Lonely Planet Kolumbien

Auf keiner meiner Reisen durfte der “Wälzer” von Lonely Planet bisher fehlen. Beim Vergleich des Buches über Kolumbien mit dem, was ich seit 13 Monaten im Land kennen gelernt habe, erkenne ich allerdings deutliche Mängel. Zudem lädt das Coverbild keineswegs zu einer Reise in dieses lebensfrohe Land ein.

Am Wochenende kam nun auch die schriftliche Bestätigung, einer Vermutung, die viele Reisende und Kolumbieninteressierte schon lange hatten. Der Autor Thomas Kohnstamm gibt in seinem Buch “Kommen Reisejournalisten in die Hölle” zu, das Meiste der Texte vom Sofa aus geschrieben zu haben. Eine Bekannte hatte für ihn den größten Teil recherchiert. Er selber war nur kurz im Land und da er von Lonely Planet so schlecht bezahlt wurde, musste er laut seiner Angaben Drogen verkaufen, um überleben zu können. “Pobrecito” – fällt mir dazu nur ein.

Warum nimmt man so ein Angebot als Autor überhaupt an, wenn man sich auf diese Art zusätzliches Geld verdienen MUSS. Betonung auf “muss”, denn es gibt auf dieser Welt anscheinend keine anderen Möglichekeiten Geld zu verdienen. Oder ist das nur eine reißerische Bemerkung, um die Auflage seines Buches zu steigern?

Ich hoffe, dass als positives Resultat dieser Nachricht die nächste Auflage des Lonely Planet Kolumbien ausführlicher, echter, mit einem anderen Titelbild und mit einem anderen Autoren gestaltet wird!

15 Kommentare zu “Lonely Planet Kolumbien”


  1. 1 olli

    ist schon nicht so ganz ohne, einen reiseführer wie den lp zu “fälschen” (viel mehr ist es ja nicht, wenn man die informationen abschreibt oder sich v anderen erzählen lässt).

    zum einen, weil der lp einer der teuren reiseführer ist (in deutschland 25 euro, in lateinamerika wesentlich teuer), so dass ich auch qualität erwarte. zum anderen, weil ich finde dass grade in kolumbien gute informationen wichtig sind in einem guide. klar macht es mehr spass und es ist abenteuerlicher, ohne reiseführer los zu fahren und schauen wohin es einen treibt, aber da einige ecken in kol nicht die ungefährlichsten sind, will ich schon wissen, wo ich hinfahren kann und wo nicht. und das vertrauen zu einem reiseführer, welcher vom sofa aus geschrieben wurde, ist bei mir nicht das grösste.

    nur in einem stimm ich dir nicht zu, nicole: das titelbild find ich sehr gelungen, es zeigt sehr farbenfroh eine der interessantesten seiten kolumbiens: den menschen.

  2. 2 Catharina

    Welchen Reiseführer kann man für eine Kolumbien(rund)reise hingegen besonders empfehlen???

  3. 3 jo

    Also ich fand den LonleyPlanet den ich vor knapp 10 Jahren in der Hand hatte nicht schlecht! Jetzt bei meinem letzen Besuch habe ich in der Casa de Felipe die Chance noch Mal wahrgenommen und reingeguckt und da ist mir erstmal aufgefallen, dass der Reiseführer sehr viel dünner ist als ich ihn in Erinnerung habe. Kann es sein, dass der Author gewechselt hat?

    Ich habe dne Nah Dran- Kolumbien und bin damit sehr zufrieden. Aber die besten Reiseführer sind und bleiben Freunde vor Ort =)

  4. 4 jo
  5. 5 Don-Pedrinio

    “mein” Reiseführer ist:

    GUIA de RUTAS por COLOMBIA

    das ist nicht mur mein Reiseführer, sondern sogar meine Bibel, ohne die ich keinen Schritt weg aus meiner Wohnstadt Cols mache.

    @Nicole oder Andre: Frage an euch. habt ihr in D ein Reisebüro? ich hab GUIA RUTAS edicion 2008 hier in CH dabei und könnte diese eurem Büro überlassen. (nur Reisebüro, keine private Adresse)

    so könnten Kolumbien Interessierte einmal in einem etwas andern Reiseführer blättern. Nicole und Andre, wenn ihr und euer Büro interessiert sind, dann schreibt mir doch ein Mail, wohin ich es senden soll.

  6. 6 Heiner

    Ich bin wirklich enttäuscht. Bin bis jetzt mehrmals mit dem Lonely Planet in Kolumbien aber auch in anderen Ländern Südamerikas unterwegs gewesen. Zwar hat immer alles ganz gut funktioniert, die meisten Tips bekommt man aber dennoch von Einheimischen oder anderen Travellern. Trotzdem find ich das Beschiss! Und dass für so viel Geld. Aber weiß denn einer von Euch ne echte Alternative? Würde mich echt mal interessieren.

