Tag-Archiv für 'Ingrid Betancourt' Page 2 of 3



Ingrid Betancourt – Lebensbeweise der Geiseln

Ingrid BetancourtIn einem Kommuniqué teilte der kolumbianische Friedenskommisar Restrepo gestern Abend mit, dass drei Guerilleros festgenommen worden waren. Bei sich trugen sie fünf Videos auf denen mehrere der, von der FARC als austauschbar bezeichneten Geiseln zu sehen sind. Unter ihnen sind die französisch-kolumbianische Staatsbürgerin Ingrid Betancourt (ehemalige Präsidentschaftskandidatin), drei amerikanische Staatsbürger und mehrere Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte. Sie gehören zu dem kleinen Kreis der 45 von den mehr als 750 über Jahre festgehaltenen Menschen, die FARC im so genannten “humanitären” Austausch gegen 500 inhaftierten Guerilleros frei zu lassen gedenkt. Continue reading ‘Ingrid Betancourt – Lebensbeweise der Geiseln’

FARC – keine terroristische Organistation?

Am vergangenen Donnerstag strahlte der niederländische Sender nova eine Dokumentation über Tanja Nijmeijer aus. Tanja ist eine junge Niederländerin, die sich vor fünf Jahren in die Dienste der FARC begab. Ihre Tagebücher wurden im September gefunden, als kolumbianisches Militär das Lager angriff, in dem sich Tanja befand.

Tanja gehört zu den auf 20 geschätzten Ausländer die in der kämpfenden Truppe der FARC sind. Die veröffentlichten Auszüge Ihrer Tagebücher drücken Enttäuschung über die FARC und den Überdruss an ihrem Leben als Guerillera aus.

Der Sender nova (www.novatv.nl) ging ihren Spuren nach und traf im kolumbianischen Dschungel mit Raul Reyes zusammen, der über Tanja Auskunft gab – oder auch nicht. Er weiß nicht wo sie ist und der Sender konnte auch nicht bestätigen ob und wo sie lebt. Reyes nutzte die Gelegenheit, um auf die seiner Meinung nach gerechte Sache der FARC hin zu weisen und die europäischen Staaten aufzufordern, die FARC aus der Liste der terroristischen Organisationen zu streichen. Continue reading ‘FARC – keine terroristische Organistation?’

Gustavo Moncayo bittet Papst um Hilfe

Bei einer persönlichen Audienz gestern hatte Gustavo Moncayo die Gelegenheit mit Papst Benedikt XVI über das Schicksal seines Sohnes und damit über vieler anderer Geiseln zu sprechen.

Um Papst Benedikt einen Eindruck über ihre “Arbeit” der letzten Monate zu geben, brachten Gustavo und seine Tochter Yuri ihm ein Video und Fotos mit. Wenn ich daran zurückdenke, wie alles vor 4 Monaten Begann (ein Mann, der 1000 km laufen wollte, und zunächst von niemandem beachtet wurde) – kann ich Gustavo und seine Kraft nur bewundern.

Seit er in Europa ist, hat er auch hier hochrangige Politiker getroffen – eine Audienz beim Papst ist für ihn sicherlich der Höhepunkt seiner Reise.

Gustavo bat Benedikt XVI zur Freilassung nicht nur seines Sohnes, sondern aller Geiseln in Kolumbien, aufzurufen.

Leider sind die Berichte über Gustavo und seine Familie in Deutschland immer noch selten.Wenn Ihr Artikel in der europäischen Presse seht, würden wir uns über einen kurzen Komentar mit link sehr freuen.

Update: Friedensprozess/Gefangenentausch

Piedad Cordoba & Luis Carlos RestrepoEnde Mai dachte ich, dass wir nah dran sind an einer möglichen “humanitären Lösung” – “acuerdo humanitario”. In Frankreich wurden Nicolas Sarkozy als neuer Präsident vereidigt und in seiner ersten Amtswoche bat er Alvaro Uribe den ranghöchsten Häftling der FARC – Rodrigo Granda – freizulassen. Diese Bitte entsprach der Präsident auf einer juristisch umstrittene Weise und erntete starke Kritik. Die Senatorin Piedad Cordoba berichtete daraufhin am 31. Mai, dass die Freilassung von Ingrid Betancourt in wenigen Stunden bevorsteht. Doch was geschah? Nichts. Piedad Cordoba verlor ihre Glaubwürdigkeit und Alvaro Uribe sein Vertrauen in den französischen Staatspräsidenten, denn die Freilassung von Rodrigo Granda war einseitig, die FARC hatte der französischen Regierung keine Zusagen gemacht.

Nach drei Monaten Ruhe ist in den letzten Wochen wieder einiges an Bewegung in den Prozess gekommen, hier eine Abfolge der Ereignisse, die nun völlig neue Impulse geben…

Continue reading ‘Update: Friedensprozess/Gefangenentausch’

Gustavo Moncayo in Europa

nicole-und-gustavo.jpgAm letzten Freitag war es nun endlich so weit. Am Vormittag verliess Gustavo mit seiner Tochter Yuri ihre Heimat der letzten Wochen – das Zelt auf dem Plaza Bolivar. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge übergab er das Zelt mit einem großen Dank an Bogotas Bürgermeister Luis Garzon. Bei seiner Ankunft in Bogota am 01. August hatte Gustavo gesagt, er bliebe solange auf dem Plaza Bolivar, bis er eine humanitäre Lösung erreicht hätte. Letzte Woche brach er nun auf, um auch in Europa um Gehör und Unterstützung zu bitten.

