Es liess sich bereits erahnen, welchen Rattenschwanz die Befreiung von Clara Rojas und Consuelo Gonzales hinter sich her ziehen würde, aber die gestrige Aussage des venezolanischen Präsidenten überraschte doch, um nicht zu sagen - sie machte mich sprachlos.
Die Farc seien Streitkräfte, die einen Teil Kolumbiens besetzten und keine Terrororganisation. Deshalb werde Hugo Chavez die Farc und die ELN von der Liste eben dieser streichen. Erpresserisch fügte er hinzu, dass Kolumbien es ihm gleich tun solle. Dies sei eine Voraussetzung, um die Beziehungen beider Länder zu normalisieren.
Die Reaktionen der kolumbianischen Regierung, Clara Rojas´und ausländlischen Politikern waren einheitlich: Solange die Farc entführt, Landminen auslegt und sich durch den Drogenhandel finanziert kann sie nicht von der Liste der Terrororganisationen genommen werden!
Die Reaktion von Präsident Uribe hat mich positiv überrascht. Anstatt aufbrausend gegen Chavez loszuplustern (was ich absolut verstanden hätte) blieb er ruhig und sachlich und behällt so hoffentlich die Sympathien auf seiner Seite.
Was will Chavez damit bezwecken? Werden die beiden freigelassenen Frauen nun zum Spielball der Politiker oder sind sie es schon? Was meint Ihr?
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Terroristen oder nicht? Nun, das ist eine Frage der Defintion, aber auch eine der Deutungshoheit.
Nach den allgemein üblichen Defintionen sind FARC, ELN usw. natürlich Terrororganisationen, denn sie führen einen bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat.
Auf der anderen Seite wurden die britischen Kolonialisten in Nordamerika, die sich im 18. Jahrhundert gegen die Krone auflehnten, von denen auch mehr oder weniger als Terroristen beurteilt. Genauso wie die Resistance-Leute in Frankreich im Dritten Reich. Die Mudschahedin waren für die USA erst Freiheitskämpfer und wurden unterstützt, jetzt sind es Terroristen.
Die Frage ist also nicht so sehr, wie man diese Gruppen nennt, sondern ob deren Sache gerecht und richtig ist. Und das ist eine sehr spannende Frage.
Natürlich werden die Geiseln instrumentalisiert, sie sind mit Beginn
ihrer Entführung vom ersten Tag an Spielball der Waffenträger. Die Entführungs- und Terrorökonomie basiert ja auf der Verabschiedung von jeder Rechtsnorm, die Tatsache, zur falschen Zeit als “bekannte” Person am falschen Ort zu gewesen zu sein, reicht ja für eine Verurteilung zu langjähriger Geiselhaft im Dschungel aus. Dabei stört es eine Terrorgruppe keineswegs, ein hoffnungsvolles Leben zu zerstören, ebenso wenig wie die Tatsache, dass sich eine Gesellschaft insgesamt unter dem Verlust rechtlicher Normen in die Barbarei und ökonomische Hoffnungslosigkeit bewegt. Jede Menschenrechtsverletzung der einen Seite dient der Gegenseite zur Rechtfertigung eines ebenso großzügigen Umgangs mit Rechtsnormen. Selbst Chavez legitimiert ja seine Macht (bislang) nicht aus den Gewehrläufen selbsternannter Dschungelkrieger sondern aus dem Prinzip demokratischer Wahlen.
Und allen spitzfindigen Fragestellungen im Kommentar von Sepp zum Trotz: es dürfte nicht nur ihm sehr schwer fallen, die Verschleppung von Ingrid Betancourt als Form von Gegengewalt, als Ausdruck eines emanzipatorischen Freiheitskampfes darzustellen. Letztlich muss meiner Meinung nach klar sein: wer sich schwerster Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig macht, wird sich irgendwann vor einem Internationalen Gerichtshof verantworten müssen, sei er nun präsidialer Potentat oder Dschungelkrieger.
OK Sepp. Folgen wir doch mal Deiner Logik. Es ist legitim, weil einer gerechten Sache und daher wohl auch richtigen dienlich, Minderjährige, zum Teil noch Kinder in die kämpfende Truppen zu reklutieren, sich von Drogenhandel zu finanzieren, Menschen ohne Rechtsurteil, Impfungen und Medizin über Jahre im Urwald gefangen zu halten und vermodern zu lassen, Boden- oder Anti-Personenminen in bevölkerten Gebieten zu säen, Kinder, Frauen und alte Menschen zu erschießen (ermorden wollen wir nicht sagen, weil es ja eine gerechte Sache ist), Müttern ihre Kinder zu rauben, weil sie entweder: a. die Mutter von ihrer Aufgabe als Guerillera ablenken oder b. Mutter nicht in der Guerilla ist, aber vielleicht ein schönes Lösegeld zahlen kann, Wälder abholzen und verbrennen um Koka anzubauen und zu produzieren. Also das und mehr ist kein Terror.
Warum sollen den bitte die Paramilitärs dann eine Terror-Einheit sein?
Ach so ja, weil ihre Sache nicht gerecht ist. Richtig und wer bestimmt das?
Hugo Chavez? Ich? Irgendwelche Stammtisch-Guerilleros in Europa, die beim Bier nach Feierabend darüber beschließen, was einem Land in der dritten Welt gut tut? Deren Blutzoll für die gerechte Sache die Prozentpunkte hinter dem Komma sind, die die nächste Lohnrunde hinter den Erwartungen blieb? Dieser Schmerz berechtigt sie anscheinend über die vergleichbar geringeren Leiden eines auf Jahre im Urwald Festgehaltenen zu befinden, oder über die bedauerliche, aber wegen der gerechten Sache nicht zu verhindernde Verstümmelung eines Kindes, das auf eine gerechte Bodenmine getreten ist. Wer ist berechtigt über die gerechte Sache zu befinden?
In Kolumbien entschied über diese Frage die kolumbianische Justiz, auf der Grundlage der in der kolumbianischen Verfassung festgehaltenen Grundwerte und ethischen Prinzipien. Entgegen dem Glauben vieler und dem Eindruck, den die flache Polemik Chavez und die falsche Propaganda der FARC verbreiten wollen: Darüber befindet in Kolumbien immer noch die Jurisprudenz. Warum ist es also falsch, dass die kolumbianische Justiz und somit auch die Regierung sagen, ob rechts oder links, ob Para, Guerilla oder Drogenmafia, wer sich der oben genannten Mittel bedient ist Terrorist! Nicht die Ziele sondern die Taten entscheiden. Um nicht als Terroristen in diesem Sinne zu gelten, müssen die FARC eigentlich nur die Geiseln freilassen, nicht weiter entführen, keine Bodenminen benutzen usw. Dann kann sie auch keiner als Terroristen bezeichnen, denn sie erfüllen die Voraussetzungen nicht. Mag die FARC den Leuten politisch passen oder nicht, sie wären keine Terror-Organisation mehr.
