Aerobus statt Metro?

In Bogota gibt es seit Jahren die Diskussion um eine Metro. Das Bussystem Transmilenio (funktioniert ähnlich wie die S-Bahn in Deutschland mit eigenen Spuren, Haltestellen etc.) reicht längst nicht für das hohe Verkehrsaufkommen aus.

Außerdem besteht ein inoffizieller Wettstreit zwischen Medellin, die eine Metro haben, und Bogota – ähnlich wie zwischen Köln und Düsseldorf :-) … und so gewann der neue Bürgermeister Bogotas auch die Wahl, weil er sich für eine Metro einsetzen möchte.

Heute schlägt ein Journalist des “El Tiempo”, eine interessante Variante vor: den Aerobus – eine elektrische Schwebebahn. Diese soll wesentlich kostengünstiger sein als eine Metro, weit aus umweltschonender, mehr Passagiere transportieren können und zudem nimmt sie keinen Platz auf der Straße weg, der eigentlich sowieso nicht vorhanden ist, um noch Metroschienen zu bauen.

Hier ein paar Fakten: Der Aerobus * transportiert bis zu 40.000 Passagiere in der Stunde * fährt bis zu 100 km/h * kann bis zu 50 m über der Straße fahren * kostet nur 20 Mio. USD pro Meile (im Vergleich U-Bahn 300 Mio. USD)

Wir sind gespannt, ob das wirklich eine Möglichkeit für Bogota ist – auf jeden Fall wären wir Medllin dann einen Schritt voraus :-) Oder was meint Ihr? Seid Ihr für eine Metro, das Ausbauen des Transmilenio-Systems oder wie kann man das Verkehrschaos und die Luftverschmutzung in Bogota sonst lösen?

14 Kommentare zu “Aerobus statt Metro?”


  1. 1 Markus

    Eine Metro in der Innenstadt von Bogota zu bauen ist meiner Meinung viel zu teuer und verursacht während der Bauzeit ein noch größeres Chaos. Es wäre vielleicht eine Lösung das man eine Kombination aus Metro, Hochbahn und Transmileno errichtet. Als Beispiel könnte z.B. Bangkog dienen. Dort gibt es in der Innenstadt eine Hochbahn auf Stelzen. Diese hat an ihren Endpunkte jeweils Anschluss an die Metro. Ergänzt wird das ganze dann durch ein System von Buslinien die als Zubringer dienen und die nicht an die Hochbahn/Metro angeschlossenen Viertel und Straßen versorgen. Eine optimale Lösung ist das auch nicht aber eine durchaus finanzierbare, die es ermöglicht den öffentlichen Nahverkehr in Bogota etwas vorran zu bringen. Allerdings müssten die Politiker an der Umsetzung konsequent dran bleiben und nicht auf einem Viertel des Weges aufgeben weil gerade wieder Wahlen sind oder es irgendeiner Partei nicht passt wer den Auftrag für die Baumassnahmen bekommen hat. Wir werde sehen wie es sich entwickelt. Hoffentlich zur schnellen Umsetzung der eventuell schon vorhandenen Pläne.

  2. 2 Jens

    Hallo Nicole, hallo Markus,

    nach dem Artikel von El Tiempo wurde ein integriertes Konzept unter Berücksichtigung der vorhandenen Infrastruktur, so wie Markus das anspricht, auch angedacht. Andererseits ist es erst einmal nur eine Idee (und zwar eine gute). Ich weiss ja nicht, ob Ihr Bogotá OHNE Transmilenio gekannt habt, aber allein dieses Konzept war seinerzeit ein Riesenschritt in Richtung Verbesserung. Was das Unternehmen Aerobus angeht, solltet Ihr auch einmal auf ihrer Homepage besuchen, habe ich aber meine Zweifel. So viele Referenzinstallationen haben die ja auch nicht gerade.

  3. 3 CARLO

    Hallo Nicole, hallo Markus, hallo Jens, einen kompletten Aerobus für umgerechnet nur Eur 12 Mio. erscheint mir doch allein schon vom Kostenvoranschlag her total unrealistisch. Zum Vergleich: Hamburg neue S-BahnAnbindung Ohlsdorf – Airport HH, 3,4 km Länge, ca.Eur 210 Mio.. Ja, sollte das etwa doch ein Aprilscherz :-) sein? . In Deutschland gibt es eine, wenn auch total veraltete Variante, die Schwebebahn in Wuppertal. Nur hat diese den großen Vorteil, dass sie über dem Fluss Wupper verläuft und nicht etwa über Straßen, was ja wohl in Bogota, zumindest größtenteils der Fall sein müsste. Allein der Bau der Tragekonstruktion würde für Bogota ein totales Verkehrschaos bedeuten. Ich denke auch, theoretisch schon eine gute Idee, praktisch aber m.E. leider so nicht realisierbar.

