Gefangenenaustausch - der neue Plan

Luis Eladio PérezIn verschiedenen kolumbianischen und internationalen Quellen ist von einem neuen konkreten Plan zu lesen, durch den die 39 verbleibenden “politischen Geiseln” freigetauscht werden sollen. Das ganze beruht auf die Initiative von Luis Eladio Pérez. Der kolumbianische Politiker war selbst einer dieser politischen Geiseln und ist erst im Februar frei gekommen. Seither setzt er sich unentweg für die “humanitäre Lösung” ein und hat dazu Gespräche mit Uribe, Sarkozy, Chavez und anderen geführt.

Der Plan ist sehr konkret, Pérez ist optimistisch, dass Uribe, Sarkozy und auch die FARC mit den Eckpunkten einverstanden sind. Hier die konkreten Daten:

  • 500 inhaftierte FARC Guerilleros werden gegen 39 politische Geiseln getauscht, darunter Betancourt & die drei US Geiseln
  • der Gefangenenaustausch wird durch Frankreich durchgeführt, die inhaftierten Guerilleros würden also in die Obhut Frankreichs kommen, die dann den Gefangenenaustausch durchführen würden
  • der Austausch erfolgt außerhalb von Kolumbien, vorstellbar ist Martinique oder franz. Guayana, das bedeutet, dass eine entmilitarisierte Zone nicht nötig ist
  • die europäische Union nimmt die FARC von der Liste der terroristischen Gruppen
  • Simon Trinidad wird aus der US Haft entlassen
  • die FARC Guerilleros bekommen teilweise politisches Asyl in Frankreich

Was haltet ihr von diesem Plan? Ist er für alle Seiten akzeptabel? Ist er für alle Seiten gerecht? Wahren alle Seiten ihr Gesicht?

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142 Kommentare zu “Gefangenenaustausch - der neue Plan”


  1. 1 Nicole

    Vielen Dank für die Zusammenfassung, Andre.
    Für mich sind einige dieser Punkte inakzeptabel. Natürlich bin ich auch für eine humanitäre Lösung, aber:

    Die von Dir genannten Punkte, sind die Forderungen der Farc, auf die Präsident Uribe (für mich zurecht) bisher nicht eingehen wollte. In welchem Verhältnis stehen 500 zu 39? Was geschieht mit den anderen (über 700) Geiseln, die die Farc noch gefangen hällt? Wie kann die Europäische Union darüber nachdenken, eine Gruppe Guerilleros von der Liste der terroristischen Vereinigungen zu nehmen, nur weil sie 39 von über 700 Geiseln freigelassen will (im Gegenzug von 500!!! Guerilleros)? Wird es dann auch eine Klausel geben, dass sie nicht weiter entführen dürfen, keine Landminen und andere Waffen einsetzen? Seitdem die Freilassungen mit Clara Rojas, Consuelo Gonzales … begonnen haben, wurden mehr Leute von der Farc entführt, als freigelassen!!! Keine terroristische Organisation? Was hätte das für Konsequenzen? Wie wird mit Guerilleros umgegangen, die nach dem Tag X wieder entführen, Menschen bedrohen oder erschiessen?
    Das es keine “Zona de despeje” geben wird, befürworte ich, aber auch hier stellen sich mir Fragen wie z.B. wie sieht die Region in franz. Guayana aus, in der der Austausch statt finden soll? Auch hier können Menschen gefärdet werden, wenn es in besiedelten Gebieten stattfinden wird. Wo ist dann der Unterschied zu einer “Zona de despeje” en Florida oder Pradera?

    Ich bin gespannt wie es weiter geht und ob Uribe wirklich auf diese Punkte eingehen wird.

    Liebe Ostergrüße

    Nicole

  2. 2 Miguel

    Hallo André,

    verglichen mit den bisherigen Forderungen und Vorschlägen ist der jetzt vorgelegte Plan sehr konkret. Neues enthält er wirklich nicht, aber das diesmal so konkret Frankreich die Obhut der Guerilleros verantwortet, ist deutlicher als ursprüngliche Vorschläge in denen Spanien, die Schweiz und Frankreich ihre Bereitschaft dazu äußerten, aber nie konkret wurden. Speziell die Nennung von Martinique oder franz. Guayana ist ein Fortschritt in Richtung verlässliche Planung. Das liest sich schon viel besser als alles was bisher war, ganz besonders gegenüber den großartigen Planungen Chavez, der nie einen konkreten Ort oder gar Zeitpunkt nannte.

    Kritisch sehe ich noch folgende Punkte:

    1. 500 Guerilleros. Welche 500? Die FARC war bisher nie in der Lage - auch in den Zeiten der Verhandlungen mit der Pastrana Regierung, die fünfhundert Namen zu nennen. Viele vermuten, dass die FARC-Führung nicht richtig weiß, wer von ihnen so alles noch im Gefängnis sitzt.

    Was ist wenn einige dieser 500 nicht von der FARC freigetauscht werden wollen um zurück zu den kämpfenden Truppen zu kehren? Könnte ihnen ein Land Asyl gewähren? Würde die FARC das erlauben? Welche Länder würden die freigelassenen Guerilleros aufnehmen? Wie in der Vergangenheit Frankreich und die Schweiz?

    2. 500 Guerilleros. Uribe hat bisher immer gesagt, dass dies für ihn kein Problem sei, so lange die Freigelassenen nicht zu den kämpfenden Einheiten zurück kehren. Daher ist der Gedanke des Asyls in einem anderen Land immer ein Bestandteil dieser Forderung gewesen. Aber dies will die FARC nicht.

    3. 500 Guerilleros. Für die kolumbianische Staatsanwaltschaft sind Kämpfer, die wegen Mord oder anderer Verbrechen gegen die Menschlichkeit sitzen, nicht so einfach zu begnadigen. Das ist mit Justicia y Paz auch nicht zu rechtfertigen, wenn die entsprechenden Leute nicht ihre darin vorgesehene Mindeststrafe abgesessen haben. Sie so einfach frei zu lassen bringt die Prozesse gegen die AUCs in Schwierigkeiten, da diese eine rechtliche Ungleichbehandlung argumentieren können. Uribe ist als Präsident verpflichtet auf Einhaltung der kolumbianischen Gesetzgebung zu achten. Im Interesse des Erfolgs des von ihm geschaffenen Justicia y Paz muss er darauf achten.Daher verlangt der kolumbianische Staat von der FARC diese Namensliste, denn es muss sicher sein, dass unter den Freigelassenen keine Leute sind, die wegen Mord sitzen oder deren Haftstrafe, wie unter Justicia y Paz vorgesehen noch nicht abgegolten ist.

    4. FARC von der Liste terroristischer Gruppen zu nehmen: Hier würde Uribe (und mit ihm wohl die große Mehrheit der Kolumbianer) sicher schwer schlucken. Die Frage ist, wie die EU dann mit der FARC politisch umgehen würde. Dafür entscheidend dürfte sein, dass die FARC dann umgehend die restlichen 600 - 700 Geiseln frei lassen müssten UND keine neuen Entführungen mehr machen dürften. Das denke ich, ist sicherlich ein Punkt, auf dessen Einhaltung die EU im Interesse ihrer eigenen Glaubwürdigkeit achten wird.

    Sollte es dazu kommen, dass die FARC alle weiteren Geiseln freilässt und neuen Verschleppungen absagen, dann ist auch für Uribe eine entscheidende Voraussetzung erfüllt, um in Kolumbien die FARC von der Liste der Terrororganisationen zu nehmen und gleiches der internationalen Staatengemeinschaft vorzuschlagen.

    Letzen Endes ist es aber eine Sache, die Uribe politisch nicht zu verantworten hat, denn es ist Sache jedes einzelnen Staates eine Organisation als terroristisch anzusehen oder nicht. Diplomatisch wäre es für Uribe eine Niederlage, wenn die EU die FARC vom Terror-Status befreien, ohne dass diese die restlichen Geiseln sofort freilassen und weiteren Entführungen absagen. Innenpolitisch glaube ich, dass er damit gewinnen würde, denn die Kolumbianer würden sich noch mehr hinter ihn stellen, so nach dem Motto: Wir lassen Dich nicht alleine auch wenn die Welt Kolumbien mal wieder alleine lässt.

    So ist meine Meinung über den sehr konkreten Vorschlag Eladios sehr positiv für die Seite, die ich einschätzen kann. Die andere Seite, die der FARC ist für mich schwer abzuschätzen, denn ich sehe nichts, was die FARC als einen Gewinn für sich sehen könnten. Dass die Europäer sie von der Liste der Terrororganisationen nehmen, ist kein Gewinn, wenn diese Staaten sie nicht auch als legale bewaffnetet und politische Widerstandsgruppe behandeln. Die sogenannten 39 “austauschbaren” Geiseln und insbesondere Ingrid frei zu lassen bringt sie um die Juwelen im Verhandlungspoker.

    U.U. erleben wir also das gleiche Spiel noch einmal: alle warten mit Spannung auf die Antwort der FARC. Da es bis dahin keinen Waffenstillstand gibt, werden sicherlich auf beiden Seiten Aktionen statt finden, die die jeweils andere dazu veranlassen wird, an den Willen der Gegenseite zu zweifeln. So wird wohl die ur-kolumbianischste Tugend wieder gefragt sein: Geduld

  3. 3 Gordis

    In den zwei oberen Kommentaren ist schon alles beschrieben.
    Sollen doch die Franzosen eine “Zone de Despeje” einrichten und die FARC-Bosse dort aufnehmen.

  4. 4 Miguel

    Nachtrag Simon Trinidad:

    Den hatte ich vergessen. Für Uribe sollte er eigentlich kein Hindernis sein, denn auch in diesem Fall ist es die Entscheidung einer fremden Regierung ob sie Trinidad vorzeitig entlassen oder nicht. In Kolumbien wird der Haftbefehl gegen Trinidad wahrscheinlich gültig bleiben. Es ist aber nicht anzunehmen, dass dieser sich einen Alterssitz in der Candelaria neben der Casa Nariño (Präsidenten-Palais) einrichtet.

    Die Frage ist, was Bush dazu sagt. Schwer einzuschätzen und in meinen Augen genauso wie die Antwort der FARC die größten Hürden für diesen Plan. Aber Bush bleibt ja nicht mehr so lang.

  5. 5 CARLO

    @Andre:
    Interessanter Beitrag!
    Das beigefügte Foto scheint die aktuelle Situation voll wiederzugeben: mehr Distanz der beiden und frostigere Gesichter sind wohl kaum denkbar! Doch das nur am Rande und es ist meine ganz persönliche Auslegung des Fotos und hoffen wir mal, es ist und bleibt halt nur ein Foto!

    Eine möglichst schnelle Durchführung dieses Planes von Luis Eladio Pérez wäre in jedem Fall für die Geiseln ein riesiger Gewinn, ja besser eine längst überfällige Erlösung! Aber auch für das kolumbianische Volk, weil ALLE nach der Durchführung dieses sehr gut durchdachten Plans einem dauerhaften und stabilen Frieden und einer damit verbundenen notwendigen Reformierung des sozialen Systems im Lande, einen großen Schritt näher kommen würden.
    Es ist immer gut und richtig, wenn alle an einem Strang und zwar auch in eine Richtung ziehen.
    Vor allem, wenn die bestehenden großen Probleme damit auf friedlich politischem Wege gelöst werden können, die Ausübung des Gewaltmonopols eines Staates aber,”das letzte Mittel” ist und bleibt. Ich hoffe nur,die Vernunft und die Menschlichkeit setzt sich (bei ALLEN!!!) durch!

    M. E. sollte, ja muss der Plan für alle Seiten akzeptabel sein, stets aber einen GESUNDEN MENSCHENVERSTAND sowie eine ehrliche Verhandlungsbereitschaft vorausgesetzt. Der Plan erscheint mir auch für alle Seiten gerecht, auch wenn sicherlich KORRUPTION und EGOISMUS, diesen zu verhindern suchen werden. Doch ich hoffe sehr, dass das GEBÜNDELTE Zusammengehörigkeitsgefühl wie auch dass der Patriotismus der Kolumbianer, stärker sind.

