Gloria Polanco, Orlando Beltrán, Luis Eladio Pérez und Jorge Eduardo Géchem, 4 ehemalige Abgordnete kehrten heute zurück in die Zivilisation. Nach 6 bzw. 7 Jahren in Gefangenschaft im kolumbianischen Urwald werden die vier heute ihre erste Nacht nach langer Zeit in einem richtigen Bett verbringen.
In den letzten 15 Tagen sind die Abgeordneten 230 km bis zum Ziel der Übergabe gelaufen. Anders als sonst - angekettet und barfuß - durften sie diesen freudigen Marsch mit Stiefeln und guter Verpflegung antreten.
Gesundheitlich sind alle soweit wohl auf, litten aber während ihrer Gefangenschaft an diversen Krankheiten, die nicht behandelt werden konnten. Die ehemaligen Geiseln berichteten über den Gesundheitszustand von Ingrid Betancourt, die sie Anfang Februar das letzte Mal sahen. Sie sei in sehr schlechter Verfassung.
Endlich in Caracas angekommen, konnten die vier endlich ihre Familien wieder in die Arme schliessen. Gloria Polanco war vor 7 Jahren mit ihrem Mann und ihren 3 Söhnen verschleppt worden. Ihr Mann kam im Gefecht ums Leben und ihre Kinder wurden nach 3 Jahren gegen eine Lösegeldzahlung freigelassen. Sehr emotional war dem enntsprechend das Wiedersehen der Söhne mit ihrer Mutter Gloria. Die Schicksale, die hinter jedem einzelnen Gefangenen stecken, kommen auch bei dieser Freilassung deutlich heraus. Kinder, die ihren Vater nicht kennen, Väter, die plötzlich Opas sind ….
Hinter den emotionalen Aspekten gibt es aber auch neue Fakten. Die Farc gab bekannt, dass es keine weiteren Freilassungen geben wird, solange die kolumbianische Regierung nicht auf die “zona de despeje” - Austauschzone eingeht. Die Guerilla Gruppe möchte in 2 besiedelten Gebieten (Pradera und Florida) eine entmilitarisierte Zone für 45 Tage einrichten.
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Ein wahrer Held und Patriot Kolumbiens - Senator Luis Eladio Perez
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Für jeden aufrichtigen Menschen sollte das Verhalten und der Einsatz dieses heldenhaften und edelmütigen kolumbianischen Ex-Senators Luis Eladio Perez für die Mitwirkung bei derBefreiung weiterer Geiseln ein nachahmenswertes Beispiel sein!
Wo bleiben da nur die Kolumbianer, ihre Politiker, ihr Präsident Uribe? Da tun sich für einen Mitteleuropäer schon viele Fragen auf.
Wollen oder können sie ihren in qualvoller Geiselhaft befindlichen, z. T. kranken, in FARC- Geiselhaft befindlichen Landsleuten nicht helfen?
Solch ein Einsatz des Ex-Senators Luis Eladio Perez nach vielen Jahren Geiselhaft und noch nicht einmal 4 Wochen in der Freiheit, selber von Krankheit gezeichnet!
Dieser Mann sollte für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen werden … er hätte diesen zweifelsfrei verdient!
Schade und mir unerklärlich nur, dass er in in seinem Heimatland Kolumbien kein Feedback und keinerlei Unterstützung hat. Stattdessen im Ausland um tatkräftige Unterstützung suchen muss, wie jetzt, aber mit Erfolg in Chile.
Irgendwie auch komisch, denn im gesamten kolumbianischen TV keinerlei Notiz davon. Nur gut, dass es wenigstens Yahoo Deutschland als eine zuverlässige und seriöse Informationsquelle gibt!
nun meine Quelle, auf die ich mich mit meinem Kommentar beziehe:
19. März, 00:11 UhrSantiago (AP) Der Ehemann von Ingrid Betancourt bittet Chile um HilfeAP
AP - Mittwoch, 19. März, 00:11 UhrSantiago (AP) Der Ehemann der kolumbianischen Geisel Ingrid Betancourt hat Chile um Hilfe bei den Bemühungen um die Freilassung seiner Frau gebeten. Juan Carlos Lecompte traf am Dienstag in Santiago mit Präsidentin Michelle Bachelet zusammen und bat sie um Unterstützung für einen neuen Plan für eine Lösung des Geiseldramas.
«Sie hat versprochen, aktiv mitzuarbeiten», sagte Lecompte nach der Begegnung. «Ich habe ihr erklärt, dass wir jetzt in einer sehr entscheidenden Phase sind und dass dies die beste Zeit ist, um uns zu helfen.» Der neue Plan für die Freilassung von Betancourt wurde von dem kolumbianischen Senator Luis Eladio Perez entworfen, der erst am 27. Februar von den Guerilleros der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) freigelassen worden war.
Einzelheiten des Plans sind nicht bekannt. Lecompte sagte, seine Frau habe selbst daran mitgewirkt. Perez will den Plan auch dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy vorstellen. Betancourt, die 2002 während einer Wahlkampfreise entführt wurde, hat neben der kolumbianischen auch die französische Staatsbürgerschaft. Nach seiner Freilassung hatte Perez erklärt, er habe die ehemalige Präsidentschaftskandidatin zuletzt am 4. Februar gesehen. Damals sei sie in sehr schlechter Verfassung gewesen.
Hallo Carlo, was den Einsatz Eladios betrifft, bin ich ganz Deiner Meinung. Was Deine Analyse angeht, frage ich mich wieder fassungslos: wie kommst Du dazu?
Sowohl im Fernsehen (”Propaganda” Sender Caracol und RCN, wie auch in den “Propagandablättern” El Tiempo, El Siglo usw. wurde schon seit der Befreiung Eladios darüber berichtet, dass er sich mit Sarkozy treffen wollte. Über sein Treffen mit Uribe ist berichtet worden (ein Tag nach Reyes Tod, ist Dir vielleicht deswegen entgangen). Da er er aber anders als Chavez oder Cordoba nicht in der Welt rumposaunt welche Vorschläge er hat und was vereinbart wird, kann man über Ergebnisse nur spekulieren. Über seine Reise und sein Treffen ist berichtet worden, schau doch einfach mal rein, z.B.: http://www.eltiempo.com und da tippst im Suchfenster Luis Eladio Perez ein und wirst einige Nachrichten zu diesem Besuch finden. Im Vorfeld und danach, aber da Luis Eladio kein schwätzender Clown ist, hat er wenig zu dem Treffen gesagt, außer das er optimistisch ist. Ob das eine Titelseite wert ist? Ich fühle mich auf alle Fälle bisher gut informiert von der Propaganda Presse und stelle fest, dass ihre Informationen NACHTRÄGLICH von den von Dir zitierten Quellen ziemlich korrekt wieder gegeben werden. Auch der Besuch von Lecompte ist dokumentiert.
Falls Du noch nicht mitbekommen hast, dass in Kolumbien seit dem Tag der ersten Entführungen viele (leider) fruchtlose Wege gegangen wurden, dann muss ich mich nach Deiner Objektivität oder Deinen Informationsquellen fragen.
Es gab schon vor Ingrid Entführte und auch davor viele Versuche diese Menschen frei zu bekommen. Über sie wurde immer berichtet und sie wurden und werden immer von der Gesellschaft mitgetragen. Caguan war ein vierjähriger Versuch dieser ganzen Gesellschaft, davor hatte es schon Belisario Betancourt probiert und auch Ernesto Samper versuchte es mit Verhandlungen. Auch Ingrid hat sich auf dem Weg gemacht um mit der FARC auch über die Geiseln zu reden, sie kehrte bekanntlich nicht zurück. Nun ist Uribe mit seinem Versuch dran, die FARC militärisch so an die Wand zu bringen, dass sie verhandeln. In seiner Amtszeit ist er von der strikt militärischen Lösung abgekommen. Piedad Cordaba ist ein Aushängeschild für viele Politiker die sich für eine baldige Freilassung seit jeher einsetzen. In Kolumbien siehst Du seit Jahren Bilder der Entführten an Bürgermeistereien ausgehängt, an Bushaltestellen Plakate deren Figuren keine Gesichter haben und an die vielen namenlosen Entführten erinnern. Es gibt Familienorganisationen die sich um das Schicksal der Verschwundenen durch die Paras und die Guerillas (ELN und FARC) wie auch durch den Staat kümmern, es gibt Anwälte die sich um Aufklärung stark machen. Am 4 Februar gab es eine massenhafte Willensäußerung der Kolumbianer, an das selbsternannte Heer der Befreier -FARC- adressiert, die Entführten frei zu lassen.
Du meinst das sich dem Mittel Europäer viele Fragen auf tun - Zeit wird es! Aber erspart uns auf diese Frage solche Antworten, wie die, dass die Kolumbianer nur fern gesteuert auf die Strassen gehen oder von Uribe manipuliert Konzerte für den Frieden und für ein Großkolumbien abhalten. Europa hat sich 15 Jahre nicht gefragt, was hier passiert und entdeckt nun dank Sarkozy, dass da im Busch was los ist. Und Du willst aus Yahoo-Meldungen der letzten zwei Monate diese 15 Jahre zusammen fassen? Ich bitte Dich!