Natürlich marchierten Gustavo und Yuri zu Fuss zum Flughafen, bevor sie ihren weiten Weg jetzt auch nach Europa fortsetzen.

Bereits einen Tag nach seiner Ankunft in Paris, sprach Gustavo auf dem “Fete l´Humanité” (ein Fest der kommunistischen Partei in Frankreich) zu den Medien. Er habe alles gelassen: sein Haus, seine Arbeit, seinen Sohn berichtete Gustavo Moncayo und machte deutlich, dass er sich für jede der Geiseln austauschen lassen würde.

Sein Feldzug geht weiter: gestern erreichte der “caminate por la paz” Brüssel. Vom Europäischen Parlament eingeladen, sprach der Vater des seit 10 Jahre entführten Pablo Emilio nun auch vor hochrangogen Politikern.

Auf Grund seiner 2 Mio. gesammelten Unterschriften lud ihn die FICIB (Internationales Komitee Ingrid Betancourt) ein, 20 Städte in Frankreich und Belgien zu Fuss zu besuchen, um um Unterstützung zu bitten.

In den nächsten Wochen wird sein Terminkalender anscheinend genauso gefüllt sein, wie hier in Kolumbien. Eine Audienz beim Papst ist geplant und eventuell auch ein Besuch des Bundestages.

Die Unterschriften-Aktion hier im Kolumbien-Blog war sehr erfolgreich – wir bekamen 26 Komentare in den unterschiedlichsten Sprachen. Viele Dank dafür! Wir haben diese Kommentare an Gustavo weitergeleitet – so wird er auch in Europa zeigen können, wie viele Menchen hinter seiner Idee stehen.

In unserem Interview vor 2 Monaten sagte uns Gustavo, dass es sich vorstellen könnte, Europa um Hilfe für die Reintegration von Ex-Guerilleros und ehemaligen Gefangenen zu bitten. Ich bin sehr gespannt, was er bei seinem Besuch erreichen wird und wie er die Europäer mit seiner Geschichte zum Nachdenken über Kolumbien, seine Politik und Geschichte bringen kann.

Was meint Ihr? Habt Ihr bereits Berichte gelesen oder etwas über Gustavo in den Nachrichten gehört?

Hugo Chavez auf schwerer Friedensmission

Hugo Chavez, Präsident VenezuelasEs begann sich vor drei Wochen abzuzeichnen, jetzt versucht Venezuelas Präsident Hugo Chavez die schier unnahbaren Positionen der kolumbianischen Regierung und der Guerillas FARC und ELN zusammen zu bringen. Dazu hat er den Auftrag und Segen des kolumbianischen Präsidenten Uribe, der ihm gestern in Bogota wichtige “Instrumente” mitgab. Chavez bemüht sich nun um einen Durchbruch auf zwei voneinander unabhängigen Fronten:

a. Freilassung der FARC-Geiseln (u.a. Ingrid Betancourt) b. Friedensgespräche zwischen kolumbianischer Regierung und der Guerilla ELN Continue reading ‘Hugo Chavez auf schwerer Friedensmission’

Gustavo Moncayo – Befreit Laufen?

Solidarität mit Gustavo MoncayoAls ich das erste Mal in der Zeitung von Gustavo Moncayo lese, muss ich an den Film Forest Gump denken. Eine bewegende Geschichte über einen Mann der läuft und läuft und läuft.

Vor zwei Wochen verließ Gustavo seinen Heimatort Sandoná in Nariño (departamento im Südwesten Kolumbiens) mit dem 800 Kilometer weit entfernten Ziel Bogotá.

Sein Beweggrund für diese abenteuerliche Reise zu Fuß ist sein Sohn, der seit 10 Jahren von der Farc gefangen gehalten wird. Im Dezember 1997 wird eine Kommunikationsstation des Militärs in Nariño von der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia attakiert. 10 Soladaten sterben, 4 werden verletzt und 18 junge Männer entführt. Darunter auch Pablo Moncayo. 2001 werden 16 Geiseln dieser Gruppe auf Grund eines Abkommens zwischen dem Staat und der Farc im Austausch für 14 inhaftierte kranke Guerilleros freigelassen. Pablo ist nicht dabei. Er ist somit einer der am längsten gefangen gehaltenen Geiseln der Farc. Continue reading ‘Gustavo Moncayo – Befreit Laufen?’

Lichtermeer und Hoffnungsschimmer

Plaza BolivarWährend auf dem Plaza Bolivar (Hauptplatz Bogotas) gestern abend 25.000 Kerzen leuchteten – als Ausdruck der Solitarität mit den Geiseln der Farc und als Aufruf an Regierung und Farc eine baldige Freilassung zu vereinbaren – strahlte der arabische Sender Al-Dschasira ein Video der Farc aus, in dem 7 Polizisten und Soldaten zu sehen waren. Alle wurden in den Jahren zwischen 1997 und 1999 von der Farc entführt.