    Gesicht wahren … hm … gute Frage, ich würde sagen JA, sofern es sich wirklich um Gesichter und nicht um hinter Masken verborgene Gesichter handelt.
    Natürlich müssen ALLE Beteiligten, auch die FARC, einer (künftigen)gewaltsamen Lösung abschwören und ehrlich dazu bereit sein, eine Lösung der noch offenen detaillierten Fragen/Problemen(es werden noch einige offen sein) NUR auf dem Verhandlungswege, gegfs. natürlich auch mit erforderlicher Kompromissbereitschaft, eine Lösung zu suchen und zu erreichen. Es wird nicht immer ALLEN leicht fallen!

    Jedenfalls wünsche ich dem Plan und allen Beteiligten, insbessondere natürlich,
    dem ex-Senator Luis Eladio Pérez sowie auch Präsident Sarkozy, Erfolg und ein gutes Gelingen und den Kolumbianern, dass sie einem stabilen und gerechten Frieden einen Schritt näher kommen werden!

    Der Plan kann nur als ein erster Schritt gesehen und verstanden werden. Schauen wir mal!

    S. a. nachfolgende Link in El Tiempo zum Thema:

    http://www.eltiempo.com/politica/2008-03-23/ARTICULO-WEB-NOTA_INTERIOR-4025659.html

  6. 6 André

    Sehr interessante Kommentare von allen, vielen Dank für das Feedback! Die Hindernisse, die Nicole und Miguel aufzählen kann ich nachempfinden.

    @Carlo: an dich habe ich zwei konkrete Rückfragen:
    a) denkst du die Opfer und deren Angehörige würden diesem Plan zustimmen. Tausende Menschen sind von der FARC entführt und/oder ermordet worden.
    b) denkst du, dass den Tätern der AUC das gleiche Angebot gemacht werden sollte (straffrei per Asyl ins Ausland gehen zu können)?

  7. 7 CARLO

    Hallo André,
    nun meine Antworten:

    zu 1) Grudsätzlich ist es wichtiger und auch richtiger, dass wenn irgendwie möglich, der Blick besser nach vorn, sprich in die Zukunft gerichtet sein sollte und weniger in die Vergangenheit. Natürlich sollte auch die Vergangenheit aufgearbeitet werden, nur es ist richtiger der Zukunft eine reelle Chance zu geben, als sich beharrlich und vorrangig dem postumen zuzuwenden. Die Zukunft ist veränderbar, sie lebt, die Vergangenheit hingegen ist tot und unveränderbar und sie nutzt daher den lebenden weniger. Was nicht heißen soll, man soll aus der Vergangenheit(und da gemachten Fehlern) nicht lernen.
    Auf das Konto der FARC geht nachweislich nur ein Bruchteil der Entführungen und Morde in Kolumbien. Wobei natürlich jeder einzelne Tote und Verschleppte EINER ZUVIEL ist. Meine Behauptung soll beileibe nichts entschuldigen oder gar beschönigen, aber doch möglichst fair relativieren! ALLE gravierenden Straftaten müssen aber später, wenn nur irgendwie möglich und zwar schonungslos … aber gerecht, aufgearbeitet werden. Doch da habe ich in Kolumbien so meine Zweifel am Erfolg(… wenn ich meinen Blick mal so in die Vergangenheit schweifen lasse).

    zu 2) natürlich sollte den Tätern der anderen gewaltbereiten Organisationen wie ELN, AUC bzw.“Aguilas Negras” und “Reinacer”ein gleiches Angebot unterbreitet werden. Nur müßten zunächst ja auch dann dazu bereite Staaten für gefunden werden, was vermutlich nicht einfach sein dürfte.
    Generell bin ich gegen einen grundsätzlichen FREIBRIEF(auch keinen solchen für kriminelle FARC Mitglieder) bzw. bin ich gegen eine NICHTBERÜCKSICHTIGUNG geemachter(größerer) Straftaten. Die alleinige Mitgliedschaft sollte allerdings nicht geahndet werden. Außerdem könnten aufgrund des Aufstockungsplan des Präsidenten Uribe für das kolumbianische Militär in den kommenden Jahren, wunderbar ein großer(geeigneter)Teil der FARC oder anderer illegaler Kämpfer in die kolumbianische Armee eingegliedert werden. Nach der deutschen Vereinigung war ähnliches doch auch möglich und warum sollte das in Kolumbien nicht praktiziert werden können?
    Es könnte ähnlich wie z. B damals, nach der Kapitulation von Hitler-Deutschland vorgegangen werden, wie mit der damaligen Entnazifizierung. Aber JEDER straffällige, egal welcher Gruppierung, auch von Militär und Polizei, muss in einem fairen Prozeß abgeurteilt werden. Das gebietet doch allein schon die JUDIKATIVE in einem demokratischen Rechtsstaat.

  8. 8 Steffen

    Wird nicht funktionieren.

    Zumindest in einem Punkt bin ich mir sicher: die EU wird die FARC nicht von der Liste der terroristischen Gruppierungen nehmen.

    Die Frage ist, ob die FARC hierauf verzichten kann/will.

    Aber auch die anderen Hürden sind imho sehr hoch, wie hier schon angemerkt wurde.

  9. 9 Steffen

    @ Miguel:

    Uribe ist als Präsident verpflichtet auf Einhaltung der kolumbianischen Gesetzgebung zu achten. Im Interesse des Erfolgs des von ihm geschaffenen Justicia y Paz muss er darauf achten.”

    Der war gut :-)
    @ Carlo:

    “Eine möglichst schnelle Durchführung dieses Planes von Luis Eladio Pérez wäre in jedem Fall für die Geiseln ein riesiger Gewinn, ja besser eine längst überfällige Erlösung! Aber auch für das kolumbianische Volk, weil ALLE nach der Durchführung dieses sehr gut durchdachten Plans einem dauerhaften und stabilen Frieden und einer damit verbundenen notwendigen Reformierung des sozialen Systems im Lande, einen großen Schritt näher kommen würden.”

    Wieso? Wird denn durch den Plan von Pérez auch nur eine Ursache der gewaltsamen Auseinandersetzungen beseitigt? Inwiefern ändern sich durch den Plan die strukturellen politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die sozialen Spannungen? Lösen sich die Paras auf ? Oder die FARC? Wollen die Para-Politiker plötzlich kein schmutziges Geld mehr verdienen? Werden die Drogenbarone über Ostern zu guten Menschen? Lohnt sich der Anbau von Yuca plötzlich doch wieder für die bisherigen Kokabauern?

    Ich finde den Plan nicht schlecht. Aber an den Problemen in Kolumbien änderte er, selbst wenn er gelänge (was ich bezweifle), nichts. Aber gut, die Probleme sind ja auch nicht die der gut angezogenen Leute in Bogota oder Cali. Außer natürlich, wenn mal einer von ihnen oder ein Mittelklässler entführt wird, oder ein paar Soldaten draufgehen, dann ist das Geschrei groß. Aber alles in allem läuft in Kolumbien für die, die was zu sagen haben, doch alles nach Plan…

  10. 10 Steffen

    … wieso also etwas ändern (wollte ich noch sagen)?

  11. 11 CARLO

    @Steffen

    Da hast Du natürlich Recht und ich bin da doch ganz Deiner Meinung! Ich schrieb deshalb doch bereits wörtlich in einem vorangegangenen Kommentar:
    “Der Plan kann nur als ein erster Schritt gesehen und verstanden werden. Schauen wir mal!”
    Ja, das GANZE ist ein riesiger (vor allem sozialer) Komplex(mit vielen, vielen Schritten), der DRINGENDST einer Aufarbeitung bedarf und bei dem vor allem die Wohlhabenden und die “rasch wohlhabend gewordenen” an die WAHRE Gleichberechtigung sowie an die Menschenrechte ALLER KOLUMBIANER”erinnert” werden MÜSSEN. Die ärmeren hingegen brauchen dringend eine bessere Bildung und Erziehung(WEG vom RECHA-DENKEN!)Nur so wird sich wirklich etwas ändern lassen! KEINE leichte Aufgabe, aber eine durchaus machbare.

  12. 12 Jürgen

    Ich kann nur hoffen dass dieser Plan ein Plan bleibt , sonst ist die Demokratie und Ihre Gesetze - in Zukunft blose geschichte .

  13. 13 Jens

    Hallo Carlo, hallo Steffen,

    ich denke, Ihr habt beide recht in Euren letzten Aussagen. Für mich ist der wichtigste Punkt an dieser gesamten Aktion, dass man einen Weg findet, um sich überhaupt zu unterhalten. FARC und Regierung haben in den letzten Jahren nur die Waffen sprechen lassen. In diser Situation ist es besonders wichtig, einmal abgesehen von den Inhalten des Plans (und welche hier inbes. von Miguel auf eine sehr tiefgründige Weise kommentiert wurden), ÜBERHAUPT eine Sprache der Verhandlung zu finden. So kann der Plan, wie Carlo es schon sagt, nur ein Anfang sein.
    Unabhängig davon, ob hier mehr oder weniger Kompromisse und Zugeständnisse notwendig sind, beide Seiten müssen über ihren Schatten springen, um zueinander zu finden. Und an diesem Punkt sind, wie immer in Kolumbien, Zweifel angebracht.

  14. 14 CARLO

    Hallo Jens,

    da sind wir uns einig, aber es wird auf jeden Fall sehr haarig werden, falls es überhaupt dazu kommen sollte. Aber positiv denken…und ich HOFFE, dass es da Fortschritte geben wird!

  15. 15 Gordis

    Hallo Carlos
    >>>>
    Das ist ja wohl blödsinn. Wer hat denn da an den meisten Entführungen und Morden Schuld? Bestimmt die böse Regierung???
    >>>>
    Das mit der Wiedervereinigung zu vergleichen, ist ja wohl der nächte blödsinn. Hier wurden Soldaten, die von ihren Staat DDR zum Soldaten gemacht wurden, nach der Wiedervereinigung von Ihren Staat BRD weiterverpflichtet.
    Bei der FARC gibt es wohl 2 Sorten von Leuten:
    1. Leute die es aus Anschauung freiwillig dabei sind, und die werden sich nicht in die Armee eingliedern lassen und
    2. Leute, die gezwungen sind, dabei zu sein und die werden bestimmt sofort ihre Waffen in die Ecke stellen.
    Viele haben ja schon aufgegeben und wenn der Druck anhält, werden es bestimmt noch mehr.
    Den wird Uribe ja wohl auch nicht weiterverfolgen, wenn es keine FARC mehr gibt.
    Und das freiwerdene Geld kann dann in soziale Reformen gesteckt werden

  16. 16 Jens

    Hallo Gordis,

    in Vorgriff auf Carlos Antwort, möchte ich kurz meinen Senf dazugeben.

    Hier geht es bestimmt nicht um Aufrechnung von Zahlen. Ist etwa derjenige weniger böse, der weniger unschuldige Menschen getötet hat? So einfach kannst Du es Dir nicht machen. Du solltest erst einmal in einschlägigen (jedermann zugänglichen und auch in diesem Blog veröffentlichten) statistischen Erhebungen nachschauen und Du wirst feststellen müssen, dass die Opfer der Gewalt von Paras und Regierung bei WEITEM der Opfer der Guerrilla übertreffen. So viel zu der Frage, wer an den MEISTEN Morden und Entführungen Schuld hat.

    Zweitens, solltet Du Deine zweite Anmerkung noch einmal aufmerksam durchlesen. Ich muss gestehen, dass ich auch erst Carlos Vergleich zwischen Militär der BRD und DDR anstößig fand. Ich habe es aber sein lassen, denn ich würde mit dem Argument ideologischer Unterschiede doch auch nur Carlo Recht geben. Deine Argumentation ist da auch nicht besser: Im Militär der DDR waren sowohl Regierungskonforme wie auch Regierungsgegner (zwangsweise) rekrutiert. Die DDR-Armee ist nie eine Freiwilligen-Armee gewesen.
    Allerdings sehe ich noch einen wichtigen Unterschied: Die DDR war zumindest ein von der Staatengemeinschaft anerkannter Staat, die Guerrilla der FARC ist NOCH eine terroristische Vereinigung.
    Und zweitens, das kolumbianische Militär hat doch nur WEGEN der FARC aufgestockt. Wenn die FARC als Gegner fehlt, wäre auch diese Aufstockung überflüssig (was ja auch der NVA nach Auflösung der DDR passiert ist).