Hola Carlo,
ich frage mich ernsthaft, wie Du denken kannst, dass man sich bei Yahoo Deutschland besser über Kolumbien informieren kann, als über die örtlichen Medien. Das ist, als wenn Du sagst, Du kannst Dich über Deutschland am Besten über die Seite von Caracol Radio informieren!
Ich denke, wenn Du so wie wir El Tiempo, El Siglo, Semana, Cambio, Caracol, WRadio und RCN liesst/hörst/siehst und das mehrfach am Tag (und Dich nebenbei für das Land interessierst und hier lebst), bist Du gut über die Propagandamaschine “kolumbianischer Staat” informiert.
Gruss
Nicole
Hallo Miguel,
Deine ideologische sowie Deine politische Einstellung ist auch mir inzwischen hinlänglich bekannt. Ich möchte diese Dir diese auch keinesfalls nehmen.
Nur bitte ich NOCH EINMAL bei den Tatsachen zu bleiben und (möglichst) auch die Meinung anders denkender und anders empfindender Menschen zu respektieren. Das ist schlichtweg ein MUSS für einen Demokraten überall auf der Welt … sonst ist er KEINER.
Nun zu Deiner, in leider vielem unsachlichen, Kritik meines Kommentars:
1. ich schrieb von dem Besuch(18.3.08) bei Präsidentin Michelle Bachelet in Santiago de Chile und davon wurde(zumindest bis dahin) nichts im kol. TV erwähnt. El Tieempo ist für mich und da stehe ich mit meiner Meinung bei weitem nicht alleine da, ein regierungstreues Schmierblatt(berichtet EINSEITIG). ET ist also leider zur Bildung einer realistischen und objektiven Meinungsbildung (für mich) NICHT GEEIGNET!
2. Nicht ich habe aber den Ex-Senator Luis Eladio Perez mit e3inemschwätzender Clown verglichen, sondern DU. Wie sehr ich den kol.Ex-Senator schätze und wie groß mein Respekt vor dieser Persönlichkeit insgesamt für mich ist, habe ich in meinem vorangegangenen Kommentar deutlich zum Ausdruck gebracht und ich denke mal, dass es nicht erforderlich ist, dieses erneut zu wiederholen, da nachlesbar.
2. Meine Informationen beziehe ich aus anerkannten Quellen wie Yahoo, Reuters , die Welt, der Spiegel, die Zeit um nur einige zu nennen.
3. Mein Kommentar betraf die aktuelle Situation zur Geiselbefreiung, insbesondere auch Ingrid Betancourt und nichts anders.
4. Ob Dir nun meine realistischen und für mich wichtigen Fragen zu dem Thema passen oder nicht ist allein Dein Problem. Als europäischer Demokrat habe ich jedenfalls kein Problem damit und Du solltest bitteschön meine fundierten Ansichten so hinnehmen wie sie sind oder aber, falls Deiner Meinung nach erforderlich, diese der Realität entsprechend kommentieren. Wenn Du schon meinst, mich belehren zu müssen, dann allerdinggs bitte ohne Polemik und ohne Zynismus und möglichst beim Thema bleibend ohne auzuschweifen, dafür dann aber mit Sachlichkeit und Fairnis. Alles andere wäre eh zwecklos und außerdem auch ein Zeichen schlechten Stils für einen Demokraten!
Sollte ich Deiner Meinung nach die Unwahrheit verbreiten, so sage es bitte offen.
5. DAS … ist nun einfach eine Frecheit, lieber Miguel, mir meinen Kommentar mit derart dreisten WORTVERDREHEREIEN bzw. mir UNWAHRHEITEN zu verfälschen:
“Du meinst das sich dem Mittel Europäer viele Fragen auf tun - Zeit wird es. Aber erspart uns solche antworten, wie die dass die Kolumbianer nur fern gesteuert auf die Strassen gehen oder Konzerte für den Frieden abhalten. Europa hat sich 15 Jahre nicht gefragt, was hier passiert und Du willst in zwei Monaten aus Yahoo diese 15 Jahre zusammen fassen? Ich bitte Dich”
Unterlass SOETWAS bitte EIN FÜR ALLE MAL und für die ZUKUNFT … zumindest was meine Person und meine Kommentare anbetrifft!
Zur Untermauerung meines vorangegangenen Kommentars und zur weiteren Information entsprechende Teile des Interviews aus der Welt vom 14.03.08. Für mich wiederum sehr beeindruckend und ergreifend und ich möchte dem nichts hinzufügen, denn es sagt doch ALLES …
…mein Respekt und meine Hochachtung vor Senor Luis Eladio Pérez!
Nun aus “die Welt”, INTERVIEW:
Die Farc-Guerilla gibt vor, eine Linksbewegung zu sein, die den Sozialismus durchsetzen will. Haben Sie eine Vorform des sozialistischen Staates vorgefunden, ein Idealbild, das auf die Zukunft gerichtet ist?
Pérez: Nein, sicher nicht, aber die Farc haben ein politisches Projekt mit kommunistischer Tendenz, schon seit langer Zeit. Geblieben ist davon die Idee zu einer Agrarreform, eine komplette Überarbeitung der kolumbianischen Verfassung und ein paar andere Ansätze, die für unsere Gesellschaft durchaus interessant sind, um ein größeres Klima der Gleichberechtigung in unserem Land zu schaffen.
Sind die Farc Revolutionäre oder, wie die Regierung in Bogotá sagt, Drogendealer?
Pérez: Ich denke, dass sie eine politisch-militärische Gruppe sind, die den Drogenhandel zeitweise nutzen. Sie erheben Steuern für die Händler. Ich habe aber keine Hinweise, dass die Farc selbst Coca anbauten oder ernteten oder das Kokain herstellten, noch war ich Zeuge, dass sie damit handelten. Aber die Steuereinnahmen sind eine enorme Geldquelle
Haben Sie in den schwierigen Jahren Ihrer Gefangenschaft die internationale Solidarität mit den Farc-Geiseln gespürt?
Pérez: Mehr die internationale als die nationale, und das ist sehr traurig. Denn wir sind nicht nur Geiseln der Farc geworden, sondern auch des Vergessens – des Vergessens durch unsere Mitbürger, den Kongress, durch viele Institutionen des öffentlichen Lebens in Kolumbien. Es geht ja nicht nur um 40 oder 50 “Austausch-Geiseln”, wie man uns nannte. Es geht um mehr als 3000 Entführte Kolumbianer und ihre Familien, die Opfer dieses Dramas sind. Wir haben da mehr Solidarität durch Frankreich und die EU bekommen als durch unsere Heimat. Das hat uns sehr weh getan.
Hallo Nicole,
prinzipiell gilt das gleiche was ich bereits Miguel geantwortet habe und ich denke mal, dass am Schluss dieses Kommentars auch für Dich einiges von Interesse zu lesen sein wird.
Ob Du Dich nun ernsthaft fragst oder nicht ernsthaft fragst, weißt Du, DAS ist mir egal. Sage mir besser, WAS GENAU an meinem Kommentar falsch ist und belege es dann aber auch bitte mit fundierten Fakten.
Nicht, bitteschön “wie die Katze um den heißen Brei reden”.
Die Berichterstattung in Deutschland ist nachweislich fundiert und sachlich, ohne z.B.”Zusammenschnippeln” von Videos und ohne pausenlose Wiederholungen. Das brauche ich nicht und ich lehne es für mich ab. Wie die Kolumbianer über ihre TV-Sender denken, das ist ihre Sache und mir auch eigentlich egal.
DW-TV ist m.E. wesentlich informativer, aber das ist Ansichtssache und manche brauchen halt eine andere “Qualität” der Berichterstattung. Natürlich wird dort(DW-TV) schon recht wenig über Kolumbien berichtet, denn das gesendete Spektrum ist weltweit.
Ja, da hast Du vollkommen Recht(Propagandamaschine), mitunter entsteht auch bei mir schon zweifelsfrei der Eindruck ,dass die Berichterstattung in Kolumbien einer solchen erfolgt btw.(staatlich?) gleichgeschaltet ist.
Hallo Carlo,
ich bezweifle sehr, dass Du meine politische Einstellung kennst. Ich bin 74 nach Deutschland gekommen, habe Kanzler Schmidt miterlebt, das gekaspere der SPD und FDP um die Art wie mit der RAF umzugehen; die Freiburger Thesen der FDP und wie sich eine liberale Partei in einem sozialdemokratischen Staat als Regierungspartei positioniert, mit Begeisterung studiert; habe die Geburt der Grünen erlebt, Joschkas Strassenkämpfer-Zeiten gegen die Pershings und Atommüllager mitverfolgt und bin zu einer Art grünem Sozialdemokrat mit offenem Herz für die Freiheit des Individuums mutiert. Meine politischen Wurzeln liegen eindeutig bei der SPD, für die ich in Deutschland nie Wahlberechtigt war. Großen Respekt hatte ich vor Heiner Geisler, der zwar ein riesiger Scharfmacher war, ich mich daher oft politisch von ihm angegriffen fühlte, aber menschlich respektiert. Ihn zu verstehen und mich mit seinen aggressiven, aber brillanten Thesen auseinander zu setzen, hat mir die Diskussion mit und den Respekt für politisch anders denkende geschärft. Such Dir aus, wo Du mich politisch einordnen möchtest. Ich verstehe nur nicht, warum es Deinerseits keine Unterstellung ist, wenn Du mich in welche Ecke auch immer stellen möchtest. Wir kennen uns nicht. Ich würde es nicht wagen Dich in irgendeine Ecke zu drängen. Und selbst wenn ich wüsste, wo Du politisch hingehörst, wäre Deine politische Ansicht für mich nie ein Argument um Deine Meinung zu disqualifizieren. Was soll also dieses “Deine ideologische sowie Deine politische Einstellung ist auch mir inzwischen hinlänglich bekannt.”