  4. 4 Jens

    @ Carlo

    30 Millionen …. pro gebaute Meile !

  5. 5 Jens

    Entschuldigung, natürlich 20 Millionen Dollar. Aber gemeint im Vergleich sind immer noch die Baukosten pro Meile.

  6. 6 CARLO

    @Jens: Danke für den Hinweis! War im Artikel nicht angegeben und nur über den Link zu erfahren.

  7. 7 Eddi

    Hallo,

    mir erschliesst sich bislang nicht, warum die Rolos davon ueberzeugt sind, dass TransMilenio keine Zukunft haette. Wichtige Ruten wurden ja noch gar nicht gebaut, z.B. auf der 26 und Av. Boyaca! Und der TransMilenio liesse sich auch noch ausbauen, z.B. hoehere Taktfrequenz der Busse. Ich glaube sogar, dass Doppeldecker-Busse (mit erweiterten Haltestellen) guenstiger und effektiver waeren als eine U-Bahn. Ausserdem waere eine U-Bahn langsamer, da sie in jedem Bahnhof halten muesste, waehrend die Express-Linien des Trans schneller ans Ziel gelangen, zumindest dort wo keine Ampeln im Weg sind, wie z.B. auf der 30.

    Gegenfrage: Habt Ihr schon mal die U-Bahn in New York, Moskau, Tokyo benutzt? Da muss man manchmal eine halbe Stunde anstehen, nur um ueberhaupt in die Station reinzukommen. Also der TransMilenio ist manchmal schon sehr voll, aber nicht auf allen Linien, nicht zu jeder Uhrzeit, und er ist entgegen landlaeufiger Meinung sehr wohl noch weiter ausbaufaehig!

  8. 8 Mich

    Hallo,

    zu Thema ist sicher auch dieser ältere Artikel und dessen Kommentare interessant: http://www.kolumbien-blog.com/politik/bogota-metro

    Micha

  9. 9 aleman

    Als taeglicher Benutzer des Transmilenio stelle ich fest, dass dieses System an seiner Kapazitaetsgrenze angekommen ist. Natuerlich ist es notwendig, die Strecken der Phase 3 noch zu bauen, aber auf den vorhandenen Strecken ist eine Frequenzerhoehung praktisch kaum noch moeglich, die Busse stauen sich jetzt schon oft vor den Haltestellen.

    Wenn der Aerobus tatsaechlich so billig ist, scheint es mir die ideale Loesung fuer Bogota als Ergaenzung zum Transmilenio und zu dem noch zu errichtenden System “tren de cercania” zu sein, zumal der optische Aspekt keine grosse Rolle spielen duerfte, denn die betroffenen Teile der Innenstadt sind nicht gerade als Weltkulturerbe einzustufen.

  10. 10 simroker

    transrapid! was haltet ihr denn von der möglichkeit? wenn das schon nicht in bayern realisert wird, könnte man das doch in bogotá machen, weil weitläufig ist die hocheben ja schon…

  11. 11 Jens

    @ simroker

    Ist doch ein Scherz oder? Erstens kann keiner den Transrapid bezahlen und zweitens braucht man dort kein Transportmittl das in der Lage ist, 300 km/h zu fahren. Transmilenio fährt ja im Schnitt auch nicht schneller als 30 km/h (anfangs sogar nur 7 km/h) auf der Hauptachse Nord-Süd. Und drittens, ist der Transrapid mit Sicherheit KEIN MASSEN-Transportmittel. Zum Vergleich: In Shanghai fährt der Transrapid vom Zentrum zum Flugplatz (Strecke 30 km) ohne Haltestellen in 8 Minuten. Toll, aber wo will man so ein Teil sinnvoll in Bogotá unterbringen? Und wieviele Menschen würden tatsächlich davon profitieren, vom Südende der Stadt bis zum Nordende in 8 Minuten zu gelangen?

  12. 12 Don-Pedrinio

    Aerobus, das wäre das Richtige für Kolumbiens Grosstädte. BOGOTA mit gutem Beispiel voran, wie schon beim Transmilenium !!!!! eine U-Bahn kommt für keine Stadt Cols in Frage, da sie aus technischen Gründen kaum mehr realisierbar ist.