  17. 17 Jens

    @ Gordis

    PS: Und Dein letzter Satz zeugt auch nicht gerade von Durchblick. Von wo kommen die Gelder überhaupt?
    Die Gelder die in den Kampf gegen FARC und Drogenhandel fließen, die ja größtenteils aus dem Ausland stammen (USA), sind zweckgebunden für den Waffenkauf. Also einfach umdisponieren geht nicht: Keine FARC, kein Geld für Waffen.
    Und “das Geld in soziale Reformen stecken” klingt so einfach dahergesagt und ist leider ein Satz der im Munde kolumbianischer Politikers allzu oft nichts mehr als eine Worthülse darstellt.
    Sei doch bitte etwas konkreter hinsichtlich eines Projektes, was Deiner Meinung nach von finanzieller Hilfe profitieren kann. Ein Projekt oder eine Reform, bei der diese finanzielle Hilfe tatsächlich ankommt und nicht wieder in den Taschen korrupter Politiker verschwindet.

  18. 18 El tontote

    Hallo Jens, hallo Carlo,

    Was veranlaßt Euch zu behaupten, dass die Mehrzahl der Opfer durch Paras und Regierung verschuldet worden sind, wenn selbst die Quellen, die ihr anführt (bei den Entführungsopfern) folgende Zahlen angeben:
    0% Regierung, 5% Paras - hingegen 31% FARC und 24% ELN.

    Mit den % ist es immer so eine Sache, aber angenommen die Zahlen wären korekkt: bei 31% Anteil an Entführungen würde ich nicht von einem “Bruchteil” reden.
    (Auf das Konto der FARC geht nachweislich nur ein Bruchteil der Entführungen und Morde in Kolumbien.)zitat Carlo
    Ich finde es sehr schön und wichtig, dass sich auch Leute in Deutschland und anderen Ländern um Probleme anderer Länder kümmern, zumal diese wie in Kolumbien vom Rest der Welt weitgehend ignoriert werden. Allerdings werden in diesem Forum die Terrororganisationen noch allzu oft mit politischen “Bewegungen” verwechselt, welche sie schon lange nicht mehr sind.
    Ich jedenfalls habe lange in dem Land gelebt und kenne kaum einen Kolumbianer (und nein, ich kenne nicht nur reiche Leute), der die FARC als politisch motivierte Organistation einstufen würde.

  19. 19 Steffen

    @ Gordis:

    “Und das freiwerdene Geld kann dann in soziale Reformen gesteckt werden”
    :-) Danke, jetzt hab ich Kaffee auf meiner Tastatur

    @ tontote:

    Carlo & Jens sprachen von Entführungen UND Morden. Das zitierst Du ja auch so. Es stimmt schon, was sie schreiben. Informier Dich doch mal unter http://www.coljuristas.org oder http://www.forumcivique.org

    Und natürlich ist die FARC (auch!) eine politisch motivierte Organisation. Das stellen ja noch nicht mal die USA in Abrede. Und hört doch mal bitte endlich mit diesen Terroristen auf. Terror hier, Terror da. Nach 9/11 ist auf einmal ist alles Terror, sind alle Terroristen ;-)

  20. 20 Steffen
  21. 21 Jens

    @ Tontote

    Zu den Anteilen der politischen Gewalt von rechts und von links muss ich ja nichts weiter hinzufügen, oder?

    Ausserdem bringst Du im weiteren Verlauf Deines Kommentars die Diskussion auf eine Ebene, auf der wir hier gar nicht debattiert haben. Ich habe auch nie und werde es nicht behaupten, dass die AKTUELLE FARC eine politische Bewegung ist. Wer sich terroristischer Methoden bedient, ist ein Terrorist!!! Dazu gehören AUCH die Paras und die kolumbianische Regierung, wenn letztere den Beweis schuldig bleibt, dass sie sich NICHT aktiv an ähnlichen Taten beteiligt hat. Konkrete Vorwürfe gibt es ja zu Genüge, z.T. laufen auch schon Strafverfahren an (die meiner Meinung nach den Mangel haben, dass sie bisher nur militärische Ränge als oberste Verantwortliche aber bisher keinen politisch Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen).
    Die 3 oder 4 Millionen Vertriebenen in Kolumbien sind nicht nur auf dem Mist der FARC gewachsen, sondern die Folge eines undifferenzierten Vorgehens gegen die Zivilbevölkerung durch alle Kräfte, die an diesem Krieg beteiligt sind.
    Also solltest Du etwas vorsichtiger sein mit Deiner Behauptung, wir würden hier etwas verwechseln (bzw. solltest Du Dich auch etwas umfassender und insbes. an neutraler Stelle - z.B. Berichte von unäbhängigen Menscherechtsorganisationen- informieren).
    Und ausserdem zähle ich mich nicht zu den Leuten in Deutschland, die sich auf einmal für Kolumbien interessieren; meine engere Verbindung besteht von Geburt an, zumindest aber seit 40 Jahren als ich erstmals das Land betrat, in dem ich dann auch aufgewachsen bin.

  22. 22 Jens

    @ Carlo

    Eine kleine Bitte an Dich:

    Du benutztest gelegentlich den Begriff “Rechas-Mentalität”. Was meinst Du mit Rechas?

    Du erwähnst gelegentlich eine Gruppe Reinacer. Kenn ich noch nicht und würde gerne diese Bildungslücke schliessen. Kannst Du nähere Angaben machen, oder vielleicht einen Link zur Verfügung stellen?

  23. 23 CARLO

    @Gordis @ El Tontote:

    Zu den Kommentaren brauche und möchte ich mich nicht weiter äußern, denn das hat Jens ja bereits ausführlich getan. Vielen Dank Jens für die sachlich fundierte Argumentation!

    Aber hier ist noch ein zusätzlicher Link aus einem früheren Bericht von André, der einiges klar und vorallem richtig stellen sollte:

    http://www.wpunj.edu/newpol/issue40/Brittain40.htm#r16

    @JENS:

    Gerne beantworte ich Deine Fragen:

    Die Bezeichnung “Reinacer” ist eigentlich auch neu für mich gewesen. Ich habe sie dem Kommentar von David vom 22.03/”vier weitere Geiseln frei”, entnnommen.

    “Reja-Mentalität” muss es richtig heißen … leider ist mir da ein orthografischer Fehler unterlaufen, was ich zu entschuldigen bitte.
    Diese Bezeichnung habe ich geprägt und ich möchte die Kolumbianer damit keinesfalls beleidigen, diffamieren oder ähnliches. Es ist aber für mich als Europäer nur unverständlich, das Rejas das wirklich richtige Mittel sein müssen, sich vor gegenseitigem Misstrauen, vor Raub und vor großer gegenseitiger Angst voreinander, zu schützen! Diese “Reja-Mentalität” ist m.E. aber anscheinend mit Erziehungsdefiziten zu erklären und müsste DRINGEND geändert/abgeschafft werden, auch wenn das natürlich einer längeren Umgewöhnungsphase bedürfen würde. Aber für mich ist so ein “Leben hinter Rechas”, allenfalls hier NOTWENDIG, keinesfalls aber unbedingt erforderlich, weder vorbildlich noch beispielhaft(und wird dies NIE sein), ganz im Gegenteil und speziell für Kolumbien mit seinen sehr großen sozialen Unterschieden ist “ein Leben hinter Rejas” vielleicht erklärlich oder verständlich, aber (für mich persönlich)eine oder vielleicht sogar … gerade DIE Keimzelle allen Übels!
    Übrbrigens, als meine Frau das erste Mal in Deutschland war, hat sie über unsere dortige Lebensweise, so ganz ohne Rejas ebenso gestaunt und war sehr verwundert, nur inzwischen findet sie das so prima, sie hat nichts daran zu bemängeln und sie vermisst dort die Rejas keinesfalls, ganz im Gegenteil.

  24. 24 Steffen

    @ Carlo:

    wer oder was ist Rejas? Den Kommentar konnte ich nicht finden…

  25. 25 Jens

    @ Carlo,

    danke für Deine Antwort. Das mit den Rejas hatte ich mir fast schon gedacht und ist ein sehr interessanter Begriff, der einen wichtigen Aspekt im kolumbianischen Sicherheitsgefühl bildlich sehr gut darstellt. Für Europäer ist es nur schwer zu begreifen, dass Zäune, Waffen und Isolierung Sicherheit bedeuten. Ich war mir nur nicht sicher ob Du damit nicht irgend etwas mit deRECHAS meintest.
    Und ich kann Dir nur zustimmen in Deiner Interpretation dieser Rejas. Sie dienen der physischen der Ausgrenzung von anderen, welche nur allzu leicht als Verbrecher abgestempelt werden.

    Aber Du beziehst den Begriff auch, sehr zutreffend, auf die Ausgrenzung und Abschottung welche im Kopf sehr vieler Kolumbianer stattfindet. Eines der schockierendsten Beispiele für diese Abschottung ist die Bezeichnung “desechable” für Menschen in extremer Armut, welcher komplett die Tatsache ausblendet, dass auch hinter so einer Existent ein menschliches Wesen steckt.

    Und übrigens, kolumbianische Kinder lernen von ihren Eltern immer noch, dass Gewalt ein legitimes Mittel zur Auseinandersetzung mit anders denkenden Menschen ist. Ein sehr guter Freund hat mir von dem Leid seines Sohnes berichtet, der in seiner Schulklasse (an einer der besseren Schulen Bogotás) erst Anerkennung und Respekt gefunden hatte, als er gelernt hatte, sich mit Fäusten gegen andere zu wehren.
    Da liegst Du auch genau richtig in Deiner Beobachtung, dass hier der Ansatz für ein friedliches Miteinander liegt, denn erst sind es die Fäuste, aber später sind es Waffen.

    Zu Reinacer: also ich finde beim besten Willen nichts zu dem Begriff. Sollten den Ball weiter geben an DAVID oder wen auch immer und hiermit um Aufklärung bittenbitten

  26. 26 Miguel

    @alle: So schnell wird Kolumbien um eine neue Gruppe Terroristen reicher, die dann auch gleich passenderweise PARAS sein müssen. Ich denke ich weiß, wen David gemeint haben könnte, es ist ihm aber dabei, wenn ich richtig liege, ein kapitaler Fehler unterlaufen.

    Ich danke Jens, Steffen und allen die nachgefragt haben. Wir haben in diesem Blog in letzter Zeit oft über die Qualität der Information diskutiert.

    Die rechte (!!!) Terror Gruppe Reinacer ist ein fast satirisches Beispiel dafür, wie gerne Information in die eigene Argumentation eingebaut wird, wenn sie denn nur passt. Kolumbien - PARAland, da muß wohl auch eine Organisation wie die Corporación Reiniciar herhalten um die Heere der Paras zu schließen. Ihr könnt Euch gerne über diese Gruppe, die von den Aguilas Negras wegen ihres Aufrufs zur und der Teilnahme an der Demonstration vom 06.03.08 bedroht wird, unter http://www.reiniciar.org informieren.

    Über eine Gruppe reinacer ist außer durch David nirgends wo berichtet. Weil der Name aber sehr nach Reiniciar klingt und diese auch im Zusammenhang mit den Aguilas Negras genannt wird (wenn auch wie erwähnt in einem völlig entgegengesetzten Zusammenhang als David meinte) denke ich, dass da ein Verständnisfehler vorliegt.

    Daher noch einmal ein ganz großes Kompliment an Steffen und Jens, die hier nachgefragt haben. Für die Organisation Reiniciar schön, denn sollte sie in irgendwelchen Berichten von Presse Komissionen als Terrorgruppe neben den Aguilas Negras erwähnt werden, dann gibt es schon mal wenigstens ein paar Blog-Leser, die das bestreiten können.