Das Video wurde vor ca. 7 Monaten aufgenommen. Einige der Gefangenen berichten auch Politiker wie z.B. Ingrid Betancourt oder ihre politische Begleiterin Clara Rojas gesehen zu haben. Ebenso erwähnten sie Claras in der Gefangenschaft geborenes Kind.

In die Freude der Kolumbianer endlich ein Lebenszeichen der seit langem Vermissten zu erhalten mischte sich die Angst, dass diese auch Opfer der Sprachlosigkeit zwischen Farc und Regierung werden könnten, wie es die 11 ehemaligen Abgeordneten wurden, deren Tod die Farc vor 1 Woche bekannt gab.

Die überraschende Ausstrahlung der Lebensbeweise über einen internationalen Sender (nach CNN der am meisten gesehene Sender weltweit) könnte als Taktik der Farc gesehen werden, den nationalen sowie internationalen Druck auf Alvaro Uribe zu erhöhen, auf die Forderungen der Farc einzugehen und eine verhandelte Freigabe (entgegen der militärischen Lösung) anzustreben.

2 von den Entführten, darunter Pablo Moncayo, dessen Vater seit Mitte Juni 800 Kilometer durch Kolumbien läuft, um auf seinen Sohn aufmerksam zu machen, sind bereits 10 Jahre in Gefangenschaft.

Die Bilder sienes Sohnes werden Gustavo Moncayo auf seinen langen Weg sicherlich beflügeln. Er kommentierte das Video seines Sohnes mit gebrochener Stimme: “Er wirkte sehr abgemagert und es brach mir das Herz ihn dort zu sehen, aber es macht mich überglücklich ihn am Leben zu wissen!”

Reaktionen auf die Freilassungen

Einen Tag nach den umfangreichen Freilassungen haben sich die verschiedenen Parteien zu Wort gemeldet:

Der freigelassene Rodrigo Granda verkündet nach seiner Freilassung, dass er der erste Kolumbianer gewesen sei, der vom kolumbianischen Staat entführt worden sei. Zu möglichen Vereinbarungen zwischen Regierung und der FARC äußerte er sich kritisch: “Ohne eine entmilitarisierte Zone, würde es keine Freilassungen vonseiten der FARC geben”. Nichts Neues, diese Forderung stellt die FARC seit jeher. (Quelle: El Tiempo)

Vor vielen Gefängnissen des Landes protestierten die Angehörigen der Häftlinge. Sie fordern für ihre Angehörigen dieselben Bedingungen, die auch die FARC Häftlinge erhalten haben, also eine frühzeitige Freilassung.

Die FARC sieht offenbar keinen Grund ihre Entführungen zu stoppen, vorgestern entführten sie drei neue Geiseln. Daraufhin gab es in der Ortschaft Florida heute große Demonstrationen. (Quelle: adnmundo.com)

Währenddessen verkündet Sarkozy während des G8 Treffens in Hamburg, dass er nicht daran glaubt, dass die FARC Ingrid Betancourt in näherer Zukunft freilässt. Die anderen G8 Nationen macht er auf die Problematik aufmerksam. (Quelle: semana.com)

Der Führer der Oppositionspartei führt in einem Radio-Interview auf, dass dies die Freilassungen kein guter Schritt gewesen sei um einen Gefangenenaustausch zu erreichen.

Die Familie von Ingrid Betancourt reagierte positiv auf die Freilassungen. Sie erwarten zwar kurzfristig keine Ergebnisse erhoffen sich aber durch die Freilassungen, dass ein neuer Prozess gestartet wird, der ein positives Ende haben könnte. Kurzfristig wiederholen sie ihre Bitte zumindest die kranken Häftlinge sowie Clara Rojas und ihren Sohn Emanuel freizulassen.

Vom Präsidenten gibt es heute keine neuen Stellungnahmen.

Was meint ihr? War die Freilassung ein guter Zug?

Ingrid Betancourt: startet ein Gefangenenaustausch?

Ingrid BetancourtIm Fall Ingrid Betancourt gibt es weitere Neuigkeiten. Bereits letzte Woche berichteten wir, dass die Regierung Kolumbiens in den nächsten Wochen zahlreiche Guerilleros freilassen wollte. Die Aktion konkretisiert sich nun. Der Vorstoss kam von Alvaro Uribe überraschend. Er begründete ihn damit, dass ein Gefangenenaustausch nicht möglich sei (da er sich niemals auf die von der FARC geforderte entmilitarisierte Zone einlassen würde) und dies ein Zeichen des guten Willens sei in der Hoffnung die FARC würde dem Beispiel folgen.

Nun gibt es Anzeichen, dass durch den neuen französischen Präsidenten Sarkozy weiter Bewegung in den Fall gekommen ist. Continue reading ‘Ingrid Betancourt: startet ein Gefangenenaustausch?’