Der neue Außenminister: Fernando Araújo

Kolumbien WappenEs geht rund dieser Tage im politischen Kolumbien, ein gute Zeit um mit einem kühlen Kopf die richten Entscheidungen zu treffen Herr Presidente?

Blicken wir zurück: Am 04.12.00 war der ehemalige Wirtschaftsboss der Entwicklungshilfer Kolumbiens (unter der Regierung Pastrana) entführt. Sechs Jahre sind vergangen, am 31.12.06 wurde die FARC Gruppe, die Araujo gefangen hielt von der kolumbianischen Armee angegriffen. Araujo nutzte den Zeitpunkt zur Flucht. Mehrere Tage flüchtete er durch Wälder, eher er am 05.01.07 war Araujo gerettet und das Thema Kolumbiens. Er gehörte zu den 58 politischen und militärischen Geiseln, zu denen auch Ingrid Betancourt zählt.

Nur sieben Wochen später steht Fernando Araujo nochmals im Medieninteresse, soeben ist er als neuer Außenminister Kolumbiens ernannt worden. Sicherlich ein Drehbuch aus dem sich ein Film schrieben liess…

Aber warum Presidente? Sicherlich ein schönes Zeichen, dass man trotz persönlicher Rückschläge wieder zurückkommen kann und dass Kolumbianern nach einem solchen Verhängnis die Rückkehr in die Gesellschaft erleichtert wird. Aber reicht das aus?

Araujo hat keine diplomatischen Erfahrungen, er war sechs Jahre völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Wie kann Araujo, bei allem möglichen Talent, denn so schnell alles in Erfahrung bringen, was auf der poltiischen Weltbühne vorgefallen ist? Araujo ist nun nach dem Vizepräsidenten Francisco Santos, der mehrere Wochen von der FARC Entführte und dem Präsidenten selbst, dessen Vater von der FARC ermordet wurde die dritte Person in der Regierungsspitze, die ein persönliches und verbittertes Problem mit der FARC haben. Ich bezweifle, dass alle Entscheidungen in dieser Konstellation nüchtern getroffen werden können.

Was meint ihr? Ist die Ernennung Fernando Araujos die richtige Wahl?

Nachfolgend ein Interview mit Fernando Araujo von Radio Caracol:

Zwei Hinweis:
1) Canciller bedeutet wörtlich übersetzt “Kanzler”, in Kolumbien wird Canciller aber für die Bezeichnung des Außenministers verwendet.
2) Fernando Araújo trägt denselben Familiennamen wie seine Vorgängerin Maria Consuelo Araujo, sie sind allerdings nicht verwandt

Popularity: 24% [?]

Verwandte Artikel

5 Kommentare zu “Der neue Außenminister: Fernando Araújo”


  1. 1 Antonio

    Völlig berechtigte Frage André. Wie ich würden viele Kolumbianer gerne wissen, was unseren Presidente so treibt. Araujo, der Fernando, hat leider auch eine Affäre hinter sich, wegen der er zurücktreten mußte, damals als Minister unter Pastrana. Es ging um seine Beteiligung bei Grunstücksverkäufen in Cartagena. Zwar waren diese vor seiner Zeit als Minister und der Prozeß verlief im Sand (oder wurde das Verfahren vielleicht nut bis zu seiner Verjährung verschleppt ???????), so daß er juristisch gesehen sauber ist, aber ist das geschickt eine in einem Skandal indirekt verwickelte Politikerin durch einen in einem fast vergessenen Skandal indirekt Beteiligten zu ersetzen? Man kann nur hoffen, dass Uribe Araujos Persönlichkeit zu einer Öffnung seiner in Sachen Geiselbefreiung festgefahrenen Politik nutzen wird. Araujo tritt, nicht zu letzt aus eigener Erfahrung, für eine verhandelte Befreiung der Geiseln ein. Als “Uribista” ist er jedenfalls bislnag nicht in Erscheinung getreten.

  2. 2 André

    Soeben habe ich noch ein interessantes Video bei El Tiempo entdeckt. Laut El Tiempo hat Maria Consuelo den Präsidenten vier Stunden lang am Sonntag überzeugen müssen, bevor der Uribe einwillgte. Auch habe sie selbst Fernando Araujo als Nachfolger vorgeschlagen. Als Uribe bei ihm angerufen hat um zu fragen, ob Interesse besteht, habe er erst abgelehnt und sei dann von Maria Consuela überzeugt worden. Interessante…

  3. 3 Michael

    Aber, aber André. Seid wann muss denn jemand Erfahrungen haben, um Aussenminister zu werden. Schau Dir doch mal den deutschen Aussenminister an, ein Mann aus der zweiten Reihe, von dem man nie gehört hatte. Oder Condolezza Rice. Der Stab hinter diesen Leuten macht die Politik. Ich finde den Schachzug genial. Leiden läutert, sagt man. Lasst es ihn doch mal versuchen. Ich bin auch sicher, dass Ingrid Betancour wieder in der politischen Arena agieren wird, und wir werden Spannendes mit ihr erleben.

  4. 4 André

    Also, ich traue Fernando Araujo schon zu, dass er einen guten Job macht, aber einfach wird es für ihn sicherlich nicht. Meine Bedenken richten sich auch nicht gegen seine Person, sondern vor allem gegen die Konstellation. Es sind nun mal nur Opfer der linken Gewalt an der Regierungsspitze. Wie beim Fußball: Linksverteidiger kann man auch auf der rechten Seite einsetzen, ob sie dort genauso gut sind wird sich zeigen.

  5. 5 Anne

    Auch ich habe erst nicht begreifen wollen, wie man jemanden als Aussenminister einsetzen kann, der 6 Jahre lang nichts vom Weltgeschehen mitbekommen hat, zumal die Weltpolitik und Sicherheitslage sich in den letzten Jahren radikal geändert haben. Doch meine kolumbianischen Freunde haben mir entgegengehalten, dass es möglicherweise ein brillianter Schachzug von Uribe war. Die allgemeine Weltöffentlichkeit hat LEIDER eine zu positive Meinung von der Guerilla. Zwar sind sie offiziell Terrorismusgruppierungen, aber viele Menschen verbinden mit ihnen eine positive Revolution. Man stelle sich vor, dass man z.B. in Dänemark T-shirts mit dem Aufdruck der FARC kaufen kann.

    In diesem Sinne ist es vielleicht garnicht so unüberlegt Araujo dieses Amt zu überschreiben, denn er hat nun die Möglichkeit seine eigenen Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu tragen, und vielleicht bestehen dadurch bessere Chancen, dass ihm tatsächlich jemand zuhört.

Einen Kommentar schreiben