Tag-Archiv für 'Guerilla' Page 2 of 3



Vier weitere Geiseln frei

Gloria Polanco, Orlando Beltrán, Luis Eladio Pérez und Jorge Eduardo Géchem, 4 ehemalige Abgordnete kehrten heute zurück in die Zivilisation. Nach 6 bzw. 7 Jahren in Gefangenschaft im kolumbianischen Urwald werden die vier heute ihre erste Nacht nach langer Zeit in einem richtigen Bett verbringen.

In den letzten 15 Tagen sind die Abgeordneten 230 km bis zum Ziel der Übergabe gelaufen. Anders als sonst – angekettet und barfuß – durften sie diesen freudigen Marsch mit Stiefeln und guter Verpflegung antreten.

Gesundheitlich sind alle soweit wohl auf, litten aber während ihrer Gefangenschaft an diversen Krankheiten, die nicht behandelt werden konnten. Die ehemaligen Geiseln berichteten über den Gesundheitszustand von Ingrid Betancourt, die sie Anfang Februar das letzte Mal sahen. Sie sei in sehr schlechter Verfassung.

Endlich in Caracas angekommen, konnten die vier endlich ihre Familien wieder in die Arme schliessen. Gloria Polanco war vor 7 Jahren mit ihrem Mann und ihren 3 Söhnen verschleppt worden. Ihr Mann kam im Gefecht ums Leben und ihre Kinder wurden nach 3 Jahren gegen eine Lösegeldzahlung freigelassen. Sehr emotional war dem enntsprechend das Wiedersehen der Söhne mit ihrer Mutter Gloria. Die Schicksale, die hinter jedem einzelnen Gefangenen stecken, kommen auch bei dieser Freilassung deutlich heraus. Kinder, die ihren Vater nicht kennen, Väter, die plötzlich Opas sind ….

Hinter den emotionalen Aspekten gibt es aber auch neue Fakten. Die Farc gab bekannt, dass es keine weiteren Freilassungen geben wird, solange die kolumbianische Regierung nicht auf die “zona de despeje” – Austauschzone eingeht. Die Guerilla Gruppe möchte in 2 besiedelten Gebieten (Pradera und Florida) eine entmilitarisierte Zone für 45 Tage einrichten.

Freiheit für Clara Rojas und ihren Sohn?

Die Presseagentur “Prensa Latina” berichtet heute mittag, die Farc habe die Freilassung von Clara Rojas (Assistentin von Ingrid Betancourt), ihres Sohnes Emanuel und Consuelo Gonzalez de Perdomo bekanntgegeben.

Was genau bedeutet das? Sind die 3 bereits freigelassen worden, haben die Farc vor sie freizulassen und wenn – wann? Radio W spricht davon, dass die Freilassung von der Farc angeordnet wurde.

Eine Bedingung ist, dass die Geiseln an den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez übergeben werden.

Weiterhin nannte die Farc den Vorschlag Uribes (“Begegnungsstätte”)l überstürzt, jedoch lehnte sie die entwaffnete Zone nicht ab.

Ist dies ein Zeichen der Farc, dass sie doch bereit sind zu verhandeln? Aber nicht mit dem kolumbianischen Staat?! …. sondern über Vermittler? Warum sollte die Farc Clara, Emanuel und Consuelo freilassen? Welche Taktik steckt dahinter?

Polo Democratico: Reformisten oder Radikale?

arton3588.jpgAls Reformist, erklärte sich neulich der Oberbürgermeister Bogotas, Luis Eduardo Garzón, 20 Tage vor seiner Amtsabgabe. Damit zeigte er die deutliche interne Trennung (oder Machtkampf?) in der linksorientierten Partei „Polo Democrático Alternativo“ (PDA) auf. Eine Trennung, die die Grundlagen der Linken im kolumbianischen Kontext tief berührt: Linksradikale, die eine gründliche Opposition gegenüber Uribes Regierung bzw. das System zeigen, aber nicht deutlich genug Abstand vom bewaffneten Kampf der Guerillagruppen nehmen. Linksreformisten, die auch eine kritische Einstellung gegenüber Uribes Politik zeigen, der bewaffnete Weg zur Machtaufnahme seitens der Guerilla (besonders der FARC) lehnen sie gründlich ab und streben nach Änderungen durch Mitregierung und Reformen.

Diese Meinungsunterschiede sind aber nicht erstaunlich.
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Freiheit durch europäischen Druck?

Nachdem zu Beginn der Woche Lebensbeweise einiger Geiseln der Farc, darunter Ingrid Betancourt, in Form von Videos aufgetaucht waren, schaltete sich gestern der französische Präsident zum wiederholten Male ein. Ein Brief, den die ehemalige Präsidentschaftkandidatin an ihre Mutter geschrieben hatte, machte sehr deutlich, wie schlecht es ihr geht: “Eine Frau dem Tod gefährlich nah” beschrieb Sarkozy Ingrid Betancourt, als er den Chef der Farc Manuel Marulanda alias “Tirofijo” ermahnte sie freizulassen. Sein Ziel, so betonte er, sei es aber alle Geiseln aus den Händen der Farc zu befreien.