    Für Kolumbien macht es keinen Unterschied, den wer in Kolumbien einig PARA-Land und in seiner Regierung nur die Fortführung der ewigen Gewalt von Rechts sieht, für den ist eine Organisation mehr oder weniger kein Unterschied. Hauptsache sie wird von einer Presse-Delegation genannt.

    Danke Steffen, danke Jens

  27. 27 Jens

    @ Miguel

    Danke Miguel für Deinen Kommentar. Ich hatte auch schon an Buchstabendreher gedacht und die fundación renacer gefunden: http://www.fundacionrenacer.org
    Beschäftigt sich mit Gewalt und Kindesmissbrauch, hat aber mit der hier diskutierten Problematik nur marginal etwas zu tun.

    Und dass die prensa reiniciar in einem Atemzug mit den Àguilas negras erwähnt wird ist nun ein wirklich dicker Klopser.
    Wie Du bemerkst, ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass wir uns jeden Tag an die eigene Nase greifen müssen und dass wir uns alle immer wieder SEHR kritisch mit ALLEN verfügbaren Informationen auseinandersetzen müssen.

    Ich mag in diesem Zusammenhang manchmal etwas pedantisch erscheinen, wenn ich mich gegen Carlos Auseinandersetzung mit prozentualen Wahlergebnissen äußere oder so vehement gegen Gordis (weiter oben leider von keinerlei Sachkenntnis getrübten Äußerungen) vorgehe. Aber genau diese kritische Hinterfragung ist notwendig, damit wir uns, wie Carlo zu Recht immer wieder anmahnt, auf einer sachlich fundierten und nicht auf einer politisch oder emotional colorierten Ebene unterhalten können.

    Und nochmals ein Dankeschön an Miguel.

  28. 28 CARLO

    Hallo Jens,

    es freut mich, dass Du meiner “Reja-Auslegung” zustimmst. Ja, es ist übel, dies “desechable” Denken und es ist einem Rassismus schon (fast) gleich zusetzen. Natürlich hat das seinen Ursprung im(jahrhunderte alten) sozial-gesellschaftlichen System Kolumbiens. Menschen, die menschenwürdig leben(können), werden in der Regel von ihren Mitmenschen als “Menschen” behandelt(wenn nicht, wird diesen sozial Schwachen im Rahmen der Möglichkeiten geholfen)zumindest ist das in Europa so. Und der (SOZIAL)Staat(z. B. Deutschland), also sprich die demokratische Mehrheit der deutschen Bürger, unterstützt die ärmsten, dass diese LEBEN KÖNNEN und NICHT VEGETIEREN MÜSSEN! Ein solches oder ein ähnliches soziales Verhalten vermisse ich sehr in Kolumbien. Stattdessen gibt`s viel nationale Werbung im TV.. Potencia … hier, Lideres … dort … und Tierrra de ninos, de ninas y de adolescentes usw.. Für mich schlichtweg hohle Frasen, und nicht mehr… auch wenn diese pausenlos und “bis der Arzt kommt” wiederholt eingeblendet werden(grenzt für mich(persönlich) schon an Psychoterror, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Kolumbianer eine solche Art der “Eintrichterung” tatsächlich brauchen. Das ist aber meine persönliche Einschätzung.
    Naja, und die Reinacer-Geschichte ist, dank Miguel, nun auch geklärt. Alles ziemlich kompliziert, aber eines ist für mich SONNEN klar: das GANZE gewaltbereite Verbrecher-Pack Kolumbiens(egal von welcher Seite und inkl. allgemeiner krimineller Delinquenten), muss auf eine, aber möglichst legale Art & Weise, verschwinden bzw. hinter Schloss und Riegel gebracht werden, damit diese sich dann einige Jährchen die Rejas von drinnen betrachten und in aller “Ruhe” über ihre Taten und über eine “Besserung” nachdenken können.

    @Steffen:

    ich denke die Reja-Frage hat sich bereits erledigt. Ansonsten bitte in meinem vorigen Kommentar nachlesen.

  29. 29 Jens

    @ Alle in Kolumbien

    Gibt es schon irgendeine Reaktion von Uribe zu den Vorschlägen von Luis Eladio Pérez?

  30. 30 Miguel

    @Jens: gerne doch.

    Ich möchte noch eines klar stellen, vielleicht habe ich Dich falsch verstanden, aber ich denke eher, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe:

    “Und dass die prensa reiniciar in einem Atemzug mit den Àguilas negras erwähnt wird ist nun ein wirklich dicker Klopser.”

    Soweit ist es zum Glück nicht gekommen. David ist zwar nach eigenen Aussagen als Mitglied einer internationalen Pressekommission auf Einladung der ecuadorianischen Regierung nach Angostura gereist um sich den Tatort des kolumbianischen Überfalls anzuschauen. Er hat meines Wissens noch nichts als Pressevertreter über Reinacer geschrieben, nur hier im Blog. Meine Satz war für den Fall das, dann könnten wir Bloger ja mal eine solch lautende Mitteilung hinterfragen.

    Doch selbst als private Mitteilung eines Mitglieds einer Pressekommission wurde sie sofort zur Argumentation benutzt. Was wäre wohl, wenn sie wirklich in der Zeitung gestanden hätte?

    Pedanterie ist in Begriffsfragen immer wichtig. Sprache kann manchmal ganz schön ungenau sein und zu falschen Schlußfolgerungen leiten. Daher mein Beharren, dass es sich bei den neuen Gruppen nicht um PARAS handelt, weil diese laut Definition dem Staat sehr nahe stehen. Das ist bei den Aguilas nicht der Fall. Aber die Etikette die man ihnen geben will, ist egal, denn wir sind uns über ihre kriminelle und verwerfliche Natur einig.

    Vielleicht hilft auch der Blick auf die Seite von reiniciar etwas um zu verstehen was ich meine. Auf dieser Seite ist unter:
    http://www.reiniciar.org/drupal/?q=taxonomy/term/13
    eine sehr ausführliche Dokumentation über die Verfolgung und Vernichtung der UP.

    Unter anderen findet man eine Statistik, wie viele UP-Mitglieder während der Zeit Uribes umgebracht worden sind. Die Zahlen zeigen nicht wie sich diese Zahlen über die Zeit der Uribe Regierung verändert haben, ob sie zugenommen oder abgenommen haben, ob seit Uribes Amtseintritt mehr oder weniger UP-Leute verfolgt wurden.

    Es gibt aber eine andere Statistik unter Impunidad, die Zeigt wie viele der Verbrechen 1992 an die UP nicht verfolgt wurden. Bekanntlich war Uribe damals nicht im Amt. Dann gibt es unter Avances eine weitere Dokumentation, die für das Jahr 2002 - 2003 festhält welche Fortschritte bei der Aufklärungsarbeit gemacht werden konnten. Bekanntlich fällt Uribes erstes Amtsjahr auf diese Zeit.

    Heile Welt? Nein, ganz bestimmt nicht. Es gibt da verdammt noch viel zu tun.

    Aber es wird etwas getan, alles noch nicht schnell genug, aber wenn man sich die letzten 40 Jahre und speziell die letzten 20 anschaut, dann kann man nicht erwarten, dass ein Umkehren so schnell von statten geht. “Rejas-Denken” gefällt mir sehr gut, es trifft genau diese Stimmung der Angst, des Misstrauens und der Bereitschaft zur Selbstverteidigung: Ein Gebräu das Keim war z.B. für das Aufkommen der PARAs, die als “Reja” (Schutzgitter) diente gegenüber all dem, wovor einem der Staat nicht verteidigt hat.

    Das hat sich geändert, die Leute kommen aus ihrem “Rejas” denken raus. Es gibt mittlerweile eine Atmosphäre, die die Menschen hier an eine Zeit ohne Gewalt als Lösung der Probleme glauben lässt. Es gibt eine Stimmung, die den Leuten klar macht, dass sie verantwortlich sind und dass sie sich trauen können auf die Strasse zu gehen. Es gibt eine Justiz die beginnt, wieder ungestört Verbrechen zu verfolgen, gerade die aus der rechten Szene zu verantworten sind. Das ist aber keine Schlagzeile wert. Es verkauft sich immer noch besser, dass in Kolumbien mal wieder jemand ermordert wurde, wenn mal im Tibet oder Asien oder sonstwo mal nichts blutiges für die Titelseite ansteht.

    Hier hat jemand sehr richtig erkannt, dass Militärs, die mit den Paras zusammen waren, NUN der Prozess gemacht wird. Und denen, die mit den neuen Gruppen zusammenarbeiten auch. Irgenwie ist es diesem Kommentator entgangen, dass auch in der Politik reine gemacht wird. Es sind etliche Senatoren und Abgeordnete in U-Haft und drei oder vier schon Verurteilt, weil sie mit den Paras zusammen gearbeitet haben. Diese Prozesse sind unter dem Begriff Parapolitica sattsam bekannt. Mit Alvaro Araujo sitzt einer, der Uribe sehr nahe stand und dessen Schwester wegen ihm (Alvaro Araujo) das Amt der Außenministerin abgeben musste. Er wird auch der intellektuellen Mittäterschaft an einem von den PARAS ausgeführten Mord angeklagt. Es passiert vieles, von dem die ausländische Presse nichts aufgenommen hat.

    Wie gesagt der Weg ist noch lange, aber die Umkehr um in die richtige Richtung zu gehen hat statt gefunden. Zu behaupten, dass heutige Kolumbien von heute sei das gleiche wie zu Uribes Amtsantritt, ist schlicht falsch. Wer zuletzt vor sechs Jahren hier war, wird diese Änderungen gleich sehen. Eine ganz bestimmt nicht regierungsnahe Organisation wie Reiniciar belegt einen Wandel mit ihren Statistiken.

    Wie lange wird das dauern, bis die Kolumbianer sich vom “Rejas-Trauma” vollkommen lossagen? Kann ich nicht sagen, aber wenn ich betrachte, wie lange es braucht, bis Ausländer, die es nicht selbst erlitten haben, sich davon lossagen können, dass Kolumbien sich ändert, dann kann das noch lange dauern. Misstrauen ist eine der zähesten Gewohnheiten.

    Da das so ist, verstehe ich, dass viele es nicht sehen können, aber ich stimme Gordis zu: “das freigewordene Geld wird dann in Sozialreformen gesteckt”. Auf diesen Weg befindet sich das heutige Kolumbien.

  31. 31 Jens

    @ Miguel

    ich meinte ja auch nicht einen Klopser Deinerseits, sondern die Tatsache dass überhaupt beide “Organisationen” in einem Satz erwähnt wurden.

    Was die Fortschritte der Politik Uribes angeht, muss ich Dir auf der Grundlage der Zhalen natürlich Recht geben. Die Zahl der Gewalttoten ist von ca. 13 pro Tag (Jahre 2000 auf 2001) bis 2006 auf ca. 5 Tote pro Tag zurückgegangen, immerhin auf ein Drittel des Höhepunktes der Gewalt. Wenn Du Dir aber in Coljuristas die Ergebnisse der Ermittlungen anschaust, dann wirst Du kaum einen abgeschlossenen Fall sehen. Ja, ich gebe Dir ebenfalls Recht darin, dass dieser Prozess sehr langwierig ist und dass mit der Verurteilung EINIGER Abgeordneter ein Anfang gemacht ist. Aber WIE lange soll das ganze dauern?
    Bei allem Respekt für Eure Meinungen, wo sind denn die Hauptverantwortlichen für diese Gewalt zu finden? Auf Seiten der Guerrilla ist für alle ja GLASKLAR, dass es nur deren oberster Anführer Tirofijo sein kann. Bei den Paras sind es Mancuso, Jorge 40 und wie die Obersten sonst noch heißen mögen. Und wer ist seitens der kolumbianischen Regierung verantwortlich? Der Cabo primero Siminiculino, vielleicht der Teniente pérez oder der General XY? Auf Allen Ebenen sind sie mitschuldig, die Verantwortung liegt beim Staatsoberhaupt. Ich vermisse aber die gleiche Konsequenz in der Anklage.
    Ich hoffe ja, dass irgendwann einmal auch Uribe zu seiner Politik gerade stehen muss.