Aber hier kommt das nächste Problem und wir Kolumbianer stellen Dir Sepp diese Fragen: Was ist die gerechte Sache der FARC? Gegen welche Diktatur kämpfen sie? Welche sozialen Projekte wollen sie mit Waffengewalt durchsetzen, weil es sie nicht gibt? Sag es uns bitte, die FARC sagt uns seit Jahrzehnten nicht mehr, was sie mit Waffen glauben verteidigen oder erreichen zu müssen. Während der Amtszeit des Uribe Vorgängers Pastrana hatten sie genau den Status, den sie wieder haben wollen. Pastrana hat mit ihnen 3 Jahre verhandelt, ihnen die entmilitarisierte Zone gegeben bis er nach drei Jahren weiterem Mordens, Entführen und Ausbreitung des Koka-Anbaus und Handels sagen musste, es reicht, die FARC ist an keinem Frieden interessiert. Seine letzten Monate im Amt setzte sich Pastrana dann folglich dafür ein, dass die FARC auf die Liste der terroristischen Organisationen kam
Lieber Miguel,
das war wieder eine sehr gute Antwort. Und sie zeigt uns allen eindrucksvoll, wie wichtig eine genaue Kenntnis der “kolumbianischen Verhältnisse” ist, um die Lage richtig zu beurteilen. Insofern gibt es überhaupt nur eine Antwort auf die Frage, ob die FARC “Freiheitskämpfer” oder eine Terrororganisation sind.
Oder, lieber Sepp, ist es auch Ansichtssache, ob Baader-Meinhoff-Gruppe und RAF Freiheitskämpfer oder eine Terrororganisation waren? Vielleicht waren die Khmer Rouge oder der Sendero Luminoso genauso an einer “Befreiung” ihrer Bevölkerung interessiert?
Die kolumbianische Regierung hat als demokratisch gewählte Regierung nicht nur die Legitimität, sondern auch den moralischen Rückhalt seiner Bevölkerung und nicht der venezolanische Möchtergern-Bolivar, der seine Regierungszeit dazu nutzt, die demokratischen Institutionen in seinem Land nach und nach zu demontieren - kein Wunder, dass er so beliebt bei den FARC ist.
Und mit etwas von dem typisch kolumbianischen schwarzen Humor möchte man hinzufügen: Eigentlich braucht man doch gar nicht mit Tirofijo oder Reyes zu verhandeln, wir sollten gleich mit deren MAXIMO LIDER Hugo Chávez über die Geiselfreilassung vehandeln. Damit möchte ich nicht seine Leistung in diesem Fall schmälern, aber ich finde die Instrumentalisierung der Situation durch Chávez und seine Trittbrettfahrer zum Kotzen und würdig eines MAXIMO PAYASO.
Die Verhandlungsgewalt ist und kann NUR in den Händen der demokratisch gewählten Volksvertreter Kolumbiens liegen.
Kolumbien
FARC-Rebellen entführen Touristen
Bogota, 14. Jänner 2008
Erst vor wenigen Tagen hat die FARC-Guerilla ihr Geiseln freigelassen. Nun haben die Rebellen sechs Urlauber aus Kolumbien gekidnapped.
© Reuters
Wenige Tage nach der Freilassung von zwei ihrer Geiseln hat die linksgerichtete FARC-Guerilla in Kolumbien mehrere kolumbianische Touristen verschleppt. Nach Angaben der kolumbianischen Kriegsmarine raubten die Rebellen im westlichen Departamento Choco 19 Urlauber aus und nahmen sechs von ihnen als Geiseln.
Bei den in der Ortschaft Nuqui Entführten handelt es sich demnach um zwei Lehrer, eine Biologin, einen Studenten und zwei Geschäftsleute. Die Reisegruppe sei mit einem Boot unterwegs gewesen, als die Guerilla sie überfallen habe. Der Marinekommandant Admiral Mauricio Soto sagte dem Fernsehsender “Noticias uno”, nach den Entführten werde in einer großangelegten Aktion mit Marineinfanteristen und Aufklärungsflugzeugen gesucht.
Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) sind die größte kolumbianische Rebellenorganisation. Nach eigenen Angaben halten sie mehr als 40 Geiseln fest, unter ihnen die kolumbianisch-französische Politikerin Ingrid Betancourt.
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Diese Meldung stammt aus oe24.at Eure Kommentare treffen den Punkt.
Uiuiui, da hab ich aber einen Nerv getroffen…
@ Manfred:
Wieso sollte ich “die Verschleppung von Ingrid Betancourt als Form von Gegengewalt, als Ausdruck eines emanzipatorischen Freiheitskampfes” darstellen? Ich sehe dies als ein Verbrechen an. Als was denn bitte sonst?
@ Miguel:
Wenn Du Kolumbianer bist, kann ich Deine emotionale Reaktion gut verstehen. Die mir von Dir unterstellte Logik habe ich aber nie aufgestellt. Ich denke nicht, dass die Sache der FARC oder anderer Guerillaorganisationen in Kolumbien gerecht ist. Jedenfalls nicht mehr. Aber ich denke, dass sie zu Anfang eine Reaktion war auf eine unterdrückerische und ungerechte Politik einer relativ kleinen Elite, wegen der viele Kolumbianer leiden mussten. Tja, und nach ‘48 hat die herrschende politische Klasse dann ihre Quittung bekommen. Der anfängliche Freiheitskampf von Teilen der unterdrückten Bevölkerung hat dann im Laufe der Jahre und dank freundlicher Mithilfe der herrschenden politischen Klasse eine Eigendynamik entwickelt, welche die Guerillagruppen zu primär auf Selbsterhaltung ausgerichtete Verbrecherorgansationen machte, in der die ursprüngliche Ideologie nur noch eine sehr untergeordnete Rolle spielt.
Leidtragender dieses ganzen Schlamassels ist die Bevölkerung.
Die Reduzierung des kolumbianischen “Quagmires” auf die “Schuld” der Guerillaorganisationen ist mir jedoch zu einfach bzw. halte ich für falsch. Der kolumbianische Staat und (später) die paramilitärischen Gruppen haben ebenso ihren nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen (und damit meine ich nicht nur ihren Beitrag an der Auslösung des Konflikts), dass im Laufe der Jahre Tausende von unschuldigen Kolumbianern verschleppt oder getötet wurden.
Die Frage nach der Gerechtigkeit kann letzten Endes immer nur jeder für sich beantworten. Ich finde einen kontroversen Austausch immer interessant und bereichernd.
@ Jens: natürlich ist es Ansichtssache, “ob Baader-Meinhoff-Gruppe und RAF Freiheitskämpfer oder eine Terrororganisation waren”. Das ist doch wie anfangs erwähnt für die Allgemeinheit eine Frage der Deutungshoheit und für jeden einzelnen eine Frage der persönlichen, ja, Ansicht.
Hola Sepp,
vielen Dank für die klärenden Worte. Auch dafür, dass Du die Diskussion suchst, dafür ist dieser Blog da. Persönlich freue ich mich sehr über kontroverse Standpunkte (wobei Du und ich nicht so weit von einander entfernt sind), vor allem wenn sie fair und fundiert dargetragen werden.
Ich weiß, dass ich polemisiert habe und Deine Worte gedeutet habe. Ich habe das deswegen getan, weil ich momentan sehr genervt bin von der Show und den Worten Chavez. Mit vagen Formulierungen versucht er die Aufmerksamkeit von einer Tatsache zu nehmen: Keiner zwingt die FARC zu Menschenrechtsverletzungen. Chavez distanziert sich nicht. Seiner Logik nach, weil die FARC ihres Status nach nicht unter die Genfer Konvention fallen, kann sie nicht anders als zu entführen!? Er weiß ganz genau, dass er Uribe Kröten zu schlucken gibt und baut darauf, dass dieser in seiner gewohnten Art aufbraust wie von Teufel geritten. So hätte Chavez seine gewünschte Diskussion: seid ihr mit Uribe oder mit mir?
Es geht aber um eines nur: dass diese Menschen frei kommen. Darüber gibt es keine Diskussion. Ob sie freikommen, darüber befindet nur die FARC und jede Diskussion um ihren Status lenkt nur von der simplen Tatsache, dass kein Status der Welt ihnen das Recht gibt, Menschen ohne Rechtsurteile einfach so auf ungewisse Zeit aus ihrem Leben zu reißen.