Im Kampf für eine humanitäre Lösung stärkte auch die Europäische Union Sarkozy und Alvaro Uribe den Rücken. “Mit großer Hoffnung auf die Befreiung aller Geiseln blicken wir auf die Kooperation zwischen Frankreich und dem kolumbisnischen Präsidenten…. und beglückwünschen Uribe zu seiner Entscheidung die Initiative im Hinblick auf dieses Ergebnis immer wieder zu ergreifen.”

Die Farc hatte eine Antwort für Sarkozy schon bereit. Das Problem alleine sei Uribe, der nicht an einer humanitären Lösung interessiert sei. Seine Vision sei die gewaltsame Befreiung der Geiseln, wie ja schon der Tod der 11 Abgeordneten zeigen würde. (Diese wurden im Sommer von der Farc erschossen – nach Aussagen der Guerilla-Gruppe aufgrund eines militärischen Angriffs -von dem außer der Farc niemand weiss!) Die Farc weicht von ihrer Forderung eines entmilitarisierten Gebietes nicht ab. Continue reading ‘Freiheit durch europäischen Druck?’

Endlich: Treffen Chavez – FARC in Caracas

Marquez, Chaves & Cordoba

Eigentlich schon für den 08.10.07 vorgesehen, fand heute das lange erwartete Treffen zwischen Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez und einem Vertreter der FARC in Caracas statt. Es gab Bilder für die Presse (gut, weil schon Stimmen aufkamen, dass es dieses Treffen gar nicht gegeben hätte, es viel mehr ein Propagandazug von Chavez gewesen sei um von seinen innenpolitischen Problemen ab zu lenken) und die Absichtserklärungen sich bald mal richtig zu treffen. Continue reading ‘Endlich: Treffen Chavez – FARC in Caracas’

Treffen Chavez – Uribe: was ist mit der Geiselfrage?

Freilassung der GeiselnHeute treffen sich die Präsidenten Venezuelas und Kolumbiens im kolumbianischen Punta Ballenas. Offizieller Anlass ist die Eröffnung einer neuen Gasleitung zwischen beiden Staaten. Doch es haben sich einige dringende Themen angesammelt, die sicher ihre Schatten auf dieses Treffen werfen: - Treffen Chavez – FARC - StraßenNutzungsgebühren im GrenzeGebiet auf kolumbianischer Seite - Grenzefragen - Venezuelas Rückkehr in die CAN (Gemeinschaft der Anden-Staaten)

Ob die beiden Präsidenten Zeit für ein Gespräch unter vier Augen finden werden, ist nicht bekannt. Schließlich nimmt auch Ecuadors Präsident Correa an den Eröffnungfeierlichkeiten teil. Die Öffentlichkeit erwartet jedoch, dass zumindest das für den vergangenen achten Oktober geplante und wieder verschobene Treffen zwischen Chavez und der Guerilla FARC besprochen wird. Continue reading ‘Treffen Chavez – Uribe: was ist mit der Geiselfrage?’

Die Europa-Reise von Gustavo Moncayo

Route Moncayo Hier könnt Ihr sehen, welche Route Gustavo – teils zu Fuss – in Europa zurücklegt. Heute ist er für eine Pressekonferenz in Toulouse und morgen werden in Marseille – ähnlich wie auf dem Plaza Bolivar vor einigen Monaten – die Worte: “LIBERTAD Y PAZ PARA TODOS” mit Kerzen gestellt. Auf diessr Homepage könnt Ihr mehr über Gustavos Europareise erfahren.

Gustavo Moncayo in Europa

nicole-und-gustavo.jpgAm letzten Freitag war es nun endlich so weit. Am Vormittag verliess Gustavo mit seiner Tochter Yuri ihre Heimat der letzten Wochen – das Zelt auf dem Plaza Bolivar. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge übergab er das Zelt mit einem großen Dank an Bogotas Bürgermeister Luis Garzon. Bei seiner Ankunft in Bogota am 01. August hatte Gustavo gesagt, er bliebe solange auf dem Plaza Bolivar, bis er eine humanitäre Lösung erreicht hätte. Letzte Woche brach er nun auf, um auch in Europa um Gehör und Unterstützung zu bitten.

Natürlich marchierten Gustavo und Yuri zu Fuss zum Flughafen, bevor sie ihren weiten Weg jetzt auch nach Europa fortsetzen.

Bereits einen Tag nach seiner Ankunft in Paris, sprach Gustavo auf dem “Fete l´Humanité” (ein Fest der kommunistischen Partei in Frankreich) zu den Medien. Er habe alles gelassen: sein Haus, seine Arbeit, seinen Sohn berichtete Gustavo Moncayo und machte deutlich, dass er sich für jede der Geiseln austauschen lassen würde.

Sein Feldzug geht weiter: gestern erreichte der “caminate por la paz” Brüssel. Vom Europäischen Parlament eingeladen, sprach der Vater des seit 10 Jahre entführten Pablo Emilio nun auch vor hochrangogen Politikern.