Zu den von Dir angemahnten Tatsachen:
1. Du fragst wo die Kolumbianer bleiben, ob Eladio der einzige ist. Du schreibst: “Da tun sich für einen Mitteleuropäer schon viele Fragen auf. Wollen oder können sie ihren in qualvoller Geiselhaft befindlichen, z. T. kranken, in FARC- Geiselhaft befindlichen Landsleuten nicht helfen?” Da kann ich leider nur so antworten, wie ich es gemacht habe. Es gab in den letzten 15 Jahren viele, viele Versuche die Geiseln frei zu bekommen. Manche versuchten es so, manche anders. Es wurde am letzten 4 Februar ein Versuch der Massen gemacht, wir haben sie hier im Blog durch diskutiert. Ich denke das sind konkrete Antworten auf Deine Fragen. Du kannst mit den politischen Ansätzen, Theorien und den erzielten Ergebnissen nicht einverstanden sein, aber Du kannst nicht fragend behaupten “Wollen oder können sie ihren in qualvoller Geiselhaft befindlichen, z. T. kranken, in FARC- Geiselhaft befindlichen Landsleuten nicht helfen?
2. Dass Du die kolumbianischen Quellen nicht anerkennst ist Dein gutes Recht. Genauso wie es mein gutes Recht ist zu sagen, dass ich mich gut informiert fühle. Und im Sinne der Objektivität ist es doch super, wenn sich das, was sich aus den kolumbianischen Medien erfahren lässt dann auch noch in den von Dir bevorzugten Informationsquellen wieder findet. Ist doch toll, da haben wir die gleiche Information und Du brauchst die kolumbianischen Medien nicht pauschal abzuwerten, berichten sie doch das gleiche wie Deine. Wobei ich schon ganz gespannt darauf bin, wann der Spiegel über Eladios Besuch und Einsatz für die Geiseln berichten wird.
3. Eladio und viele andere (ich zähle dazu zum Beispiel auch Piedad Cordoba) haben viel Dank und Anerkennung verdient. Ich würde sie sicher als würdige Anwärter auf einen Friedensnobelpreis unterstützen. Sicher werden in Europa dann viele fragen: “Eladio wer?” “Piedad was?” Und das ist genau das Problem. Die Farc gibt es seit mehr als 40 Jahren. Sie haben eine Entwicklung durch gemacht, die sie in den letzten 15 Jahren zu dem gemacht haben, was sie heute sind. Keiner kann die FARC oder die Probleme Kolumbiens verstehen, wenn er sich über diese Zeitspanne nicht informieret. Über diese Zeit, die Entwicklungen und Zusammenhänge findest Du in Europa außer in akademischen Kreisen keine Informationen. Europa hat 40 Jahre das Problem nicht interessiert und kann nicht auf einmal sagen: Kolumbianer wir wissen alles, ihr müsst unsere Zeitungen lesen. Eure sind nur Schmierblätter und Eure Meinung daher auch uninteressant.
4. In diesem Blog ist diskutiert worden, ob der Marsch am 4 Februar eine freie Willensäußerung war oder nicht. Wollen oder können wir Kolumbianer unseren Geiseln nicht helfen? Dieser Marsch ist eine der vielen Antworten auf Deine Frage. Ich halte es für falsch, ehrverletzend und intolerant, nur Tages-Informationen über Kolumbien zu haben, die Solidarität der Kolumbianer mit ihren Geiseln pauschal in Frage stellen wollen und wenn eine klare Meinungsäußerung zu dieser Frage da ist, sie als Propaganda-Veranstaltung abkanzeln zu wollen.
5. Ich bin ganz Eladios Meinung: Die kolumbianische Gesellschaft hat noch nicht genug getan. In wie weit Eladio in seiner Gefangenschaft von der FARC über alles informiert wurde, was in Kolumbien abging oder er sich informieren konnte, sei dahin gestellt. Die kolumbianische Gesellschaft hätte mehr machen sollen. Demonstrationen gegen die FARC hätten viel früher statt finden sollen, einmal im Monat. Demonstrationen gegen die PARAS ebenso. Ich kann verstehen, dass Eladio sagt, er habe die internationale Solidarität gespürt und das nationale Vergessen. Genau deswegen war diese Demo am 4 Februar ein Erwachen. Denn in seinen Briefen an seine Familie, die mit der befreiten Clara Rojas als Lebensbeweise geschickt wurden, hatte er genau das geschrieben: “Das schlimmste ist es, das Gefühl zu haben, nicht zu zählen, vergessen worden zu sein.” Das hat alle in Kolumbien aufgerüttelt, dass hat die Menschen auf die Strasse gebracht. Diese Briefe wurden in allen Medien Kolumbiens zitiert und zitiert, u.a. auch in El Tiempo veröffentlicht. Kannst Du mir den Spiegelartikel oder den Yahoo-Ticker oder den Beitrag der DW zeigen oder nennen, in dem auf diese Briefe eingegangen wird? Trotzdem, meinen viele Europäer sagen zu können, die Kolumbianer seien auf die Strasse gegangen, weil der Staat sie dazu aufgerufen habe. Sie berufen sich da nur auf Tagesmeldungen, den Hintergrund kennen sie nicht. Ist das demokratisch? Wie fair ist das: Die freie Meinungsäußerung eines Volkes generell als Propaganda gesteuertes Geturne abzutun und 6 Wochen nach dieser Meinungsäußerung zu fragen: Wollen oder können sie ihren in qualvoller Geiselhaft befindlichen, z. T. kranken, in FARC- Geiselhaft befindlichen Landsleuten nicht helfen?
Hallo Carlo,
niemals habe ich Dich in “eine Ecke” gestellt bzw. stellen wollen. Warum auch mir geht es doch momentan vielmehr in meinem Bericht einzig und allein um das Thema der kolumbianischen Geiseln bzw. deren Befreiung. Alles andere ist weder relevant noch von besonderem Interesse. Mir mißfällt, und das wiederholt, der Stil wie Du mit mir als anders denkendem, umgehst. Übrigens und fairer Weise, Respekt vor Deinen Kenntnissen der deutschen Sprache, damit steckst Du viele Deutsche locker “in die Tasche”.
Aber aufgrund Deiner zuvor gemachten, und von mir ausdrücklich widersprochenen,(von mir böswillig emfundenen) Verdrehungen meines Kommentars, mußte doch einfach von in “eine Ecke” gestellt werden bzw. stellen wollen, von ausgehen!
Das wir politische Dinge meist verschieden interpretieren und verstehen ist doch hinlänglich bekannt.
Daher bin ich auch bemüht, in meinen Kommentaren nach Möglichkeit nur fundierte Fakten zum Thema und so wenig wie mögliche persönliche Interpretationen anzuführen. Das vereinfacht normalerweise doch schon vieles, denke ich.
Es ist aber nicht meine Absicht noch meine Aufgabe, Dich politisch einzuordnen. Nur Fairnis und einen gewissen gegenseitigen Respekt, den erwarte ich einfach.
zu Deinen Punkten.
1. in vielem widerholst Du Dich und ich möchte, da ja alles hinreichend bekannt, verständlicherweise nicht weiter darauf eingehen. Aber ich weise noch einal auf die Wote von Senor Luis Eladio Pérez hin. “Wir haben da mehr Solidarität durch Frankreich und die EU bekommen als durch unsere Heimat. Das hat uns sehr weh getan”. Diese hat Du wohl anscheinend überlesen, doch mir sagen diese Worte alles … ohne jeglichen weiteren Kommentar. Was ich beim Lesen dieser Worte empfunden hasbe, das möchte ich hier besser nicht äußern. Es hat mich aber in der Tat SEHR BEWEGT … auch oder vielleicht gerade als deutschen Staatsbürger.
2. Deine Ansichten sind und bleiben natürlich Dir überlassen. Entscheidend für mich bei der Bewertung einer Information ist der Wahrheitsgehalt, die Art und Weise der gesendeten Mitteilung.
3 Die Senatorin Sra. Piedad Cordoba verdient zweifelsfrei ebenfalls meine ausdrückliche Anerkennung. Das habe ich ihr übrigens auch schon auf ihre Homepage geschrieben. Leider lässt die HP der Senatorin seit einiger Zeit nicht mehr aufrufen, warum weiß ich nicht und spekulieren möchte ich da nicht!