    Übrigens, was das Geld für soziale Reformen angeht, will mir irgend einer von Euch bitte einmal Carimagua erklären. Es wäre ja mal eine gute Gelegenhait gewesen, den Vertriebenen zu helfen. Gerade hier sollte die kolumbianische Regierung nicht an Anstrengungen sparen. Und was ist daraus geworden? Also, bitte entschuldigt, wenn ich nicht so optimistisch bin wie Ihr, was die “Zweckentfremdung” von Geldern für soziale Reformen angeht.

  32. 32 CARLO

    @MIGUEL:

    Was Du jetzt als “Reja-Trauma” bezeichnest habe ich zuvor als “Reja-Mentalität” bezeichnet! “Reja-Trauma” mag sich (zumindest für Dich) besser anhören, ist aber schlichtweg falsch, denn ein TRAUMA ist grundsätzlich eine Verletzung/Wunde der Psyche o.ä. . Doch beides hat doch wirklich nichts miteinander gemein, denn eine “Reja-Mentalität”, wie ich diese bezeichnet habe, ist das Produkt einer (für mich falschen) Erziehung bzw. der Lebensweise und Lebensgewohnheit. Ein Trauma hingegen kann verursacht werden durch eine Naturkatastrophe, durch einen schweren Unfall oder das Erleben von Gewalt. Mentalität hingegen bezeichnet vorherrschende Denk- und Verhaltensmuster einer Person oder einer sozialen Gruppe von Menschen und wird auch auf gesamte Nationen bezogen. Das wollte ich nur einmal klargestellt haben.

  33. 33 Steffen

    Jens, dafür musst Du Dich nicht entschuldigen. Denn Deine “pessimistische” Einschätzung halte ich für weitaus realitätsnaher als die positiven Einschätzungen von Miguel oder Gordis.

    Ich glaube nicht, dass in Kolumbien ein Umdenken weg von einer Kultur/Politik der Gewalt hin zu einer Kultur/Politik der Versöhnung und der juristischen Aufarbeitung von Verbrechen stattfindet. Eher im Gegenteil denke ich, dass unter Uribe sich die humanitäre Lage und der Zustand der Demokratie verschlechtert. Warum? Ich möchte es kurz erläutern.

    Der zentrale Punkt ist sicherlich das Gesetz Justicia y paz. Es ist ein Witz, um nicht zu sagen, ein politischer und juristischer Skandal. Hierdurch wird es vielen Paras ermöglicht, ihre eigene Machtposition samt ihrer illegal erworbenen Besitzgüter zu “legalisieren”. Die Folgen hiervon werden wohl erst in einger Zeit sichtbar. Eine Aufarbeitung der Verbrechen der Paras findet mitnichten statt. Natürlich wird der ein oder andere Prozeß geführt, gibt es Verurteilungen. Aber das muss ja auch sein, sonst wäre die ganze Sache komplett unglaubwürdig.

    In Zukunft werden die Paras (und hier meine ich solche in entsprechenden Führungspositionen), von ihren Verbrechen reingewaschen, als lokale Machtgrößen auch für politische Ämter kandidieren können. Die Allianz zwischen Teilen der Politik, der Wirtschaft und der extralegalen Streikkräfte (so nenne ich jetzt mal die Paras) wird also auf eine legale Basis gestellt. Die korrupten und verbrecherischen Elemente der kolumbianischen Gesellschaft werden somit mehr politischen und wirtschaftlichen Einfluß gewinnen. Die Folgen für die kolumbianische Zivilgesellschaft, die Menschenrechtslage und die demokratische Kultur werden mittel- und langfristig sehr negativ sein.

    Offiziell sollte durch Justicia y Paz die Paras aufgelöst werden? Haben sie das? In keiner Weise. Eigenlich müsste den meisten spätestens nach allmählichem Bekanntwerden der Reorganisation der Paras bzw. der ausbleibenden Auflösungen dämmern, dass das Gesetzt seinen offiziell proklamierten Anspruch verfehlt hat. Aber z.B. Miguel denkt ja anscheinend immer noch, dass Justicia y Paz ein Schritt in die richtige Richtung ist. Das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.

    Natürlich sollten die Paras nie entwaffnet werden. In wessem Interesse wäre das denn? Im Interesse von Uribe? Im Interesse der Wirtschaft? Im Interesse der USA? Keinesfalls. Die Herrschaften, die was zu melden haben in Kolumbien und anderswo, können mit den Paras sehr gut leben. Mehr noch, sie brauchen sie sogar. Dabei will ich nicht unterschlagen, dass es natürlich auch in Kolumbien Teile der Politik gibt, die an einer wirklichen Lösung der Probleme (bewaffnete Auseinandersetzungen, soziale, wirtschaftliche und Menschenrechtssituation, Schattenwirtschaft, etc.pp) interessiert sind. Aber gerade diese Elemente der kol. Gesellschaft werden durch die Legalisierung der Paras mittel- und langfristig extrem geschwächt werden.

    Das macht mich wirklich betroffen. Und fast noch betroffener macht mich, dass Leute wie Miguel, den ich hier als gescheiten und vernünftigen Diskussionspartner erlebe, diese Zusammenhänge nicht erkennen und stattdessen die fatale Politik von Uribe zumindest in weiten Teilen mittragen.

  34. 34 Ein Verwirrter

    Zwei, drei Gedanken eines Verwirrten:
    - Was soll dieser Austausch bringen? Sozialer Frieden? 39 freie Geiseln? Ich versteh das ganze drumherum nicht so. Die Farc wird sich nicht von ihren illegalem (illegal in Form von europäischem Recht) Geschäft trennen und die Spirale dreht sich weiter. Da muss mehr passieren, als sowas.
    - Hat man euch mal erzählt, dass man die Vergangenheit vergessen sollte, und in die Zukunft blicken muss, wenn man Vorwärts kommen will? “Justicia y Paz” ist so ein Blick nach vorne. Man muss damit nicht einverstanden sein, nein wirklich nicht, aber mit drauf rumdreschen kommt man leider auch nicht weiter.
    - Bitte, wenn ihr schon um Zahlen kämpft, dann mit glaubhaften. Der link zu diesem Bürgerforum ist, gelinde ausgedrückt, nicht als sachdienlicher Link anzusehen. Da kann ich genauso die Homepage der Farc, Paras, etc. als Referenz angebeben.

    So, jetzt dürf ihr auf mich eindreschen.
    Gruss

  35. 35 Miguel

    @Jens: Carimagua … versuche ich auch noch zu verstehen. Wenn ich das habe, dann schreibe ich gerne dazu. Es gab hierzu eine von den Liberalen angeregte Debatte und Anklage des Agrarministers, Uribito wie ihn hier alle nennen, die aber dummerweise für den 04. oder 05.03 angesetzt war und dann wegen des Säbelrasseln zwischen Venezuela, Ecuador und Kolumbien vertagt wurde. Als es dann dazu kam, war der Elan dahin und die Uribe-treue Mehrheit hat verhindert, dass es zu einer folgenschwere Untersuchung kam. Leider ein Nachteil der demokratischen Mehrheitsverhältnisse, aber da die Opposition, insbesondere der POLO das Thema sicher nicht ruhen lassen wird, werden die Argumente der Regierung sicher noch einmal zerfleddert werden. In der Zeitschrift Semana gab es auch einen sehr guten Editorial dazu, ich hoffe, dass auch sie das Thema bald aufgreifen.

    Ohne die Bedeutung des Themas zu verharmlosen und ohne ein Urteil über die fragwürdige Argumentation der Regierung zu sprechen, dass dieses Thema in Kolumbien, von Kolumbianern, von kolumbianischen Medien (u.a. auch El Tiempo) und von kolumbianischen Parteien aufgedeckt wurde, ist doch einer von vielen Belegen, dass sich hier Sachen geändert haben. Was vielleicht vor 10 Jahren nur eine paar Campesinos bewegt hätte, die man dann so oder so mundtot gemacht hätte, ist heute öffentlich.

    @Carlo:

    “Beispiele für Erlebnisse, die Traumata auslösen können, sind Gewalt, Krieg, Folter, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, körperliche und seelische Misshandlung, aber auch Unfälle, Katastrophen oder Krankheiten. Auch emotionale Vernachlässigung, Verwahrlosung, soziale Ausgrenzung oder Mobbing können zu einer Traumatisierung führen. Mitunter kann auch die bloße Zeugenschaft eines solchen Ereignisses traumatisierende Wirkungen auf den Beobachtenden entfalten.”

    Es gibt viele Faktoren, die ein psychologisches Trauma auslösen können. Entscheidend ist es, dass das Ereignis die psychischen Belastungsgrenzen des Individuums übersteigt und nicht adäquat verarbeitet werden kann.

    Das bekommt man nicht aus einer Statistik mit, die man vor dem heimischen Kamin liest oder aus einer vergangenen Schlagzeile, die man zwischen zwei Bissen in das Frühstücksbrötchen las und aus der wieder hervorging, dass Bogota die Stadt mit der weltweit höchsten Kriminalitätsrate war. Da hast Du ganz recht, so was löste und löst bestenfalls kurzes Erschaudern aus.

    Für die Menschen die hier leben sieht das ganz anders aus. Sie haben aus unmittelbarer, persönlicher Nähe erfahren, wie die Gewalt um sich greift, dass jeder das Opfer erst von Pablo Escobar, dann von den Pepes, dann von der FARC und dann von den Paras sein konnte. Irgendwann waren sie gefangen in ihren Ortschaften und fuhren nicht mehr aus ihrer eigenen Stadt oder ihren eigenem Dorf heraus, weil sie damit rechnen konnten, dass sie die FARC mal gleich mit in den Urwald nahm.

    Auf einmal gab es in der Sprache die “desechables”, ein Unwort der Paras und wenn Du in einer Disko warst und der zufällig hereinkommende Boss Deine Begleitung toll fand, dann zog er sein Revolver und es war klar, dass Deine Begleitung ab jetzt mal besser mit dem Boss tanzt.

    Bei wem schon einmal eingebrochen wurde während er schlief, der weiß, dass die Angst und das Unsicherheitsgefühl einen schwerverdaulichen Geschmack der Verletzlichkeit hinterlassen.

    In Kolumbien triffst Du immer einen, der entweder das Opfer eines Überfall wurde, aus dessen Familienkreis jemand erschossen oder entführt wurde, der, wenn er nicht selbst zu den Vertriebenen gehört, wenigstens einen Angehörigen hat der vor der Gewalt geflohen ist. Dazu zählen die Kriegsflüchtlinge aber auch die hunderttausende von Kolumbianern, die sich vor allem in die USA abgesetzt haben und dort mehr recht als schlecht als Illegale - das Wort musst Du mal auf Dich wirken lassen - ihr Leben und das ihrer Familien meistern. Viele von ihnen verarbeiten ihr Schicksal mit einer Lüge.

    Aus Deiner sicheren Warte kann das alles Mentalität sein. Aus dem Verständnis vieler Psychologen und Gesellschaftspsychologen -zu denen (keinen von beiden) ich nicht zähle- liegen hier ganz bestimmt Trauma auslösende Faktoren vor.

