So wie ich saß während der letzten eineinhalb Stunden wohl ganz Kolumbien vor dem Fernseher um die ersten Bilder Ingrids in Freiheit zu sehen. Bilder, die die fast unglaubliche Nachricht ihrer Befreiung fassbar machen. Kein Märchen: Sie ist frei und ihr Gesundheitszustand ist erstaunlich gut. Mit ihr sind auch die drei amerikanischen Geiseln und 11 Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte befreit worden.
Die Befreiung selbst, in manchen ausländischen Medien fälschlich als Kampfhandlung dargestellt, ist ein wahrer Streich der Streitkräfte gewesen, nach einem Drehbuch das einem James Bond Filmes würdig wäre.
Die aktuelle missliche Lage der FARC nutzend, Kapital aus der aktuellen Führungs- und Kommunikationskrise innerhalb der Guerillaorganisation ziehend, gelang es dem Militär ihr Personal unter die Guerilla-Einheiten zu schleusen, die für die Bewachung der Geiseln zuständig waren. Sie gewannen das Vertrauen der lokalen Führer, gaben sich mittels gefälschter Befehle und Dokumente (Vorlagen entstammten den “berüchtigten” Reyes-Computer) als Gesandte der obersten FARC-Führung aus. Ihr Auftrag: die sich in mehreren Lagern befindlichen 15 Geiseln zusammen zu führen und zu einem bestimmten Ort aus zu fliegen, wo Cano, der neue Befehlshaber der FARC, sie in Empfang nehmen würde. So wurden die Geiseln zusammen und in Handschellen in zwei Hubschrauber gebracht. Begleitet wurden sie vom Kommandant der FARC-Gruppe. Einmal in der Luft, so erinnert sich Ingrid, sei etwas passiert. Da sie enttäuscht ihren Gedanken nach ging, merkte sie nur auf einmal wie ihr Peiniger über mehrere Jahre plötzlich nackt auf dem Boden lag und einer der Piloten sagte: “Wir gehören den kolumbianischen Streitkräfte an. Ihr seid in Freiheit!” Laut Ingrid drohte nun der Hubschrauber in den folgenden Minuten abzustürzen, so sehr seien die Befreiten in ihrer Freude herum gesprungen. Die Aktion, bei der kein Schuss abgegeben wurde, bezeichneter sie in Spanisch und Französisch als perfekt.
Als wäre die Geschichte nicht schon unfassbar genug, versetzte Ingrids erster Auftritt nach so vielen Jahren der Gefangenschaft, in freudiges Erstaunen. Als wäre sie nicht über 6 Jahre im Dschungel vergraben gewesen, beantwortete sie alle Fragen mit Geduld, Emotionen und voller politischen Weisheit. Sie scheint über alles bestens informiert zu sein und ihre Antworten werden vielen zum Nachdenken geben.
So sagte sie u.a.:
- Die Geiseln befürworten militärische Befreiungsaktionen. Ihnen ist es lieber bei einem Befreiungsversuch zu sterben, mit dem Gefühl der Freiheit näher gekommen zu sein, als im Urwald zu verrotten und eventuell von einer nicht nachvollziehbaren FARC-Jusitz hingerichtet zu werden. Hier erinnerte sie ausdrücklich an die 11 Abgeordneten des Departments Valle, welche vor einem Jahr ermordet wurden. Sie widersprach damit auch ihrer, neben ihr stehenden Mutter, die Uribe, wegen seines Festhalten an einer militärischen Aktion als eine mögliche Option, immer stark kritisierte.
- Chavez und Correa sind als Vermittler für weitere Befreiungen wichtige Personen. Sie müssen aber akzeptieren, dass das kolumbianische Volk Uribe und nicht die FARC als ihren Regenten gewählt haben. Daher sollten sie die kolumbianischen Institutionen respektieren. Ein Frieden ist für sie nur unter Bewahrung der kolumbianischen Demokratie und ihrer Institutionen möglich.
- Der wichtigste Schlag gegen die FARC sei die Wiederwahl. Bisher sei der zyklische Amtswechsel der Präsidenten für die FARC eine Zeit gewesen, sich wieder zu organisieren und Kraft zu gewinnen. Dass durch die Wiederwahl diese Einarbeitungszeit einer Regierung wegfalle, hätte den Druck auf die FARC ohne Unterbrechung aufrecht gehalten und ihnen die zeit der Erneuerung geraubt.
- Uribe sei der Präsident gewesen, den Kolumbien in dieser Zeit gebraucht hätte. Nicht nur, dass er die FARC zurückgedrängt habe, auch dass er die PARAs entwaffnete, sei etwas, was sie sich als Präsidentin nicht zugetraut hätte.
- Die FARC scheinen in den Augen der Geiseln große Probleme zu haben und unter starkem Druck zu stehen. Die Logistik leide sehr, Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente seien nur seit einem Jahr nur schwer zu bekommen.
Für mich hat sich heute eine starke Frau zurück gemeldet. Ingrid zeigte aus welchem Holz sie gemacht ist und dass sie bald wieder eine wichtige Rolle in Kolumbien spielen wird. Ich freue mich darauf.