Deine Behauptung “Europa hat 40 Jahre das Problem nicht erkannt und kann nicht auf einmal sagen: Kolumbianer wir wissen alles, ihr müsst unsere Zeitungen lesen. Eure sind nur Schmierblätter und Eure Meinung daher auch uninteressant” ist schlichtweg erneut eine boshafte unhaltbare Unterstellung, zumindest mir gegenüber.Ich erwähnte nur El Tiempo und dazu stehe ich auch. Warum nur dieser Hass, dieses persönliche Verunglimpfen??? Natürlich ist Kolumbien in Europa bekannt, mehr möchte ich dazu nicht sagen und natürlich gibt es auch in Deutschland entsprechende “Schmierblätter”,z.b. Bildzeitung, Hamburger Morgenpost u.a.m. Aber die muss ich ja nicht lesen und ich entscheide selber, wo ich meine Informationen beziehe.
4. Ich bitte Dich, was ist denn an meinem Verhalten falsch, ehrverletzend und intolerant? Habe ich ein schlechtes Wort über eure Märsche verloren, die mich allerdings eher an Events erinnerten. Meine Empfindungsweise in einer derartigen Volkstragödie ist eine andere, von tiefer Trauer geprägte. Da beeindrucken mich doch wesentlich die Worte des Ex-Senators Luis Eladio Perez:
“Mehr die internationale als die nationale, und das ist sehr traurig. Denn wir sind nicht nur Geiseln der Farc geworden, sondern auch des Vergessens – des Vergessens durch unsere Mitbürger, den Kongress, durch viele Institutionen des öffentlichen Lebens in Kolumbien. Es geht ja nicht nur um 40 oder 50 “Austausch-Geiseln”, wie man uns nannte. Es geht um mehr als 3000 Entführte Kolumbianer und ihre Familien, die Opfer dieses Dramas sind. Wir haben da mehr Solidarität durch Frankreich und die EU bekommen als durch unsere Heimat. Das hat uns sehr weh getan”.
5. Hier sind die beiden Links:
http://de.news.yahoo.com/ap/20080318/tpl-mann-von-ingrid-betancourt-bittet-ch-cfb2994.html
http://www.welt.de/politik/article1796899/Ex-Geisel_berichtet_von_Betancourts_Qualen.html
Es sind allerdings die links zu den von mir angeführten Zeitungsberichten. Andere Beiträge sind mir leider momentan nicht aktenkundig bekannt.
Also nun einmal langsam. Eigentlich wollte ich auf diese m.E. und z.T. nicht fundierten Anschuldigungen und in den Raum gestellten Unbterstellungen nicht weiter eingehen. Aber ich deke es besteht kärungsbedarf und ich werde es entsprechend versuchen, sofern mir das möglich ist mit Tatsachen zu belegen:
Fakt ist, dass Schulen und staatl. Behörden frei gaben zur Möglichkeit der Teilnahme am Protestmarsch am 04.02.08, aber am 06.03.08 wqar das nach meiner Information nicht der Fall!
Welche Schlüsse nun daraus gezogen werden, nun das ist doch bitteschön wohl noch jedem selbst überlassen. Als eine begleitende Maßnahme sind die Demonstrationen natürlich zu begrüßen. Mir ist nur bekannt geworden, dass Präsident Uribe und seine Getreuen das(04.02.08) als ein Votum für eine erforderliche Verfassungsänderung mit dem Ergebnis eine 3. Wahlzeit Uribes verwertet haben bzw. verwerten wollen.
Natürlich würde, weder z.B. in Deutschland noch in den USA eine solche Vorgehensweise Aussicht auf Erfolg haben bzw. möglich sein.
Bei Deinem Schlußsatz muß ich erneut auf die treffenden Worte des Ex-Senators Luis Eladio Perez verweisen(unter 4.),denen ich mich voll und ganz anschließe.
Hallo Miguel,
in der Eile ist mir leider ein Fehler unterlaufen, den ich zu entschuldigenn bitte! Natürlich nicht “Hallo Carlo” sondern richtig “Hallo Miguel” Danke
also ich finde auch das el tiempo ein propaganda blatt ist. ok propaganda klingt etwas hart aber sie berichten unbestritten einseitig. ansonsten bin ich da allerdings ganz bei miguel. die deutschen medien berichten auch nicht immer objektiv. selbst die super seriöse öffentliche tageschau macht da keine ausnahme. und die anderen genannten deutschen blätter haben teilweise auch schon üble geschichten rausgelassen. siehe bspw. die welt zum bosnien krieg. ich denke man sollte generell verschiedene medien zur meinungsbildung nutzen. dann sieht man auch wie unterschiedlich eine geschichte erzählt werden kann
und carlo wie kommst du nur darauf dass die kolumbianische gesellschaft sich nicht mit der geiselnahme beschäftigt oder nicht an der freilasung der Geiseln arbeitet? das kannst du doch nicht an einem einzelnen bericht der welt festmachen. die aussage von perez ist zwar subjektiv aber ich würde sie wohl auch weniger auf die kolumbianische gesellschaft als vielmehr auf die Uribe regierung zurückführen. ok, das musste jetzt sein. muss ja mein feindbild aufrechterhalten. schöne ostern an alle
@Marco:
Keine Informationsquelle ist total objektiv und das in KEINEM Land der Welt! Nie habe ich etwas anderes behauptet und ich kann mich da auch immer nur auf Medien beziehen, die mir auch bekannt sind. Nur sollte man unterscheiden zwischen rein zufälligen Fehlern (der Journalisten, Redakteure), bei allgemeinem Streben eines Blattes nach Sachlichkeit und Objektivität und dem bewußtem Gegenteil davon bei anderen Zeitungen, welche ausschließlich dem Zweck dienen möchten, die Informationen zu verdrehen, zu verfälschen, einseitig zu betrachten, alles nur, um die Leser in eine vorbestimmte Richtung zu drängen! Am besten noch, wenn die Leser es noch nicht einmal bemerken! Das ist Propaganda. Ich habe einige Beispiele deutscher Blätter angeführt. Hingegen vermisse ich da bei Dir aber SACHLICH fundierte Kritik ebenso, wie bei den von Dir zitierten deutschen TV-Sendern. Verschiedene Medien zur Information heranziehen ist natürlich immer gut.
Übrrigens möchte ich fairer Weise auch auf einen(für mich) interessanten Artikel in El Tiempo von heute hinweisen, der mich doch positiv überrascht hat:
http://www.eltiempo.com/politica/2008-03-20/ARTICULO-WEB-NOTA_INTERIOR-4021276.html.
Zu Deinen weiteren Ausführungen möchte ich nur fundiert Stellung nehmen, keineswegs aber spekulieren oder “schwammiges”, nicht belegbares, von mir geben. Als Europäer sehe ich die Dinge und Hintergründe dieser speziell kolumbianischen FARC-Geiseltragödie Geiseltragödie, sowie übrigens auch das gesamte sozial gesellschaftliche Problem Kolumbiens, halt anders, eher tiefgründiger und meine Empfindungen sowie meine Meinung decken sich da GANZ mit der des Ex-Senators Luis Eladio Perez. Aber das schrieb ich ja bereits zuvor. Die kolumbianische Gesellschaft einschließlich der gesamten Uribe Regierung hat bisher in der Freilassung der Geiseln keinerlei Erfolge zu vermelden, zumindest sind mir keine bekannt(und das Probklem dauert doch schon über viele Jahre an!) und gerade das beklagt doch der Zeuge Senor Luis Eladio Perez! Es gibt mehrere gleichlautende Berichte, übrigens heute auch endlich in El Tiempo(s. Link oben).
Also als Feind bzw. Feindbild möchte ich weder Dich noch sonst wen (persönlich) bezeichnen. Feindbilder liegen mir sehr fern, denn diese sind doch bekanntlich die Ursache von Hass und Verblendung! Natürlich respektiere ich die Meinung anderer, sofern diese fundiert, fair und nicht realitätsfremd ist, denn alles andere wäre schlichtweg auch undemokratisch.
In diesem Sinne:
Deseo una feliz Pascua a todos los democratas … und ich hoffe auf die BALDIGE FREIHEIT für ALLE Kolumbianer in Geiselhaft…
Euch allen erst einmal schöne Feiertage.
Ich freue mich sehr über die Diskussionen in diesem Blog. Mein Wunsch ist es, dass sie alle Leser/innen zum Mitmachen animieren, daher adressiere ich ungerne, sollen dies doch keine Debatten im engsten Kreis sein.
Also mache ich jetzt nur schnell eine kurze Adresse an Carlo: Danke für die Klarstellungen. Ich erkenne es Dir sehr hoch an, dass Du uns hier auf einen Artikel aus El Tiempo aufmerksam machst. Hut ab vor Deiner Fairness.