Ich habe lange in Deutschland gelebt und erlebt, wie schnell man sich von den Kern der Sache ablenken kann und über Grundsätze reden kann. Daher gleich mein Angriff auf Fragen nach Gerechtigkeit oder Definitionen. Darum geht es nicht.
Und Chavez ist entweder stark vergesslich oder er will es nicht wissen, aber die jetzige kolumbianische Regierung verhandelt auch mit Organisationen, die sie als terroristisch einstuft. Es laufen Verhandlungen mit der ELN, die sehr weit verangeschritten sind, die Paras wurden zur Aufgabe verhandelt und Chavez selbst ist ja Unterhändler der kolumbianischen Regierung gewesen um Wege für die Geiselfreigabe mit der FARC zu finden.
Aber wenn er, wie er immer wieder betont, gerne seine Dienste der kolumbianischen Regierung zur Verfügung stellen möchte, warum greift er diese dauernd an, solidarisiert sich aber mit der FARC. Ist er nicht am Ende eher der Unterhändler der FARC und nutzt die Geisel politisch in ihrem Sinne?
Daher mein Wunsch nach einer deutlichen Abgrenzung, es ist nicht die Zeit für nicht endende Grundsatzdiskussionen.
Ansonsten stimme ich Dir mit Deiner Skizzierung der kolumbianischen Geschichte seit der Violencia zu. Einzig: Kolumbien kam nie aus den Konflikten raus, weil alles immer wieder an der Frage scheiterte, wer denn eigentlich angefangen hat, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war.
Ich weiß genau, dass es im Sinne eines Friedens ein bitteres Kröten schlucken geben wird. Es ist sehr schwer für mich, dass ein Massenmörder nur sagen braucht: Ich ergebe mich und bin kein Paramilitär mehr um für seine Greueltaten mit nur acht Jahren davon zukommen. Genauso bitter wird es für mich sein, wenn sich ein Reyes oder ein Tirofijo an die gleichen Gesetze wenden. Aber es ist ein Weg, er wurde parlamentarisch beschlossen und ich trage ihn mit. Denn an der Frage, wer wann mal womit angefangen hat darf der Frieden in Kolumbien nicht immer wieder scheitern.
Hola Miguel,
Du schreibst “Kolumbien kam nie aus den Konflikten raus, weil alles immer wieder an der Frage scheiterte, wer denn eigentlich angefangen hat, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war”.
Ich denke, dass die Friedensverhandlungen immer daran gescheitert sind, dass von Seiten der FARC nie ein wirklicher Friedenswille vorhanden war (trotz immer wieder anders lautender Beteuerungen). Die Regierung Pastrana war sogar soweit gegangen, dass sie auf die Hoheit einer riesigen Region des Landes verzichtet hatte. Die FARC meinen immer noch, es gibt nur entweder-oder, also gewählte demokratische Regierung oder FARC-Regierung (mir ist eigentlich gar nicht klar, was für eine Regierungsform die denn überhaupt anstreben). Ich glaube, dass sie sich nie wirklich ernsthaft Gedanken über ein “miteinander” gemacht haben. Es geht immer nur um Kompromisse (beide geben etwas auf) und nie um das Suchen einer “win-win-Situation”. Kein Wunder, dass nach den Weicheiern Belisario und Pastrana (nicht bös gemeint) ein Hardliner wie Uribe so einen Zulauf bekommen hat.
Ich erinnere daran, dass auch in Kolumbien ernsthaft gemeinte und ernsthaft geführte Verhandlungen zur Aufgabe von Gewalt als politischem Mittel geführt haben (siehe M-19 oder Paras).
Ich bin aber auch der Meinung, dass die Situation selten so festgefahren ist wie jetzt. Beide Seiten setzten momentan auf militärische Mittel zur “Konfliktlösung”. Und das hat nie geklappt.
Insofern ist mir Chavez, sei er ein noch so großer Clown, ganz willkommen, denn durch seine Intervention hat sich vielleicht wieder ein Weg aufgetan.
Zu wünschen wäre es ja, dass Regierung und Guerrilla an den Verhandlungstisch finden und sich endlich mal darum bemühen, miteinander und nicht aneinander vorbei zu sprechen.
Natürlich ist die Farc eine Terrororganisation. Die Gründe hat Miguel ja richtig aufgezählt. aber ich kann die anischt im hinblick auf die alleinige verteufelung der guerilla nicht nachvollziehen. Die politische Anschaung mal außen vor gelassen.
Was machen paramilitärs? keinen drogenhandel? keine Entführungen? keine ermordung von unschuldigen ? dazu kommen noch massakrierungen und enthauptungen mit motorsägen. da erscheint mir die guerilla mit Entführungen noch wesentlich humaner.
Aber das schlimmste ist die mehr oder minder legitimierung der paramilitärs durch die kolumbianische regierung. ständig wird vom kampf gegen die guerilla gesprochen, vom kampf gegen paramilitärs spricht Uribe nicht. das gesetz justicia y paz ist ein witz und verstößt ebenfalls gegen die menschenrechte. die infiltrierung der kolumbianischen regierung durch paramilitärs ist seit el computador de jorge40 bewiesen. und auch die beziehungen von Uribe zu paramilitärs scheinen überall außer in kolumbien bekannt zu sein. also bitte keine rechtfertigung der guerilla, aber auch keine für paraco Uribe
Hallo Marco,
es geht überhaput nicht darum wer besser oder schlechter ist: Paras oder Guerilla. Alle diese Gruppen (und dazu zähle ich auch diverse anderen Gruppierungen und Drogenmafis, die sich in den vergangenen Jahren gebildet haben) sind Verbrecher. Sie spielen mit Menschenleben ob auf die eine oder auf die andere Art! In diesem Zusammenhang das Wort “human” zu gebrauchen finde ich total unpassend.
Für mich war es zu Beginn auch schwer zu verstehen, wie jemand der Menschen geötet hat mit 8 Jahren Haft “davon kommt”. Aber wie denkst Du soll in diesem Land jemals Frieden erreicht werden, wenn man nicht aufeinander zugeht? Uribe macht genauso viele Zugeständnisse an die Guerilla, macht ihnen Angebote zu Friedensverhandlungen. Und was passiert mit Guerilleros, die sich ergeben? Sie stehen unter dem selben Schutz (Justicia y Paz) wie die Paras.
Gruss
Nicole
Hallo Marco,
ich glaube, dass keiner der hier Schreibenden der Meinung ist, dass die Paras besser wären. Sicherlich nicht. Aber weisst Du, was endlich mal ein Ende haben sollte? Diese ewige Aufrechnung vom Missetaten. In der Hinsicht sind Guerrilla und Paras der selbe Mist und die Regierung mit ihrer mehr oder weniger offen sichtlichen Duldung der in ihr Konzept passenden Gewalttaten ist auch nicht besser. Alle sind immer nur darauf konzentriert, der Öffentlichkeit zu demonstrieren wie blöd die Gegenseite ist.
So kann es keine Annäherung, so kann es kein ernsthaftes Gespräch geben.
Siehe Südafrika, erst als die weisse Regierung und der ANC mit ihren gegenseitigen Beschuldigungen aufgehört haben, erst als ein ernsthafter Wille zur Verbrüderung vorhanden war und als jeder sein Gegenüber als Verhandlungspartner akzeptiert hatte, war eine politische Lösung des Konflikts möglich. Ich weiss, Kolumbiens Situation ist vielleicht nicht mit Südafrika zu vergleichen, aber Gewaltkonflikte werden grundsätzlich nur so gelöst. Ein weiteres Beispiel kannst Du zwischen Israel und Palestina sehen. Immer nur geht es darum, dass wir hier und dort angreifen “müssen”, weil der andere uns dort oder hier angreift.