  7. 7 Heiner

    Muss noch was ergänzen: Anscheinend waren die alten LPs besser und es handelt sich jetzt nur um den neuen der so schlecht ist.

    @ Don-Pedrinio: Den GUIA de RUTAS por COLOMBIA bekomm ich wohl nur in Kolumbien? Oder???

    Chao Heiner

  8. 8 Nicole

    Vielen Dank zunächst für Eure Kommentare. Soweit ich weiss, hatte zuvor ein Pole den Lonely Planet Kolumbien geschrieben – zu dieser Zeit hatte er ungefähr 3 Mal soviele Seiten, wie der aktuelle. Nachdem Lonely Planet bekannt gab, die Ausgabe drastisch kürzen zu wollen, sprang der bisherige Autor ab.

    Meine Vermutung ist, dass darauf hin auch nur ein geringes Budget vorhanden war und sich kein Autor fand, der die Arbeit machen wollte. Thomas Kohnstamm hat das Angebot dann angenommen. Warum verstehe ich allerdings nicht, wenn der Arme doch Drogen verkaufen musste, um zu überleben. (Könnte mich immer wieder darüber aufregen!)

    @Olli: Das Kolumbien besonders durch die Menschen hervorsticht, da stimme ich Dir zu. Aber um für ein Land zu werben sollte doch eher die Lebensfrohheit, die Gastfreundschaft, die Offenheit im Vordergrund stehen und das Bild strahlt für mich Angst und Traurigkeit aus.

    @Catharina: Außer dem Lonely Planet ist in Deutschland nur der Nah-Dran Reiseführer zu bekommen und der ist gut.

    @Don Pedrinio: Vielen Dank für das Angebot, ich werde im Berliner Büro einmal nachfragen, ob sie es gebrauchen könnten.

  9. 9 Daniel

    Nun ist die Vermutung bestätigt…. der Traumjob eines Reiseführer-Schreiberlings ist wohl doch nur ein Mythos…. da können wir ja schon froh sein, dass der “arme” Thomas Kohnstamm “nur” Drogen und nicht etwa seinen eigenen Körper verkaufen musste… ;-)

    Dass die Reiseführer aus Kostengründen voneinander abschreiben, wird beim Vergleich verschiedener Schriftstücke relativ schnell offensichtlich. Aber dass der Inhalt so “frei nach Schnauze” erstellt wird, ist schon ein echtes Armutszeugnis, insbesondere für solche renommierten Verlagshäuser, wie der Lonely Planet. Seltsam finde ich, dass der Autor des Kolumbienführers gewechselt hat. Ich hatte mir 2003, genau wie Jo, den Vorgänger von Krzysztof Dydynski besorgt. Dieser war zwar lückenhaft, aber tatsächlich dicker und besser recherchiert als der von Kohnstamm, den ich neulich das erste Mal in der Hand hatte. Verwunderlich, warum diese ausgewechselt wurden…

    Zum GUIA de RUTAS de COLOMBIA: Dieser ist bei weitem nicht so ausführlich, wie man es von einem Lonely Planet gewohnt ist, bietet aber dennoch einen netten Überblick über die Sehenswürdigkeiten des Landes. Für eine kompetente und aktuelle Information über Kolumbien würde ich jedoch das Team von VIVENTURA kontaktieren. Da weiss ich auch eigener Erfahrung, dass es sich um kompetente und wohl informierte Reiseführer handelt.

    @ Olli: Bezüglich der inneren Sicherheit im Lande empfehle ich sich NIE auf einen geschriebenen Reiseführer zu verlassen! Bis dieser recherchiert, der Inhalt zu Papier gebracht, gedruckt und in Umlauf gebracht wird, ziehen nicht nur ein paar Tage ins Land. Zwischenzeitlich kann sich, insbesondere in einem Land wie Kolumbien mit aktiven Guerilla-Splittergruppen, die Situation gravierend verändern! – ERGO besser die aktuelle Presse lesen und immer die Einheimischen vor Ort fragen! Dank der untrüblichen Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft der Menschen im Lande dürfte der Informationsbezug auch nicht weiter kompliziert sein.

    Beste Grüße aus Medellin, Daniel

  10. 10 Eddi

    Also wenn sich einer dermaßen ausfallend über seinen ehemaligen Arbeitgeber äußert, dann ist mein erster Verdacht zunächst: Da will sich einer rächen! Deswegen sollte man diesem zwielichtigen Autor auch nicht alles sofort glauben!