Und dann für alle: Weil es hier im Eifer des Gefechtes untergehen mag: Ich bin kein El Tiempo Abonnent, beziehe El Siglo und Semana, habe in Deutschland und auch noch in meinem ersten Jahr in Kolumbien den Spiegel abonniert gehabt und täglich in die Bild und die FAZ geschaut. Viele Blickwinkel machen Laune! An den kolumbianischen Nachrichten und Tageszeitungen vermisse ich die Hintergrundsinformation. Es geht sehr um Schlagzeilen, die beste Nachricht ist immer noch die blutige. Ganz schlecht ist es dann, wenn es um internationales Geschehen geht, hier fehlt Recherge ganz und man erhält wirklich nur Schlagzeilen und wenig Hintergrundsinformation. Die journalistische Qualität einer kolumbianischen Nachrichten-Sendungen kommt nicht einmal im Ansatz an eine Tagesschau- oder Heute-Sendung ran. Trotzdem ist es falsch den Eindruck zu erwecken, in Kolumbien gäbe es keine freie Presse und El Tiempo sei nur ein Regierungsblatt.
Dann möchte ich mich bei allen entschuldigen, die sich angegriffen fühlen könnten, wenn ich vehement die Meinungsfreiheit der Kolumbianer oder ihr Interesse an ihrem eigenen Schicksal verteidige. Colombia es Pasion, diese Leidenschaft haben wir Kolumbianer auch bei der Diskussion. Persönlich ist es nie gemeint.
In der Hitze der Diskussion geht aber nicht nur bei Kolumbianern der Blick für die Realitäten verloren:
“Die kolumbianische Gesellschaft einschließlich der gesamten Uribe Regierung hat bisher in der Freilassung der Geiseln keinerlei Erfolge zu vermelden, zumindest sind mir keine bekannt(und das Probklem dauert doch schon über viele Jahre an!)”
In meinen Augen ist auch diese Formulierung irre führend, denn es sind sehr wohl EINIGE frei gekommen. Auch brüstete sich Chavez , große Fortschritte gemacht zu haben bevor er von Uribe als Vermittler abgesägt wurde, ebenso tat dies Cordoba. Sicher sind das persönliche Verdienste, aber ihre Arbeit als Vermittler traten sie an, als Maßnahme und Strategie Uribes, also der kolumbianischen Regierung und Gesellschaft. Dies sind jetzt nur Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Sich über die Freilassung von Geiseln zu freuen und im gleichen Atemzug zu sagen, dass es keinerlei Erfolge gegeben habe, ist für mich widersprüchlich.
Darüber hinaus werden Uribe-Fans sagen, dass ein riesen Erfolg auch darin zu sehen ist, dass die Zahl der Entführten sehr stark zurück gegangen ist. Sie werden fragen, wie viele Entführungen nicht statt gefunden haben, dank der jetzigen Politik. Gerade an Ostern erinnern sich die vielen von tausend Kolumbianer, die dieses lange Wochenende vom Grün-Donnerstag bis Ostermontag genutzt haben um zu Verwandten zu reisen oder einfach Urlaub zu machen, dass es noch vor 7 Jahren undenkbar war, durch das Land zu reisen. “Pescas milagrosas” wurden die Stopps der FARC genannt, die auf den Landstrassen postiert waren und unter den Reisenden sich die ausgesucht haben, die als Geisel rentabel waren. Das sich die Nation wieder frei bewegen kann, empfinden viele als einen großen Fortschritt. Für manche Europäer nicht nachvollziehbar ein Erfolg in der Freilassung der Geiseln, für die Kolumbianer ist es eine Freilassung einer ganzen Gesellschaft die in Geiselhaft in ihren Orten und Städten war.
“Als Europäer sehe ich die Dinge und Hintergründe dieser speziell kolumbianischen FARC-Geiseltragödie Geiseltragödie, sowie übrigens auch das gesamte sozial gesellschaftliche Problem Kolumbiens, halt anders, eher tiefgründiger und meine Empfindungen sowie meine Meinung decken sich da GANZ mit der des Ex-Senators Luis Eladio Perez.”
Was bedeutet das? Als Europäer sehe ich die Tragödie und das gesamte sozial gesellschaftliche Problem tiefgründiger. Liegt es an unseren kolumbianischen Genen, dass wir Latinos das nicht sehen können? Verstehen nur Europäer die Zusammenhänge unserer Probleme? Ich denke Carlo hat oft deutlich gemacht, dass er das keineswegs so meint und sein Respekt vor anders denkenden sehr groß ist. Trotzdem ist eine solche Formulierung sehr missverständlich.
“Meine Meinung deckt sich ganz mit der des Ex-Senators.” Ganz Kolumbien ist da der Meinung des Ex-Senators, war es schon immer und sucht schon immer Wege. Was genau Eladio Perez gemeint hat, weiß ich nicht. Die kolumbianische Gesellschaft unternimmt, schon seit jeher Versuche um die Geiseln frei zu bekommen. Ich habe schon in einem Kommentar aufgezählt, dass mit Betancourt, Samper und Pastrana Präsidenten im Amt waren, die sich um verhandelte Lösungen bemüht haben. Luis Eladio Perez ist nicht als Geisel auf die Welt gekommen und bevor er gefangen genommen wurde, gab es schon Geiseln. Er war eine politische Leitfigur und würde man ihn fragen, was er den selber während seiner Zeit als Senator gemacht um die Geiseln frei zu bekommen oder ob er sie auch vergessen hatte, wird er sicher konkrete Beispiele nennen, mit denen er belegen wird, dass ihm die Freiheit der Geisel immer ein wichtiges Anliegen war und was er und seine Partei alles gemacht haben um diese Menschen frei zu bekommen.
Auf einmal würde dann seine Aussage ganz anders klingen als dass sich die Europäer mit den Geiseln solidarisieren und die Kolumbianer sie vergessen haben. Auf einmal stünde dann da: Europa hat 15 Jahre lang das Thema der Geiseln nur als eventuelle Schlagzeilen aus Kolumbien gekannt. Erst Sarkozy bringt Druck in die Sache und will nun Europa in die Verantwortung nehmen. Und das ist gut so.
Eladio hat mMn vor allem eine Antwort auf sein subjektives Empfinden als Geisel und das der anderen Geiseln gegeben. Dass er und alle Geiseln eine große Hoffnung gerade auf Europa setzen und setzten, verstehe ich voll und ganz. Das heißt aber noch lange nicht, dass in Kolumbien die Geiseln vergessen wurden. Sicher wird die FARC den Alltag der Geiseln auch dadurch schwer machen, dass ihnen ständig wiederholt wird, dass der Staat doch kein Interesse an ihnen hätte, sie keine Chance auf Freilassung hätten.
Von den wenigen Sachen, die Perez bisher konkret bekannt gegeben hat, stehe ich voll und ganz hinter seiner Erklärung, dass die EU entscheidend bei dem Prozess ist. Aber nicht, weil die Europäer tiefgründig das Problem erkennen - tut mir Leid, aber eine solche Formulierung kann ich nicht ernst nehmen, daher jetzt der Zynismus - dank ihrer Genetik wohl anders als die Kolumbianer, sondern weil Europa das politische Rückzugsgebiet der FARC sind.
Weil für Europa 15 Jahre lang das Problem nicht existierte, glauben dort viele noch, die FARC sei diese sozialistische Befreiungsarmee von 1960 und Kolumbien noch immer das gleiche Land der 20 Familien wie 1960. Daher unterstützen sie die politischen Ziele der FARC ohne jegliches Wissen was sich politisch und gesellschaftlich in diesem Land alles getan hat und wie viel Rückhalt die FARC wirklich hat. Um die Geiseln frei zu bekommen ist es wichtig, dass Europa dieses versteht und richtig einschätzt. Genauso wie auf den kolumbianischen Staat Druck gemacht werden muss, sich verhandelte Optionen als Alternative zur militärischen Lösung offen zu halten, muss auf die FARC Druck gemacht werden, dass nur sie für das Wohl der Geiseln verantwortlich sind und diese sofort frei lassen müssen.
Der kolumbianische Staat hat auf diesen Druck reagiert. Wo bleibt der Druck auf die FARC?
Unabhängig von der FARC hat Kolumbien noch viele Hausaufgaben zu erledigen und muss die Probleme der Armut, Chancen-Ungleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Arbeitsrecht, Rechtssicherheit, Umweltschutz, Agrar-Reform usw. angehen. Die Regierungen der letzten 15 Jahre haben viele Programme ins Leben gerufen und Gesetzestexte erlassen, die diese Themen aufgreifen. Ihre Umsetzung scheiterte und scheitert immer noch an Korruption und Sicherheit. Für beide sind oftmals die beteiligten Gewaltakteure verantwortlich. Daher ist es nicht mangelnder kolumbianischer Tiefgang, wenn viele Menschen hier sagen, dass die PARAS, die ELN und die FARC sich auflösen müssen bevor die gedachten Lösungen umgesetzt werden können.
Guten Tag,
ich habe im November in Uraba in einer kleinen Friedensgemeinschaft eine Gemeinschaftsküche aufgebaut und bin vor drei Tagen als Mitglied einer internationalen Pressekommission auf Einladung der ecuadorianischen Regierung am “Tatort” des kolumbianischen Militäreinsatzes in Angostura gewesen.