Auf Grund seiner 2 Mio. gesammelten Unterschriften lud ihn die FICIB (Internationales Komitee Ingrid Betancourt) ein, 20 Städte in Frankreich und Belgien zu Fuss zu besuchen, um um Unterstützung zu bitten.

In den nächsten Wochen wird sein Terminkalender anscheinend genauso gefüllt sein, wie hier in Kolumbien. Eine Audienz beim Papst ist geplant und eventuell auch ein Besuch des Bundestages.

Die Unterschriften-Aktion hier im Kolumbien-Blog war sehr erfolgreich – wir bekamen 26 Komentare in den unterschiedlichsten Sprachen. Viele Dank dafür! Wir haben diese Kommentare an Gustavo weitergeleitet – so wird er auch in Europa zeigen können, wie viele Menchen hinter seiner Idee stehen.

In unserem Interview vor 2 Monaten sagte uns Gustavo, dass es sich vorstellen könnte, Europa um Hilfe für die Reintegration von Ex-Guerilleros und ehemaligen Gefangenen zu bitten. Ich bin sehr gespannt, was er bei seinem Besuch erreichen wird und wie er die Europäer mit seiner Geschichte zum Nachdenken über Kolumbien, seine Politik und Geschichte bringen kann.

Was meint Ihr? Habt Ihr bereits Berichte gelesen oder etwas über Gustavo in den Nachrichten gehört?

Hugo Chavez auf schwerer Friedensmission

Hugo Chavez, Präsident VenezuelasEs begann sich vor drei Wochen abzuzeichnen, jetzt versucht Venezuelas Präsident Hugo Chavez die schier unnahbaren Positionen der kolumbianischen Regierung und der Guerillas FARC und ELN zusammen zu bringen. Dazu hat er den Auftrag und Segen des kolumbianischen Präsidenten Uribe, der ihm gestern in Bogota wichtige “Instrumente” mitgab. Chavez bemüht sich nun um einen Durchbruch auf zwei voneinander unabhängigen Fronten:

a. Freilassung der FARC-Geiseln (u.a. Ingrid Betancourt) b. Friedensgespräche zwischen kolumbianischer Regierung und der Guerilla ELN Continue reading ‘Hugo Chavez auf schwerer Friedensmission’

Gustavo Moncayo – der kolumbianische Forest Gump

Gustavo Moncayo in english | en español | en français

Als ich das erste Mal in der Zeitung von Gustavo Moncayo lese, muss ich an den Film Forest Gump denken. Eine bewegende Geschichte über einen Mann der läuft und läuft und läuft. Am 17.06. verließ Gustavo seinen Heimatort Sandoná in Nariño (departamento im Südwesten Kolumbiens) mit dem 1000 Kilometer weit entfernten Ziel Bogotá und erreichte es nach 46 Tagen.

Sein Beweggrund für diese abenteuerliche Reise zu Fuß ist sein Sohn, der seit 10 Jahren von der Farc gefangen gehalten wird. Im Dezember 1997 wird eine Kommunikationsstation des Militärs in Nariño von der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia attakiert. 10 Soladaten sterben, 4 werden verletzt und 18 junge Männer entführt. Darunter auch Pablo Moncayo. 2001 werden 16 Geiseln dieser Gruppe auf Grund eines Abkommens zwischen dem Staat und der Farc im Austausch für 14 inhaftierte kranke Guerilleros freigelassen. Pablo ist nicht dabei. Er ist somit einer der am längsten gefangen gehaltenen Geiseln der Farc.

“Wir sind müde von so viel Betrug – es sind jetzt fast 10 Jahre vergangen, um die Freiheit der Entführten wieder zu gewinnen.“ sagt Pablos Vater.

Seinen Weg trat er alleine mit seiner jüngsten Tochter Yuri an, doch schon nach wenigen Tagen schlossen sich ihnen immer mehr Menschen an: Ehemalige Geiseln, Familienangehörige von Entführten und Menschen, die Gustavo ihre Solidarität zeigen wollten, begleiteten ihn. Ganze Dörfer gingen auf die Strasse, als er ankam, viele Menschen gaben ihm zu Essen und einen Schlafplatz – andere wollten nur ein Foto mit Gustavo zusammen machen. Der „caminante de la paz“ – Friedensläufer – ist zum Symbol für eine humanitäre Lösung des Konfliktes und einem Hoffnungsträger für viele Kolumbianer geworden. Sein Ziel ist es die Aufmerksamkeit der Regierung und die Farc auf die Notwendigkeit eines Gefangenenaustausches zu richten. Er fordert die Freilassung der Geiseln mittels einer humanitären also friedlichen, verhandelten Lösung.

Weitere Infos: - Unterschriftenliste für Gustavo Moncayo? - Unterstützer für Moncayos Europa-Reise gesucht

Was schreibt die deutschsprachige Presse? http://derstandard.at/?url=/?id=2989249 www.taz.de/index.php?id=digi-artikel&ressort=sw&dig=2007/08/03/a0037 www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/kolumbien_geiseldrama_uribe_1.536119.html