Keiner sagt: Ich verzichte auf Gewalt und gehe mit meinem Beispiel voran. Das ist ein Punkt an dem Kolumbianer noch viel arbeiten müssen. Die Mentalität de “no dar papaya y no desaprovechar el papayazo” wird man aus deren Köpfen wohl so schnell nicht rausbekommen (wenn ich den ertsen Schritt mache, dann macht der Andere mich platt).
Deswegen macht keiner den ersten Schritt. Deswegen meinte ich ja gestern auch, dass der Auftritt von Chávez auch etwas Gutes hat. Er hat den Konflikt nicht nur in das kolumbianische Bewußtsein sondern auch in die Weltöffentlichenkeit zurückgebracht (aus welchem Grund auch immer) und das könnte jetz alle Beteiligten unter Druck setzen und sie an den Verhandlungstisch zurückzwingen. Wie gesagt, wäre ja zu wünschen …
Hola Marco,
ich freue mich über Deinen Beitrag. Du sprichst Punkte an, die in diesen Blog gar nicht so zur Sprache kamen aber diskutiert werden sollten. Sie zu klären ist wichtig für das Verständnis der kolumbianischen Problematik
Bevor wir in eine Diskussion einsteigen, möchte ich ganz klar festhalten, dass unser Anliegen die Befreiung aller Geiseln ist. Punkt. André hatte in einem sehr guten Beitrag aufgezeigt, dass es mehr als 3000 Entführte Menschen gibt. Um die 750 von ihnen werden von den FARC festgehalten. Uns geht es um ALLE diese der Freiheit beraubten Menschen. Wir sehen keine moralische Rechtfertigung bei irgendeiner Gruppierung, Menschen aus ihrem Leben zu reißen. Ich denke, da sind wir uns alle einig, unabhängig unserer nationalen, politischen, religiösen, kulturellen, gesellschaftlichen usw. Herkunft: wer an die Unantastbarkeit der menschlichen Würde und Freiheit glaubt, der kann Entführungen nicht als legitim ansehen. Es geht uns also um ALLE Geiseln. Wir wollen sie auch nicht als Spielball politischer Kämpfe sehen. Das gilt im Augenblick für die FARC, wie für Uribe.
Was die PARAS angeht, da stimme ich Dir vollkommen zu. Sie sind für mich wie die Guerilla FARC: das gleiche in Grün, ein einfacher Etikettenschwindel des gleichen Produkts: Drogenmafias. Einst hatten die FARC eine politische Mission, die ich in weiten Teilen, bis auf ihre militärische Durchsetzung, unterstützt habe. Heute weiß keiner mehr, was die FARC will. Die Guerilla selbst bemüht sich auch wohl wissend gar nicht mehr, den Kolumbianern ihre Vision zu erklären. Sie versucht es ihm Ausland, wo wenig über sie bekannt ist und sich das Bild eines Kolumbiens regiert von einem Diktator prima verkaufen lässt. Aber ehrlich, kannst Du mir sagen, was die FARC eigentlich wollen?
Leichter ist es da mit den Paras. Sie nehmen in Anspruch auch eine politische Motivation gehabt zu haben. Ich sah und sehe sie nicht. Vor allem, da sie ziemlich gleich nach in ihrer Entstehung in das Drogengeschäft einstiegen. Politisch wollen sie gewesen sein, weil sie hauptsächlich linksgerichtete Politiker und Gewerkschafter ausrotten wollten. Sie machten dies aber nicht aus ideologischen Gründen sondern um die Drogenbosse oder Firmen (auch ausländische!!), für die sie arbeiteten, vor den Guerillas (ELN und FARC) und andere zu schützen. Wenn man aber genauer prüft, dann ging es primär um einen Krieg um das Drogengeld mit allen anderen rivalisierenden Banden, auch die Guerillas. Ich kann ihnen dafür keinen politischen Bonus zusprechen.
Uribe hat die PARAS nie legitimiert! Für die kolumbianische Justiz und Regierung ist das eine ehemalige terroristische Vereinigung, die sich aufgelöst hat und zur Zeit nach den Vereinbarungen von Justicia y Paz gerichtet werden.
Es gibt da Uribes Förderung der convivirs, Selbstschutz-Organisationen aus denen dann oftmals PARAs hervor gingen. Wer die Realitäten des Landes zu der Zeit kannte, die fast absolute Ohnmacht des Staates gegen alle möglichen kriminellen Banden, der kann nachvollziehen, dass sich viele Kolumbianer in echter Wild West Manier zum Selbstschutz organisiert haben. Die meisten Politiker in dieser Zeit haben diese Organisationen gefördert, auch Uribe. Ich war damals Student in Gießen, bei Amnesty aktiv und habe Urgent Actions geschrieben, die auf die aufkommende Gewalt von rechts in Kolumbien aufmerksam machten. Was damals nicht gesehen wurde, auch von mir nicht, ist dass dies eine Antwort auf die Ohnmacht vom Staat war. Leider und das prangerten wir damals an, war auch das Militär oftmals aktiv oder passiv eingebunden. Das ist alles wahr und ist heute ein riesiger Sumpf, aus dem die Kolumbianer irgendwie raus finden wollen.
Die Paras gibt es nicht mehr, sie haben sich unter dem von Dir als Witz bezeichneten Programm Justica y Paz aufgelöst. Leider drängen neue Banden in das Vakuum, das die Paras in ihren Regionen hinterlassen haben und bekriegen sich entweder gegenseitig oder mit den alten Drogenhändlern FARC, ELN und wie sie sonst alle heißen um die Vormachtstellung in diesen Gebieten. Wahrscheinlich sind einige Ex-Paras immer noch irgendwie über diese neuen Banden an den Geschäften beteiligt. Wenn man einem von ihnen dieses nachweisen kann, dann verlieren sie die juristischen Vorteile von Justicia y Paz und werden als gewöhnliche Kriminelle behandelt.
Das ist das interessante an Justicia y Paz: Du wirst nicht als ein gewöhnlicher Krimineller mit der vollen Wucht des Gesetzes bestraft, sondern kommst mit milden 8 Jahren für alle Vergehen davon. Egal wieviele Menschen Du auf dem Gewissen hast, egal wie brutal Du Deine Opfer hingerichtet hast, mit acht Jahren kommst Du davon, wenn das Gesetzt eigentlich Lebenslang vorsieht! Du musst Deine Geiseln freilassen, an der Wahrheitsfindung mitarbeiten, Deine Opfer entschädigen und vor allem nicht mehr den kriminellen Aktivitäten nachgehen. Ebenso musst Du Dich unter ein Resozialisierungsprogramm unterziehen.
Das ist für die meisten Kolumbianer eine schwer zu schluckende Kröte: fast straffrei und dann noch von Steuergeldern leben bis Du auf eigenen Beinen stehen kannst. Zumal viele der ehemaligen Kämpfer ins Ausland geschickt werden, da der Staat hier nicht ausreichend für ihre Sicherheit sorgen kann. Für viele Kolumbianer ist es ein unerreichbarer Traum, ein Visum für ein Land in Europa oder die USA zu erhalten. Der Kolumbien-Malus ist zu hoch, egal wie recht schaffend Du bist. Aber als abgeurteilter Kämpfer bekommst Du ein Visum, egal was Du alles verbrochen hast. Diese Programme gab es auch schon vor Justicia y Paz und sind ein Grund warum viele ehemalige Kämpfer des M19, der ELN und der FARC nun in Europa leben.