    Grundsätzlich bringt jede Verbesserung eines öffentlichen Verkehrs Behinderungen mit sich. und wir Strassenbenützer nehmen dies wohl auch in Kauf. ich sehe bei einem Aerobus klare Vorteile gegenüber jeder andern Variante. welche wären: -die klar kleinsten Verkehrseinschränkungen gegenüber JEDER andern Variante. -ausnützen dessen, was bisher nicht genutzt wurde. die Luft über den Strassen. -die wenigsten baulichen Massnahmen (Hindernisse) im bestehenden Netz. oder öffentlichen Plätzen für Haltestellen. -die Beweglichkeit (Richtungsänderung infolge Hindernissen) ist bestimmt grösser als diejenige einer Metro.

    was ich aber nicht erkennen kann: -ob ein Aerobus auch das Fassungsvermögen hat, den Bedürfnissen der Zukunft zu entsprechen. -ob sein Netz sinnvoll zum bestehenden erweitert werden kann. -wie kurz die Takte der einzelnen Züge im minimum sind, wenn innert kürzester Zeit viele Passagiere befördert werden müssen. -ob sich überhaupt irgend ein anderes öffentliches Netz zum bestehenden (Transmilenium) zusammenfügen lässt.

    warte Bogota doch ab, was in Medellin passiert. da stand die Metro als erstes und jetzt ist man daran viele zusätzliche Verbindungen mit dem Vorbild Bogota und Transmilenium zu bauen. warte Bogota doch ab um zu sehen wie diese Verbindung in Medellin vollzogen wird.

    vor 2 Wochen bin ich noch die neue Gondelbahn in Medellin gefahren. sie endet im niemandsland. doch wer eine so Entwicklung einer Stadt kennt, der weiss, dass innert kürzester Zeit jene neu erschlossenen Hänge besiedelt sein werden. die Gondelbahnen lassen sich in einem verwandten Sinne mit einem Aerobus vergleichen. die Erstellung und Nutzung der ersten Gondelbahn Medellins hinauf nach Santo Domingo ist m.E. ein grosser Erfolg für die Stadt. so wäre denn etwas, was in den Lüften über Bogotas schwebt möglicherweise auch ein Erfolg für die Stadt. zumindest weniger zukünftige Abgase. denn ob sich die Verkehrsüberlastungen der wichtigeren Strassen dadurch vermindern würden ist wohl eher ein Traum als Tatsache.

    für mich pers. aber und in anbetracht der gegenwärtigen Verhältnisse wäre JEDE Art von Ausbauen der öffentlichen Verkehrmittel eines der dringendsten Bedürfnisse vieler Städte Cols. ein Ausbauen von Transmileniums eher nur ein Aufschieben der anstehenden Verkehrprobleme. und diese nehmen schneller zu als eine Planung oder Ausbauen an solchen Netzen umzusetzten vermag. plane und baue nicht für heute sondern für übermorgen, denn morgen wenn es eröffnet wird ist es bereits zu klein.

  13. 13 Don-Pedrinio

    mann, was hab ich jetzt schon wieder falsch gemacht. der direkt da oben 09.28 stammt aus meiner tastatur. Don-Pedrinio

  14. 14 Jens

    Hallo Pedrinio,

    kann Dir nur zustimmen. Du sprichst viele Aspekte an, die für die Umsetzung eines solchen Projektes wichtig sind. Der auch meiner Meinung nach wichtigste Punkt (hast Du als letzten zitiert) ist, das man mit solchen Planungen meist dem Bedarf hinterherrennt. Eine Reaktion der Stadtplaner folgt erst auf das Problem und die Lösung des Problems ist, wenn endlich umgesetzt, dann meist unterdimensioniert. Was die Umwelt und die Umsetzbarkeit eines Aerobus angeht, wäre ein solches Projekt für Bogotá sehr sinnvoll. Die Integration in vorhandene Konzepte hat nichts mit den Systemen an sich zu tun, sondern wie sinnvoll diese Integration durch die Planer gestaltet wird. Was mich stutzig macht (hatte ich weiter oben bereits erwähnt) ist, dass Aerobus noch kaum Referenzprojekte vorweisen kann. In den USA z.B. sind sie über Machbarkeitsstudien und Studien zur Technikverbesserung nicht hinaus gekommen. Und ich weiss nicht, ob Kolumbien geeignet ist als Versuchskaninchen. Mag ja sein, dass das Projekt sich leicht umsetzen ließe, aber wer reagiert auf Schwierigkeiten und wie wird darauf reagiert, wenn Probleme auftreten, wenn nicht alles läuft wie anfangs geplant? Gerade in Kolumbien besteht dann die Gefahr, dass man sich in teure Abhängigkeit von externen Unternehmen begibt und übers Ohr gehauen wird.

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