FARC - Schmutziger Atomkrieg in Kolumbien?

So ähnlich soll die Schlagzeile einer großen deutschen Tageszeitung Anfang März suggeriert haben, erzählte mir ein Besucher aus dem Bayernland.

Diese Schlagzeile nahm so Bezug auf Dokumente, nach denen die FARC für viel Geld schwach angereichertes Uran gekauft haben sollte. Diese Dokumente seien im Computer Raul Reyes gefunden worden. Bei dem Überfall auf das Lager Reyes im ecuadorianischen Grenzgebiet, will das kolumbianische Militär auch zwei Computer Reyes gefunden haben. Zwar werden diese Computer jetzt durch internationale Behörden (z.B. momentan Interpol) untersucht, aber brisante Dokumente verlas der Polizei-Chef schon ohne “Echtheit-Zertifikat” vor laufenden Kameras kurz nach dem Fund.

Eines dieser Dokumente enthielt die besagte Information. Damit war schon einmal die erste “Bombe” gezündet.

Gestern berichteten die Medien, dass 30 KG abgereichertes Uran gefunden wurde. Dieser Fund solle nun die Informationen aus dem Reyes Computer bestätigen. Auch der Name des Händlers entspreche dem aus den Dokumenten des Computers. Da dieses Uran nicht Atombomben fähig ist, widerlegt es erst einmal die ersten Spekulationen über die Absicht der FARC eine Bombe zu bauen. Diese Zweifel waren auch schon Anfang März von kolumbianischen Experten geäußert worden. Sie hatten auch an den Kauf an sich ihre Zweifel, denn sie empfanden den, in den Dokumenten genannten Preis als überteuert (2,5 Millionen USD / 1,6 Millionen EUR pro Kilo).

Trotzdem gingen die ersten Verlautbarungen der Regierung dahin, dass es sich bei dem Fund um das Material handeln könnte, über das in Reyes Computer berichtet wird.

Diesem Widersprach General Freddy Padilla, Chef der kolumbianischen Streitkräfte. Die Armee wisse seit 2005 um die Bemühungen der FARC Uran zu kaufen, aber diese Material sei nicht von der FARC, so die spanische Zeitung El Mundo.

www.elmundo.es/elmundo/2008/03/27/internacional/1206589000.html

So wie das Thema von Anfang an behandelt wurde, wird es sicher mehr zu politisch propagandistischen Zwecken genutzt werden.

Jens hat schon sehr kenntnisreiche Argumente geliefert, warum es sich hier um eine Inszenierung handeln könnte. Ich erlaube mir seinen an anderer Stelle geposteten Kommentar nun anschließend als Kommentar noch einmal zu posten. Was meint ihr, versucht die Regierung das Thema politisch aus zuschlachten? Warum? Um die Dokumente aus dem Reyes Computer zu belegen? Um die Welt glauben zu lassen, die FARC seien Oberschurken, die nicht einmal vor dem Bau einer Atombombe scheuen? Warum widerspricht Freddy Padilla dem Verdacht der Regierung?

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2 Kommentare zu “FARC - Schmutziger Atomkrieg in Kolumbien?”


  1. 1 Miguel

    @Alle: Dieser Kommentar stammt von Jens. Damit wir ihn aber zu diesem sicherlich interessanten Thema direkt haben, erlaube ich mir, ihn an diese Stelle zu kopieren. Danke sehr Jens:

    Hallo liebe Leute,

    ich habe mir erst vor ein paar Minuten das Video zu dem Fund des abgereicherten Urans angeschaut. Zu dem Vorgehen der Jungs im Film fällt mir erstens gar nichts mehr ein, zweitens die Klappe runter und drittens die Kaffeetasse über die Tastatur. Hallo Steffen ;-) Nun ist es zufälligerweise so, dass ich in meiner Eigenschaft als Strahlenschutzbeauftragter UND -verantwortlicher (siehe Definitionen in der deutschen Strahlenschutzverordnung) mich ein “bisschen” im Umgang mit Radioaktivität auskenne. Und das, was die Jungs in diesem Film veranstalten, lässt nur zwei Schlüsse zu:

    A. Sie sind tatsächlich so dilletantisch im Umgang mit einer a priori unbekannten Strahlenquelle (hätt ja was weiss wer sein können) und haben damit eine absolute Fachignoranz an den Tag gelegt. Was ich aber angesichts der allgemein sehr guten Qualität der Ausbildung in Kolumbien nicht glauben möchte. Immerhin haben die Jungs ja mit abgeschirmten Handschuhen und Kontaminationsmonitoren “gearbeitet”, also sollten sie auch Ahnung haben, von dem was sie dort gemacht haben.

