Archiv für die Kategorie 'Kolumbien heute'

Kolumbianisches Militär wegen toter Zivilisten untersucht

Mit sofortiger Wirkung enthob Präsident Alvaro Uribe 27 Offiziere und Unteroffiziere ihrer Ämter. Gegen sie wurde ein Disziplinarverfahren eröffnet, welches aller Voraussicht nach vor der kolumbianischen Justiz enden wird.

Es geht um die so genannten “falsos positivos”, ein “Unwort” für gefälschte Erfolgsmeldungen. Mit diesen gefälschten Erfolgen versuchen Polizei- und Militärpersonal ihre Leistungsfähigkeit zu beweisen und Belobigungen und Beförderungen, in manchen Fällen auch finanzielle Belohnungen zu bekommen. So sind gerade vor einem guten Jahr mehrere Polizisten aufgeflogen, die Bombenanschläge in letzter Minute enttarnten, welche sie selber geplant hatten.
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Weitere Geisel der Farc in Freiheit!

Nach der letzten großen Befreiung von Ingrid Betancourt und 14 weiteren Geiseln im Juli, erreichte uns gestern abend wieder eine tolle Nachricht. Der ehemalige Kongressabgeordnete Oscar Tulio Lizcano konnte, gemeinsam mit dem Guerillero “Isaza” flüchten!

Nach mehr als 8 Jahren in den Händen der Farc, kann Lizcano nun seine Familie wieder in die Arme schließen.

Isaza und Lizcano freundeten sich in der letzten Zeit der Gefangenschaft an. Sie kommen aus dem gleichen Ort und als Lizcano dort politisch tätig, wurde Isaza geholfen ein Haus für seine Familie zu bauen - deshalb ist er Lizcano sehr dankbar. Als die Gesundheit von Lizcano sich zu verschlechtern begann, bereiteten sie ihre Flucht vor. Vor 3 Tagen sagten sie sich “jetzt oder nie” und so liefen sie 3 Tage und 3 Nächte durch den Regenwald des Chocos, bis sie an eine Militärstation kamen und gerettet waren.

Alias Isaza muss nun - zu seiner Sicherheit - außer Landes gebracht werden. Mit seiner Flucht von der Farc kann er das Gesetzt Justicia y Paz in Anspruch nehmen, dass es ihm und seiner Partnerin ermöglichen wird vorübergehend nach Frankreich zu gehen, um dort ein neues Leben anzufangen. Sollte er sich während seiner Zeit bei der Farc einer Straftat schuldig gemacht haben, kann er nach Kolumbien zurück geholt werden.

Ich hoffe sehr, dass sich viele Guerilleros an Isaza ein Beispiel nehmen und es ihm nachmachen werden.

Am 28.11. werden die Menschen weltweit zum wiederholten Male auf die Straße gehen, um ihre Stimme für die Freiheit aller Geiseln zu erheben.

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Menschenrechtskommission der UNO besucht Kolumbien

Auf Einladung der kolumbianischen Regierung wird der Hohe Kommissar für Menschenrechte der UNO am kommenden 10. Dezember Kolumbien besuchen. Dies verkündete Uribe vor der Vollversammlung der UNO in New York.

Uribe befindet sich seit Anfang der Woche in den USA um u.a. für das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Kolumbien zu werben. Insbesondere will er sich die Unterstützung der demokratischen Partei und ihres Kandidaten Barack Obama sichern. Dafür musste er sich gut vorbereiten und so kann er diesmal eine genaue Liste der Erfolge seiner Regierung und der Ziele, die Kolumbien bis 2015 erreichen möchte und zu denen er seine Amtszeit bis 2010 verpflichtet sieht. Zwar konnte Uribe Obama keine Zusage abringen, aber schon die Tatsache, dass der Kandidat der Demokraten ihn im laufenden Wahlkampf empfing und Uribe zusicherte, die Erfolge beim Schutz der Gewerkschafter einer Prüfung zu unterziehen, darf als möglicher Durchbruch um eine Änderung der Meinung bei den Demokraten gelten.
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Wissenschaft und Forschung im kolumbianischen Staatshaushalt