Auch für mich ist Justicia y Paz kein gerechtes Gesetz, aber so ist es nie verstanden worden.
Es ist ein Instrument, um die terroristischen Gruppierungen, also hauptsächlich die ehemaligen Paras, ELN und FARC zur Aufgabe zu bewegen. Es ist ganz bestimmt nicht ein Gesetz, dass Gerechtigkeit anwendet, dass hat noch nie jemand behauptet oder beabsichtigt. Die Paras waren die ersten, die sich an dieses Instrument gehalten haben. Die ELN steckt in Verhandlungen, die immer kurz vor dem Erreichen des Ziels abgebrochen werden. Sollten sie sich mit dem Staat einig werden, so werden auch sie die Vorteile von Justicia y Paz beanspruchen dürfen.
Macht das jetzt Uribe zum Freund der ELN?
Auch die FARC können sich auf dieses Gesetz berufen. Würde das Uribe zum FARC-Intimus machen?
Eines der Probleme bei Justicia y Paz ist es, dass laut kolumbianischen Gesetz keine als terroristisch eingestufte Parteien sich an die Vorteile des Gesetz halten dürfen. Also musste ein juristischer Zwischenschritt her, dass den Organisationen der Terrorstatus abgesprochen wird, sobald sie sich bereit erklären unter Justicia y Paz behandelt zu werden. Daher hat Uribe den Paras diesen Status abgenommen, als sie zusagten sich diesem Gesetz unter zu ordnen, alle ihre Geiseln frei lassen und nicht weiter ihren kriminellen Machenschaften nachzugehen. Daher hat gestern Uribe der FARC zum wiederholten Mal angeboten, sie vom Terroristen Status zu befreien, wenn sie genau das gleiche machen. Dann hätten auch sie einen Anspruch auf Justicia y Paz Sie brauchen ihre Waffen nicht abzugeben, sie müssen nur alle in ihrer Gewalt befindlichen Menschen freigeben, nicht weiter Entführen und den Drogenhandel aufgeben. Ich frage Dich noch einmal: würde das Uribe in Deinen Augen zum FARC-Intimus machen?
Warum nicht, genau das gleiche Angebot an und Verhalten gegenüber den Paras hat Uribe zum Paraco gemacht.
Ich weiß nicht, ob Uribe ein Freund der Paras ist, ob er Guerillera-Kämpferinen hübsch findet oder er aus Freude über Chavez Klamauk im heimlichen Wohnzimmer Purzelbäume schlägt. Ich weiß nur, dass er sich transparent verhält, dass nicht mal die kolumbianische Opposition ihn PARACO nennt. Ich weiß, dass Justicia y Paz zum ersten Mal erlaubt, gegen Politiker, Beamten, Militärs und sonstigen, die mit den Paras zusammen gearbeitet haben Juristisch vor zugehen.
Gestern wurde Dieb Maloof, ehemaliger Senator, zu 4 Jahren und 9 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er sich von den Paras bei den Wahlen unterstützen lies und politische Gegner eingeschüchtert hat. Er ist der erste von 44 zur Zeit angeklagten hochrangigen Politikern, der verurteilt wurde. Woher glaubst Du also behaupten zu können, dass in Kolumbien die Nähe vieler Politiker zu den Paras, auch und gerade vieler Uribe nahen Politiker wie Maloof, unbekannt sei? Noch einmal, es gab viele Versuche Uribe mit den PARAs in Verbindung zu bringen: Erfolglos. Es wird viele weitere Versuche geben, vielleicht wird auch einer davon erfolgreich sein. Der Punkt ist: Behauptungen sind schnell angestellt, juristische Argumente dagegen nicht. Und in Kolumbien, auch in Uribes Kolumbien, zählt nun einmal das letztere um Jemanden aburteilen zu können.
Das war ein langer Ausflug, ich weiß. Aber aus der Entfernungen wird schnell weiß-schwarz gemalt. So wird auf einmal die Frage, ob die FARC die Geiseln frei lassen sollte schnell zur Diskussion ob Uribe ein Paraco ist oder nicht. Vieles was ihm als ein solcher erscheinen läßt, kommt aus den Schritten, die er unter den geltenden Gesetzen machen muss. Vielleicht ist er innerlich ein kleiner Feldwebel - ich weiß es nicht.
Was ich weiß ist, dass die FARC momentan versuchen die Geiseln wieder politisch einsetzen wollen um ihm Ausland Verteidiger ihrer Sache zu finden. Welcher Sache? Ich bitte um Aufklärung. Pervers finde ich Geiseln als Druckmittel einzusetzen um nicht mehr Geiselnehmer genannt zu werden. Geanu das macht die FARC und dagegen wehre ich mich. Gäbe es die Paras und würden sie Geiseln nehmen, würde ich sie, würde ganz Kolumbien sie auch an den Pranger stellen. Die ELN stellen wir an den Pranger nur tanzen sie momentan einmal vorwärts, einmal rückwärts, aber lange werden wir dazu nicht schweigen. Die FARC mag verstehen wer das erklären kann: Wenn wir darüber reden wollen, ob ihr eure Lieben wiederseht, dann dürft ihr mich nicht mehr Geiselnehmer nennen. Ich halte Leute nur aus ehrenvollen Gründen im Urwald fest und werde es auch weitermachen.
Hola Miguel,
sehr schön dargestellt.
Selbst diejenigen die Kolumbien kennen, erhalten - angesichts der Nachrichten über Gewalt von Guerrilla, Paramilitär, Militär, Drogenhändlern und anderen Kriminellen - den Eindruck, dass Kolumbien eine Bananenrepublik ist.
Eine Bemerkung zu Justicia y Paz. Hier tut sich mit den desmovilizados ein neues Problem auf. In einem Land, in dem das Bildungssystem noch nicht so weit ist, allen seinen Bürgern eine Berufsbildung anzubieten, haben sich Gruppen gebildet, die nur ein Handwerk gelernt haben: andere Menschen zu quälen, zu erpressen und zu töten.
Während meines Studiums in Kolumbien Ende der 70er und Anfang der 80er zeichnete sich bereits ab, dass in der jugendlichen Bevölkerung der großen Städte, vergessen vom Staat und ohne Lebensperspektive, ein riesiges Gewaltpotential gärte. Die Drogenbarone und deren erste paramilitärische Organisation MAS haben sich dieser Bevölkerung angenommen und ihnen einen gut bezahlten “Beruf” angeboten. Sie haben sie “ausgebildet”, sie haben sich um ihr Wohl gekümmert und sie haben sie gut bezahlt. Paras und Guerrilla gingen in der Folge und bis heute auch nicht anders vor.
Nun passiert aber folgendes: die desmovilizados der Paras oder der FARC geben ihre Waffen auf und dürfen in Freiheit leben. Und wer nimmt sich dieser Menschen an? Wer bringt ihnen bei, in Frieden zu leben? Ich höre mittlerweile von vielen Bekannten, die sich aus dem einen oder anderen Grund um die Betreuung von desmovilizados beschäftigen, dass es sich extrem schwierig gestaltet, diese Menschen in ein normales Leben ohne Gewalt zu integrieren, ihnen klarzumachen, dass sie Konflikte nicht lösen indem sie ihr Gegenüber erpressen oder ihm die Kehle durchschneiden. Ein Beispiel hierfür kannst Du in der heutigen Presse sehen (Killerbande in Soacha).
