Ist der Drogenkampf Teil des Teufelskreises?

Drei Züge charakterisieren das Gesicht der letzten drei Jahren vom Kokaanbau in Kolumbien: Die Zersplitterung, die Verschiebung und die Reduktion einzelner Anbaugebiete.

Kokaanbaugebiete im Jahr 2003. Autoren SIMSI/UNODCDie Zersplitterung, weil immer neue Parzellen mit Koka angebaut werden: Nach Angaben vom Kontrollsystem illegaler Anbau in Kolumbien (SIMSI), fand zwischen 2003 und 2004, 62% des Kokaanbaus in neuen Anteilen statt. Die Verschiebung, weil die Anbauorten in neuen Departamenten (23 der 32 in Kolumbien) findbar sind. Die Reduktion, weil in den letzten Jahren die Parzellen etwa 25% kleiner wurden: Im Jahr 2005 waren sie 1,13 ha während im Jahr 2006 sie nur 0,85 ha gross waren.

Umweltschützer bestätigen die Verschiebung der Anbaufelder u.a. zu Reservaten und Naturparks; auch merken sie wie Bauern noch kleine Kokafelder inmitten ihrer legalen Produkten „als finanzielle Sichherheit“ behalten, aber auch als Strategie gegen die Besprühungmassnahmen.

Besprühung oder manuelle Ausrrottung? Ist nochmal die Drogenpolitik bzw. das Drogenkrieg in Kolumbien in Zweifeln zu setzen? Die verwirrenden Statistiken sowohl vom kolumbianischen Kontrolsystem SIMSI, als auch von der CIA , lassen aber nichts klar. Sie widersprechen sich unter einander.

Obwohl in Kolumbien seit 1985 illegale Anbaufelder besprüht werden (damals nur 2.000 ha), wird erst seit fünf Jahren im Rahmen einer systematischen Politik besprüht, letztes Jahr (2006) waren 172.000 ha. Die Frage ist, warum so viel, wenn seit 2003 behauptet wird in Kolumbien gäbe nur rund 86.000 ha Kokaanbaufelder? Die Mohnfelder sind anscheinend nicht zu gross: heute schätzt man unter 2.000 ha. Was der manuellen Ausrrottung angeht, sie wird besonders in Naturparks oder an der Grenzzone zu Ecuador geübt. Nach SIMSI, waren letztes Jahr 41.360 ha ausgerrottet, ein Rekord im Vergleich zu anderen Jahren.

Aber wie selbst Präsident Uribe Anfang dieses Jahres in Ecuador sagte, die Aufgabe ist gefährlich und wenig effektiv, Bauer und Polizisten werden ermordet, und die Anbaufelder wachsen schneller in diesen Gebieten. Daher ist auch nicht klar ob die Regierung diese Methode als Hauptmassnahme häufiger benutzen würde.

Langsam aus dem Teufelskreis? Bauernfelder, tropische Wälder, Reservaten, Naturparks, Wasserquellen, Tiere und Bewohner dieser Gebieten werden mit dem illegalen Anbau beeinträchtigt bzw. sind inmitten eines Teufelskreises von Gewalt, Ausnutzung, Ausrottung, Besprühung und Armut verwickelt. Ein hoher Preis, der jedoch nach 21 Jahren Besprühung noch nicht klar bewertet ist.

Die Legalisierung vom Kokaanbau ist in Kolumbien ein Tabuthema. Andere Lösungswege werden von Entwicklungshilfe- und Umweltschutzorganisationen unternohmen. Diese Projekte verlangen die freiwillige Ausrrottung von Kokaanbaufeldern und bieten friedlichere Lebensalternativen. Am Beispiel der Umweltorganisation Natura, sie unterstützt Biokaffee Anbauprojekte (jetzt ist Kaffee wieder rentabel) und Ökoturismusprojekte, die international zertifiziert.werden

Es sind langfristige Massnahmen, die eine ständige Kontrolle verlangen und die Mitarbeit der Regierung brauchen, die die Sicherheit und bessere Infrastruktur für die Vermarktung der neuen Produkten erleichtert. Leicht zu sagen, doch die kleine Änderungen sind sichtbar. Ob sie die Dynamik des Teufelskreises zu stoppen verhelfen, das ist die Frage.

3 Kommentare zu “Ist der Drogenkampf Teil des Teufelskreises?”


  1. 1 Josef aus Wien

    Sehr gute Einschätzung der Situation.

  2. 2 Andre

    Wie ist denn deine Einschaetzungen zu den Bespruehungen? Vernichten diese ganze Ernten und fuegen den Nationalparks grossen Schaden zu oder sind die “Nebenwirkungen” geringer als viele behaupten?

  3. 3 Maria Angela

    Andre, richtige Informationen darüber, gibt es nicht. Oder besser gesagt, werden nicht leicht öffentlich. Meiner Meinung nach und das was ich mit Umweltschützer spreche, es ist egal ob viel oder nicht viel in den Naturparks besprüht wird, die Schaden sind immer gross: Besprühungen sind nur eine Phase des Teufelskreises. Wenn in einem Naturpark Koka oder Marihuana angebaut wird, da muss man mit der Ausrottung von Wälder, die Verschmutzung von Wasserquellen, etc. rechnen. Als Beispiel werden immer Naturparks Sierra Nevada de Santa Marta und Macarena genannt. Besonders der erste ist sehr, sehr schwer beeinträchtigt. Dort wird seit 1984 ab und zu besprüht (Marihuanafelder und später Kokafelder), obwohl die damalige staatliche Umweltinstitution öffentlich gegen die Regierung war!! Jetzt wird von Umweltschützer bestätigt, dass der Reservat in Choco für Kokaanbau immer mehr benutzt wird!!!!

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