Die ganze Diskussion über die FARC und deren Untaten scheint mir vor dem Hintergrund der Aktionen der Anführer der Parapolitik / Paramilitär relativ müssig. Tatsache ist, dass die FARC bis heute die einzige Formation in Kolumbien ist die den Kampf gegen die Kriegsverbrecher aktiv aufnimmt und seit vielen Jahren führt. Die Geiselfrage ist sehr polemisch behandelt worden. Es gibt kaum Zeugnisse über in FARC-Haft gestorbene Geiseln, aber ein FARC Mitglied oder Sympathisant hat relativ wenig Ueberlebenschancen wenn er/sie in die Hände der Polizei oder des Ejercito gerät. Mir kommt es immer wieder vor als wie wenn versucht würde über die Verurteilung der Guerilla zu vermeiden die eigentlichen Ursachen der Kolumbianischen Krise zu vertuschen. Die FARC und ihre Vorgänger sind nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen!
Jeder der in den letzten Monaten in den Kriegsgebieten Kolumbiens einen Besuch gemacht hat weiss über die Verbrechen der Regierung und der mit ihnen verbündeten illegalen Paraverbände Bescheid. Wieso spricht keiner über die fehlgeschlagene Entwaffnung der AUC, über die Neuformierung von Verbänden wie “Aguilas Negras” und “Reinacer” die bereits jetzt wieder in den Gebieten Antioquia und Putumayo ihr mörderisches Unwesen treiben.
Wenn diese Themen nicht auftauchen in den Foren und Blogs ist ein Kernpunkt des Themas nicht behandelt und erlaubt den Kommentatoren über die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen der letzten 15 Jahre in Kolumbien hinwegzusehen. Ohne Gerechtigkeit kein Frieden. Die Täter gehören hinter Gitter.
Interessant die Berichte der Komission “Justicia y paz”. Für den der’s wissen will.
Fröhliche Ostern,
David
Hallo David,
Du hast Recht, wenn Du die ehemaligen AUC als Verbrecher benennst. Da sind wir alle die hier im Blog schreiben ganz Deiner Meinung. Auch die Kolumbianer wissen es und sind Deiner Meinung. Allerdings wenn man ihnen dann im gleichen Atemzug die FARC nennt, fangen sie an zu relativieren. Es gibt Gründe dafür, die vor allem darin zu suchen sind, dass nun einmal die Paras die Antwort auf die FARC waren.
Aber so zu denken ist ein schlimmer Fehler. Ich kann die AUC nicht legitimieren, weil sie eine Antwort auf die FARC sein wollten. Ich kann die Verbrechen der FARC nicht legitimieren weil sie als Gegner die AUC oder das kolumbianische Militär haben. Ich kann Verbrechen des kolumbianischen Militärs nicht legitimieren, weil sie im Kampf gegen die FARC oder ELN gemacht werden. Man darf einfach nicht versuchen die Verbrechen der einen mit denen der anderen zu recht fertigen.
Deine Aussage, die FARC sei die einzige Organisation die den Kampf gegen die Kriegsverbrecher aufnehme, widerspricht der Realität. Erstens kämpft die FARC nicht gegen die PARAS. Ihr Feind ist der kolumbianische Staat. Zweitens gibt es seit der Aufgabe der AUC immer wieder Zusammenarbeit zwischen der FARC und den Nachfolgern der PARAS in Gebieten, in denen die AUC den Drogenhandel beherrschten. Genauso gibt es Kämpfe zwischen der ELN und der FARC um solche Gebiete, wie es sie auch zwischen der FARC und den neuen Banden oder alten Drogenbanden gibt. Die These, die FARC hätte es sich als Aufgabe gemacht, die Kriegsverbrecher der PARAS und ihre Nachfolger zu bekämpfen halte ich für falsch.
Aber selbts wenn sie dies wirklich machen würden - es wäre keine Rechtfertigung, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren, entführen, gewählte Abgeordnete zu ermorden usw. . Das macht sie doch genau wie alle anderen Täter zu der gleichen Art Kriminellen.
Auch was das Schicksal der Gefangenen und der Geiseln angeht, kenne ich eine andere Realität: zuletzt wissen wir von elf Abgeordneten die in Geiselhaft erschossen wurden. Wir wissen dies, weil die FARC selber ihr Ableben mitteilte. Sie lehnt die Verantwortung ab, aber diese Menschen sind in der Geiselhaft umgekommen.
In kolumbianischen Gefägnissen sitzen mehrer Hunderte Guerilleros. Sie alle leben noch, wurden wegen begangener Verbrechen verurteilt, nach der geltenden Rechtssprechung. Sie erhalten Besuche wie andere Gefangene auch und werden wie diese medizinisch Versorgt. Sie wissen, wann ihre Strafzeit abgesessen ist. Das sind große Unterschiede zu der Gefangenschaft durch die FARC. Es haben sich auch viele FARC und ELN- Leute gestellt. Wenn ihnen keine Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden, nehmen sie ohne Haftstrafe an Wiedereingliederungsprogammen teil. Diese Möglichkeit resultiert aus dem Gesetzt Justicia y Paz, von dem viele fälschlicherweise denken, dass es nur für die PARAs gelte. Etwa 600 der noch inhaftierten FARC-Kämpfer haben erklärt, dass sie unter keinen Umständen von der FARC freigetauscht werden wollen.
Kannst Du belegen, welcher inhaftierte FARC-Kämpfer im Gefägnis umgekommen ist? Wenn Du einen Name hast, dann nenne ihn, die kolumbianische Staatsanwaltschaft nimmt den Fall auf. Anders ist es mit den Geiseln, die unter der Verantwortung der FARC sterben. Im besten Fall erhalten deren Angehörigen die sterblichen Überreste nach Wochen mit einer nicht zu verifizierenden Erklärung über die Todesursache. Da geht es diesen Angehörigen aber sogar noch besser als den Familien der FARC-Kämpfer, die von ihren Vorgesetzten wegen irgendwelcher Vergehen zu Tode verurteilt werden. Diese Familien erfahren nie, was aus ihren Angehörigen geworden ist oder wo und ob sie verscharrt wurden.
Mit den Aguilas Negras und den anderen Nachfolgern der AUCs hast Du vollkommen recht. Sie sind eine riesige Gefahr. Daher werden sie auch vom Staat bekämpft. In den letzten Tagen und Wochen ist es gelungen einige ihrer Führer gefangen zu nehmen oder zu töten. Aber gerade heute las ich in El Tiempo, dass Verbände der Aguilas Negras auch schon in Bogota sein sollen.
Daher ist die Politik Uribes der Seguridad Democratica für die meisten Kolumbianer so wichtig. Durch die Entwaffnung der AUCs ist die Gefahr von “Rechts” noch lange nicht weg. Vor allem da es sich bei den neuen nicht um politische Gruppen zu handeln scheint, sondern um Organisationen die im Drogengeschäft ihre Zukunft behaupten wollen. Oft gegen die FARC auch manchmal mit der FARC, eben wie es ihnen die Geschäfte und die Intelligenz ihrer Führer es am besten erscheinen lassen.
Ich denke ich kann für alle Blog-Leser und - Schreiber reden, wenn ich sage, dass wir Dir sehr dankbar wären, wenn Du uns etwas über die Ergebnisse der Untersuchung in Angostura erzählen könntest oder wo wir über diese mehr lesen könnten. Ich habe bisher nur diplomatisch getunte Erklärungen lesen können.
@DAVID:
Ein mutiger wie auch interessanter Beitrag!
Ich hätte mich allerdings, da Du ja, wie Du schreibst, an der internationalen Untersuchung der Vorfälle in Angostura/Ecuador teilgenommen hast, schon über etwas an Information über die Ergebnisse Neuigkeiten anlässlich der Untersuchungen gefreut. Oder gab es etwa vielleicht keine? Ich denke, das wäre in jedem Fall von allgemeinem Interesse, da m.E. noch detaillierte Fragen offen sind und einer alles klärenden Aufarbeitung bedürfen Aber vielleicht berichtest Du ja noch in diesem Blog einmal darüber. Denn ganz aktuell erhebt Ecuadors Präsident Correa gerade wieder schwere Anschuldigungen gegen Kolumbien in dieser(für mich) unrühmlichen und völkerrechtswidrigen, noch längst nicht aufgeklärten Angelegenheit.
Es ist schwierig eine fundierte Meinung in der existenziellen sozialpolitischen Frage Kolumbiens zu haben bzw. sich diese bilden und sie dann auch vertreten zu können. Eine für eine faire Meinungsbildung stets erforderliche objektive Information ist(mir), speziell in Kolumbien, aufgrund mangelhafter oder wenn, dann doch meist nur mittels frisiert zugänglicher Sachkenntnis, kaum möglich. Das ist SO aber unzureichend und von daher tendenziös. Eine Meinung basiert stets auf Fakten, hingegen ein Glauben, Denken aber nicht!