    Wer nicht versteht, welche Wunden und Verletzungen die hiesige Gesellschaft über 20 Jahre (beginnend mit Pablo Escobar) erlitten hat, der wird kaum weder das kolumbianische Problem noch das Phänomen Uribe verstehen. Mentalität als Erklärung ist flach gespielt

  36. 36 Gordis

    Hier sind einige, die sehen sich von Deutschland aus ein paar Internet Seiten an und glauben daran. dann ist auf einmal die FARC eine politische Gruppe, Morde und Entführungen machen Regierung und Paras.
    Vor der Wahl von Uribe hatte Präsident Pastrane ein Gebiet der grösse der Schweiz ünerlassen, und laufend war der Vertreter der Regierung da.Alles das im Fernsehn. Kurz vor der Wahl waren alle Kandidaten (ausser Uribe und einer Kandidatin) im dem Gebiet und haben sich mit den Terroristen diskutiert. Den ganzen Tag habe ich vor dem Ferhnseher gesessen und mir alles angehört. Ausser Beschimpfungen gegen Regierung und Militärs habe ich nichts gehört.
    Keinen Vorschlag, irgendwas zu regeln.
    Das Gebiet wurde von den Kinderschänder nur dazu genutzt, umliegende Stadte anzugreifen, und alles, Kinder Frauen, Greise, niederzumachen.
    Fast täglich zerstörte Strassen, Brücken und Dörfer.
    Bis zur Entführung eines Flugzeuges und Landung auf einer Strasse, und der Entführung einer der jetzt freigelassen Geisel. Da Sagte Pastrana, no mas.
    Und jetzt wollen die wieder so eine Zone haben. In der nähe von Cali. Nein Danke.
    Am 9 Februar war das Volk Kolumbiens auf der Strasse, und sagte
    NO mas FARC.
    Diese Gruppe, die Mädchen entführt, vergewaltigt und dann, weil diese stören, die Kinder umbringt,
    sollte auf Volk hören, und sich in Luft auflösen und alle, nicht 39 Politiker, freilassen.
    Wenn diese Kidnapper eine politische Gruppe ist und gegen die politischen Machenschaften kämpft, sollte sie diese 39 Politiker festhalten und den Rest freilassen.
    El Quaida, IRA, Hamas und ETA haben mehr recht darauf, von der Liste der Terroristen genommen zu werden als diese FARC.
    Stellt mehr Links zu Propaganda-Material von Linken Gruppen in dieses Forum, damit jeder sieht, wie gut Ihr informiert seid.
    Wie “Neues Deutschland” und “Prawda”, für die war Baader Meinhoff auch eine Befreiungs Organisation gegen das Regime in Bonn.

  37. 37 CARLO

    @Steffen:

    Dein Kommentar gibt sehr zum Denken bzw. zum Nachdenken Anlass.

    Ich kann mir, so betrachtet, gut vorstellen, dass letztlich das Gesetz Justicia y Paz “ein Schuß in den Ofen” bzw. “ein Schuss, der nach hinten los geht” ist. Doch ich hoffe natürlich, dass diese Möglichkeit nicht resultiert, denn dann würde alles wirklich nur viel komplizierter werden, ja ins Gegenteil bewegt werden und allen gewalttätigen und sonstigen Gesetzbrechern freie Hand geben. Eine genaue Einschätzung kann ich mir da leider nicht erlauben, aber beängstigend ist das allemal(für mich).
    Danke für den gut verständlichen Kommentar!

  38. 38 Miguel

    @Steffen:

    1. Warum weißt Du schon, was das Ergebnis von Justicia y Paz sein wird?

    2. Pedanterie: wie schon von Jens deutlich gemacht: Manchmal muss man höllisch aufpassen, wenn man Begriffe benutzt. Warum Aguilas Negras eine riesen Bedrohung sind und warum sie trotzdem keine Paras sind, ist weiter oben festgehalten. Das wichtigste halte ich hier aber gerne noch einmal fest: Während die PARAS damals von Regierungen (wichtig Uribe war NOCH nicht Präsident) und Gesellschaft mehr oder weniger toleriert wurden, stehen die Aguilas Negras auf der Terrorliste und werden vom Staat (also Uribe) bekämpft.

    3. Nenne mir ein konkretes Beispiel für eine Verschlechterung der Demokratie.
    a. Woher willst Du heute wissen, zu wie vielen Prozessen und Verurteilung es kommen wird. Ist das nicht ein Vorurteil, das aus Dir spricht? Du vertraust den kolumbianischen Richtern nicht, dass sie eine unabhängige Arbeit machen können.
    b. Wie kommst Du darauf, dass die Allianz der Paras mit Militär, Politik und Wirtschaft legalisiert wird? Das ist mir neu. Ich kenne kein solches Gesetz, noch kennt das jemand hier in Kolumbien. Ganz sicher würde es einen riesen Aufstand geben, sollte so etwas als Gesetzesvorhaben eingereicht werden. Glaubst Du Polo, Liberale und andere Uribe-Gegner würden sich so ein Geschenk entgehen lassen?
    c. Ebenso - nie im Leben werden die verurteilten Paras politisch aktiv werden dürfen. Es gab diese Wünsche seitens der inhaftierten Paras, aber die sind vehement abgelehnt worden und werden es immer wieder werden. Sie beriefen sich drauf, dass Navarro Wolf, ein ehemaliger Guerillero jetzt z.B. Gouverneur von Nariño, ist. Aber als Navarro Wolf und die M-19 sich ergaben gab es kein Justicia y Paz und damit sind diese Jungs frei von diesem Verbot.
    d. Sicher drängen jetzt neue Gruppen in das Vakuum das die ehemaligen AUCs hinterlassen haben. Aber das heißt doch lange nicht, dass man deswegen die gesetzliche Grundlage um endlich mal Frieden im Land zu bekommen nicht angehen sollte.

    Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass hier die Paras legalisiert werden sollen. Du meinst also Uribe spielt sein ganzes politisches Vermögen am Anfangs seiner Amtszeit dafür aus um die, gerade bei manchen Teilen des Militärs doch beliebten PARAS, zur Aufgabe zu bringen, sie vor dem Richter zu stellen (mit zugegeben viel zu milden Strafen, aber was hätte die PARAs sonst bewegt sich ohne Kampf zu ergeben?) um dann im Jahre 2008 oder 2009 oder 2010 zu legalisieren? Warum hat er sie nicht dann gleich legalisiert? Warum gibt er erst den Kolumbianern und der Justiz ein Instrument, dass die Paras ins Gefängnis bringt? Warum legt er sich erst mit den Parafreundlichen Militärs von damals an? Logisch wäre das nicht, oder?

    Justicia y Paz, das wiederhole ich gerne ist nur ein Werkzeug. Uribe ist nicht die kolumbianische Demokratie. Er ist ein wichtiger Spieler in ihr. Aber solange alle Mitspieler ihre Rolle verantwortungsvoll spielen, wird dieses Instrument vernünftig eingesetzt. Da ich ein Mitspieler bin, Navarro Wolf es einer ist, der Polo Democratico ebenfalls, die Liberalen und die Gewerkschaftsorganisationen, Presse und Kirche auch mitspielen und ich vielen von ihnen vertraue, vor allem auch mir selbst, weiß ich, dass es zu den von Dir befürchteten Undingen nicht kommen wird.

    Misstrauen ist wirklich eine zähe Sache

  39. 39 El tontote

    Gordi spricht endlich mal deutlich aus, was auch mir in diesem Forum ziemlich nervt.

    Vor allem die Ignoranz und die Oberlehrermentalität, mit welcher Postings hier aufgenommen wurde, die nicht ins linke Klischee passen. Ich bin mit Kolumbien eng verbunden und kenne Land und Leute ziemlich gut. Im Gegensatz zu einigen hier im Forum, die wahrscheinlich noch nicht einmal im Land selbst gewesen sind und mir empfehlen, dass man sich doch mal informieren sollte!!!

    Was Gordi schon erwähnt habe, möchte ich hier allgemein noch einmal zu denken geben: An der Demo GEGEN die FARC nahm auf gewisser Weise das ganze kolumbianische Volk teil! (5 Millionen allein in Bogotá).
    Wers jetzt noch nicht glaubt, sollte besser aufhören sich über Politik überhaupt Gedanken zu machen: DIE FARC ist keine politische Organistation und wird von niemanden in Kolumbien als solche verstanden!

    Kein Wunder, dass die linke Ideologie regelmäßig scheitert, bei diesem Mangel an Intelligenz seiner Anhänger.

  40. 40 CARLO

    @El tontote:
    Es ist wirklich ein äußerst schlechter Stil, so total unqualifiziert zu kommentieren! Wenn Du ZWEIMAL das gleiche dumme Zeug schreibst, so wird es dadurch noch lange nicht richtiger . Ups, also noch einmal:

    http://www.wpunj.edu/newpol/issue40/Brittain40.htm#r16

    … und bitteschön auch lesen!

    WEN genau meinst Du denn damit:
    “Im Gegensatz zu einigen hier im Forum, die wahrscheinlich noch nicht einmal im Land selbst gewesen sind”

    Was sollen BÖSWILLIGE und/oder DUMME VORURTEILE, die erstens keinesfalls relevant zum Thema sind und zweitens hat Dich auch KEINER darum gebeten, derartige Diffamierungen und Verunglimpfungen in Deinen Kommentaren kund zu tun. Das ist schon krank! WER vertritt denn hier im Forum eine LINKE IDEOLOGIE? Ich denke hier wird allgemein gut und sachlich, mit gegenseitigem Respekt voreinander, argumentiert. Das ist in einer FAIREN UND FUNDIERTEN Diskussion erforderlich. Bei Dir muss ich aber leider das krasse Gegenteil feststellen!

  41. 41 Steffen

    @ Miguel:

    ja, ich bin mißtrauisch gegenüber Uribe und dem politischen System in Kolumbien im Allgemeinen. Nein, ich vertraue im Allgemeinen nicht der kolumbianischen Justiz. “Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure, als an die Gerechtigkeit der kolumbianischen Justiz” um mal ein Zitat einer alten deutschen Punk-Band zu verfremden.

    zu 1.) Ich weiss es nicht, aber ich prognostiziere. Gibt ja auch genügend Anhaltspunkte. Was sagen denn sämtliche internationalen Menschenrechtsorganisationen zu Justicia & Paz? HRW z.B. meint:

    „the law drastically limits time frames for investigation of paramilitaries’ crimes, thus making it nearly impossible to hold paramilitaries accountable for them. Even if convicted, paramilitary commanders could get away with serving as little as two years for all their crimes, without having to confess, fully disclose their knowledge of the criminal networks they run, or even turn over all their massive illegally acquired wealth“

    zu 2.) Willst Du mich verarschen? Wer sind denn die Typen, die in Barrancabermeja (hierüber habe ich aktuelle Infos aus erster Hand, d.h. von Leuten die zur Zeit vor Ort sind) Gewerkschaftler, Mitglieder von sozialen, indigenen oder Menschenrechtsgruppen tyrannisieren? Die die Stadt quasi kontrollieren. Die jeden Schritt von ausländischen Menschenrechtlern verfolgen? Wegen denen gerade letzte Woche erst wieder die Alarmnetztwerke mehrerer international anerkannter Menschenrechtsgruppen aktiviert wurden? Die sehen den Leuten, die das vor fünf Jahren schon gemacht haben, aber verdammt ähnlich. Und irgendwie werden die auch von der Polizei in Ruhe gelassen. Seltsam. OK, Zynismusmodus aus jetzt! Wer soll die denn auch alle verfolgen? Soll sich die Polizei mit denen anlegen? Im Leben nicht. Da können die sich auch gleich selber nen Kopfschuss verpassen. Soll der Herr Staatsanwalt aus Bogota da hinfahren? Die lokalen Behörden, die etwas unternehmen wollen, sind doch gerade im Moment wieder absolut handlungsunfähig. Deren Leben ist ernsthaft bedroht.

    zu 3.) das wichtigste Beispiel ist Justicia & Paz. Die negativen Folgen werden, wie ich schon schrieb, richtig deutlich erst mittel- und langfristig zu Tage treten.

    Ein weiteres Beispiel ist der von Uribe vier Tage nach seinem Amtsantritt ausgerufene Ausnahmezustand, in Folge dessen dem Militär in bestimmten Regionen umfassende Vollmachten zur Regelung des zivilen Lebens gewährt wurden, d.h. die Streitkräfte teilweise auch Funktionen der Justiz übernahmen.