    Oder, B. Alle Beteiligten wussten schon VORHER, was genau in den Tüten steckte.

    Warum komme ich zu diesen Schlüssen?

    1. Auch in Kolumbien lernt ein Strahlenschutzbeauftragter das Prinzip: Verändere NIE eine Strahlenquelle, also weder den Strahler selbst, noch sein Behältnis. Wenn ich dann aber höre “oiga hermano, páseme un cuchillo para abrir esta vaina” und sehe wie locker flockig derselbe Heini die Bleiabschirmung der Quelle bearbeitet, dann passt es mir nicht in den Kopf, dass er NICHT wusste, was er vor sich hat. Zumal die Monitore ja schon tickerten.

    2. Ein Kontaminationsmonitor (Geräte mit denen die Strahlung im Film gemessen wird) ermöglicht keine Untersuchung des Energiespektrums des Strahlers. Somit können die Jungs, abgesehen von dem was auf den Quellen draufsteht (depleted Uranium) gar nicht wissen, mit was für einem Strahler sie hantieren. Also, bis ich nicht genau weiss, was ich vor mir habe, ist ein gesundes Maß an Misstrauen gegenüber der Etikettierung des Strahlers u.U. lebenswichtig.

    3. Wenn aber diese Untersuchung vor Ort nicht möglich ist, dann kenne ich, außer der Tatsache dass eine Emmission von Gammastrahlen vorliegt, absolut NICHTS über die Eigenschaften des Strahlers (z.B. Alpha- oder Beta-Strahler). Ich weiss überhaupt nicht, auf welchem Wege eine Kontamination möglich ist (Luft, Haut, Wasser) und damit auch nicht, wie eine solche verhindert wird (also, welche Schutzmassnahmen erforderlich sind). In El Tiempo wird ja auch erwähnt, dass erst Ingeominas bestätigt hat, um was es sich überhaupt gehandelt hat.

    4. Es stand zwar abgereichertes Uran drauf, wer sagt denn, dass auch welches DRIN ist und nicht irgendein Radionuklid was vielleicht doch geeignet ist für dan Bau von sog. schmutzigen Bomben? Da reicht es keinesfalls, dass ich mich bewaffnet mit Handschuhen, Kontaminationsmonitor und Messer an die Arbeit mache.

    5. Durch Veränderung einer Strahlenquelle bzw. des Behältnisses, geht man ja gerade das Risiko ein, Radioaktivität zu verteilen, sich selbst und womöglich eine Region zu kontaminieren.

    6. Wer von Euch würde ohne Wissen um die Risiken (und selbst mit Wissen) eine Strahlenquelle in die Hand nehmen?

    Wenn aber alle die in dem Film erscheinen so scheinbar sorglos damit umgehen, bedeutet das für mich, dass sie schon bevor sie in die Tüte geschaut haben, genau wussten, was drin ist.

    Also bleibt mit nur Punkt B. Das Ganze ist eine riesengroße Farce und eine Riesenschweinerei. Ich stelle gar nicht infrage, von wem das Uran stammt (vielleicht tatsächlich von der FARC), oder zu welchem Zweck es eingesetzt werden sollte, aber die Show die hier abgezogen wurde, ist unter aller Sau.

    Zu dem Thema abgereichertes Uran hatte ich ja einen Kommentar an Gordis adressiert, der ein paar Stunden später verschwunden war - zu dem Zeitpunkt hatte ich das Video noch nicht gesehen.

    Allein schon wenn ich hier sitze und schreibe bleibt mir die Spucke weg.

  2. 2 Miguel

    @alle:

    Ebenso möchte ich Euch das Link zum Video von El Tiempo geben, das André gepostet hat. Also hier André:

    Du sprichst von diesem Video glaube ich?

    http://www.eltiempo.com/multimedia/video/judicial/VIDEO-WEB-PLANTILLA_VIDEOS-4038669.html?id_recurso=4038669&id_articulo=4037974

    Finde ich wirklich sehr interessant deine Ausführungen! Es ist Klasse, dass sich hier so viele Experten aus den verschiendenen Bereichen treffen und wir alle voneinander dazu lernen können. Ich muss ehrlich sagen, dass mir das Video auch wie Szenen aus “Blairwitch Project” vorkommen.

    Ich gehe daher davon aus, dass das Video eine Nachstellung ist. Dabei will ich es für mich erstmal belassen.

    Vielen Dank Jens für deine sehr interessanten Ausführungen!

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