    NIEMAND absolut NIEMAND mit einem US-amerikanischen oder deutschen Pass “MUSS” Drogen verkaufen um zu überleben!!! Alleine diese Aussage ist eine Unverschämtheit, die die Glaubwürdigkeit dieses “Autors” in Frage stellt. Bei den niedrigen Preisen für Drogen in Kolumbien frage ich mich sowieso, wie er davon leben konnte, auch deswegen: unglaubwürdig.

    Sollte der Reiseführer wirklich komplett von der Couch aus geschrieben sein, so muss man zumindest “anerkennen”, dass die Fälschung bisher noch keinem aufgefallen ist. Kleine Unstimmigkeiten kommen in jedem Reiseführer vor, das alleine ist noch kein Beweis.

    Die Reaktion des Verlags ist jedenfalls angemessen: Bisher gab es noch keine Beschwerden über diesen Reiseführer, keinen Kommentar zum Autor.

  11. 11 Alex

    Ich bin halb Kolumbianer und halb Schweizer, und bin in beiden länderen abwechslungsweise aufgewachsen. Ich war im letzten Jahr 5 Monate in Kolumbien unterwegs, und ich muss schon sagen, der Lonely planet ist extrem dürftig wenn ich es nicht miserabel bezeichnen würde. Für die grössten Touristenstädte wie Cartagena ist es seinem Standart entsprechend, aber es gibt so vieles mehr…

    Ein Reisebuch das ich besonders empfehle, auf Deutsch, ist der Reisekompass Kolumbien von Hella Braune und Frank Semper, der ist einfach der Hammer, und es steht auch viel über die ethnische, geografische, sprachliche und kulturelle Vielfalt des Landes

  12. 12 Stefan

    Hallo Nicole und alle anderen,

    wenn du schreibst “Beim Vergleich des Buches über Kolumbien mit dem, was ich seit 13 Monaten im Land kennen gelernt habe, erkenne ich allerdings deutliche Mängel.,möchte ich diesem aus meiner Sichtweise wiedersprechen. Meine positiven Erfahrungen die ich in Kolumbien gemacht habe, und ich bin nicht anhand dieses reiseführers gereist und auch nicht nur einmal, haben sich in diesem jedoch wiedergespiegelt und ich kann bis auf wenige Ausnahmen , für mich persönlich nur sagen das die Hinweise gut waren. Nicht nur ich sondern auch Kolumbianer haben den Lonely Planet als informativ und interessant empfunden. Dazu zähl ich auch die Tatsache das in der Auflage die ich kenne eher unsichere Regionen erst gar nicht aufgeführt werden. Mich würden Beispiele deinerseits interessieren wo du “deutliche Mängel” erkennen konnstest….und damit meine ich keine sich ändernden Faktoren wie z.Bsp. Preise.

    Freue mich auf Feed Back Stefan

  13. 13 Eva

    Naja, schlecht fand ich den LP also auch nicht! Ausserdem behauptet LP, dieser Autor sei nur angestellt worden fürs Verfassen des allgemeinen Teils (Geschichte etc) und dafür muss man ja nun wirklich nicht zwingend vor Ort sein…

    “Pickard said Kohnstamm’s claim about the book on Colombia were “disingenuous” because he was hired to write about the country’s history, not to travel there to review accommodation and restaurants. That work was done by two other authors.” http://edition.cnn.com/2008/TRAVEL/04/14/lonely.planet.ap/index.html

    Trotzdem finde ich auch schade, dass die neue Edition so stark gekürzt wurde…

  14. 14 Thomas

    Also ich habe beide Reiseführer (LP und Reisekompass) in der letzten Version und kann euch den Reisekompaß Kolumbien von Frank Semper nur wärmstens ans Herz legen. Schaut mal rein! Gut recherchiert und sehr, sehr interessant auch als normale Literatur, wenn man sich für das Land interessiert. Buenos dias, Thomas

  15. 15 Lukas

    Hey Leute!

    Bin jetzt schon seit fast einem Jahr “Zivildiener” in einem Barrio von Cartagena namens Pasacaballos. Auf den paar Trips die ich durchs Land gemacht habe, reiste ich immer mit meinem Lonley und dem deutschem Guida von meiner deutschen Kollegin. Ich muss sagen, für mich hat der deutsche auf jeden Fall viel besser abgeschnitten und ich kann ihn weiterempfehlen. Erschienen ist er im Jahr 2006 und nennt sich Kolumbien Reisekompass Nah dran von Hella Braune und Frank Semper. Das einzige was mich wirklich ein wenig störte war die Übersicht die im Lonley besser ist.

    Ich schicke euch allen Saludos aus dem warmen Cartagena

    Lukas

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