Ingrid Betancourt - fünf Jahre in den Fängen der FARC

Update: am 28.04.2007 gab es ein Lebenszeichen von Ingrid Betancourt, alle Details gibt es hier…

Update: am 31.05.2007 berichtet die Senatorin Piedad Cordoba, dass Betancourt in den nächsten Tagen frei kommen soll, die Regierung dementiert die Meldung…

Ingrid BetancourtLiebe Ingrid.
Fünf Jahre schon fehlt uns Deine Stimme,
Fünf Jahre ohne Deine mutige Politik,
Fünf Jahre ohne Deine Familie, deine Kinder.

Wir hatten uns kurz kennengelernt im Jahre 1998, in einem Hotel in Valledupar. An einem heißen, späten Nachmittag. Du erzähltest, dass du gerade fast entführt worden wärest auf dem Weg von Barranquilla nach Valledepur. Wir drehten einen Film über Vallenato, El Acordeon del Diablo. Meist in gefährlichen Zonen, im Guerilla-Gebiet. Ich bin durch diese Regionen immer um 12h Mittags gereist. Die Hitze vertreibt die Hunde auf der Strasse und auch die Guerilla.

Unvergessen sind deine Debatten im kolumbianischen Kongress über Drogengelder und Korruption in der Regierung Samper. Heute wieder ein ganz aktuelles Thema. Ich schrieb dir damals, im Juni 1996, einen Brief, Auszug:

“…du hast ein Licht in mir entzündet, mich wieder erinnert, warum ich hier bin, warum ich dieses Land liebe: es ist wegen Menschen wie du, voll Hoffnung, von Mitgefühl, voll Mut. Solange es Personen gibt wie dich, ist nichts verloren. Lass dich nie betrügen, mach weiter in deiner Wut und deinem Kampf für die einzigen Dinge für die es sich zu leben lohnt: die Liebe, die Würde und die Freiheit.”

Wenn ich das heute lese, dann frag ich mich nur, was aus der Guerilla geworden ist. Eine Frau wie Ingrid wird mit Gewalt daran gehindert für die Ideale einzutreten, für die diese Guerilla so scheinheilig auftritt. Pervers!

Ingrid Betancourt

Ingrid, ich bin sicher, dass du wieder unter uns sein wirst. Wir warten in Kolumbien auf deine Stimme, heute mehr denn je.

Ich möchte alle Blog-Leser einladen, sich an den Aktionen zum 5 Jahrestag (23. Februar) der Entführung von Ingrid Betancourt und Clara Rojas zu beteiligen. Nähere Infos auf folgenden Seiten:

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11 Kommentare zu “Ingrid Betancourt - fünf Jahre in den Fängen der FARC”


  1. 1 Sabine

    Michael, man merkt, dass dir das Thema sehr am Herzen liegt. Zumal du Ingrid persönlich gekannt hast. Ich wünsche mir nur, dass Ingrid bald wieder in Freiheit leben kann, meine Gedanken sind auf alle Fälle bei ihr.

  2. 2 Carlos

    wollen wir hoffen, dass ingrid bald wieder in freiheit ist. laut aktuellen fernsehberichten hat die kolumbianische regierung die gewissheit, dass sich ingrid im ausland befände… wisst ihr mehr darüber?

  3. 3 Michael

    Dass sich viele Entführte im Ausland befinden, wird schon seit langem vermutet. Aber für Ingrid und Clara ist der Urwald in Brasilien oder Venezuela sicher genau die gleiche Hölle wie in Kolumbien…

  4. 4 Teque

    Michael, danke für diesen Artikel. Er bringt mir Ingrid als Mensch näher und macht gleichzeitig bewußt, wie pervers nicht nur die Geiselnahme ist sondern die Tatsache, dass eine sich sooo für das Wohl des Volkes einsetzende Guerilla eine der eindringlichsten Stimmen eben dieses Volkes verstummen lässt.

  5. 5 André

    Habe gerade gesehen, dass El Tiempo, alle relevanten Artikel zu Ingrid und ihrer Geiselnahme zusammengefasst haben. Hier der Link…

  6. 6 Michael

    Wenn ihr mehr über Ingrid wissen wollt, hier ein Radio-Interview auf englisch einen Monat vor ihrer Entführung und ein Video aus dem Jahre 2001.
    Für die Dokumente braucht ihr den RealPlayer (gratis).

    http://www.npr.org/ramfiles/fa/20020108.fa.01.ram

    http://www.4ingrid.com/download/Ingrid_canberra.rm

    Diese links findet ihr auf der englich/französisch-sprachigen kanadischen Webseite:
    http://www.4ingrid.com/main/accueil.htm

  7. 7 Michael

  8. 8 Christiane Cannizzo

    Michael, deine Zeilen an und über Ingrid Betancourt haben mich sehr bewegt. Bin deiner Meinung, sie ist eine tolle und mutige Frau und wird sicherlich auf die politische Bühne (vor allem in Kolumbien, eurem Land) zurückkehren! Wenn es noch ein paar Leute mit Grips bei der FARC gibt, sie werden sie frei lassen. Da bin ich sicher!
    Liebe Grüsse aus Chile & bis bald.

  9. 9 Markus Meier

    Es gab und gibt bei der sog. FARC eine Leute mit Grips, die und die eben so blöden Paras sind rumballenrnde, drogenhandelnde Dorfdeppen, die rumballern und die Bevölkerung terrorisieren. Während aber die (bösen) Paras inzwischen einen fragilen Abrüstungsprozess mit der
    Regierung ausgehandelt haben (die die Bekämpfung der FARC zusagen musste) bewegen sich die anderen weiterhin frei im Lande - und versorgen über Kuba und Venezuela sehr lukrativ USA und Europa mit Koks. Warum unsere deutschen Gutmenschen nix dagegen haben ? Weil die alles, wo irgendwie links draufsteht und was nach Bratwurst und Abenteuer riecht, vielleicht sogar noch weit weg ist “irgendwie” toll finden. Und dann fantasieren, dass wären irgendwelchen “unbeugsamen Freiheitskämpfer”, christusgleiche Ikonen wie der Dauerpubertierer Ernesto Guevara, so wäre man auch gerne …

    Wacht mal auf, Leute: Es ist in Kolumbien verboten, gebrauchte Autos einzuführen, die woanders nicht mehr gut genug sind. Das gleiche sollte man für gebrauchte Ideen einführen, die woanders ausgemustert sind, nachdem sie Berge von Leichen (viele sprechen von 100 Millionen durch die Kommunisten Ermordeter im 20. Jahrhundert !) hinterlassen haben.

    Markus Meier

  1. 1 Sammelmappe » 5 Jahre ohne Ingrid
    Pingback am 22. Feb 2007 um 11:28
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    Pingback am 23. Feb 2007 um 02:52

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