Zurzeit befindet sich ein neuer Gesetzesvorschlag zu Wissenschaft und Forschung in den Mühlen der kolumbianischen Legislative. Der Entwurf sieht vor, die Rolle von Wissenschaft, Forschung und Technologie zu stärken, im einzelnen sollen Geldmittel erhöht und die Entscheidungsgewalt des Kolumbianischen Instituts Francisco José de Caldas für wissenschaftliche und technologische Entwicklung (Colciencias) ausgeweitet werden. Die Entwurfsautoren wünschen sich für Colciencias, einer öffentlichen Einrichtung, die dem nationalen Planungsbüro untersteht und ein wichtiger Akteur auf dem Gebiet Wissenschaft und Forschung ist, die Hochstufung zur leitenden Institution auf nationaler Ebene. Dies würde bedeuten, dass das Institut die Bereiche Wissenschaft, Technologie und Innovation nicht nur politisch leitet, sondern auch seine finanzielle Ressourcen eigenständig verwaltet und fast, wenn nicht vollkommen, unabhängig von anderen Institutionen desselben Sektors agiert. Weiterhin fordert der Gesetzesvorschlag, dass das Budget für Wissenschaft, Technologie und Innovation bis zum Jahr 2010 von 0,37 % auf 1 % des Bruttoinlands- produkts Kolumbiens angehoben wird.

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Millionen Menschen und ein Hund für den Frieden

Auf der ganzen Welt hat Kolumbien heute für Gänsehaut gesorgt - im positiven Sinne. Der 20. Juli ist der Tag der Unabhängigkeit, im Vordergrund stand heute aber eindeutig der Ruf nach Freiheit.
Kolumbien ging einmal wieder auf die Straße. Die Demo gegen die Farc im Februar wurde - bezogen auf die Anzahl der Demonstranten - übertroffen: 1,5 Mio. Menschen in Bogota, 1 Mio. in Medellin, 500.000 in Cali etc. zogen mit Kolumbien-Fahnen durch die Straßen ihres Landes. In 120 weiteren Städten weltweit fanden Konzerte und Märsche statt. Darunter: Melbourne, Tokio, London, Madrid, Washington (Konzert von Jorge Celedon), New York, Miami, Mexico Stadt und und und

In Paris gaben Juanes und Miguel Bosé ein Konzert vor tausenden Kolumbianer, Franzosen … Friedenstauben flogen über die Bühne, als die beiden Sänger Ingrid Betancourt in ihre Mitte nahmen und “Libertad” sangen.

In Leticia gab Carlos Vives ein 2,5 stündiges Konzert, Shakira trat ebenfalls auf und eine Gruppe Indianer dangen die kolumbianische Hymne.

Ich war in Bogota beim Aufruf für den Frieden und die Freiheit dabei und an jeder Ecke konnte man die Liebe und Emotionalität der Kolumbianer spüren:

clar-und-ich

Ein junger Typ mit einem Schild “abrazos gratis” kommt auf mich zugelaufen, und fragt, ob ich eine kostenlose Umarmung möchte. Ja klar!

Am Parque Nacional stehen die Leute für etwas schlange und ich wundere mich, was es sein mag. Bogotas Polizei malt den Kindern und Erwachsenen die kolumbianische Flagge auf die Wange.

Ab Hund, Kind, Oma oder Opa, alle trugen die weissen T-shirts mit Aufschrift “Befreit sie jetzt” oder “Kolumbien bin ich”, Luftballons, Flaggen, Banner ….

Und hier kommen die Millionen und der Hund :-)

demo

Nachfolgend noch ein paar Videos:

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Colombia soy yo

Miguel hatte bereits im Februar zum Ausdruck gebracht, was “Colombia soy yo” für ihn bedeutet. Damals waren mehrere Millionen Menschen auf die Straße gegangen um gegen die FARC und für den Frieden in Kolumbien zu demonstrieren. Nach der Befreiung der 15 Geiseln vor zwei Wochen haben diese an die kolumbianischen Bevölkerung appeliert den Marsch vom 04. Februar zu wiederholen. Daher heißt es am 20. Juli noch einmal “Colombia soy yo”!

Die bekanntesten kolumbianischen Künstler sind auch mit dabei. Juanes (gemeinsam mit Miguel Bosé & Manu Chao) wird an der Seite von Ingrid Betancourt in Paris singen. Shakira gibt sich mit Carlos Vives am Dreiländereck Kolumbien-Brasilien-Peru, in Leticia die Ehre. Es wird allerdings mit deutlich geringer Beteiligung als noch im Februar gerechnet.

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Ingrid wirklich in Freiheit

So wie ich saß während der letzten eineinhalb Stunden wohl ganz Kolumbien vor dem Fernseher um die ersten Bilder Ingrids in Freiheit zu sehen. Bilder, die die fast unglaubliche Nachricht ihrer Befreiung fassbar machen. Kein Märchen: Sie ist frei und ihr Gesundheitszustand ist erstaunlich gut. Mit ihr sind auch die drei amerikanischen Geiseln und 11 Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte befreit worden.

Die Befreiung selbst, in manchen ausländischen Medien fälschlich als Kampfhandlung dargestellt, ist ein wahrer Streich der Streitkräfte gewesen, nach einem Drehbuch das einem James Bond Filmes würdig wäre.
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Ingrid Betancourt frei

Ingrid Betancourt
Unfassbar! Während ich diese Zeilen schreibe, erklärt Kolumbiens Außenminister Santos, dass 15 Geiseln befreit worden seien. Unter ihnen Ingrid Betancourt und die drei amerikanischen Staatsbürger! Sollte das sein? Kann das sein? Zu lange warten wir schon auf die Freiheit der Geiseln. Es fehlen noch viele, aber gerade Ingrid war zur Symbolfigur geworden und viele sahen sie als diejenige, die wegen ihrer politischen Bedeutung als letzte frei kommen würde. Die Möglichkeit, dass über ihren Tod während der Geisel-Haft berichtet werden würde, war uns allen stärker vor Augen, als über ihre Freiheit zu lesen.

Es ist im Augenblick unmöglich, auf die Seiten des El Tiempo oder anderen Medien zu kommen und uns die Meldung, die fast zu schön ist um wahr zu sein, schriftlich bestätigen zu lassen. Viele Fragen kommen auf, vor allem da es sich um eine militärische Aktion zu handeln scheint. Sobald wir mehr wissen, werden wir darüber berichten. Im Moment “nur” dies: Ingrid ist frei!

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Yidis: Quo vadis Uribe ?

Kolumbien erwacht mit einem politischen Kater! Nachdem der Oberste Gerichtshof die Ex-Parlamentarierin Yidis Medina der Mithilfe zur Bestechung und der versuchten Vorteilnahme schuldig befunden hatte, leitete es vorgestern das Urteil an das Verfassungsgericht weiter, als Information und mit der Bitte dem Ergebnis zu verfahren, wie es das Verfassungsgericht für angemessen erachte.

Gestern griff die Regierung den Oberste Gerichtshof an. Der Minister für Soziales beschuldigte das Gericht, falsche Anschuldigungen gegen ihn zu machen. Der Friedenskommissar zeigte das Gericht wegen Verbindungen zu den Paras an. Unter dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs und dem Versuch der Bestechung eröffnete seinerseits der Gerichtshof Untersuchungen gegen dem ehemaligen Innenminister Sabas Pretelt, dem jetzigen Sozialminister Diego Palacio, dem ehemaligen Chef des kolumbianischen Sicherheitsdienstes DAS Noriega, sowie den Generalsekretär des Präsidentenamtes Moreno und seinem Vorgänger, alles enge Vertraute Uribes.
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Amtsschimmel a la Colombia

Sie gehören zum Straßenbild dazu: Die Verkäufer und Bettler an den großen Ampelkreuzungen in Bogota. Es gibt kaum etwas, was man während einer roten Ampelphase nicht kaufen könnte; Autofahrer werden daran erinnert, dass Kolumbien ein Land mit einer riesigen Zahl an “Inlandsflüchtlingen” ist. Während auf Grün gewartet wird, spielt sich ein wahres Panoptikum ab: Junge Artisten bilden menschliche Pyramiden und jonglieren mit Fackeln; eine Mutter trägt ihr Kind zwischen den Autos auf dem Rücken und dem Karton vor ihrer Brust entnimmt der Leser, dass sie und ihre Familie vor dem Bürgerkrieg in die Stadt geflohen sind. “Maní, Maní”, - “Erdnüsse, Erdnüsse” preisen Verkäufer ihre Ware an, gehen von Auto zu Auto, halten Plastik-Schmetterlinge, Schnürsenkel, Raubkopien der neuesten Hollywood-Werke, Englisch-Sprachkurse, Kalender und vieles mehr an die Autoscheiben.

An einer Ampel zu warten ist in Bogota selten langweilig, für den Beobachter spielt sich ein großer Teil der kolumbianischen Gegenwart hier ab.
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