Die FARC(ich bin ein GEGNER der FARC, wie natürlich auch jeglicher anderer, nicht legitimer Gewalt und Kriminalität), z.B. ist m.E. mit all ihren negativen Seiten, nur EIN Teil des sozialen Gesamtproblems in Kolumbien. Zu einer längst überfälligen sozialen Umstrukturierung gehören ebenso die Beseitigung von ELN und PARAS(deren “Änderung” in “Aguilas Negras” und “Reinacer”, ist allenfalls als hirnrissige Augenwischerei zu bezeichnen), und vor allem aber die der Korruption. Außerdem muß dem „Verschwinden vieler“ endlich der Kampf angesagt werden, die irgenwelchen Leuten, politischen Gruppierungen „nicht ins Bild passen“ und einfach so “aus dem Verkehr gezogen”, ohne jemals wieder aufzutauchen bzw. das den Tätern der Prozeß gemacht wird. Ja, die Anzahl(tausende innerhalb der letzten Jahre) der Verschwundenen wird behördlicherseits geschätzt und ist nur vage bekannt(für mich unerklärlich und nicht nachvollziehbar. WARUM? KANN man etwa oder WILL man das hierzulande nicht GENAU feststellen???).
Es ist nicht meine Meinung, aber ich DENKE, eine politische Aufarbeitung, ev. mit einem anschließenden Neuanfang ist unerlässlich und längst überfällig! Den vorgenannten Gruppen muss UNBEDINGT die NAHRUNG entzogen werden, aber zuerst auf politischem Wege, mit landesweit besserer Erziehung und besseren Bildungschancen, und NUR als letztes Mittel sollte, wie auch sonst in Demokratien üblich, das Gewaltmonopol des Staates eingesetzt werden. ALLE GESETZESBRECHER aber, die großen wie die kleinen, gehören natürlich dann hinter Gitter. Ein dauerhafter Frieden in Kolumbien ist nur duch die Schaffung und unbedingte Einhaltung eines wirklich souveränen Rechtsstaates mit Gewaltenteilung(Legislative, Exekutive, und Judikative) möglich.
Carlo: Du sprichst Wahres gelassen aus. So mehr oder weniger redet Uribe die ganze Zeit wenn er sich über seine Seguridad Democrática auslässt.
Wegen der Bezeichnung PARAS, Aguilas Negras usw.: Die AUCs wurden mehr oder weniger offen von den offiziellen Streitkräften in den 90er Jahren unterstützt, zumindest toleriert. Daher der Name PARA (kommt aus dem Griechischen, viele haben es vielleicht aus dem Chemie-Unterricht noch in Erinnerung, die Ortho- und Parastellung der Atome). Während Ortho u.a. die Vorsilbe für richtig, streng ist, benennt Para etwas was neben dem eigentlichen steht, manchmal auch entgegen (daher die Stellungen der Atome in manchen Molekülen). Die Bezeichnung Paramilitär bezieht sich auf Organisationen die sich neben den offiziellen militärischen Einheiten um Aufgabe bemühen, die die offiziellen -und damit der Staat- nicht erfüllen können und/oder wollen.
Das war in den 90er mit den AUCs der Fall, denn sie verstanden sich als die Einheiten gegen die Guerillas (ELN und FARC) in einem Kampf in dem sich die offiziellen Militärs -in den Augen der AUCs- nur wenig einsetzten.
Dies trifft nicht auf die Aguilas Negras oder den aufkommenden Banden zu. Sie erwachsen in Gebieten, die von den demobilisierten Paras verlassen wurden. Manchmal, vielleicht oftmals sind ehemalige Paras bei diesen aufkommenden Gruppen, manchmal können sie auch als Platzhalter der inhaftierten Paras gesehen werden. Der große Unterschied ist, dass sie nicht den Staat ersetzen wollen, wo dieser seine Aufgaben nicht wahrnimmt und was einst die AUCs vor hatten, sondern dass sie ganz gezielt um das von den AUCs hinterlassene Macht-Vakuum im Drogengeschäft kämpfen. Das macht sie zu Gegnern anderer im Drogengeschäft verwickelten wie die FARC. Kurioserweise gibt es Gegenden in denen über eine Zusammenarbeit zwischen Aguilas Negras und FARC oder Aguilas Negras und ELN berichtet wird.
Für die Benennung ist aber entscheidend, dass die heutigen Banden nicht vom Staat toleriert, von diesem auf der Liste der Terrororganisationen geführt werden und sie auch nicht in Abwesenheit des Staates dessen Gewaltmonopol ausüben, ist der Grund dafür, dass sie nicht PARAS genannt werden. Daher ist die Unterscheidung keine Augenwischerei, sondern stellt das Verhältnis von Staat zu den Aguilas dar: Keine Toleranz!
Das in der Realität noch Militärs sehr nahe an diesen neuen Organisationen stehen, ist ein großes Problem, dem sich das Militär selbst und die kolumbianische Justiz stellen müssen.
Hallo Miguel,
vorweg, Deine mich betreffenden Äußerungen zu Anfang Deines Kommentars sind mir total unverständlich und für mich keinesfalls nachvollziehbar. Ich denke nicht, dass ich Uribe etwa kopiere oder dass es sonst igendwelche Übereinstimmungen mit Uribe und meinem vorhergegangenen Kommentar gibt! Für mich gibt es da KEINERLEI Gemeinsamkeiten, auch nicht annäherungsweise, die Deinen Vergleich zulassen und rechtfertigen würden. Ich bitte Dich daher, dies(e Unterstellung) genau zu präzisieren! Außerdem dann im gleichen Atemzug DEIN “mehr oder weniger” WAS soll das eigentlich heißen? Für MICH … und das einmal klar ausgedrückt: schlichtweg NICHTS!! Tut mir leid, aber nimm das bitte so zur Kenntnis, es musste einfach von mir einmal klargestellt werden!
Auch mir ist selbstverständlich der Name der PARAS, bzw. dessen Herkunft bekannt. In Punkto Kolumbien ist die ausführliche Namenserklärung m.E. aber doch völlig irrelevant(VIEL wichtiger das PROBLEM!), da diese gewaltbereiten Gruppen (zumindest für mich), genauso oder vermutlich noch schlimmer als zuvor die AUC, außerhalb der Gesetze agieren. Das ist nun leider einmal Fakt, ob das nun in die eigene persönliche (Wunsch-)Denkungsweise passt oder nicht, da gibt es wirklich nichts zu beschönigen, zu entschuldigen oder zu verharmlosen. Dass sich angeblich die Interessen dieser bewaffneten Banden geändert haben, entschuldigt doch auch nichts, denn sie morden und plündern nicht minder. Eine Tolerierung, ja eine ZUSAMMENARBEIT(bei gemeinsamer Interessenlage)der einzelnen(normalerweise verfeindeten)Gruppen, wie auch mitunter mit Polizei & Militär ist mir bekannt. Das Ganze ist mit einem fein gesponnenem aber gut funktionierendem Netzwerk zu vergleichen, das alle Bevökerungsschichten und alle Politikerebenen einbindet. Daher nur schwer zu zerschlagen. Natürlich ist es AUGENWISCHEREI, weil die offizielle Demobilisierung der PARAS vielfach nur zum Schein erfolgte, bzw. die PARAS sich häufig nur vermeintlich demobilisieren ließen, aber es in Wahrheit gar keine PARAS, sondern z. B. Bauern waren. So bestehen die PARAS unter anderem Namen, im großen und ganzen fort auch wenn sich im Lauf der Jahre deren Betätigungsfeld geändert haben mag. Alle haben nachweislich geraubt und gemordet und das hat sich doch bis zum heutigen Tage defacto NICHT GEÄNDERT! Konkrete Informationen sind auch vielerlei Gründen, eher rar und dürftig. Aber ich bin halt davon ausgegangen,dass Dir dies behannt sei.
Weiter schreibst Du wörtlich “Das in der Realität noch Militärs sehr nahe an diesen neuen Organisationen stehen, ist ein großes Problem, dem sich das Militär selbst und die kolumbianische Justiz stellen müssen”. Das sehe ich genauso.
Hier noch einige relativ neuere Links zur Information zu diesem Thema:
http://www.bpb.de/themen/HJSE5F,0,0,Kolumbien.html
http://de.indymedia.org/2008/03/210963.shtml
http://www.peacebrigades.ch/cop_news.htm
http://www.kas.de/proj/home/pub/56/1/year-2007/dokument_id-10353/index.html
http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/004851.html
Hallo Carlo, im Plan Seguridad Democrática steht das was Du geschrieben hast. Mehr oder weniger, weil es natürlich nicht Wort für Wort da steht, und natürlich auch ausführlicher weil es ein Regierungsplan ist.