    Noch ein Besipiel: bereits unter Pastrana wurde Gómez Méndez entlassen, der etliche Erfolge bei der Verfolgung von Straftaten, auch von Paras, Politikern und Militärs vorweisen konnte. Für ihn kam Osorio (heute Botschafter in Mexiko). Muss ich zu dem noch was sagen? Eine schnelle Google-Suche liefert schnell eine umfangreiche Literatur des Grauens (Berichte vom HRW, AI, Artikel von u.a. der NYTimes). Für Osorio kam dann unter Uribe Mario Iguaran, er führt die “Arbeit” seines Vorgängers bisher mustegültig fort. Insgesamt ist diese Entwicklung der Staatsanwaltschaft ein herber Rückschlag für den kolumbianischen Rechtsstaat.

  42. 42 Steffen

    zu 3.a) siehe oben, die Entwicklung der Staatsanwaltschaft spricht Bände, ist aber nur ein Beispiel.

    zu 3.b) Lieber Miguel, hier nimmst Du mich aber wirklich auf den Arm, Du Schelm. So naiv kann man doch gar nicht sein. Glaubst Du wirklich, Uribe & Co, erlassen ein Gesetz, in dem steht: “Hiermit wird die Zusammenarbeit von paramilitärischen Gruppen, Drogenbossen, den kol. Streitkräften und Mitgliedern Regierung ausdrücklich und unwiederuflich im Namen des kolumbiansichen Volkes erlaubt”? :-)
    Das Gesetz, welches diese Allianz legalsiert (natürlich nicht explizit) existiert bereits. Es heißt Justicia & Paz. Vergleiche z.b. die Äußerungen von HRW (nur ein Beispiel, viele andere äußern sich ähnlich).

    Miguel, es ist eine Sache, was die Regierung sagt (offiziell verlautbart). Eine andere, was sie tatsächlich macht. Mit der Literatur über den Unterschied zwischen Verlautbarungs- und Handlungspolitik kann man wahrscheinlich ganze Bibliotheken füllen. Also nicht immer alles für bare Münze nehmen, was die Dein Präsident erzählt.

    Ferner ist es eine Sache, was in einem Gesetz steht und eine völlig andere ob dieses auch umgesetzt wird bzw. werden kann. Kolumbien hat es noch nie an guten Gesetzen gemangelt. Das zentrale Problem des kolumbianischen Justizwesens ist nicht so sehr die Schaffung wirksamer Gesetze als vielmehr die wirksame Anwendung der bestehenden Gesetze.

    zu 3c) bist Du Dir da so sicher? Hab jetzt kein Beispiel parat. Aber irgendetwas werden die Ex-Paras (auch hier: Führungskräfte, die Schmutzarbeit wird weiter von den Gleichen gemacht) schon mit all dem vielen Geld und der Macht machen. Oder was meinst Du? Suchen die sich jetzt alle einen Buchhalterjob in der nächstbesten Kaffeefabrik? Gewiss, viele werden in die Wirtschaft einsteigen. Sie haben das Geld, die Kontakte, die Macht. Und sie wollen mehr. Das geht (fast) allen so. Ist ganz normal, da sind sie in einem Club mit Tirofijo und Co.

    Ja, Justicia & Paz ist nur ein Werkzeug. Eines, das man aber benutzen muss. Das wird ein paar mal gemacht, um den Schein zu waren, ein paar Jahre Haft für die ganz Dummen oder ein paar Bauernopfer (wunderbar für die Begleichung alter Rechnungen) um den (Verlautbarungs-) Schein zu waren und gut ist. Du sagst es doch selbst: neue Akteure drängen in den Raum der Paras. Nur: neue Akteure? Die alten Paras sind also alle in Rente und die Jugend darf ran, oder wie? Kleine Frischzellenkur für die extralegalen Streitkräfte? Das ist doch Quatsch, das sind zu 90% die gleichen Idioten. Was sollen die denn auch anderes machen? Umschulungen??

  43. 43 CARLO

    @MIGUEL:

    Zum “TRAUMA”: Du willst mir mit Deiner versuchten Erklärung doch allen Ernstes nicht weismachen wollen, das SÄMTLICHE KOLUMBIANER “traumageschädigt” sind! Begreife bitte, dass “MENTALITÄT” in diesem Zusammenhang(Reja) das RICHTIGE WORT ist(oder informiere Dich bitte).
    Außerdem REJAS gibt es seit vielen hundert Jahren in Kolumbien, die Kinder werden und wurden doch in Häuser mit Rejas hinein geboren und nicht, wie Du meinst, als Folge z.B. von El Patron “TRAUMATISIERT”, den auch nur sehr wenige persönlich kennen. Die Rejas sind vielmehr Gewohnheit geworden und die Folge von allgemeinem MISSTRAUEN und ANGST, sowie Folge von großer sozialer Ungleicheit und von JEDER MENGE “NEGATIVBEISPIELEN”, wie z.B. von schneller(leichter) illegaler BEREICHERUNG in dem allgemein SEHR REICHEN Land Kolumbien. Das hat nun über viele Generationen zweifelsfrei die “MENTALITÄT” beeinflusst und geprägt! Weitere Erklärungen sind in meinen vorangegangenen Kommentaren, falls es immer noch nicht reichen sollte!

    Deweiteren brauchst Du mich nun wirklich nicht zu “ANALYSIEREN” versuchen, weil das meiste eh UNZUTREFFEND ist. Wenn Du also etwas konkretes von mir wissen möchtest, so frage mich bitte DIREKT!
    Ich habe weder einen heimischen Kamin, kenne viele NICHTVERGANGENHEITSGESCHÄDIGTE Kolumbianer, habe auch keine “sichere Warte”.

    El Patron, übrigens auch mal Kongressabgeordneter, hat in Medellin u.a. auch vielen Armen geholfen und war bei diesen seinerzeit sehr beliebt. Aber er war natürlich hauptsächlich schon ein ÄUSSERST ÜBLER SCHWERKRIMINELLER. Doch ein total einseitiges Bild trügt halt. Damit will ich ihn nicht in Schutz nehmen!

    @Steffen:
    Ich sehe und vorallem verstehe ich Steffens kritische Beurteilung von den künftigen Folgen/Ergebnissen von “Justicia y Paz”. Es ist m. E.aber wirklich doch nur eine PROGNOSE und keineswegs als eine (vorweggenommene) Realität zu verstehen. Und Prognosen sind sicher mehrere möglich.

  44. 44 Miguel

    @ Steffen:

    zu 2. Ich sehe keinen Widerspruch. Es gibt die Aguilas Negras. Sie sind eine Terrororganisation. Als solcher erkennt sie auch der Staat und verfolgt sie. Das ist etwas ganz anderes als die bei den PARAs in den 90er, die zum Teil toleriert wurden. Dieser Unterschied macht sie nicht weniger gefährlich, verwerflich und gefährlich. Auch eignen sie sich als Sammelbecken für ehemalige PARAS. Das alles ist bekannt, deswegen stehen sie auf der Terrorliste unter einem anderen Namen. Weil der Staat sie nicht toleriert. Name hin, Name her, ihre Existenz leugnet keiner und Uribe hat zum “frontalen Kampf gegen sie aufgerufen.”

    Wer sie verfolgt? Genau die Leute denen Du das nicht zutraust.
    Erfolge?
    - Am 13.02.08 wurde das Führungsmitglied der Aguilas Negras, Rafael Gustavo Mora Rojas, ehemaliges Mitglied des AUC Blocks Central Bolivar festgenommen.

    - Am 13.06.07 ergibt sich Adolfo Guevara, ebenfalls aus der Führungsebene der Aguilas, ebenfalls ex-PARA, diesmal vom Bloque Norte.

    - 27.02.07 Bei Gefechten bei Pamplonita in Santander del Norte, werden 15 Mitglieder einer sich neu bildende Einheit der Aguilas bei Gefechten mit der Armee gefangen genommen, 2 weitere bei diesen Kämpfen getötet. Das Drogen-Labor dieser Gruppe wurde vom Militär anschließend zerstört.

    - 19.01.07. Bei Gefechten mit Einheiten der sich bildenden Gruppierung der Aguilas Negras in den Departamentos Cesar und Magdalena wurden drei Mitglieder dieser Organisation getötet.

    - 06.04.07. Bei einer 5 tägigen Offensive der Armee werden in Gefechten zwei Mitglieder der Aguilas Negras im Departamento Magdalena getötet, zwei weitere Mitglieder einer neuen, nicht benannten Drogenbande im Norden Cesars getötet, im Süden einer ebenfalls getötet und einer gefangen genommen. Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass auch die FARC (5 Tote) und die ELN (1 Toter) menschliche Verluste erlitten.

    Fern davon hier Eindruck schinden zu wollen (jeder Toter ist einer zu viel) ist das der Beleg, dafür, dass Uribe den frontalen Kampf gegen die Aguilas ernst meint. Vom Anfang an, seit dem über ein Erstehen dieser Gruppierung berichtet wurde. Besonders im Gebiet des Magdalena und Cesar kommt es zu heftigen kämpfen, bei denen vor allem die Zivilbevölkerung die Leidtragenden sind und oftmals ihre Hütten und Dörfer verlassen müssen.

    Zu den von Dir erwähnten Fällen. Sie sind alle aktenkundig und bekannt. Anlass war der Aufruf zur Demo am 06.03.08, von dem die Aguilas mit Einschüchterung die Menschen vor einer Teilnahme abhalten wollte. Die Antwort war, dass gerade deswegen viele, u.a. auch ich sich gedacht haben: Jetzt erst recht und marschieren gegangen sind. Das meinte ich mit dem verantwortungsvollen Mitspielen in dieser Demokratie. Du siehst dass sie zerfallen ist, ich sehe, dass ich demonstrieren gehen kann. Denn auch wenn mich der Staat aus einem bestimmten blöden Umstand nicht vor Unheil bewahren könnte, ich kann darauf vertrauen, dass das Unrecht verfolgt wird. Vielleicht nicht sofort aber es wird nicht mehr unter dem Teppich begraben. Genauso wie der Mord an Carlos Burbano, zweiter Präsidenten der Gewerkschaft der Arbeiter des Krankenhaus San Vicente del Caguan. Der letzte Mord an vier Gewerkschaftsführern in der ersten Märzwoche. Diese werden alle den Aguilas nachgesagt. Beweise gibt es noch nicht, aber Polizei und Armee sind auf der Suche nach diesen Banden. Du sagst die Namen der Täter seien Dir bekannt. Dann nenne sie, die Staatsanwaltschaft und die Angehörigen werden es Dir danken.

    Ich bin überrascht, wie einfach eine Google-Suche fällt um zu finden, was man finden will. Einfach combates aguilas negras oder cae lider aguilas negras oder nur aguilas negras in die Google-Suche eingeben und schon finden sich Sachen, die ein anderes Bild abgeben.

    Nach dieser Debatte bleibt also: Du misstraust und prophezeist das Ende. Ich Vertraue und arbeite an einer besseren Zukunft mit all den Kolumbianern und Nicht-Kolumbianern denen konstruktive Kritik mehr bedeutet als bloße Schwarzmalerei. Es ist Dein gutes Recht.

  45. 45 Miguel

    @Carlo:

    Nein, nicht alle Kolumbianer sind traumatisiert. Entscheidend ist ob das Erlebte verarbeitet werden kann. Daher habe ich nicht jeden einzelnen Kolumbianer gemeint. Genauso wie Du es für möglich hälts einer ganzen Gemeinschaft eine Mentalität zu zusprechen, ohne sicherlich jeden einzelnen Kolumbianer zu meinen, kann einer Gesellschaft gemeinsam erlebtes als Trauma diagnostiziert werden, wenn die Gesellschaft als solche eine gemeinsame Reaktion aufweist, die als Versuch diese Erlebnisse zu verarbeiten verstanden werden kann. Dabei ist diese Verarbeitung meist ein Leugnen der wahren Zu- und Umstände. Eben eine richtige traumatische Reaktion.

    Ich habe bis 1974 in Kolumbien gelebt, meine Eltern haben unser Haus 1970 gebaut. Es hatte keine Rejas. Auch keines der Häuser hier um uns herum hatte Rejas. Die kamen erst langsam 1974 an unser Haus und auch nur deswegen, weil wir erst einmal das Haus leer stehen hatten, da wir dachten bald wieder aus Deutschland zurück zu kehren.

