“Bei dem Kind handelt es sich um Emanuel”

Ganz Kolumbien blickte heute gespannt nach Santa Marta. Dort gab der beauftragte Arzt eine Presseerklärung ab. Die Ärzte bestätigen, dass es sich bei dem Kind, dass sich derzeit in Bogota befindet, mit höchster Wahrscheinlichkeit (eine 100% Klärung scheint ohne die Mutter nicht möglich) um Emmanuel, dem Sohn von Clara Rojas handelt. Damit ist klar, warum die FARC nicht die drei Geiseln freigelassen hat, wie sie bekundet hatte. Nun werden alle Hoffnungen darauf gesetzt, dass die FARC dennoch die anderen beiden Geiseln freilässt, die sie versprechen freizulassen.

Auf der einen Seite ist es eine gute Nachricht, dass Emmanuel, das sonst als Waisenkind aufgewachsen wäre nun zumindest eine Familie hat, auch wenn die Zukunft der Mutter unsicher ist.

Nun ist es spannend die Reaktion von Chavez und der FARC abzuwarten.

Ich sehe zwei Szenarien für die FARC

a) die FARC wird anzweifeln, dass es sich um das Kind handelt. Und die Zukunft von Clara und Consuelo ist ungewiss. Hätte die FARC, wie angegeben, tatsächlich das Kind, dann würden sie die drei Geiseln, die sie vorgeben zu haben freilassen können um aller Welt ihre Version zu behaupten. Da dies nach den Resultaten aber mehr als unwahrscheinlich erscheint könnte die FARC bei einer Anzweifelung der Ergebnisse und bei Bestätigungen durch neutrale Institute weiter an Glaubwürdigkeit verlieren.

b) die FARC erkennt an, dass Emmanuel gar nicht in ihrer Gewalt war. Der internationale Druck könnte dazu führen, dass die beiden verbleibenden Geiseln freigelassen werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob die FARC das wirklich wünscht. Die beiden Geiseln hätten weltweit Gehör und könnten berichten, wie sie in der Geiselhaft behandelt wurden. Alleine ihre Aussage darüber, ob es in den letzten Tagen intensive Gefechte ihrer Guerillagruppe mit der kolumbianischen Armee gab (den Grund, den die FARC für die nicht mögliche Übergabe genannt hat) könnte die FARC in eine prekäre Situation bringen. Sollte ihre Aussagen, jedoch die Aussagen der FARC unterstützen, würde eine Freilassung in ihrem Interesse sein.

Fraglich auch, ob Chavez sich trotz dieser Ergebnisse weiter zur FARC bekennt.

So gut es für Clara Rojas und Consuelo González Mitte Dezember aussah, als die Freilassung kurz bevorstand, desto ungewisser ist jetzt ihre Zukunft. Wie ist eure Meinung, wird es zur Freilassung kommen?

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7 Kommentare zu ““Bei dem Kind handelt es sich um Emanuel””


  1. 1 redblog

    die sache ist wirklich sehr verworren. überrascht hat mich die presseerklärung nicht. aber es gibt doch wohl noch immer ein haufen offener fragen:
    - warum wurde noch vor zwei tagen von der kolumbianischen regierung erklärt, das ergebnis liege in in ein bis zwei wochen vor und dann ging alles ganz schnell? (so habe ich es zumindest verstanden)
    - warum feiert die armee auf ihrer internetseite gelungene militärische aktionen gegen die farc, obwohl Uribe erklärte in den letzten tagen habe es keine auseinandersetzungen gegeben? quelle: http://telesurtv.net/secciones/noticias/nota/22682/ejercito-colombiano-reporta-combates-en-la-selva-con-las-farc/
    - warum sollte die farc eine Geisel anbieten, die sich seit langer zeit schon nicht mehr in ihren händen befindet, im wissen um die internationale aufmerksamkeit?
    für eine gruppe, die international als verhandlungspartner anerkannt werden möchte, wäre das ein ziemlich diletantisches verhalten.