Die von Dir geäußerten Gedanken:
“eine politische Aufarbeitung, ev. mit einem anschließenden Neuanfang ist unerlässlich und längst überfällig! Den vorgenannten Gruppen muss UNBEDINGT die NAHRUNG entzogen werden, aber zuerst auf politischem Wege, mit landesweit besserer Erziehung und besseren Bildungschancen, und NUR als letztes Mittel sollte, wie auch sonst in Demokratien üblich, das Gewaltmonopol des Staates eingesetzt werden. ALLE GESETZESBRECHER aber, die großen wie die kleinen, gehören natürlich dann hinter Gitter. Ein dauerhafter Frieden in Kolumbien ist nur duch die Schaffung und unbedingte Einhaltung eines wirklich souveränen Rechtsstaates mit Gewaltenteilung(Legislative, Exekutive, und Judikative) möglich.”
ist die Zusammenfassung dessen, was Seguridad Democrática als Ziel hat. Und weil Du es so deutlich formuliert hast, gehe ich auch nicht weiter auf den Plan ein. Wenn Du Uribe diese Wort vorlegst, wird er begeistert sagen, dass Du ihn voll und ganz verstanden hast. Nun weiß der gute Mann nicht, dass Du seinen Plan gar nicht gelesen hast und wahrscheinlich seine Reden auch nicht im Zusammenhang sondern als Zitate. Und diese erwecken bei Dir den Eindruck, dass Du mit Uribe aber rein gar nichts gemein hast.
Würde ich jetzt aus Deinen Worten folgendes raus picken würde: “Den vorgenannten Gruppen muss UNBEDINGT die NAHRUNG entzogen werden …als (letztes) Mittel sollte, wie auch sonst in Demokratien üblich, das Gewaltmonopol des Staates eingesetzt werden” würde ich Interpretationen Tür und Tor öffnen. Der Schwerpunkt ließe sich ganz schnell auf eine autoritäre Rede verlegen. Insbesondere wenn ich das Wörtchen “letztes” vor dem Mittel weg lasse, kann dem Leser schnell sugeriert werden, hier will ein kleiner Militarist sich eine Rechtfertigung für die Gewalt durch den Staat ausstellen.
Aber weder Du noch Uribe haben das, was ich hier unzulässig und missverständlich zitiere, geschrieben oder gesagt, sondern Euch beide wiederholt in dem Zusammenhang Deines kompletten Zitats geäußert. Das macht Euer Denken nicht deckungsgleich, aber es ist Interessant die gleichen Ansätze zu sehen. Du kannst natürlich gerne sagen, dass Du was Du geschrieben hast nicht so gemeint hast. Uribe hat aber über die Jahre bewiesen, dass er an das was er sagt glaubt und es ist in Deinen Worten sehr schön zusammen gefasst.
Die Aguilas Negras sind eine kriminelle Mörder-Gruppe. Da macht es keinen Unterschied ob sie zu den Paras zählen, eine Guerilla-Gruppe wären oder einfach eine neue Bande. Da sind wir alle gleicher Meinung. Wenn sie für Dich PARAS sein, kein Problem. Wichtig ist doch, dass wir uns nicht in Gezänke aufhalten, ob es von Rechts oder Links legitimer ist, denn es ist es nicht. Und in einem Land wie Kolumbien noch weniger, da es nicht um politische Positionen geht. Weder hat die heutige FARC politisch eine Aufgabe noch haben die ehemaligen Paras sie gehabt.
Danke für die Links
DEIN KOMMENTAR MUSS NOCH MODERIERT WERDEN.
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Was soll DAS denn nun heissen???
Sollte aber mein Kommentar, von WEM auch immer und OHNE meine ausdrückliche Zustimmung VERÄNDERT(sprich verfäscht!) veröffentlicht werden müssen, dann bitte ich meinen Kommentar NICHT ZU VERÖFFENTLICHEN. Ich möchte und brauche KEINE ZENSUR. Ja, so etwas ist mir als mündigem Europäer völlig neu und ich finde derartige “Zensur”Massnahmen ABSOLUT undemokratisch und absurd!
Ich bitte um eine entsprechende Erklärung!
Hallo Miguel,
es tut, mir leid, aber ich kann da nun beim besten Willen wirklich keinerlei substantielle Gemeinsamkeiten entdecken, genau das Gegenteil ist vielmehr der Fall! NIE setze und werde ich auf Gewalt als erstes Mittel setzen, aber GENAU das tut Uribe. Für mich ist immer zuerst eine politische Lösung erforderlich. Der Staat hat das Gewaltmonopol im Notfall und nur als LETZTES mögliches Mittel anzuwenden. Ich denke meine abermalige Erklärung ist deutlich!. Habe mich jetzt aber noch einmmal schlau gemacht:(s.Link):
http://www.weltpolitik.net/Regionen/Nord- und Lateinamerika/Gesamtregion/Grundlagen/Kolumbien unter der Präsidentschaft Alvaro Uribes - Innenpolitik.html
Was die PARA & CO. betrifft, gehen wir grundsätzlich eh konform, denke ich und es bedarf da keinerlei weiterer Erklärungen. Das GROSSE Problem, das sich uns auftut, ist doch deren VERNÜNFTIGE und DAUERHAFTE Kaltstellung. Auf jeden Fall wird diese m.E. nur schrittweise erfolgen können und sie wird auch nicht eben mal ein “Sonntagmorgenspaziergang” sein…
Ich möchte Dich doch aber bitten, noch kurz zu meiner Frage zu “DEIN KOMMENTAR MUSS NOCH MODERIERT WERDEN” Stellung zu nehmen.
Danke
@Carlo: das mit der Moderation kann ich klar stellen
Leider gibt es viele Spammer im Internet daher wird jeder Beitrag im Kolumbien-Blog, der mehr als zwei externe Links enthält nicht automatisch veröffentlicht. Das war in deinem Beitrag der Fall. Ich denke es hätte ausgereicht zu Fragen, was es mit der “Moderation” auf sich hat, bevor du uns der Zensur beschuldigst
Ich glaube von Journalisten verlangst du ja auch, dass sie erstmal nachfragen, bevor sie Behauptungen aufsetzen 
Ich habe mich bei den Kommentaren zu diesem Beitrag zurückgehalten, da ich letzte Woche unterwegs war, mir fallen zum Thema Journalismus in Kolumbien & Europa zwei Dinge ein:
a) ich denke man kann schon sagen, dass wir eine hohe journalistische Qualität in Deutschland haben. Aber dennoch wird einem ab und an echt Angst und Bange, wenn über Themen berichtet wird, bei denen wir uns - wie im Fall Kolumbien - selbst gut auskennen. Redblog hat dazu was nettes gefunden:
http://redblog.twoday.net/stories/4762191/
Stell dir mal vor solch ein Fehler würde dem kolumbianischen Fernsehen passieren, es wäre der perfekte Beweis für die These, dass wir in Kolumbien einer Propaganda unterworfen werden
b) und dann bin ich letzte Woche über ein interessantes Interview gestolpert … Wenn wir schon unsere Nachrichtenquellen aufführen, dann muss ich bei mir vor allem das Radio nennen. Caracol und wradio bieten alle Interviews als Podcast an. Das finde ich sehr angenehm, da ich so die Originalaussagen hören kann und nicht die Interpretationen daraus in den verwertenden Medien angewiesen bin. Und vor ein paar Tagen gab es ein Interview, wo Julio - der Interviewer - ziemlich aus den Reserven gelockt wurde, als es darum geht, dass die FARC nicht direkt im Drogengeschäft arbeiten würde
http://www.wradio.com.co/envivo.asp?id=564772
(ach ja, auch interessant, welche Statistiken es so gibt, die von Brittain:
http://www.wpunj.edu/newpol/issue40/Brittain40.htm#r16
… und die von den NGOs Pais Libre und Couljuristas:
http://www.kolumbien-blog.com/bewaffneter-konflikt/statistik-politische-morde-kolumbien
http://www.kolumbien-blog.com/kolumbien-heute/entfuehrungen-kolumbien
Hallo André,
danke für die schnelle, gute und auch sachliche Erklärung!
Allerdings hatte ich aber auch nur den Verdacht einer Zensur geäußert. Diese Art der “Moderation” war mir absolut neu, aber nun hast Du mich ja hinreichend aufgeklärt.
Der 1.Link(redblog) ist mir bereits bekannt. Abber ich denke, mal das ist ABSOLUTE Dummheit der ARD und keine böse Absicht gewesen. Ist aber meine meine persönliche Auslegung. Einen ähnlichen Fall hatte ich letztens übrigens in “Die Welt-online”: dort wurde in einem aktuellen Artikel zum Tibet/China-Problem von 26(!)CHINESISCHEN Nobelpreisträgern berichtet, die eine Resolution für mehr Demokratie unterzeichnet hätten. Auf meinen Einwand hin in einem Kommentar, wurde dieser kurzfristig gelöscht(finde ich NICHT OK) und der Bericht aber entsprechend geändert… es waren nun 26 Nobelpreisträger…wenigstens wurde der Sachverhalt RICHTIG gestellt!
Danke auch für die (für mich) sehr interessanten Links,insbesondere für die beiden zu Berichten im Kolumbien-blog, auch wenn diese nicht weiter kommentiert wurden,für mich gut geignet zur Bildung von(erforderlichem) Hintergrundwissen.
Mit der Tagesschau sehe ich genauso, ich denke es war nur ein dummer Fehler. Ich wollte damit nur beispielhaft zeigen, dass wir auch in Deutschland uns nicht unbedingt auf die Nachrichtenquellen verlassen können.
Vielen Dank für das Feedback bzgl. der beiden Beiträge!