    Mit Boss ist keineswegs Pablo Escobar gemeint, denn habe ich auch nie persönlich gekannt. Gemeint sind die vielen kleinen Angestellten der Drogenmafias, die auf einmal wer waren, weil sie viel Geld verdienten, zwei oder drei noch kleinere Ganoven als ihre Mitarbeiter befehligten und meinten, sie wären das Gesetz. Es gab tausende von ihnen und sie waren gefährlicher als die großen Bosse, denn sie waren meistens dümmer und jähzorniger. Aber das kann keiner wissen, der das nicht erlebt hat, daher entschuldige, dass ich da nicht deutlicher formuliert habe.

    Was die Folgen dieses Traumas sind und wie sehr sie in Fleisch und Blut der Leute gegangen sind, da hast Du recht. Daher muss jeder, der die kolumbianische Gesellschaft aus der Lethargie befreien möchte zunächst einmal diese Ängste verstehen und adressieren können. Er muss auch das Vertrauen durch Erfolge halten können. Das steckt in meinen Augen hinter dem Phänomen Uribe

  46. 46 CARLO

    Liebe Blog-Autoren,

    eigentlich habe ich, aus geg. Anlaß erwartet, dass der Herr EL TONTE von euch wegen dessen fortgesetzter Diffamierung und Verunglimpfung von Kommentatoren, einmal gemaßregelt und an die “Spielregeln” erinnert werden würde…

  47. 47 Miguel

    @Steffen:

    3a. Tatsache ist doch, dass unter Iguaran die Prozesse der Parapolitik gestartet haben, die Untersuchungen darüber, was eigentlich bei der gewaltsamen Eroberung des Justiz-Palais durch das Militär wirklich passiert ist, aufgenommen wurden und alle diese Fälle, von denen Du nun sagst dass dies alles Showprozesse seien, ins Laufen gebracht wurden. Es kommen mehr.

    3b. Du meinst also, ein Präsident der so kalt berechnend ist wie Du Uribe siehst und dem nur an dem Erhalten der PARAs gelegen ist, geht erst einmal den Umweg, sein Amt zu riskieren und ein Gesetz durch zu boxen, dass ihm Ärger mit den Parafreunden in der Wirtschaft, Armee und Politik bringt, von dem er sich ausrechnen kann, dass es einen großen Teil der amtierenden Politiker in U-Haft und den Knast bringt, die ganze damals herrschende Militärführung in den frühzeitigen Ruhestand gebracht hat und nun vor dem Kadi zerrt?

    Vor allem, wenn er das Gesetz durchgebracht hat, wie kann er es schnell wieder abschaffen? Gerade dann, wenn die daran interessierten Politiker und Militärs im Knast sitzen oder Verfahren gegen sich laufen haben?

    Wie stellst Du Dir das vor? Er erlässt ein Notstandsgesetz? Auf Grund von was? Und mit wem? Die Parafreundlichen Leute sitzen im Knast. Etwa mit Senatoren wie Gina Parodi oder Parteiführern wie Cesar oder Carlos Gaviria, mit den Gewerkschaften? Da hast Du aber eine sehr einseitige Meinung über das Potential und die Aufrichtigkeit der kolumbianischen Opposition und Politiker. Wobei Gina Parodi natürlich keine Oppositionspolitikerin ist.

    3b. Das Gesetz Justicia y Paz legalisiert nicht eine Allianz. Wo steht drin, dass alle als AUC gerichtet werden? Jeder einzelne muss sich für seine eigenen Taten rechtfertigen. Wo steht drin, dass die AUC weiterhin als legale Organisation existieren darf? Ganz im Gegenteil. Damit sich die einzelnen Mitglieder dieser Organisation unter dieses Gesetz begeben können, müssen sie sich von der AUC los sagen. Wo hast Du das bloß her, dass in Justicia y Paz steht, dass nach den Prozessen die AUC eine legale Gruppierung ist, explizit oder implizit?

    Ziel dieses Gesetzes ist es, den Mitgliedern illegaler Banden wie die AUC, wie die ELN, wie die FARC eine Möglichkeit zu bieten, juristisch mild behandelt zu werden und nach Absitzen der jeweiligen persönlichen Strafe wieder in das normale Leben zurück zu kehren. Genauso wie es jedes Strafrecht der Welt macht, welches davon ausgeht, dass ein Mensch nach dem Absühnen seiner Strafe ein Recht auf eine zweite Chance hat.

    So werden die ehemaligen PARAS nach ihrer Strafzeit wieder als Bürger leben können, wo sie wollen (und überleben können) und von dem was sie betreiben wollen. Nur eines wird sie von einem normalen, nicht vorbestraften Bürger unterscheiden: Sie dürfen nicht für politische Ämter kandidieren. Man kann auch als nicht Politiker gut leben. Und wenn man Häuptling bei den Paras war, ganz bestimmt sehr gut, denn sie haben sich einiges bei Seite geschafft und juristisch abgesichert. Das gleiche gilt auch für die FARC-Leute. Wer Häuptling war, wird im Ausland gut leben können. Bin mir sicher, dass ihnen bei internationalen Drogenbande gute Posten angeboten werden, denn ob Guerilla oder PARA, die Jungs verstehen ihr Geschäft. Und dann sitzen u.U. ehemalige Gegner der FARC- und der PARA-Führung im gleichen Vorstand. Blöd sieht es da für die mittleren Chargen aus. Von dem bisschen Geld, was sie bei den Eingliederungsprogrammen erhalten, werden sie, die fast das zehnfache eines Salario Minimo als dem Drogenhandel verdienten, nicht glücklich werden. Noch dazu, wenn sie damit rechnen müssen, wegen offener Rechnung von ehemaligen Gegner kalt gemacht zu werden.

    Aber das kann das Gesetz nicht vorsehen, das ist eine Aufgabe für die Eingliederungsprogramme. Jedenfalls zu 3b: Justicia y Paz legalisiert den Einzelnen, nach Absitzen der persönlichen Strafe. Eine Legalisierung der AUC als Verein ist Unsinn.

    Was die Regierung sagt und macht ist im Augenblick nicht weit von einander weg. Sie verfolgt die Paras, die sich nicht ergeben haben und die Gruppierungen die in dieses Machtvakuum wachsen, wie ich Dir in einem anderen Kommentar schon aufgezeigt habe. Und die Justiz verfolgt rechtlich die Individuen der Gruppierungen, die die Regierung zerschlägt oder gefangen nimmt. Es ist nicht an Uribe zu richten, da verkennt ihr seine präsidiale Macht. Auch wenn es mancher so gerne übersieht, es gibt hier in Kolumbien eine Exekutive, eine Legislative und eine Judikative.

    Es ist nicht alles bestens im Staate Colombia, aber so aussichtslos, wie Du das siehst, ist es keinesfalls. Eine kolumbianische Tugend ist es mit Wenigen etwas zu machen. So werden wir mit den Gesetzen die wir haben eine bessere Zukunft errichten.

  48. 48 CARLO

    Hallo Miguel,

    möchte Dir noch schnell antworten, denn wie Du jetzt schreibst und erklärst, so ist es zumindest für mich nachvollziehbar und demnach könnte m.E. für Dich persönlich durchaus schon die Bezeichnung “Reja-Trauma” gelten.
    Aber um nicht alles noch unnötig weiter zu komplizieren, versuche ich, nach Möglichkeit, stets zu “generalisieren”. Natürlich ist das nicht immer möglich. Aber ich denke mal, wir VERSTEHEN uns beide, wenn auch nicht auf den ersten Anhieb, dann jedoch wenigstens auf den zweiten. Und das, ohne das wir unedingt stets gleicher Meinung sein zu brauchen. Leider sind aber Vernunft, Toleranz und Fairness manch anderen Kommentatoren hingegen hier im Blog anscheinend Fremdwörter.

  49. 49 Jens

    @ Gordis, @ Tontote

    Na, das habe ich von Euch beiden fast schon erwartet.

    Aber zu Euren Ansichten will ich mich trotzdem melden.

    Erstens, Ihr mögt z.B. Human Rights Watch oder Amnesty International als Linke bezeichnen, die wirklich Linken bezeichnen sie nicht selten als rechte Gruppierungen. Aber habt Ihr Euch denn die Seiten überhaupt einmal angeschaut? Kennt Ihr überhaupt die Statistik von Coljuristas? Mich als linken oder Unwissenden zu bezeichnen ist Euer Problem, aber das ist auch billig und disqualifiziert Euch für eine weitere Diskussion auf sachlicher Ebene. Wenn Ihr keine Argumente in der Sache habt, dann wird einfach abgestempelt?. Ich bin bereit und gewillt, mit jedem von Euch eine Diskussion zu führen, aber bitte, bei der Sache bleiben.

    Gordis, Du schreibst: “Hier sind einige, die sehen sich von Deutschland aus ein paar Internet Seiten an und glauben daran. dann ist auf einmal die FARC eine politische Gruppe, Morde und Entführungen machen Regierung und Paras.”
    Ich antworte Dir: “todavía hay quien cree que los pajaritos mean”. Man muss schon genauer hinsehen, um zu verstehen was wirklich abgeht. Wenn Du ein Problem, wie das der politischen Gewalt in Kolumbien mit Scheuklappen sehen willst, dann bitte, Deine Sache. Aber wirklich ernst kann ich Dich damit nicht nehmen. Ich möchte Dir, Gordis, damit sagen, dass eine Diskussion in dieser Angelegenheit weder auf der emotionalen, noch auf einer einseitig politisch colorierten Ebene möglich ist. Bitte nimm Dir ein Beispiel an André oder Miguel, welche eine Konfrontation nicht scheuen, aber stets darauf bedacht sind, sachlich zu bleiben. Ich habe kein Problem damit, dass Du mir klarmachst dass ich im Unrecht bin, aber sag doch dann bitte auch WARUM? Widerlege meine Argumente, widerlege doch meine “Beweisführung”. Es reicht mir eben nicht, dass Du behauptest ich sei im Unrecht, wenn Du es nicht belegen kannst.

    Und wenn jemand meint, das Problem der Gewalt in Kolumbien sei mir fremd, dem muss ich antworten: Wenn einer von Euch in einem Zeitraum von 30 Jahren Gechwister durch rechte Banden verloren hat und in Euren Familien zwei Onkel und drei Cousins sowohl durch linke Guerrilla als auch durch gewöhnliche Kriminelle entführt worden sind (wie in meinem Fall), dann würdet Ihr wahrscheinlich eine andere Sicht der Dinge haben. Die Gewalt in Kolumbien ist mir aber auch aus allen erdenklichen Situationen begegnet. Ich kenne die Gewalt auf der Straße (bin auch schon mal ausgeraubt worden und habe zusehen müsssen, wie im Krankenhaus von Zipaquirá ein Verletzter im Notdienst des Krankenhauses hingerichtet wird), ich kenne die Spanisch-Indianische Mischung von Ehre und Gewalt der Guajira durch persönliche Freundschaften mit Angehörigen der Cotes und Valdeblanquez-Clans zu Zeiten der Bonanaza Marimbera. Ich weiss aus erster Hand, was politische Amnestie in Kolumbien bedeuten kann, nämlich dass einen Monat nach der Amnestie ein Onkel durch eine sogenannte Dissidentengruppe der M19 entführt wird. Ich habe aus meiner eigenen Arbeit im Süden Tolimas und im Huila mit ansehen dürfen, wie die Bauern immer nur Spielball zwischen Guerrilla und Armee gewesen sind, wie sie von allen politischen Parteien auf gleiche Art und Weise missbraucht wurden. Dort habe ich erstmals mit erleben dürfen, dass sich sogar die Kirche durch Diffamierung von Andersdenkenden mitschuldig macht an politischen Mordaktionen. Und ich habe die Folgen davon ganz hautnah miterlebt, als ich in einer WEIHNACHTSNACHT einen meiner besten Freunde, einen 30 jährigen Familienvater, nach einer Schie