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Na ja, ich bin gottenfroh wurden die 11 Polizisten und Militärs befreit. Kolumbianer der Unterschicht die das wahre Volk repräsentieren. Ich bin gottenfroh, dass die 3 Nordamerikaner frei gekommen sind. Väter von Kindern die beruflich in diesem Land tätig waren. Doch gestern habe ich Ingrid Betancourt das erste Mal vor laufender Kamera sprechen gehört. Und sie missfiel mir bei den ersten Worten. Estrato 6, reiche Schnepfe die denkt nur weil sie in einer Goldmine geboren wurde dreht sich die Welt einzig und allein um sie. Ein Symbol für die wahren Probleme Kolumbiens, die Armut die durch den Geldhunger der Reichen bedingt ist. Die grässliche Armut die dieses Land dominiert. Der wahre Feind Kolumbiens ist nicht die Guerilla, die Mafia oder die Paramilitärs sonder die Arroganz der Reichen, die Arroganz des Estrato 6. Die Arroganz der Reichen sich dem unsäglichen Problem der Armut anzunehmen. Die Arroganz der Dominierenden im Parlament darüber zu verhandeln ob der Mindestlohn von 480,000 auf 482,000 Cop angehoben werden soll. Die Gleichgültigkeit der Oberen. Und für mich repräsentiert Ingrid Betancourt genau den Estrato 6 der für die Misere Kolumbiens verantwortlich ist.
Wollen wir schauen wie sich das Entwickelt, nach der Pressekonferenz in der Casa de Narino wurde Betancourt gefragt ob sie wieder Präsidentin werden möchte. Bitte nicht, bitte verschont uns. Sie soll jetzt nach Frankreich. Uribe tut etwas für das Land, er macht es sicherer. Doch das wahre Problem packt er nicht an, die unsägliche Armut die hier herrscht.
Trotzdem Freude herrscht, für die 11 Militärs und die 3 Nordamerikaner die wieder ein Leben haben. Betancourt hätte man ruhig noch ein paar Jahre behalten können———-
Haissa Pedro. Das ist aber stark, was Du hier los lässt. Ich kann akzeptieren, wenn für Dich Ingrid eine Vertreterin des wohlhabenden Kolumbiens ist. Uribe ist es für viele auch und ich denke jeder kolumbianische Präsident wird erst einmal mit diesem Vorwurf leben müssen. Das Bild eines Kolumbiens in dem die Mehrzahl der Menschen vor Hunger krepieren während ein paar Reiche regieren und sich mit Drogengelder die Taschen vollstopfen ist mangels Information oder dank der Propaganda der FARC für viele eine geglaubte Realität.
Die Wahrheit ist viel differenzierter. Und ob Ingrid Präsidentin wird oder nicht, darüber entscheidet vor allem erst einmal der Wähler. Dass sie es kann, davon bin ich überzeugt.
Sie oder irgend jemanden in die Hände der FARC zu wünschen, halte ich für einen dummen Spruch.
Was heute bleibt nach der Freude über die Befreiung all dieser Menschen ist das Erwachen aus der Lethargie. Die Kolumbianer sehen jetzt, dass ein Frieden möglich ist. Ingrids Worte haben gestern dazu beigetragen, genauso wie die Worte aller Befreiten gestern Nacht in der Runde mit dem Präsidenten.
Dieser Frieden wird nur haltbar sein, wenn die Armut in Kolumbien bekämpft wird. Das wissen hier alle. Sicher ist auch, dass Ingrid sich, wie vor ihrer Geiselnahme, dieser Themen in ihrer direkten Sprache annehmen wird. Gut, dass sie zurück ist
@PEDRO EL ESCAMOSO:
“Betancourt hätte man ruhig noch ein paar Jahre behalten können”
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PFUI TEUFEL!!! Soviel Dummheit, Frechheit und Realitätsferne in einem , … das ist nun wirklich schon mehr als KRANK!!!
@ Pedro: Ich kann Carlo nur zustimmen: Das was du hier loslaesst ist einfach nur dumm oder krank oder beides in einem.
@ Miguel: Danke Miguel fuer deinen Kommentar zu Pedros Beitrag, dem kann ich nur zustimmen.
@ Pedro:
Eine Unmenschlichkeit und Frechheit nach der anderen! Wie kannst du so etwas äußern? Abgesehen davon, dass JEDER das Recht auf Freiheit hat, hat Ingrid Betancourt genauso wie die kolumbianischen Militärs und Amerikaner Familie (nur weil du das extra erwähnst).
… und was soll das dennn heissen: “Der wahre Feind Kolumbiens ist nicht die Guerilla, die Mafia oder die Paramilitärs …” Ist nicht dein Ernst, oder?
Ingrid hat gestern etwas ausgesprochen, was längst fällig war: Das Loben des Militärs und der Regierung! Die volle Unterstützung Uribes im Kampf für die Sicherheit und die Freiheit im Land (obwohl sie politisch nicht immer einer Meinung mit ihm ist). Endlich hat mal eine EX-Geisel gesagt, was wahrscheinlich der Grossteil der Gefangenen denkt: lieber durch eine militärischen Befreiungsversuch getötet werden (aber mit einem Fuss in der Freiheit gewesen sein), als jedenm Tag mit dem schrecklichen Gefühl der Gefangenschaft, Machtlosigkeit und ständigen Angst irgendwo im Dschungel zu leben.
Ich denke, dein Kommentar ist unqualifiziert unmenschlich und bedingt dringend eine öffentliche Entschuldigung!
Pedro El Escamoso:
wann gehst Du nach Kolumbien und kämpfst auf Seiten der Armen für deren “Befreiung”? Schreib uns davon. Ich bin gespannt auf Deine ersten solidarischen Berichte. Und wenn Du nicht dafür kämpfen willst: wann gehst Du in ein Armenviertel in Bogotá oder in die ärmsten Provinzen und trägst dazu bei, dass es Deinen Landsleuten besser geht? Aber ohne billige willkürliche Entführung mit Waffengewalt, und ohne Lösegeldzahlung und ohne Drogenverkäufe. Einfach nur so.
Mal echt solidarisch sein, nicht nur in Foren. Solidaridad vivenciada. Weisst Du was das ist? Und wenn Du dann, nach jahrelanger Basisarbeit Minister bist oder Abgeordneter Deiner Partei, und wenn ihr dann die Oberschicht demokratisch niedergeschlagen habt, wohn dann nicht in einem der Häuser der Oberschicht, sondern bleib bei den - dann ebenfalls und immer noch und vielleicht in noch größerer Zahl (Venezuael!) bestehenden Armen und Ausgegrenzenten wohnen.
Mach es uns allen mal vor, wie bei Dir Armutsbekämpfung konkret vonstatten gehen kann. Oder auch nicht. Der Held vieler Linken in Kolumbien, Gonzalo Castillo Cardenas, lebte fast wie ein Fürst in Bogotá und ließ sich hofieren. Von der Izquierda Festiva und von Möchtegernlinken aus Europa.
Und etliche Sandinisten-Minister in Managua stritten um die schönsten Somoza-Villen. Und der Generalskretär der kommunistischen Partei in Recife-Pernambuco Brasilien schnauzte einen Kellner im vollbesetzten Elite-Restaurant (Leite hiess das) an, weil der nicht “seine” Marke Whisky herbeizaubern konnte, obwohl 12 Marken vorrätig waren. Keine Lügen. Selbst erlebt in vielen lateinamerikanischen Jahren.
Schreib uns mal von Deinen Vorstellungen über sozialen Frieden und ausnahmsweise mal nicht mit Deinem Zynismus, dass vielleicht die Geiseln doch besser in der Obhut der FARC geblieben wären. Natürlich gehört die Ingrid Betancourt der Oberschicht an. Y Que. Darf man sie deswegen mehr als 6 Jahre unter den bekannten Bedingungen im Urwald halten? Welcher Schicht gehörst Du an, und wann gehst Du zu den Armen? Oder in den Urwald?
Ach was, wer den Propaganda Maschinen RCN und Caracol glaubt lebt sowieso in einer Käseglocke. Die Wahrheit ist, dass in diesem Land 75% in absoluter Misere leben. Und das stimmt, lieber Miguel, das kannst Du aus Deiner Estrato 6 Welt nicht schönreden. Deshalb ist es wichtig dass die Guerilla bleibt. Klar finde ich es schade, dass sie sich durch Drogenhandel und Entführung finanzieren müssen. Doch in diesem Land stimmt etwas nicht, die Verteilung des Reichtums.
10% leben in Reichtum, der Rest unter der Armutsgrenze, und so ist es, das ist keine FARC Propaganda oder ernährt ihr mal eine Familie mit 1 Million 5 hundert tausend Pesos im Monat. Die Guerilla soll bleiben, Frieden ist Stillstand.
Frieden für was? Frieden heisst die hiesigen Umstände zu akzeptieren, Frieden heisst es zu akzeptieren dass im Choco noch immer Kinder wegen Unterernährung sterben. Diese verdammten Estrato 6 Diebe, die müssen bekämpft werden. Was müssen das für Menschen sein denen der Rest des Landes dermassen gleichgültig ist? Es ist unumgänglich,dass diese Ausbeuter bekämpft werden. Und das macht in Kolumbien nun mal die Guerilla, leider macht sie es aus meinen Augen schlecht, doch wenigstens macht sie es.
Und wie oft hat das politische Establishment schon bewiesen, dass Ihre Worte nichts wert sind und das sie Lügner sind. Wer glaubt, sie sind wirklich daran interessiert was zu ändern? Wer glaubt dieser Betancourt auch nur ein Wort, dass sie daran interessiert ist, die Armut zu bekämpfen? Schlussendlich ist der Estrato 6 durch den Estrato 1 bedingt.
@Miguel
Du erwähnst das das Farc Propaganda ist, dass die Leute Hunger leiden und sich die Reichen mit Drogengelder die Taschen vollstopfen. Das behaupte ich nicht. Ich behaupte, dass die Mehrheit des Landes unter katastrophalen Bedingungen (50 Stunden Woche, ein Ruhetag, keine EPS) schuften müssen. Während sich die Reichen die Gewinne einstopfen.
Für die Aussage, dass man die Betancourt durchaus noch ein paar Jahre behalten hätte können möchte ich mich entschuldigen. Da DIESE zu sehr auf eine Person bezogen war. Doch der ganze Estrato 6 gehört entführt. Das mein ich so.
@Nicole:
Die Regierung loben? Das mache ich ja, Uribe ist gut für die Sicherheit doch das wahre Problem namens Armut packt er nicht an.
Der wahre Feind Kolumbien ist die Armut, nur durch diese sind Guerillabewegungen entstanden, und dies zu Recht.
Doch das Problem geht weiter. Und das kann nur durch Klassenkampf gelöst werden, in ganz Lateinamerika. In Venezuela und in Ecuador, in Mexico und in Brasilien. Deshalb bin ich stolz hat Kolumbien noch Guerillabewegungen. Ich hoffe das bleibt so.
Oh jeh! Es gibt immer noch diese linken Salonspinner, die meinen, das Heil dieser Welt müsste von einer bewaffneten, im Besitz der reinen Wahrheit befindlichen Avantgarde der dummen Volksmasse mit Gewalt beschert werden. Habt ihr die letzten 50 Jahre Weltgeschichte verschlafen? Diese Denke ist so rückständig wie es schlimmer nicht geht!
Nicht der Estrato 6, sondern Guerrilla, Paras und Narcos in Kolumbien behindern seit fast einem halben Jahrhundert den demokratischen Fortschritt dort! Diese unerträglich arrogante illegetime Gewalt muss restlos verschwinden und der legitimierte Staat das Gewaltmonopol endlich wiedergewinnen - erst dann haben in Kolumbien vorhandene demokratische Kräfte eine reale Chance das Land auch in sozialer Hinsicht zu entwickeln! Solange das Haus brennt kann man nun einmal darin nicht gemütliche Zimmer einrichten!
Und zum Estrato 6: Schön wäre es, wenn aus den Reichen ab morgen Gutmenschen werden würden, die ihr Geld mit den Armen teilen. Das ist aber genauso irreal (und deshalb ist es nutzlos sich darüber zu ärgern) wie der Glaube an den Erfolg der avantgardistischen Irren mit den Waffen.
Es gibt nur einen Weg: Nachhaltige soziale Enwicklung in einem Umfeld demokratischer staatlicher Stabiltät durch den Wettbewerb der politischen Kräfte - das ist ein langwieriger evolutionärer Prozess. In Europa brauchten wir Jahrhunderte dafür. Aufbauend auf den geschichtlichen Erfahrungen sollte es in Lateinamerika schneller gehen können. Voraussetzung für den Beginn eines Prozesses hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit ist aber immer noch das hoffentlich bald eintretende Ende des Guerrilla-, Para- und Narco-Chaos in Kolumbien. Kolumbien brauchte genau diesen Präsidenten in dieser Zeit. Danach wird die Zeit für Persönlichkeiten wie Ingrid Betancourt kommen.
@Pedro:
In welchem Jahrhundert lebst du, dass du glaubst, die Guerilla in Kolumbien hätte noch einen politischen Hintergrund????? Wenn das so ist, wo bleiben denn dann die polischen Forderungen? Hier geht es doch schon seit langem nicht mehr um soziale Gerechtigkeit und es ist mir rätselhaft, in was du dies erkennst.
Das wahre Problem Kolumbiens sind die Drogen! Selbst, wenn wir alle in Estrato 6 leben würden, so würde uns das Geschäft der Drogen immer noch reizen, da man damit noch mehr Geld verdienen kann. Solange es Abnehmer für Drogen gibt, wird Kolumbien auch immer mit diesem problem verknüpft sein - alleine aufgrund seiner geographischen Lage.
Was du hier vin dir gibst ist meiner Meinung nach absolut frech und für mich unglaublich. Wie kannst du allen Menschen, die in estrato 6 leben (ich zitiere dich nur, denn für mich ist das Klassendenken und absolut verabscheuend) ein Snob-Leben unterstellen: Alles Arschlöcher oder was? Warst du jemals in Ciudad Bolivar in Bogota. Hast du jemals in einem Sozialprojekt geholfen, die Armut zu bekämpfen? Niemand wird bestimmt durch das, was er verdient oder wie er lebt - niemend!!!!! … und, dass du weisst, wie wir lebem 8in welchem estrato) finde ich erstaunlich - du hast nicht gut recherchiert.
ich möchte hier noch einmal wiederholen, was ich im letzten Kommentar geschrieben habe: “Ich denke, dein Kommentar ist unqualifiziert unmenschlich und bedingt dringend eine öffentliche Entschuldigung!”
Es ist wie immer alles Ansichtssache und viele Wege führen nach Rom.
In den 40 und 50 Jahren des letzen Jahrhunderts war die Landbevölkerung sehr arm, diejenigen die in die Städte gingen um Arbeit zu suchen, litten darunter, dass es so gut wie keine Gesetze gab, die die Rechte der Arbeiter sicherten. Kolumbien war ein Agrarstaat, gelenkt von ein paar Familien, die fast im Stile eines Großgrundbesitzers das Land lenkten. Damals gab es kein Estrato 1 oder 6 oder sonst was. Es gab auch keine Gewerkschaften und auch keine Guerilla. Es gab nur einen Agrarstaat, der sich schnell in einen Industriestaat verwandelte, ohne dass es die politischen, gesellschaftlichen und strukturellen (kulturellen) Rahmenbedingungen dafür gab.
Angesichts der Probleme haben sich Menschen für verschiedene Wege entschieden. Manche haben sich zu Gewerkschaften zusammen geschlossen und haben so ihre Interessen vertreten. Manche sind in politische Parteien gegangen und haben versucht über die Institutionen die notwendigen Gesetze zu schaffen. Manche haben Waffen ergriffen und versucht mit Gewalt durch zu setzen, was sie für Notwendig hielten. Alle Wege führen nach Rom, heisst es so schön.
Seit dem ist viel passiert. Nur die Wege haben nicht alle nach Rom geführt. Politiker und Gewerkschafter haben Rahmenbedingungen entwickelt, die es dieser Gesellschaft erlaubten einen Weg aus dem Agrarstaat zu finden.
Die Guerillas haben in Kolumbien bisher noch kein einziges Gesetz durchgebracht, das einem Arbeiter einen Tag mehr Urlaub gibt oder einem alten Bauer die Rente sichert. Sie haben es nicht geschafft, die kolumbianischen Institutionen zu stürzen und abzulösen. Nach über 60 Jahren sollten sie sich fragen können warum. Sie sollten auch ehrlich Bilanz ziehen, wer den am meisten unter dem Krieg leidet. Nicht die Städter, der Terror der FARC hat der Landbevölkerung zu ihrer Armut noch das Elend des Kriegs drauf gepackt. Der Terror der FARC verhindert, dass sich Bauern aus der Armut befreien können. Seit den späten 80er verhindert ihr Drogengeschäft, dass Bauern Lebensmittel anbauen.
Der Weg der FARC hat sie weiter von Rom entfernt. In Kolumbien gibt es viel zu tun. Kolumbien ist kein Sozialstaat. Kolumbien ist ein Staat, in dem Gewerkschafter immer noch gefährlich leben. Aber der Weg, den die Gesellschaft einging, ist erkennbar. Der Weg den die FARC ging auch.
Auch die heutigen Sozialstaaten wurden nicht als solche geboren, sie haben sich das alles erst erarbeiten müssen. Viele, die ohne ihr dazu tun in einen Sozialstaat reingeboren wurden, schauen ohne Verständnis auf Gesellschaften, die sich diese Segnungen erst erarbeiten und erkämpfen müssen.
Dürfen sie.
Sie liegen aber vollkommen falsch, wenn sie denken, dass die FARC die Interessen der Armen vertritt. Das ist seit guten 20 Jahren ein Märchen oder einfache FARC-Propaganda.
AN ALLE LANGJÄHRIGEN FORUM-NUTZER:
HINTER DEM PSEUDONYM “PEDRO EL ESCAMOSO” VERBIRGT SICH NUR EIN TROLL. ALLEIN DER GEWÄHLTE BEINAME “ESCAMOSO” SPRICHT FÜR SICH.
Trolle sind Personen, die in einem Forum durch extreme Aussagen lediglich provozieren und Reaktionen hervorrufen wollen. Vergleichbar mit einem Exhibitionisten, der sich an den Schockreaktionen seiner Opfer aufgeilt.
DA ES IN DIESEM FORUM (ZUM GLÜCK) KEINE ZENSUR GIBT, HILFT HIER NUR IGNORIEREN. ALSO BITTE GEBT DEN TROLLEN KEINE PLATTFORM, IGNORIERT SIE BIS SIE IN EIN ANDERES FORUM WEITERZIEHEN UND IHRE MASCHE DORT VERSUCHEN.
Wer öffentlich zu Drogenhandel, Entführung, Mord und anderen Verbrechen aufruft, macht sich strafbar und muss nach bestehenden Gesetzen dafür angeklagt und verurteilt werden. Da die Staatsanwälte in Kolumbien überbelastet sind, werden sie sich kaum für dieses deutsch-sprachige Forum interessieren. Deshalb noch mal der Aufruf an alle: Bitte haltet dieses Forum sauber und ignoriert Trolle. Mehr zum Thema:
http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)
Ueber Ingried sollte man sich freuen - und ich ich freue mich.
Aber was spielt die Schweiz oder sogenannte Intriganten - oder
linksorentierten Gruppen hier eine Rolle. Vieles ist wohl intrigant.
Man soll sich bedaechtigt und ruhig ueber Ingrieds Freilassung
freuen.
Nun ja, ob Pedro ein Troll ist oder nicht ist unwichtig. Ganz Unrecht hat er nicht mit dem was er sagt. Und noch was, die Meinung die hier im Blog von den Schreibern zelebriert wird stimmt nicht ganz mit der Meinung der Kolumbianer ueberein. Ich war gestern Abend im Barrio Santa Fe unterwegs wo sich die Working Class zum Bier trifft. Vielen ist es egal, sie denken es ist sowieso alles nur eine Promo Aktion der Paramilitaerischen Narco Regierung Uribes. Andere denken, man haette Betancourt behalten koennen. Sie sagen es nicht offentlich doch “hinter vorgehaltener Hand” hoert man das heraus. Betancourt gilt fuer viele als arrogante Repraesentantin der high society.
glaubt nicht alles was ihr liest.
Eben Guido. Ich glaube nicht, was Du mir da zu Lesen vorsetzt. Es gibt viele Menschen, denen Ingrid nicht passt. Es gibt viele Menschen, die noch glauben die FARC würde die Interessen der Kolumbianer vertreten. Es gibt viele Menschen, die in ihrer Logik zusammen reimen können, das Entführung und Mord Unschuldiger gerecht sein kann.
Der Punkt ist, dass das kein Thema mehr ist. Der entscheidende Punkt ist, dass die FARC sehr schlecht dastehen. All das akademisch gewürzte Gesülze, ob Kolumbiens Glück mit Uribe oder mit Tirofijo zu finden ist, dürfte angesichts der präkeren Lage der FARC und dadurch bedingt die Möglichkeit eines Friedens doch in den Hintergrund rücken. Es geht um ganz andere Fragen.
Natürlich lieben viele Menschen in Santa Fe oder Cuidad Bolivar Uribe nicht. Es gibt auch viele Menschen im Chico, Chapinero Alto, El Lago, die Uribe nicht mögen. Es gibt viele Studenten, die Uribe nicht mögen. Und wenn eine Geisel als aller erstes nach ihrer Befreiung Uribes Arbeit lobt, da kommt sie bei vielen dieser Menschen nicht an. Schlimmer noch wenn sie ein Frau ist, die links denkt und die klassische Rollenverteilung vehement bekämpft hat, da fühlen sich so manche in ihrer Männlichkeit angegriffen.
Aber darum geht es nicht mehr. Es geht um den Frieden.
In Kolumbien ist für alle Platz. Das ist das Signal was Ingrid, der Verteidigungsminister und auch der Präsident am Tag der Befreiung sendeten. Es ist die Zeit des Verzeihens, es ist die Zeit des Friedens. In Kolumbien ist auch Platz für eine politische FARC, aber nicht für eine Bande Drogenschmuggler, die mit ihrer revolutionären Fassade manche glauben lassen können, dass Entführung und Mord gerechte Mittel sind.
Das Cano der neue Führer der FARC ist, könnte passen. Er gilt als Intelektueller und er wird sich sicher die Frage stellen, was in den letzte 40 Jahren die FARC für Kolumbien getan hat. Er gilt als Politiker. Wenn er das noch ist, dann wird er verstehen, dass es in Kolumbien kein Platz für eine Guerilla gibt. Sogar der gute Chavez sagt es jetzt öffentlich.
Darum geht es.
die CH Presse schreibt ausnahmsweise sehr viel über die ganze Geschichte. allen vor an 20min.ch.
hier der Sonntags-Artikel. ganz interesannte Story:
Telefontricks, Schauspieltraining und Täuschungsmanöver: Die Befreiung von 15 Geiseln aus den Händen der FARC-Guerilla im Dschungel Kolumbiens verlief gemäss dem «Wall Street Journal» wie nach dem Drehbuch eines Spionage-Thrillers. Wie die New Yorker Zeitung am Samstag berichtete, war die US- Regierung sehr früh in den Geheimplan eingeweiht und unterstützte ihn auch mit konkreter Hilfe. Ende Mai hätten drei Offiziere der kolumbianischen Armee die entscheidende Idee entwickelt.
Sie wollten die Guerilla in einem gigantischen Bluff dazu bringen, die Geiseln aus dem Lager des FARC-Führers Gerardo Aguilar Ramirez in das Camp eines anderen Bandenchefs, Alfonso Cano, bringen zu lassen.
Die Guerilla sollte glauben, dass Cano neue Verhandlungen mit Frankreich und anderen Staaten beginnen wollte. Gemäss den Recherchen konnten Mitarbeiter des kolumbianischen Militärgeheimdienstes über manipulierte Telefonleitungen Kontakt in beide FARC-Lager aufnehmen.
Gespräche mit Geheimdienst
In einem falschen Spiel überzeugten die Militärs beide Seiten von der Notwendigkeit der Verlegung der Geiseln. Aguilar dachte, er spräche mit Canos Leuten. Cano dachte, er verhandle mit Aguilar - aber in Wirklichkeit sprachen sie immer mit dem Geheimdienst.
Als sich die Pläne konkretisierten, half die US-Regierung beim Aufbau eines Trainingscamps in der Nähe von Bogotá und gab den Undercover-Agenten «Schauspielunterricht in Hollywood-Stil», schildert das «Wall Street Journal» den Coup.
Sprache und Verhalten geübt
FARC-Aussteiger übten mit den Geheimdienstlern Sprache und Verhaltensweise der Guerilleros ein. Andere Teilnehmer der Befreiungsaktion wurden trainiert, sich wie TV-Journalisten zu bewegen. Ein Agent probte die Rolle eines australischen Linksaktivisten, der mit den Rebellen sympathisiert.
Als Transportmittel kaufte das kolumbianische Militär zwei russische Helikopter und spritzte sie in den Farben Rot und Weiss. Damit ähnelten sie jenen Helikoptern, die im Januar bei der Übergabe von Geiseln in Venezuela benutzt worden waren. Das Täuschungsmanöver war perfekt.
Grüsse
Don-Pedrinio
Nicole, Bernardo, Miguel
Respekt vor euren Beiträgen.
Eure Kommentare fallen positiv auf im Vergleich zu so vielen in so manchen Lateinamerika-Foren.
Und was dieser großteils zynische Escamoso da von sich gibt, sollte eigentlich keiner weiteren Kommentierung bedürfen. Ich glaube übrigens nicht, dass er ein fake oder ein Troll ist; seine Meinung wird von sehr vielen selbsternannten Links-Intelktuellen in vielen Ländern Lateinamerikas geteilt. Und was die Oberschicht angeht, hat er ja teilweise Recht.
Die Reichen lachen sich schief. Und das wenige, was an nachhaltigen und partizipativen Entwicklungsprogrammen und Projekten der Armutsbekämpfung geschieht, wird nicht von diesen Pedros Trolls oder fakes oder der Izquierda Festiva durchgeführt. Auch die lachen sich schief und streiten um “ihre” Whisky-Sorten.
Aus gutem Grund hat er ja nicht auf meinen Beitrag geantwortet. Solche Escarmosos findet man nicht in entwicklungs- und sozialrelevanten Projekten in Lateinamerika. Die sitzen lieber in Berlin oder in Brüssel oder in Paris oder in Villen in Bogotá und in Lima und bereiten die Revolution des Volkes vor seit den sechziger Jahren und lassen sich hofieren, wie besagter Castillo Cardenas und wie so viele intellektuelle Feier-Linken. Die den Geruch der Armut nie kennen gelernt haben.
Ich habe mich sehr über die Befreiung der Geiseln gefreut. Zudem weiss ich von kolumbianischen Bekannten, dass die kolumbianische Bevölkerung sehr unter der Farc und den Paras leidet, daher ist auch die Schwächung dieser Organisation sicherlich gut für die Sicherheit vieler Kolumbianer.
Da ich Kolumbien nicht persönlich kenne, kann ich nur beschränkt über die aktuellen Vorkommnisse urteilen. Jedoch scheint mir die Berichterstattung in der (schweizer) Presse symptomatisch für die Probleme Kolumbiens zu sein. So lässt sich leich Feststellen, dass die Befreiung Betancourts, ja allgemien Uribes Kampf gegen die FARC viel Platz eingeräumt wird. Über Uribes Verbindungen zu den Paras und die Prozesse gegen viele Abgeordnete seiner Partei (wegen Verbindungen zu den Paras) kann man in der Tagespresse auch noch lesen, wenn auch verhältnissmässig wenig. Dass aber in Kolumbien seit anfangs Jahr mehrere Dutzend Gewerkschafter von paramilitärischen Gruppierungen umgebracht wurden, sucht man beinahe vergeblich. Der Häufigkeit der Berichte nach zu urteilen scheint es mir, dass das Leben eines Farc-Opfers mehr wert sei als jenes eines Para-Opfers. Diese einseitige Berichterstattung und die einseitige Problemidentifikation Uribes (nämlich die Guerilla) ist meiner Meinung nach ein Teil der Probleme Kolumbiens.
Ich kann meine kolumbianischen Kollegen durchaus verstehen, dass sie Uribe dankbar sind, dass er die Sicherheit verbessert hat. Es scheint mir aber sehr gefährlich, dadurch seine restliches Handeln unreflektiert zu lassen (dies möchte ich aber selbstverständlich nicht allen Kolumbianer unterstellen).
Der Fall Betancourt zeigt für mich einmal mehr, welch einseitiges Bild der Situation in Kolumbien wiedergegeben wird, denn indem man über gewisse Dinge berichtet, über andere aber nicht, bewertet man auch. Uribe kommt diese Art der Berichterstattung sicher gelegen, dem Frieden in Kolumbien wohl kaum. Denn wo es um Frieden geht, geht es auch um soziale Gerechigkeit.
andi
@Andi: So wie Du sehen es viele Kolumbianer. Uribe hat keinen Persilschein bekommen, die Probleme der Para- und Yidispolitik sind nicht aus der Welt. Die Freude über ein vielleicht nahes Ende des Kriegs und über die Befreiung der letzten Geiseln sind momentan lauter als die Kritik, aber sie ist noch da.
Wenn die Guerillas sich ergeben sollten, wird der aufgeblähte Militäretat sicher in Frage gestellt werden. Ob Uribe oder vielleicht eine Betancourt oder jemand anderes, den/die wir im Augenblick nicht sehen, die besseren Antworten hat, wird sich zeigen.