Insofern habe ich den Eindruck, dass justicia y paz kein wirklich durchdachtes Projekt ist. Das kenne ich aus Kolumbien schon seit vielen Jahren: im formulieren von Projekten sind wir schon immer Weltmeister gewesen (siehe kolumbianisches Gesundheitssystem der 80er Jahre), in der Umsetzung sind wir aber sehr oft gescheitert. Justicia y paz kann zwar momentan bestimmte Gruppen dazu bewegen, ihre Waffen niederzulegen. Und was dann? Entweder bilden sich “grupos disidentes” die einfach unter anderem Namen weiter machen, oder sie machen einfach als Kriminelle weiter. Somit wird ein großer Teil des Problems einfach nur verlagert.
So muss ich gestehen, dass auch ich von dem in Kolumbien ziemlich verbreiteten Fatalismus befallen bin, was die Lösung des Gewaltproblems in Kolumbien angeht.
@ Miguel & Jens:
super interessant.
Ich dachte, dass ich schon relativ viel über die Lage in Kolumbien weiss, aber bei Euren Beiträgen habe ich doch nochmal ein paar interessante und vor allem mir neue Gedanken und Informationen entnehmen können.
Mich würde interessieren, ob sich die Paras wirklich aufgelöst haben. Bisher habe ich dem Justicia y Paz - Gesetz sehr ablehnend gegenüber gestanden.
Ich möchte Euch mal schildern, wie ich hier aus Deutschland aus z.B. das Justicia y Paz-Gesetz verstanden habe.
In verschiedenen Artikeln (z.B. in Le Monde Diplomatique vom Mai 2007) wurde die “Demobilisierung” als eine quasi-Legitimierung der Paras dargestellt: sie stellen sich, kommen mit sehr milden Strafen davon (die von ihnen begangenen Taten müssen ja auch erstmal nachgewiesen werden), können im Besten Fall ihre illegal erworbenen Besitzstände erhalten (das zielt mehr auf die Führungseben ab) und sich außerdem in den “legalen” Bereich des kolumbianischen Staates integrieren (sofern sie das noch nicht sind).
Die Legalisierung sei vor allem deshalb notwendig, weil die AUC 2001 (glaub ich) in die Liste der terroristischen Organisationen des State Dapartment aufgenommen wurden. Die USA finanzieren wiederum die Aufrüstung des kolumbianischen Sicherheitsapparates im Rahmen des Plan Colombia (und der Andean Regional Initiative) seit 1999 mit jährlich um die 600-800 Mio. US$ (80% des US-amerikanischen Zuwendungen gehen in diesen Bereich). Die Aufrüstung dient aber in erster Linie der Bekämpfung der Guerilla (”push to the south”, Plan Patriota), welche als Drogenbekämpfung verkauft wird (was natürlich Quatsch ist).
Die Paramilitärs (die für rund 70% der Massengräber und 60% der politischen Morde verantwortlich sind) wurden aber von solchen militärischen Offensiven verschont. Warum? Erklärt wird dies damit, dass die Paramilitärs traditionell eher auf der Seite der Regierung standen (Schutz von Großgrundbesitzern, Industrieanlagen, v.a. Zurückdrängen der Guerilla aus dem Drogengeschäft und nicht zuletzt auch bei der Jagd auf Escobar). Es gibt mehrere Berichte über Zusammenarbeit von Paras und kolombianischen Streitkräften. Und dann auch die Verbindungen von Paras und Politikern. Mazure (Le Monde Diplo) schreibt hierzu:
“Para-Politik ist ein System strategischer Bündnisse zwischen der politischen Führungsschicht, bestimmten Wirtschaftskonzernen und den paramilitärischen Gruppen, mit dem die Paramilitärs und ihre Partner in zahlreichen Regionen ohne Furcht vor Strafverfolgung nach Belieben schalten und walten können. Sie haben den Staatsapparat auf allen Ebenen infiltriert.”
Das alles erschien mir sehr einleuchtend. Die Paras mussten “entkriminalisiert” werden, sonst hätten die USA und im Endeffekt auch der kolumbianische Staat ein großes Problem.
Das die Gurillagruppen den gleichen Schutz des Justicia y Paz- Gesetz in Anspruch nehmen könnten weiss ich. Aber warum meint ihr, nehmen sie es nicht an? Weil sie (im Gegensatz zu den Paras) Spaß an Ihrer Sache gefunden haben? Oder vielleicht weil sie im Gegensatz zu den Paramilitärs nur verlieren würden: sie haben keine finanzielle oder Machtgrundlage außerhalb der von ihnen kontrollierten Gebiete. Ganz im Gegensatz zu den Paramilitärs (behaupte ich jetzt mal).
Also, das ist meine bisherige Sicht. Finde ich sehr schlüssig. Aber wie gesagt, das ist die Sicht, die mir Teile der Medien aus dem weit entfernten Deutschland (und auch z.T. aus den USA) geben. ihr kennt Kolumbien besser.
Diskutiert mit mir. Ich find das hochspannend.
Gruß
Sepp
Hab zwei Vornamen und kann mich nie entscheiden
Hallo Sepp Steffen,
ich war noch nicht dazu gekommen, Dir auf Deine Fragen zu antworten.
Zum ersten Teil Deinees Kommentars: Justicia y Paz ist weder eine “quasi-Legitimierung” noch eine wie auch sonst geartete “Legalisierung” von kriminellen Gruppen oder von ihnen begangenen Gewalt- und Greueltaten. Es sieht ja auch nicht eine Straffreiheit für diese Taten vor. Das Gesetz ist lediglich ein Instrument, um überhaupt einen Waffenstillstand zu erreichen:
Wenn ihr aufhört zu morden und zu entführen, dann werden wir euch nicht weiter bekämpfen und wir bieten ein reduziertes Strafmass für die begangenen Verbrechen an (allerdings nicht für alle). Damit ist nicht gemeint, dass die Gruppen (Paras oder FARC) keine terroristischen Vereinigungen sind.
Meiner Meinung nach ist das auch der einzige Weg, auf dem ein Frieden verhandelt werden kann. Letztendlich würden beide Seiten von so einem Vorgehen profitieren.
Zum anderen Teil Deines Kommentars fällt mir erst einmal eine ganz banale Antwort ein: Wer verhandelt über den Frieden und wer profitiert von einer Demobilisierung?
In allen Gruppen sind es die Kommandeure. Bei den Paras kam die Kommandoebene häufig aus dem Mittelstand, sie hatten neben ihrer Tätigkeit auch häufig noch ein ziviles Leben und sie hatten auch in den Zeiten ihrer “Kampfaktionen” die Möglichkeit, ein Vermögen aufzubauen. Das wären also die Ersten, die ein Interesse an einem Leben ohne staatliche Verfolgung hätten. Zu ihren Kämpfern, zu ihren Truppen habe ich mich in meinem letzten Kommentar geäußert, das Problem ist meiner Meinung nach nicht wirklich gelöst.
Kommen wir zur FARC. Was haben die Chefs der Guerrilla nach z.T. 50 jährigem Kampf in den Bergen überhaupt für eine Zukunft im zivilen Leben? Was haben sie denn für Berufe? Was können sie ausser kämpfen, wovon wollen sie nachher leben. Soll der Staat für sie aufkommen? Sollen sie in die Politik gehen? Es wird ja kaum möglich sein, dass Tirofijo oder Reyes von einem Vermögen aus Drogengeschäften oder Entführungen leben.
Andererseits haben sie immer noch vor Augen, was in den 80er Jahren mit ihrem politischen Ableger, der Unión Patriótica, passiert ist und verhalten sich verständlicherweise besonders misstrauisch (damals sind Hunderte, vielleicht auch Tausende ihrer Anhänger rechtsorientierten Mordbanden zum Opfer gefallen).