  2. 2 André

    Hallo Redblog,

    willkommen auf unserem Blog :-)
    a) Uribe hatte nicht von 1 bis 2 Wochen, gesprochen sondern von sechs Tagen. Schliesslich sind es nur fünf Tage gewesen (seine Erklärung stammte vom 31.12).

    b) Ich weiss nicht, wie telesur darauf kommt, dass es sich bei dem Ort um einen möglichen Ort der Freilassung handeln könnte. Auf der Webseite auf die verwiesen wird als Quelle steht “efectivo golpe al grupo narcoterrorista de las Farc en el departamento de Arauca” Und Arauca ist ganz woanders, die Freilassung sollte ja östlich, südöstlich oder südlich von Villavicencio stattfinden. Hier findest du eine Karte:
    http://www.colombiaenmexico.org/colombia/geografia_mapa_colombia.jpg

    c) Du glaubst also nicht, dass es sich bei dem Kind tatsächlich um das Kind von Clara Rojas handelt? Warum es die FARC dennoch gemacht hat? ich sehe zwei Möglichkeiten: a) Chavez hat die Aktion gestartet ohne richtig eine Bestätigung von der FARC bekommen zu haben in der Hoffnung, dass der Druck dafür sorgen wird, dass die Farc seinen Willen folgen wird oder b) dass die FARC gar nicht richtig weiss, wer alles in ihren Fängen ist, so dass Marulanda bei seiner Nachricht an Chavez gar nicht wusste, dass sie gar nicht mehr das Kind haben. Wie dem auch sei, es wäre sicherlich klüger gewesen, wenn sie ihren Fauxpas zugegeben hätten und nicht wie immer die kolumbianische Regierung für das Scheitern verantwortlich gemacht hätte um zumindest bei einigen Menschen noch ihre Glaubwürdigkeit zu behalten. Wenn sie die Gefangenen freilassen würden, könnten sie sie freilassen, dazu bedarf es keiner Magie. Und wenn es keine unilaterale Entscheidung ist sondern verknüpft ist mit der Forderung eines Waffenstillstandes, dann hätten sie es vorher als Bedingung nennen sollen und nicht erst im Fall des Scheiterns als Grund aufführen sollen.

    “für eine gruppe, die international als verhandlungspartner anerkannt werden möchte, wäre das ein ziemlich diletantisches verhalten.”

    Das war es. Hat das Auswirkungen auf deine Sicht auf die FARC?

    Ich würde mich freuen, wenn du öfter hier im Blog zu Gast bist und Kommentare hinterlässt.

  3. 3 Micha

    Hallo,

    ich kann nur immer wieder mein Erstaunen über die aktuellen Entwicklungen ausdrücken.

    “für eine gruppe, die international als verhandlungspartner anerkannt werden möchte, wäre das ein ziemlich diletantisches verhalten.”

    Stimmt! Aber das ist in Anbetracht der aktuellen Tatsachen die einzig logische Schlußfolgerung… Es ist seitens der Frac “ein Mißgeschick” passiert.

    Oder fehlt mir doch noch ein entscheidendes Detail im Puzzle?

    Micha

  4. 4 Miguel

    Ich glaube, das ist nicht mit Logik zu verstehen. Der FARC-Führung geht es wie dem alten Honi in seiner DDR - sie sehen die Welt nicht mehr. Vergeßt nicht, dass sind Herren, die lange das Rentenalter erreicht haben. Sie haben über Jahrzehnte dieses Spiel gespielt, dass sie jetzt wieder vorgemacht haben. Versprechen, Hinhalten, Schweigen, Hinhalten, Versprechen. Im Urwald gehen die Uhren anders und die FARC verliert nichts, wenn die Geiseln faltig und alt im Dscungel werden. Bisher konnten sie das Spiel immer irgendwie hinbiegen. In Kolumbien glaubt ihnen seit Pastrana niemand, aber das ist egal. Wichtiger ist es sich in Europa gut zu positionieren. Das konnten sie bisher sehr gut, auch dank der Unfähigkeit der kolumbianischen Diplomatie. Die FARC - Stimme eines unterdrückten Volkes.

    So glaubten sie, auch dieses Mal das Spiel für sich gewinnen zu können. Eigentlich brauchte nur darauf gesetzt werden, dass mit etwas auf Zeit spielen und dem einen oder anderen Tiefschlag Chavez gegen Uribe, dieser etwas unbedachtes sagt und somit den Grund zum scheitern der Freilassung liefert. Aber da haben sie Uribe falsch eingeschätzt, sie leben in ihrer Welt und kennen ihre Gegner nicht mehr richtig.

  5. 5 Micha

    auf der Website vom El Tiempo steht, dass die Farc bereits bestätigt hat, dass das vermeintliche Waisenkind der Sohn von Clara Rojas ist:
    http://www.eltiempo.com/politica/2008-01-04/ARTICULO-WEB-NOTA_INTERIOR-3883898.html

  6. 6 Miguel

    Gell Micha, da kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus

  1. 1 Alvaro Uribe Velez, Kolumbien Präsident
    Pingback am 8. Jan 2008 um 21:50

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