Aber Du hast recht: über diese “Feinheiten” wird in Europa wenig berichtet werden.
Eines weiß ich jetzt schon: in Sachen Kolumbien wird es leise werden in Europa, wenn es nicht mehr über Entführungen, Vertreibungen zu berichten gibt.
Hallo Miguel,
grundsätzlich stimme ich Dir ja zu. Natürlich wird auch m.E. in “Sachen Kolumbien in wird es leise werden in Europa” sicherlich die “Sensationspresse” mit ihren meist “Negativ-Berichten/Schlagzeilen” weniger berichten.
Aber das Interesse der Bürger Europas an (einem sicheren)Kolumbien hingegen wird sicher größer werden, in touristischer wie auch wirtschaftlicher Sicht. Schließlich ist Kolumbien doch ein landschaftlich schönes und interessantes Land, außerdem wesentlich reicher an wirtschaftlichen Resourcen als zum Beispiel Deutschland! Nur müssen diese wirtschaftlichen Resourcen Kolumbiens auch entsprechend genutzt werden können! Ich denke mal und hoffe, dass sich auch Ingrid Betancourt künftig wieder politisch für Kolumbien einsetzen wird und das mit zunehmender politischer Normalisierung/Stabilisierung des Landes eine insgesamt positive Entwicklung und ein Aufschwung in Kolumbien stattfindet.
Hallo,
ich wollte nur anmerken, dass selbst diese (von Euch ja bereits zu recht kritisierte) einseitige Berichterstattung in der deutschsprachigen Presse noch zumeist schlampig recherchiert ist. Meine Eltern beziehen ihre Informationen hauptsächlich aus der ARD, und dafür bezahlen sie immerhin 17 Euro im Monat!
Aus den letzten Monaten erinnere ich mich noch an folgende Fehler in der ARD:
-Die 20-Uhr-Tagesschau berichtete von der “Befreiung einiger Geiseln auf ecuadorianischem Gebiet”, bei der Raúl Reyes ums Leben gekommen sei. (Ich habe diese Sendung noch als mp4 auf der Festplatte, falls es jemand sehen will.)
-Der Weltspiegel schreibt die Orte in Kolumbien so, wie man sie auf deutsch ausspricht: Las Lachas statt Las Lajas, wirklich fast zum “Lachan”.
-Die befreite Ingrid Betancourt wurde in mehreren deutschen Medien zunächst zu einem Flughafen “bei Tolima” gebracht. Wenn man nur mal “Tolima” in Google eingibt, sieht man auf den ersten Blick, dass Tolima keine Stadt ist. Stellt Euch mal folgende Meldung vor: “Präsident XY ist auf einem Flughafen nahe Baden-Württemberg gelandet.”
Nun gut, es sind nur “Kleinigkeiten” und ich will auch nicht das Haar in der Suppe suchen. Aber die generelle Schlampigkeit zeigt mir doch, welch niederen Rang Kolumbien in der Berichterstattung einnimmt. Auch die deutschen Korrespondenten und angeblichen Fachleute zum Thema Kolumbien, die werden meistens aus Argentinien oder Mexiko zugeschaltet. Die sind natürlich ganz nah dran am Geschehen und an der kolumbianischen Bevölkerung…
Eddi, Du hast recht: Über Kolumbien wissen unsere Medienprofis ziemlich wenig. Der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung für ganz Südamerika sitzt in Buenos Aires und berichtet von dort aus über die kolumbianische Innenpolitik. Von München aus ginge es wahrscheinlich besser.
Es fällt auch auf, dass im Zusammenhang mit Kolumbien immer häufiger gezielte weltweite Desinformationskampagnen laufen - nicht wenige davon werden merkwürdiger Weise in der Schweiz gestartet. Beispiele: Die Kampagne zu “außergerichtlichen Hinrichtungen in Kolumbien”, die auch von Amnesty International weitergetragen worden ist(natürlich gab es da etwas, aber flächendeckend als Regierungspolitik? ),die gezielte Nennung der kolumbianischen Armee und Regierung immer und immer wieder im direkten Zusammenhang mit den Paras (”die Zivilbevölkerung leidet unter der Gewalt durch Armee und Paras”,”Paranähe von Uribe” - ich sehe allerdings, dass die erfreulich unabhängige kolumbianische Justiz hart gegen die Parapolitik vorgeht!) , jetzt die Desinformationen, dass bei Ingrid Betancourts Befreiung 20 Millionen Dollar (das wäre eine lächerliche Summe, fast Portokasse im Vergleich mit sonstigen Militärkosten in Kolumbien) geflossen sein sollen, dass der Mossad im Spiel war … Das Image der Guerrilla verträgt es wohl nicht, mit einem einfachen Bauerntrick überrumpelt worden zu sein.
Leider greifen die deutschen Medien die meisten Desinformationen auf - von Spiegel Online bis zur Süddeutschen, die besonders schlecht über Kolumbien berichtet - insbesondere die mit PB gezeichneten Beiträge fallen auf durch wenige Kolumbienkenntnisse des Autors.