Also ich wüsste nicht, was die FARC überhaupt nach Niederlegung der Waffen machen sollte, wie sich ihre Kämpfer in ein geordnetes ziviles Leben reintegrieren sollen und die wissen das wahrscheinlich auch nicht.
Grüße,
Jens
Hallo zusammen,
danke für die antworten. und ich freue mich über deine sehr ausführliche Miguel aber ich glaube ich habe das thema schon zu oft diskutiert.
also, vorneweg, die farc gilt auch in europa als terroristische organisation. das sie ihre politischen ziele verloren hat ist wohl bei den meisten bekannt. ich denke genauso wie du das sie diese nur noch als vorwand vorschiebt und zwischenzeitlich lediglich profitorientiert handelt.
Jens hat vollkommen recht wenn er meint das man gewalt nicht gegeneinander aufrechnen kann. aber das problem ist in meinen augen dass nur die verbrechen der einen seite angeprangert werden und die der anderen, der paras verharmlost und politisch nahezu legitimiert werden.
sie sind im parlament vertreten, im DAS und auch die armee arbeitet mit ihnen zusammen. Das paras keine menschen entführt haben stimmt nicht. siehe http://www.derechoshumanos.gov.co/observatorio/04_publicaciones/04_02_temas/autoespa/cap1.htm
und das sich die paras vollständig aufgelöst haben glaubst du doch nicht im ernst oder? sicher sind viele demobilisiert worden aber bei weitem nicht alle. und selbst die, die demobilisiert wurden machen danach einfach unter anderem namen weiter. zusätzlich wurden nach eigenen aussagen leute für die demobilisierung angeheuert um diese vorzutäuschen.
justicia y paz… bei aller liebe, aber das gesetz ist eine katastrophe und verstößt gegen geltendes menschenrecht. die rechte auf strafverfolgung und wiedergutmachung von millionen von vertriebenen werden missachtet. die strafe von 8 jahren ist lediglich die maximalstrafe. in den meisten fällen bekommen sie nicht mal das wenn ihnen nicht gerade ein massenmord nachgewiesen wird. die wahrheitsfindungskomision hat nur einen kurzen zeitraum um die angaben der demobilisierungs willigen zu prüfen. das dies zur nachvollziehung von jahrzehntelangen verbrechen unzureichend ist ist imho offensichtlich. die opfer müssen entschädigt werden? meines wissens legitimiert justicia y paz den besitz erbeuteter landgüter, sprich paras können nach ihrer demobilisierung das land der von ihnen vertriebenen behalten. was paras gegenüber guerilleros sicherlich entgegenkommt.
nun zu Uribe und seinen verbindungen zu paramilitärs. ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. verzeih mir wenn ich hier jetzt nicht anfange punkte aufzuzählen. sonst sitze ich hier stunden. hier ein link wo einige aufgezählt werden. http://216.239.59.104/search?q=cache:Ka2ghAWc73UJ:www.polodemocratico.net/IMG/doc/Uribe_jefe_del_ocultamiento_Aleman.doc convivir Uribe vertriebene&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de. ok ist vom polo aber die punkte stimmen ja trotzdem.
zusätzlich gibt es quellen dass er selbst in den drogenhandel involviert war. hierzu selbst vom amerikanischen geheimdienst berichte auf die er sogar öffentlich stellung genommen hat. du hast aber recht, juristisch belegbar ist das nicht, trotzdem frage ich dich , wie kann man so jemanden wählen?
Nachfolgendes ist zwar auf spanisch, aber passt zum Thema, es ist eine E-Mail die sich per E-Mail durch das Land verbreitet…
Señor presidente Chávez,
En nombre de la gente de Colombia, no del gobierno ni de ninguna entidad gubernamental, quisiéramos darle las mas sinceras gracias por sus oficios como mediador en la liberación de las dos secuestradas Clara Rojas y Consuelo González.
Son de todos muy conocidas, por sus recientes acciones y declaraciones, las grandes razones humanitarias que lo han motivado a ser el gran intermediario en el conflicto que vive nuestra bella Colombia desde hace tantos años.
Por eso, estamos todos seguros que usted, Presidente Chávez, es capaz de lograr la liberación de los restantes 698 secuestrados por las FARC.
A cambio de eso, Presidente Chávez, y a nombre de la gran mayoría de Colombianos, le extiendo una mano con nuestros mejores deseos para usted y una lista de regalos.
Le damos las FARC y al ELN, todas para usted. No nos las merecemos, nuestro egoísmo hace que rechacemos a estas personas tan humanitarias, llévenselas usted y disfrútenlas.
Le damos toda la droga que esta en los territorios donde se esconden las FARC, haga lo que le plazca con ella. Regálensela a los jóvenes europeos que constantemente hacen colectas para ayudar a las guerrillas, creo que se lo merecen.
Le damos todas las minas quiebra patas que han puesto las FARC en nuestra tierra, le damos los burros-bombas, le damos los cilindros explosivos con lo que se han destruido humildes pueblos.
Le damos a todos los que odian a Colombia, le damos a Piedad Córdoba, úsela a su antojo, disfrútela.
Le damos a todos los violentos, los delincuentes, los políticos corruptos. Le damos el gobierno de transición que Piedad Córdoba le prometió a Simón Trinidad.
Le damos a Simón Trinidad, cuando cumpla su condena en los Estados Unidos, se lo puede llevar también. Le damos el terrorismo que asola nuestra nación, cójaselo para usted. Cuando ya lo tenga, llámelo como quiera ‘beligerancia’, ‘humanismo’, ‘altruismo’, ‘proyecto Bolivariano’.
Le damos a los paramilitares, triste consecuencia de las acciones ‘humanitarias’ de las guerrillas. Le damos nuestras lagrimas, nuestros miedos, nuestros temores, nuestras pesadillas, nuestro dolor, nuestros más funestos recuerdos.
Le damos todo eso, presidente, si disfrútelo y compártalo con todos los que lo aplauden, con todos los que alientan su proyecto Bolivariano.
Por favor, no lo devuelva, es todo suyo. Se lo damos de
todo corazón.
Respetuosamente,
UN COLOMBIANO MAS.
Das ist auch auf Spanisch, jedoch passt es zum Thema. Es ist zwar sarkastisch angehaucht, beinhaltet jedoch Fakten und ist ernst zu nehmen.
Señor Hugo Chávez Frías
República Bolivariana de Venezuela Te escribo, apreciado Hugo, desde este país liberado pornuestro compatriota Simón Bolívar (aquel visionario que dijoque Venezuela era un cuartel, Ecuador un convento y Colombiauna universidad) para agradecerte los innumerables favores quele has prestado al pueblo colombiano. Y es que desde que se la montaste a Álvaro Uribe, sólo cosasbuenas nos han ocurrido. Para empezar, sin tu colaboraciónhubiera sido muy difícil que nuestro Presidente alcanzara elrespaldo del 81% de los colombianos, apoyo que no tieneantecedentes en un país en el que a los gobernantes les suelecaer el sol en las espaldas de forma prematura. Si algo has logrado con tus salidas de ropa es que loscolombianos agradezcamos no ser venezolanos y padecer unpresidente como tú. Entre más te conocemos, más queremos aUribe. También lograste que, en un país en el que todo el mundojala para su lado, todos nos unamos y sepamos muy bien quiénesson nuestros amigos y nuestros enemigos. Tus coqueteos descarados con las Farc nos han prestado un dobleservicio. Primero, el 76% de los colombianos no te quiere nipoquito. Y, segundo, el 96% de nuestros compatriotas ya tieneclaro que nuestra peor peste son las Farc. Además, eseamancebamiento que mantienes con nuestra guerrilla ha sido elmayor aliciente de la gigantesca marcha que medio mundo hará el4 de febrero para rechazar, con nombre propio, a los muchachosde tu admirado ‘Marulanda’. Gracias por encartarte con un ser tan detestable como PiedadCórdoba. Ya que la quieres tanto, llévatela del todo, al fin yal cabo, ella parece más de allá que de acá. Eso sí, tencuidado. La ambición de esa mujer no tiene límites y parasaciar sus ansias de poder de pronto hasta se te mete en lascobijas. Lo que debe resultarte muy incómodo si, como aseguraD’artagnan, en materia sexual eres vegetariano. Gracias a tus patanerías, el mundo nos está parando más bolasque nunca. Y a Uribe le han dado recibimiento de héroe en suvisita por Europa. No tanto por la lucha que ha adelantadocontra el terrorismo sino por tener que soportar a un vecinocomo tú. Gracias a tus trasnochados insultos al ‘Imperio’, en una semanahemos tenido la visita del militar de mayor graduación de esepaís, del Jefe de la DEA y de la Secretaria de Estado. ¡Porfavor, no te calles y dedícanos otros dos ‘Aló Presidente’,para que nos aprueben a pupitrazo el TLC! Gracias a las deferencias que tienes con tus socios de lasFarc, nuestro país ha dejado de ser el principal exportador dedroga del mundo. Ahora la coca y la heroína se envían desde tusaeropuertos bolivarianos. ¡Gracias por quitarnos ese estigma,gentil coronel! Y no podría terminar estas letras sin agradecerte por gastarlos petrodólares que sudan tus compatriotas para pagarles a lasFarc porque liberen a nuestros compatriotas. ¡Eso sí esgenerosidad! Sólo me resta pedirte que sigas con tus diatribas dominicales,porque ellas son el mejor estímulo para que los colombianosreelijamos a Álvaro Uribe en el 2010. Compatriota y admirador. Cordial saludo.
auch wenn ich es alles im nachhinein lese, super spannend und interesannt. super wie viele so viele zusammenhänge kennen und sie auch bildlich darstellen vermögen.
der letzte eintrag ist vom 4. feb. und seither tat sich doch so einiges rund um die farc.
ich versuche und zusammen mit den andern artikeln etwas blauäugig neue impulse in diesen artikel einfliessen zu lassen. es sind nicht meine ansichten oder standpunkte welche ihr mir dann aus meinem schädel hämmern müsst. nur ein bisschen andere anschauungsweisen, aus welchen sich vielleicht neue schlüsse ziehen lassen !!!!
immer wieder und fast überall wird die farc als terrorgruppe welche sich aus dem anbau von drogen finanziert, von allen seiten verurteilt. was die drogen und deren nutzen als solches betrifft, für die eigenerhaltung und finanzierung auch stimmt.
wenn andere das gleiche tun, dann ist es also nie das gleiche weil sie nicht der farc angehören.
oder brutal böse ausgedruckt:
sie sind heute: aus der farc abgesprungene edelleute. dürfen das selbe tun (drogen anbauen, morden, vertreiben, usw.) sind aber, da sie sich in der gesellschaft eingegliedert haben (und das entnehme ich auch aus den obigen darstellungen: eher schlecht als recht) gesetzlich eher unantastbar. (so lange sie sich nicht erwischen lassen) und dürfen sich in der gesellschaft teilweise auch politisch engagieren.
wiederum von irgend einem eintrag und dieser auffassung bin auch ich:
was gewinnen die farc, wenn sie ihre waffen ablegen? grundsätzlich nichts ausser ländereien welche sich zum anbau von drogen eignen. (was sie danach aber nicht tun dürfen)
hmm, das geht doch nie und nimmer auf !!!!
was gewinnen sie wenn sie weiter machen?
politische wieranerkennung? wenn Hugo sagt ich erkenne sie als politische organisation an. schreien danach alle: nein unmöglich, die sind NUR terroristen. die dürfen NIE MEHR eine politische Macht darstellen. und auch keine politischen Ziele verfolgen. (sprich: vielleicht gleich rote anschaungsweise wie die meisten andern südamerikanischen länder. anti USA).
FARC keine Terrororganisation? hiess der titel.
teile des korrupten militärs, aufgelöste oder doch nicht aufgelöste gruppierungen wie paras sind also keine Terrororganisationen.
ach nein, dass darf ich so nicht schreiben, denn sonst trete ich irgend jemandem auf die füsse.
aber was ist FARC letztendlich, was waren ihre ursprünglichen Motive? hatten diese einen politischen Hintergrund? was tut Farc heute? ich glaube selbsterhaltung um vielleicht später wieder diese ziele verfolgen zu können was sie einst begannen.
hier und auf andern seiten wird gerne mit andern ländern verglichen. ich würde es lieber sehen wenn mit andern Völkern aus vergangenen Zeiten verglichen würde, denn dann kommt man dem springenden Punkt vielleicht näher: Unterordnung. letztendlich ist es nämlich das, was man mit der Farc machen will. unterordnen, keine weiteren Rechte geben, als sich ohne waffen selbst ernähren zu können. so wie es man mit den Indianern tut. dritt und viertklassiger boden. das ist gerade gut genung für die indios. mehr gesteht ihnen die regierung nicht zu. und den paras überlassener boden kriegen sie ja eh NIE wieder zurück. dazu wurde ja justiz und paz gemacht…
warum also sich ergeben wollen. warum nicht mit dem was sie haben versuchen wieder politischen druck ausüben. politische wiederanerkennung anstreben ehe sie sich ergeben. erst eine politische anerkennung und danach vielleicht frieden. denn durch eine politische anerkennung wird ihnen (mehr oder weniger) gewährt, dass sie ihre ursprünglichen ziele wieder verfolgen dürfen. durch eingliederung und unterordnung sind ihnen sonst zukünftig die hände gebunden. und durch eingliederung und unterordnung verlieren sie das was sie sind: eine organisation welche in den bergen agiert und welche (so lange sie sich gut maskieren) auch nicht erkannt werden.
aber heute ist farc in aller auge nur noch das was es heute ist: eine terrorgroppe.
wenn ein stier in eine stierkampfarena kommt ist er in erster linie ein stier und nichts anderes. er wird aber zur bestie wenn ringsherum alle auf ihn einstechen. und das volk jubelt wenn er niedergestreckt ist.
wow, so soll es also mit der farc enden? keine Freiheitskämpfer mehr mit eigenen politischen zielen.
in diese richtung habt ihr nie disskutiert. nur das heute angesehen. irgendwie bedauere ich das.
jaja, ich weiss: was gewinnt die farc, was gewinnen alle. frieden, glück und eierkuchen.
hier bin ich nicht ganz dieser ansicht. ich glaube, dass die farc nur verliert aber alle andern gewinnen. und ich denke, dass ist auch die ansicht der farc selbst!
die antworten dazu geben ja alle: die farc ist NUR eine terroreinheit und als solche zu vernichten wie die 4-beinige bestie in der arena.
Hallo
Lest mal dieses Buch von Raul Zelik mit dem Namen Kolumbien. Hat mich echt zum Nachdenken gebracht. ( Siehe Link sofern er funktioniert )
Mein Kommentar zu FARC- Keine Terrororganisation? folgt noch.
Der Link kam irgenwie nicht mit :o)). Hier nochmal
http://www.books.ch/shop/action/productDetails?aUrl=90007790&artiId=1486833