch? Wenn ja, besteht die Möglichkeit sie vom 24.Dezember 2011 bis 2. Januar 2012 zu mieten oder nur ĂŒber das...
irina am 5. Dezember 2011: Hi Nora, danke fĂŒr den Bericht!!! Ich wollt fragen, ob man den Rest des GepĂ€cks, den man fĂŒr die Wanderung nicht benötigt, am Startpunkt irgendwo unterstellen kann? Danke! VG Irina
Felix W. am 26. November 2011: Hi, bin in Kolumbien, aber mir wird verboten Leticia zu bereisen, da es gefÀhrlich sein soll, was mir aber einige Kolumbianer nicht bestÀtigen, doch meine Organisation in DE möchte es nicht. Was gibts dazu zu sagen?...
Stefan H. am 13. November 2011: Hallo, erstmal vorweg ich war auch noch nie in Kolumbien. Ich kenne aber hier in D einige Kolumbianer. Und ich muss sagen dass sind sehr freundliche,liebevolle und offene Menschen die sich ĂŒber jede Kleinigkeiten...
Mary am 30. Oktober 2011: Hallo, ich selbst habe auch einen Blog ĂŒber Kolumbien. Wenn ihr dort etwas reinschreiben wollt, immer zu! Viele GrĂŒĂe Mary
pedro am 16. September 2011: Hallo, also ich will hier meine ganz subjective Erahrung beisteuern: Vor 3 Monaten habe ich meine novia columbiana uebers Internet kennengelernt, vor 6 Wochen habe ich sie besucht und seitdem ist es aus mit mir –...
Kim am 17. August 2011: Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen aus Ă€rmeren LĂ€ndern, also entweder aus Entwicklungs- oder SchwellenlĂ€ndern, sich schneller ĂŒber etwas freuen. Oft ist auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie...